Erste Bilder vom Fötus

Faszinierende Einblicke: Der Baby-Ultraschall

Schwangerschaften ohne Ultraschall-Untersuchungen sind heute kaum mehr vorstellbar. In unserem Artikel geht es um die faszinierenden Einblicke in den Baby-Bauch, die diese Technik ermöglicht, um 3-D-Ultraschall und Ultraschall-Kunst.

Autor: Maja Roedenbeck
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Kleine schwarze Blase - mein Baby!

Ultraschall Babybauch
Foto: © panthermedia.net/ Philip Lange

„Ich? Schwanger?“ In den ersten Tagen nach dem positiven Test war das für mich noch ein reichlich abstrakter Gedanke. Gut, ich war seltsam geruchsempfindlich und dauermüde, aber die Erde bebte nun nicht gerade, und das wäre doch das Mindeste gewesen, wenn da in mir wirklich gerade neues Leben entstand! So richtig glauben tat ich’s erst, als ich es schwarz auf weiß hatte: auf dem Ultraschallbild. Darauf war in der siebten Woche zwar nur eine schwarze Blase zu erkennen, in der je zwei Markierungskreuze und –pfeile, gesetzt von meiner Gynäkologin, ein weißes Fleckchen verdeckten und ihm 3,6mm Schädelsteißlänge bescheinigten. Aber dieses Fleckenchen… ja doch, das war mein Baby. Wahnsinn! Was für ein Glück, dachte ich, dass ich heute lebe, in einer Zeit, in der es möglich ist, einer Schwangeren in den Bauch zu schauen.

Ultraschallbild Sohn Roedenbeck
Ultrschall 2006: Bild eines Sohnes der Autorin in der 12. Woche
Foto: © M. Roedenbeck

Ultraschallbild Roedenbeck von 1976
Ultraschall in den Siebzigern: Querschnitt durch den Kopf in der 31. Woche
Foto: © M. Roedenbeck

Dreißig Jahre zuvor: Fast nichts zu erkennen

Mitte der siebziger Jahre, als ich in meiner Mutter wuchs, war die Technik noch längst nicht so weit. Das einzige Ultraschallbild, das von mir existiert, ist aus der 31. SSW und beinahe komplett schwarz. Bis auf eine immer wieder unterbrochene dicke weiße Linie, die einen Kreis andeutet – den Querschnitt durch meinen Kopf. „Damals haben wir noch nicht so ein großes Gewese darum gemacht“, erzählt meine Mutter. „Ultraschall war eben ein Untersuchungstermin in der Schwangerschaft, über den wir nichts Näheres wussten und den wir über uns ergehen ließen. Der Arzt erklärte uns Frauen auch nichts zu dem, was er auf seinem kleinen Monitor sah, maß einfach nur den Schädeldurchmesser und verglich ihn mit seiner Tabelle. Wir waren froh, wenn alles okay war und wir wieder gehen durften. Das Ultraschallbild war damals noch nicht deutlich genug, als dass man darauf das Geschlecht des Ungeborenen hätte erkennen können, und wir steckten es nicht etwa in die Geldbörse, um es stolz überall herumzuzeigen, sondern in den Ordner mit den wichtigen Unterlagen.“ So ändern sich die Zeiten ...

Wie Ultraschall funktioniert

Heute können viele Schwangere die nächste Ultraschalluntersuchung kaum erwarten. Sie möchten mit eigenen Augen sehen, dass es ihrem Baby gut geht. Und das funktioniert so: Durch die Ultraschallsonde, mit der der Arzt auf dem Bauch herumfährt, schickt er unhörbare Schallwellen in den Körper. Wenn sie auf organisches Gewebe treffen – das kann ein menschliches Herz sein oder eben ein Fötus – werden sie reflektiert, wie Licht von einem Spiegel reflektiert wird. Und aus diesen zurückgeworfenen „Echo“-Schallwellen errechnet der Computer ein Bild. Manche Gewebe reflektieren die Schallwellen stark und erscheinen auf dem Ultraschallbild weiß, zum Beispiel Knochen. Flüssigkeitsansammlungen wie Blut oder Fruchtwasser reflektieren die Schallwellen nicht so stark und erscheinen schwarz.

