Fehlgeburt

Was ist eine Fehlgeburt?

Für ein Paar, das ein Kind erwartet, gibt es kaum etwas Schlimmeres, als eine Fehlgeburt verkraften zu müssen. Der Schock über den Verlust des Babys, auf das man sich so gefreut hat, sitzt tief und das traumatische Erlebnis hinterlässt nicht selten eine emotionale Narbe, die nur langsam verblasst.

Frau traurig auf Bett
Foto: © iStockphoto.com/ aldomurillo
Als Fehlgeburt oder Abort wird die frühzeitige Beendigung einer Schwangerschaft bezeichnet, die in den ersten 24 Schwangerschaftswochen eintritt, oder aber ein totgeborenes Kind mit einem Geburtsgewicht unter 500 Gramm. Kinder, die nach der 24. Schwangerschaftswoche lebend geboren werden, beziehungsweise mit einem höheren Gewicht als 500 Gramm zur Welt kommen, gelten als Frühgeburten. Totgeborene Kinder, die über 500 Gramm wiegen, werden als  Totgeburt bezeichnet. Im Falle einer Fehlgeburt wächst der Embryo oder Fötus in der Gebärmutter nicht mehr weiter und stirbt ab.

Es ist nicht einfach, genau zu bestimmen, wie viele Frauen eine Fehlgeburt bewältigen müssen, denn in einigen Fällen macht sie sich lediglich dadurch bemerkbar, dass die Regelblutung sich verzögert oder stärker als gewohnt eintritt. Man geht jedoch davon aus, dass ungefähr zehn bis zwanzig Prozent aller Schwangerschaften in einer Fehlgeburt enden. Dabei kommt es bei lediglich einer von hundert Schwangerschaften nach der 13. Schwangerschaftswoche zum Abort, in der Mehrheit aller Fälle tritt er vorher ein. Frauen, die bereits eine Fehlgeburt erlitten haben, stehen unter einem höheren Risiko, dasselbe Schicksal noch einmal zu erleiden – bei ein bis zwei Prozent solcher Frauen kommt es erneut zu einem vorzeitigen Ende der Schwangerschaft. Nach drei vorangegangenen Aborten kann das Wiederholungsrisiko auf bis zu 45 Prozent ansteigen. Was die häufigsten Ursachen für eine Fehlgeburt sind, welche Anzeichen es dafür gibt und wie betroffene Frauen mit diesem Schicksalsschlag umgehen – urbia klärt auf.

Warum kommt es zu einer Fehlgeburt?

Störungen im Erbgut der kindlichen Anlage sind die wohl häufigste Ursache für eine Fehlgeburt, etwa 50 bis 70 Prozent der Aborte sind darauf zurückzuführen. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Faktoren, die das Fehlgeburtsrisiko erhöhen können:

  • Anomalien der Gebärmutter: Laut einer Studie der University of Washington besteht das größte Fehlgeburtsrisiko, wenn die Gebärmutterhöhle durch eine Muskel- oder Faserwand geteilt ist. Auch steigt die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt, wenn die Gebärmutter durch einen Tumor verändert wurde und die befruchtete Eizelle sich unter Umständen nicht richtig in die Schleimhaut einnisten kann. Mögliche Ursachen können auch im Gebärmutterhals liegen, zum Beispiel wenn dieser durch Erreger infiziert ist oder seine Muskulatur zu schwach ist, um die kindliche Anlage zu halten.
  • Hormonelle Störungen: Auch Probleme im Hormonhaushalt, wie zum Beispiel eine Gelbkörperschwäche, eine  Schilddrüsenüberproduktion oder die Erkrankung an Diabetes können das Fehlgeburtsrisiko steigern.
  • Alter: Die Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt steigt bereits ab einem Alter von 30 Jahren.
  • Lebensstil: Der Konsum von Alkohol oder Zigaretten oder übermäßiger Kaffeegenuss erhöhen das Risiko für einen Abort erheblich. Auch Stress, Über- oder Untergewicht, körperliche Überanstrengung, Mangelernährung oder die Einnahme von Medikamenten, die für Schwangere nicht zulässig sind, begünstigen das Fehlgeburtsrisiko.
  • Väterliche Ursachen: Veränderungen der Spermien oder Störungen des väterlichen Erbmaterials können unter Umständen einen Abort begünstigen.
  • Thromboseneigung:Bei Frauen, die aus immunologischen oder genetischen Gründen eine sogenannte  Thrombophilie aufweisen, also zu Blutgerinnungsstörungen neigen, treten Fehlgeburten statistisch häufiger auf.

Auch andere Faktoren wie Infektionen oder Operationen während der Schwangerschaft können das Fehlgeburtsrisiko erhöhen. Um über den Verlauf der Schwangerschaft informiert zu sein und Sicherheit über die Gesundheit des Babys zu haben, ist die regelmäßige Untersuchung beim Gynäkologen daher unverzichtbar.

