Ausschabung: Wann ist sie nötig?

Fehlgeburt: Warum eine Ausschabung?

Fehlgeburt – die Diagnose ist für jede Frau ein Schock. Denn ein Kind zu verlieren, ist immer schlimm. Oft raten Frauenärzte danach zu einer Ausschabung, doch die ist nicht immer medizinisch nötig. Was Frauen über die körperlichen und seelischen Folgen bei der Entscheidung für oder gegen eine Ausschabung wissen sollten.

Autor: Heike Byn
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Ausschabung - Erst beraten, dann entscheiden

Frau Krankenhausbett traurig
Foto: © iStockphoto.com/ pidjoe

Melanie B. traf die Nachricht aus heiterem Himmel. Nach einem positiven Schwangerschaftstest ging sie frohen Mutes zur Kontrolluntersuchung bei ihrem Frauenarzt. Dann der Schock: im Ultraschall war zwar die Fruchthöhle zu sehen, doch darin nur ein verkümmerter Embryo ohne Herzschlag zu erkennen. Im anschließenden Beratungsgespräch empfahl der Arzt Melanie, sich in Ruhe zwischen zwei Möglichkeiten zu entscheiden. Da die junge Frau erst in der sechsten Woche schwanger war, und es bei frühen Schwangerschaften sehr oft vorkommt, dass die Frucht von alleine mit einer starken Blutung ausgestoßen wird, könne sie einfach abwarten. Mediziner nennen das eine „komplette Fehlgeburt“. Alternativ könne sie sich aber auch für eine Ausschabung entscheiden, bei der Mutterkuchen und Fruchthülle aus der Gebärmutter entfernt werden. „Ich fand allein schon das Wort Ausschabung grässlich. Die Vorstellung, dass ein Arzt mir mein Baby dabei regelrecht herauskratzt, das wollte ich auf gar keinen Fall“, erinnert sich die junge Frau. Gemeinsam mit ihrem Freund und ihrer Zwillingsschwester überlegte sie tagelang hin und her und entschloss sich schließlich für das Abwarten. „Ich habe die Zeit zwischen Diagnose und der dann fünf Wochen später einsetzenden Blutung gebraucht, um mich in Ruhe von meinem Kind zu verabschieden. Das war zwar hart, doch ich wollte mich der Trauer stellen. Nach einer Ausschabung wäre ich gleich wieder zum Alltag übergegangen, das fühlte sich für mich nicht richtig an“, erzählt Melanie B. Nach der Blutung hat ihr Frauenarzt dann den Wert des Schwangerschaftshormons hCG kontrolliert. „Damit gehen Arzt und Patientin sicher, dass keine Reste der Frucht oder Fruchthülle in der Gebärmutter verblieben sind“, erklärt die Kölner Frauenärztin Margit von Scherenberg. Sinkt der hCG-Wert auch nach einer Blutung nicht deutlich ab, muss doch noch eine Ausschabung vorgenommen werden.

Manchmal ist eine Ausschabung unvermeidlich

Trotz guter Prognose für eine „natürliche Fehlgeburt“ entscheiden sich andere Frauen jedoch bewusst für eine Ausschabung. Sie können es nicht ertragen, wochenlang auf die Blutung zu warten und ziehen stattdessen einen terminlich festgelegten Schlussstrich unter das traurige Kapitel einer erfolglosen Schwangerschaft. Es gibt aber auch Fälle, in denen eine Ausschabung aus medizinischen Gründen ratsam ist. So bleibt auch nach einer Blutung bei Frauen, die bereits in der achten bis zwölften Schwangerschaftswoche waren, häufig ein Rest des Mutterkuchens in der Gebärmutter zurück und macht damit eine Ausschabung nötig.

„Außerdem ist immer dann Vorsicht geboten, wenn Frauen über starke, mehr als eine Woche lang anhaltende und sehr schmerzhafte Blutungen klagen. In so einem Fall ist eine Ausschabung meist unvermeidlich“, erklärt die Gynäkologin Margit von Scherenberg. Notwendig und ratsam ist eine Ausschabung oft auch dann, wenn sich eine so genannte Blasenmole gebildet hat: Das Ei wurde dann zwar befruchtet, doch es entwickelte sich darin kein Embryo.

Ambulante Ausschabung ist die Regel

Die Ausschabung selbst ist ein kurzer operativer Eingriff von weniger als 15 Minuten, der unter Vollnarkose erfolgt. Meist findet der Eingriff ambulant in einer Praxis oder Klinik statt und die Frau muss nach der OP nicht länger als ein paar Stunden zur Beobachtung dort bleiben. Die Patientin nimmt dann auf dem gynäkologischen Stuhl Platz und bekommt eine Narkose. Danach weitet der Arzt ihren Muttermund, um einen Zugang zur Gebärmutter zu bekommen und dort die Reste des Embryos und des Mutterkuchens entfernen zu können. Dadurch werden Infektionen oder anhaltende Blutungen verhindert. Dafür verwendet der Arzt entweder ein scharfkantiges oder stumpfes, löffelartiges Instrument, mit dem er die obere Schicht der Gebärmutterschleimhaut abschabt. Die Ausschabung mit scharfem Löffel heißt in der Fachsprache Abrasio, der Eingriff mit dem stumpfen Löffel Kürretage.

Nach dem Eingriff sind leichte Blutungen in den folgenden Tagen normal, die meist rasch abklingen. Bei einer stärkeren Blutung, Fieber und Schmerzen sollte die Frau unbedingt einen Arzt aufsuchen. In den ersten drei Wochen nach einer Ausschabung ist ein Verzicht auf Schwimmen, Saunabesuche, Geschlechtsverkehr und Tampons angeraten, weil der Muttermund sich nur langsam wieder schließt und sonst Keime in die Gebärmutter eindringen können. Wie jede andere Operation birgt auch eine Ausschabung bestimmte Risiken. So berichten viele Frauen davon, dass sie sich ein paar Tage danach müde und schlapp fühlten, eine nicht seltene Reaktion auf die Vollnarkose. Wenn es auch sehr selten vorkommt, kann es dennoch passieren, dass der Arzt die Gebärmutterwand während des Eingriffs verletzt. Solche Wunden heilen aber meist komplikationslos wieder ab.

Rücksicht auf Körper und Seele nehmen

Ungefähr vier bis acht Wochen nach einer Ausschabung tritt die nächste Regelblutung ein, doch die Frau kann schon vor dieser Blutung wieder schwanger werden. Wenn ein Paar also nicht gleich nach einer Fehlgeburt eine erneute Schwangerschaft plant, sollt es rechtzeitig an Verhütung denken. In der Vergangenheit haben Ärzte Paaren oft geraten, mit der Familienplanung mindestens drei Monate nach einer Fehlgeburt zu warten, weil sie sonst ein erhöhtes Risiko für eine erneute Fehlgeburt befürchteten. Doch diese Sorge gilt heute als unbegründet, wie eine Langzeitstudie der Universität von Aberdeen erwiesen hat. Demnach sei eine erneute Schwangerschaft selbst das sicherste Zeichen dafür, dass der Körper der Frau wieder bereit ist, ein Kind auszutragen. Trotzdem sollte jedes Paar für sich entscheiden, ob es noch warten will oder eben nicht. Denn schließlich braucht nicht nur der Körper eine Weile, um sich zu regenerieren. Auch die Seele braucht Zeit zum Trauern und um neuen Mut für die Zukunft zu schöpfen.

Nach Kürettage: Wie hoch ist das Risiko für eine erneute Fehlgeburt?

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