Von der Kriegstechnik zur Medizin

Ultraschallbild von 1974
Foto: © M. Roedenbeck

Schon 1916, während des ersten Weltkriegs, wurde diese Technik angewandt, jedoch ging es ihrem Erfinder, dem französischen Physiker Paul Langevin, noch darum, feindliche U-Boote im Meer zu orten. Erst 1938 hatte der Neurologe Karl Theo Dussik aus Wien die Idee, Ultraschallwellen in der Medizin zu nutzen, und lieferte Bilder vom menschlichen Gehirn. Von nun an versuchten zahlreiche Wissenschaftler, die Technik zu perfektionieren. Sie setzten die Patienten in eine mit Wasser gefüllte Viehtränke und später in einen mit Wasser gefüllten Bombenauswurfschacht, während eine komplizierte Ultraschallapparatur an ihnen vorbeifuhr oder um sie herum kreiste. Und warum ins Wasser? Weil die Schallwellen darin besonders stark reflektiert werden und bessere Bilder aus dem Innern des Patienten zustande kommen. Erst im Jahr 1957 erfand der Gynäkologe Ian Donald aus Glasgow das stark wasserhaltige Ultraschall-Koppel-Gel, das heute noch auf den Bauch der Schwangeren aufgetragen wird. So bleibt es uns zum Glück erspart, bei jeder Ultraschalluntersuchung einen Bikini mitzubringen und mit Kugelbauch in einen Wassertank zu klettern.

Schwangerschaft und Ultraschall: Heute ein starkes Duo

Modernes 3D Ultraschallbild DEGU
Foto: © DEGUM

Noch 1974 hieß es (Bild oben rechts): „Mit dem momentanen Stand der Technik ist Ultraschall mehr eine Kunst als eine Wissenschaft.“ Doch schon drei Jahre später gingen die ersten Ultraschallgeräte in Serie auf den Markt und Anfang der 80er Jahre erlebte die Untersuchungsmethode den großen Durchbruch. Heute gehören Ultraschall und Schwangerschaft zusammen wie Hänsel und Gretel. Durch die immer bessere Rechenleistung der Computer können immer deutlichere und detailliertere Bilder erstellt werden. Bei der Feindiagnostik entstehen 3D-Bilder des Ungeborenen (Bild unten links), die der Arzt nach Belieben drehen und wenden und noch sorgfältig untersuchen kann, wenn die Patientin längst nach Hause gegangen ist. Und es gibt 4D-Bilder, also Videosequenzen des Ungeborenen, die der Computer aus 35 Einzelbildern pro Sekunde zusammensetzt. Wie werden wohl Ultraschallbilder in 30 Jahren aussehen, wenn in unseren Töchtern und Schwiegertöchtern unsere Enkel heranwachsen?

Ultraschall: noch nicht unfehlbar

Bei all dem, was Ultraschall heute kann, gerät man als Laie leicht in den Glauben, er könne einfach alles. Und ist dann total überrascht zu hören, dass der Arzt sich auch nach mehreren Untersuchungen nicht auf ein Geschlecht festlegen mag, obwohl die beste Freundin doch schon in der 16. SSW wusste, was es wird. lenchen25 erzählt im urbia-Forum: „In meiner ersten Schwangerschaft wurde ich aus medizinischen Gründen sehr oft geschallt. Alle Ärzte haben ein Mädel gesehen und beim Kaiserschnitt kam die große Überraschung: ‚Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Sohn!’ Mein Mann wäre fast kollabiert!“ Es kommt tatsächlich häufig vor, dass das Ungeborene ungünstig liegt und das Geschlecht verborgen bleibt. Gerade bei einer Zwillingsschwangerschaft haben die Kinder schon früh kaum noch Platz zum Herumkugeln und halten ihren Unterleib womöglich dauerhaft versteckt. Grundsätzlich sind Jungs leichter zu erkennen als Mädchen, denn wenn man ihr Geschlechtsteil erstmal im Bild hat, ist es oft selbst für Laien nicht mehr wegzudiskutieren. Ein vermeintliches Mädchen kann jedoch immer noch etwas verbergen. Zudem hängt auch viel von der Erfahrung des Arztes ab. Wer den ganzen Tag Feindiagnostik am Farbbildschirm macht und dazu die beste Technik, die heute auf dem Markt ist, zur Verfügung stehen hat, sieht mehr als die Frauenärztin um die Ecke mit ihrem kleinen, vielleicht schon älteren schwarz-weiß-Monitor.