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Welche Anzeichen gibt es für eine Fehlgeburt?

Krampfartige, periodenähnliche Schmerzen und starke Blutungen in der Schwangerschaft, die eventuell Gewebeklümpchen enthalten, sind die deutlichsten Anzeichen für eine Fehlgeburt. Die Symptome ähneln sehr einer einfachen Menstruation und nicht wenige Frauen halten einen Abort, da zuvor noch keine Schwangerschaft festgestellt wurde, fälschlicherweise für eine verspätete Periode. Besteht eine Schwangerschaft, sollte im Falle von Schmierblutungen umgehend ein Gynäkologe aufgesucht werden. Schmerzen und Blutungen sind vor allem im zweiten oder dritten Schwangerschaftsmonat Anzeichen für eine mögliche Fehlgeburt. Bei einer Sonderform der Fehlgeburt, der sogenannten missed abortion oder auch verhaltenen Fehlgeburt gibt es meist keine Beschwerden in Form von Blutungen oder Schmerzen. In diesem Fall, der oft zufällig bei den Vorsorgeuntersuchungen festgestellt wird, ist der Zervixkanal zwar noch geschlossen, jedoch wächst die Gebärmutter nicht mehr weiter und es sind keine Herztöne mehr zu hören. Dass etwas nicht stimmt, bemerken Frauen zum Beispiel dann, wenn die üblichen Schwangerschaftsanzeichen wie Brustspannen oder Übelkeit nachlassen oder ganz verschwinden.

Was passiert nach der Diagnose?

Nicht immer führt eine drohende Fehlgeburt zu einem tatsächlichen Abort. Im Fall des abortus imminens machen leichte Vaginalblutungen auf eine Gefahr aufmerksam. Durch konsequente Ruhe und die richtigen Medikamente kann die Schwangerschaft jedoch in vielen Fällen normal fortgeführt werden. Hat der Arzt hingegen zweifellos eine Fehlgeburt festgestellt, wird er in der Regel ein wehenförderndes Medikament verschreiben, das der Gebärmutter dabei hilft, eventuelle Reste der Fruchtanlage abzustoßen. Danach führt er in einem ambulanten Eingriff eine Ausschabung der Gebärmutterinnenwand, die sogenannte instrumentelle Kürettage, durch, um etwaiges Restgewebe zu entfernen. Die Ausschabung ist erforderlich, wenn durch Restgewebe der Fruchtanlage in der Gebärmutter eine lebensgefährliche Blutvergiftung droht oder im Falle der verhaltenen Fehlgeburt der Embryo zwar abgestorben ist, der Abort aber noch nicht stattgefunden hat. Fällt die Konzentration des Hormons bis zur achten Schwangerschaftswoche kontinuierlich von selbst ab, kann auf eine Ausschabung verzichtet werden.

Wie geht es nach einer Fehlgeburt weiter?

Eine Fehlgeburt kann  traumatisch für die Betroffenen sein und große Trauer auslösen.Viele Frauen fühlen sich sehr verletzlich, ziehen sich zurück, können sich nicht konzentrieren und schlafen schlecht. Oft dauert es Wochen oder sogar Monate, bis wieder ein normaler Alltag möglich ist. Bis dahin ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen, um über das Erlebte hinwegzukommen. Obwohl beide Eltern zu gleichen Teilen betroffen sind, zeigen Männer im Falle einer Fehlgeburt ihre Trauer oft anders als Frauen. Während Letztere ihren Gefühlen Ausdruck verleihen, reden und weinen, machen Männer ihre Emotionen häufig „mit sich selbst aus“. Beide Partner sollten sich die Freiheit lassen, auf ihre eigene Weise das Erlebte zu verarbeiten. Viele Frauen haben die Erfahrung gemacht, in dieser schweren Zeit  Hilfe von Hebammen zu finden. Auch Selbsthilfegruppen oder verschiedene Netzwerke im Internet bieten bei einer Fehlgeburt ein Forum, um Trauer, Wut, Enttäuschung und andere negative Gefühle aufzufangen.

Hat man eine oder sogar mehrere Fehlgeburten erlebt, ist es wichtig, bestimmte Vorkehrungen zu treffen, bevor man erneut plant, schwanger zu werden. Um bei so genanntem „habituellen Abort“ (wiederholten Fehlgeburten) bestehende oder behandelbare Ursachen festzustellen und gegebenenfalls auszuschließen, sollte eine ausführliche Diagnostik erfolgen. Aus medizinischer Sicht wird zu einer Pause von mindestens drei Monaten bis einer erneuten Schwangerschaft geraten. Bis dahin hat sich die Gebärmutter wieder erholt und es besteht die Hoffnung auf eine normale, diesmal erfolgreiche Schwangerschaft. So traumatisch eine Fehlgeburt auch ist, Frauen sollten nicht den Mut verlieren. Selbst nach drei Aborten werden über 50 Prozent der Betroffenen erfolgreich und ohne spezielle Therapie schwanger.

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