Couvade-Syndrom

Auch Männer werden schwanger

Es ist so eine Art Naturgesetz bei werdenden Eltern: Ist die Frau schwanger, "wächst" auch der Bauch des Mannes. Lesen Sie, warum das eigentlich so ist.

von Susanne Ruprecht
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Paar schwanger Bauch an Bauch
Foto: © panthermedia/ Rolf Georg Brenner

Wenn Männer ins Brüten kommen

Bei Axel waren es immerhin zehn, bei Bernd und Holger satte 15. Von Kilos ist hier die Rede. Von Kilos, die nicht nur die werdende Mutter, sondern auch so mancher werdende Vater während der Schwangerschaft seiner Partnerin zulegt.

In Fachkreisen nennt man dieses und andere männliche Schwangerschaftssymptome Couvade-Syndrom (vom französischen couver = brüten). Typisch sind Müdigkeit, Gefühlsschwankungen, Bauch- und Rückenschmerzen, später Sodbrennen und eben - besonders augenscheinlich - ein deutliches Zunehmen des Leibesumfangs. Die Bremer Diplompsychologin und Geburtsvorbereiterin Ulrike Hauffe stellte bei einer Studie an 150 Männern eine durchschnittliche Gewichtszunahme von vier Kilogramm fest. Eine im britischen Wissenschaftsmagazin „New Scientist“ veröffentlichte Studie berichtet von deutlichen Hormonschwankungen bei werdenden Vätern, die denen ihrer Partnerinnen im Verlauf der Schwangerschaft bis zum Hormonabfall nach der Geburt auffallend ähneln. Besonders ausgeprägt waren die Hormonschwankungen bei den Männern, die auch unter Gewichtszunahme litten und sich als besonders fürsorgliche Väter erwiesen. Das Forscherteam vermutet, dass sowohl das veränderte Verhalten der Schwangeren als auch von ihnen produzierte Geruchsstoffe – sogenannte Pheromone – den Hormonspiegel der Männer beeinflussen.

Solidarität oder Ausdruck eines Bedürfnisses?

Grundsätzlich gibt es viele verschiedene Vermutungen zur Begründung der männlichen Schwangerschaftssymptome. Die naheliegenste und einfachste Erklärung bietet wohl der veränderte Lebensrhythmus des schwangeren Paares. Im gleichen Maße wie sich der Nahrungsbedarf der Frau steigert, reduziert sich ihre Bewegungsmöglichkeit. Anstatt gemeinsam Badminton oder Tennis zu spielen, Roller Blades oder Fahrrad zu fahren, verbringt das schwangere Paar nun immer mehr Zeit auf der heimatlichen Couch und macht es sich mit einigen Leckereien gemütlich. Auch beim mitternächtlichen „Eisbein-mit-Sauerkraut-Snack“ gibt sich so mancher werdende Vater gerne solidarisch. Gemeinsame Aktionen beschränken sich früher oder später zunehmend darauf ins Kino oder Restaurant zu gehen - auf Sitzen und Essen. Eine einfache Erklärung für den zunehmenden Leibesumfang des schwangeren Mannes ist also die schlichte Anpassung an die veränderten Bedürfnisse und Möglichkeiten seiner Partnerin: Indem er wie sie mehr isst und sich weniger bewegt nimmt er logischerweise ebenfalls entsprechend zu.

Anteilnahme rund um den Bauch

Auf einer tieferen Ebene kann man das Mitwachsen des männlichen Bauches aber auch als physischen Ausdruck eines emotionalen Bedürfnisses verstehen. In diesem Sinne wäre er Ausdruck für den Wunsch nach Nähe und Anteilnahme, für die Suche nach einem gefühlsmäßigem Zugang zu diesem für Nicht-Schwangere doch recht abstrakten Wissen um das Entstehen und Wachsen eines neuen Lebens. Vielleicht ist der größer werdende Bauch auch Ausdruck des Bedürfnisses, dem Baby ein körperliches Nest zu bieten, sowohl kuschelig als auch imposanter in der Statur zu sein, um so emotionalen Schutz und Geborgenheit zu geben.

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