Wer sich für die technische Entwicklung und die Diagnosevorteile des Ultraschalls interessiert, kann im Ultraschallmuseum, das im Deutschen Röntgenmuseum in Lennep/Remscheid bei Wuppertal untergebracht ist, rund 100 Ausstellungsstücke ansehen. Darunter befinden sich auch die ersten medizinischen Ultraschallgeräte, die vor etwa 50 Jahren zum Einsatz kamen. Sie wurden vom Museumsverein der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) zusammengesucht, aufgekauft und wieder funktionstüchtig gemacht.

Ultraschallkunst

www ultraschall leinwand de
Foto: © www.ultraschall-leinwand.de

Eine andere Möglichkeit, sich mit dieser faszinierenden Technik auseinanderzusetzen, ist die so genannte „Ultraschallkunst“. Es gibt hierzulande verschiedene Anbieter, die das Ultraschallbild eines Ungeborenen in Ausstellungsstücke für die Wohnung oder das Büro verwandeln. Bei www.ultraschall-leinwand.de (Bild oben rechts) kann man es in jeder erdenklichen Farbkombination auf ein Poster oder eine Leinwand drucken lassen (ab 29 Euro für ein DIN A4-Poster bis 149 Euro für eine 120x120cm-Leinwand). Ein ähnliches Angebot bietet www.ultraschall-babys.de. Bei www.ultraschallkunst.de wird das Ultraschallbild aufwändig per Hand und Pinsel auf eine Leinwand gemalt (Kosten: bis zu 369 Euro für das Großformat 120x140cm) oder ab 12 Euro auf eine Tasse, ein Mousepad oder ein T-Shirt gedruckt. 


Auch das gibts noch: Schwangerschaft ohne Ultraschall

Doch während manche werdenden Eltern völlig fasziniert vor dem in ein Kunstwerk verwandelten Ultraschallbild ihres ungeborenen Kindes stehen, gibt es andere Eltern, die gar keinen Ultraschall machen lassen wollen oder einfach nur nicht auf den Monitor schauen, wenn der Arzt untersucht. Manche möchten das Geschlecht des Kindes nicht wissen, andere interessiert es vor der Geburt nicht, ob das Ungeborene eventuell missgebildet ist, weil sie sicher sind: „Wir lieben dieses Kind, ob krank oder gesund!“ Einige Eltern finden die Bilder vom Ungeborenen schlicht gruselig – tatsächlich zeigen gerade die 3D-Aufnahmen in der mittleren Schwangerschaft eher das Gesicht eines greisen Gnoms als ein schnuckeliges Baby. Andere haben wiederum Angst vor unerkannten Nebenwirkungen der Untersuchungsmethode – immerhin wird Ultraschall in der Pränataldiagnostik erst seit etwa dreißig Jahren flächendeckend angewandt und bei den Röntgenstrahlen hat es ebenso lange gedauert, bis ihre Schädlichkeit nachgewiesen war. Außerdem ist bewiesen, dass sich das beschallte Gewebe bei längeren Ultraschalluntersuchungen erwärmt, zwar nur minimal, aber wer weiß schon, wie sich das für’s Baby anfühlt. Oder ob es die für uns unhörbaren Schallwellen nicht doch als Lärmbelästigung wahrnimmt. Nachdenklich macht auch die Tatsache, dass es Ultraschallreinigungsgeräte gibt, mit denen Juweliere oder Autohersteller per platzenden Druckbläschen Schmutz von Uhren und Lacken pusten. Die beim Baby-Ultraschall eingesetzten Schallwellen sind zwar wesentlich weniger stark, aber einen minimalen Druck aufs Gewebe erzeugen sie dennoch.

Eine informierte Entscheidung

Manchen Eltern geht es weniger um mögliche Risiken, sondern vor allem um die moralische Frage: „Dürfen wir das Ungeborene im Mutterleib stören?“ In all diesen Fällen muss sorgfältig zwischen Bedenken und Nutzen der Untersuchung abgewogen werden. Immerhin gibt es Schwangerschaften, in denen Ultraschallbilder Leben retten, und deshalb sind im Mutterpass mindestens drei Termine vorgeschrieben. Im Forum Sexualaufklärung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erklärt Dr. med. Klaus König vom Berufsverband der Frauenärzte: „Manche Frauen wollen keinen Ultraschall, das ist in Ordnung, aber man muss sie über die Konsequenzen aufklären, ohne ihnen einen Vorwurf zu machen. Die Frau muss eine informierte Entscheidung treffen. Hebammen sagen oft, Kinder werden auch ohne Ultraschall groß, das stimmt natürlich. Nur kann ich in Einzelfällen Veränderungen mit Krankheitswert entdecken und auch therapieren, Dinge, die mir ohne Ultraschall entgehen. Das ist dann tragisch. Falls zum Beispiel zu wenig oder kein Fruchtwasser vorhanden ist, kann man Flüssigkeit auffüllen. Hier hat mir der Ultraschall die Veränderungen gezeigt. Mangelndes Wachstum ist auch eine Ultraschalldiagnostik. Bei Lebensfähigkeit und zunehmendem fehlendem Wachstum wegen Mangelernährung kann ich rechtzeitig die Entbindung anstreben, bevor das Kind im Mutterleib verstirbt.“

Baby-Fernsehen: In den USA gang und gäbe

Experten sind sich hierzulande jedenfalls einig, dass es moralisch bedenklich ist, unnötige Ultraschalluntersuchungen zu machen, nur um den werdenden Eltern „Babyfernsehen“ zu bieten und damit Geld zu verdienen. Die DEGUM empfiehlt den Gynäkologen ausdrücklich, solchen Wünschen der Schwangeren nicht nachzugeben. Frauen berichten häufig von der Erfahrung, dass ältere Ärzte, die zu Beginn ihrer Tätigkeit vielleicht noch völlig ohne Ultraschall auskommen mussten, das Gerät seltener einsetzen und sich auf andere Untersuchungsmethoden verlassen, während jüngere Ärzte oft auch ungefragt mehr als die drei vorgeschriebenen Ultraschalluntersuchungen machen. In Amerika ist es längst Alltag, dass speziell in großen Einkaufszentren so genannte Sonographer (also Personen, die Ultraschalluntersuchungen anbieten, ohne ausgebildete Ärzte zu sein und medizinische Diagnosen erstellen zu können) Bilder von Ungeborenen kommerziell vermarkten. Ihre Praxen haben ausdrucksvolle Namen wie „Peek-a-Boo“ („Kuckuck, hier bin ich!“) oder „Womb with a view“ („Gebärmutter mit Ausblick“, angelehnt an den Tony-Carey-Song „Room with a view“). Das klingt für die Schwangeren natürlich sehr verlockend. Aber auch hierzulande gibt es Eltern, die für zusätzliche Ultraschallbilder gerne in die Tasche greifen und weder Angst vor Risiken, noch moralische Bedenken haben. So berichtet canadia.und.baby im urbia-Forum „Wir zahlen einmalig 90 Euro und bekommen alle vier Wochen ein Bildchen. Wenn’s wirklich schädlich wäre, würde es nicht angeboten werden!“ und zaubermaus666 sagt ebendort: „Ich muss für jeden Wunsch-Ultraschall 30 Euro zahlen. Aber ich möchte mein Würmchen ja auch bald wieder sehen können! Das ist mir auch die 30 Euro wert.“

Offensichtlich entscheidet jede Schwangere selbst, wie weit sie gehen möchte. Sicher hilft es ungemein, auf dem Monitor zu sehen wie das Herz des Babys schlagt, wie es sich an der Gebärmutterwand abstößt, am Daumen nuckelt oder nach der Nabelschnur greift, um schon vor der Geburt eine Bindung zum Kind aufzubauen. Andererseits stellt eine Ultraschalluntersuchung definitiv eine Störung für das Ungeborene dar. Und als werdende Mutter kann man gar nicht früh genug lernen, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse (nach einem zusätzlichen, medizinisch nicht notwendigen Blick auf das Baby) hinter die Bedürfnisse des Kindes (nach ungestörter Existenz im Mutterleib) zurückzustellen.

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