Fruchtwasser

Das Fruchtwasser – Babys schützender erster Lebensraum

Von Beginn der Schwangerschaft an stellt das Fruchtwasser eine angenehme und schützende Umgebung für den kleinen Keimling dar. Es unterstützt seine Entwicklung und Beweglichkeit, schützt ihn vor Infektionen und sorgt für eine gleichbleibende Umgebungstemperatur. Später ermöglicht es dem heranwachsenden Baby, wichtige Körperfunktionen zu trainieren. Wie sich das Fruchtwasser zusammensetzt, reguliert und was es über den Schwangerschaftsverlauf aussagt, erfahren Sie auf dieser Seite.

Fruchwasser Fruchtblase

Baby in der Fruchtblase

Foto: © fotolia.com/ bilderzwerg
Fruchtwasser ist eine wässrige, klare Flüssigkeit, die bereits ab der  Einnistung von der Fruchtblase gebildet wird. Auch wenn die Menge des Fruchtwassers in den ersten Wochen noch sehr gering ist, reicht sie für den winzig kleinen Embryo doch vollkommen aus, um sich darin ungehindert entwickeln und schwerelos bewegen zu können. Die Flüssigkeit verhindert einerseits, dass der Embryo mit der Fruchtblase verwächst, andererseits spielt sie im Laufe der Schwangerschaft eine große Rolle bei der Lungenentwicklung, dem Ausreifen des Darmes und der Versorgung des Kindes mit Eiweiß. Im Laufe des 2. Schwangerschaftstrimesters nimmt die Fruchtwassermenge kontinuierlich zu, das Baby schluckt das Wasser und scheidet es über seine Nieren und Harnwege wieder aus – eine wichtige Übung seiner Reflexe und Körperfunktionen und gleichzeitig Teil des sich selbstregulierenden Fruchtwasser-Kreislaufs. Das Wasser erneuert sich alle drei Stunden vollständig und bildet damit einen sicheren Lebensraum für das Ungeborene.

Wie setzt sich Fruchtwasser zusammen?

Nachweisbare Bestandteile im Fruchtwasser sind Wasser, Zucker, Proteine, Laktat und Elektrolyte wie Kalium und Natrium, aber auch Hautschuppen und Haare des Fötus sowie verschiedene Spurenelemente. Sowohl Mutter als auch Kind tragen zur Zusammensetzung des Fruchtwassers bei: Der Anteil der Mutter gelangt aus dem Blut über die  Plazenta ins Fruchtwasser, das Kind gibt Flüssigkeit über seine Organe ab. Sobald die Nieren des Fötus ihre Funktion aufgenommen haben, besteht ein großer Teil des Fruchtwassers aus dem Urin des Babys, der jedoch eine völlig andere Zusammensetzung hat als der Urin eines ausgewachsenen Menschen.

Etwa ab der  18. Schwangerschaftswoche beginnt das Kind, aktiv das Fruchtwasser zu schlucken, es auszuscheiden und wieder zu schlucken. Bis zur  37. SSW nimmt es täglich bis zu einem halben Liter Fruchtwasser zu sich – das entspricht in etwa der Hälfte der gesamten Fruchtwassermenge zu dieser Zeit. Auf diese Weise trainiert es kontinuierlich seinen Schluckreflex und seine Nieren. Sobald der Geschmackssinn des Babys geschärft ist, kann es anhand des Fruchtwassers schmecken, wenn die Mutter besonders geschmacksintensive Nahrung wie etwa Knoblauch oder Curry gegessen hat. Dabei können sich sogar spätere Vorlieben entwickeln.

Welche Fruchtwassermenge gilt als normal?

Das Volumen des Fruchtwassers erhöht sich im Verlauf der Schwangerschaft kontinuierlich. Noch in der  10. Schwangerschaftswoche beträgt die Fruchtwassermenge etwa 25 bis 30 Milliliter, bereits in der  20. SSW ist das Volumen auf etwa 400 Milliliter angestiegen und um die  35. SSW herum erreicht es mit 1 bis 2 Litern sein Maximum. Ab der 38. SSW, also kurz vor der Geburt, beginnt die Fruchtwassermenge schließlich stetig abzunehmen, so dass sich bei einer  Übertragung daher nur noch etwa 100-200 Milliliter Fruchtwasser in der Fruchtblase befinden. In dieser späten Phase der Schwangerschaft wird das Baby nicht mehr so stark gepolstert wie zuvor, sodass seine Bewegungen deutlicher an der Bauchdecke zu erkennen sind.

Die Spanne des Fruchtwasservolumens ist im Verlauf der Schwangerschaft sehr groß. Es gibt jedoch Werte, die als zu niedrig oder zu hoch eingestuft werden und einer gesunden Entwicklung des Kindes entgegenstehen. Bei einer zu niedrigen Fruchtwassermenge spricht man von einem Oligohydramnion. Die Ursachen dafür können in einem Riss in den Eihäuten oder in einer Plazentastörung liegen. Auch ist eine zu niedrige Fruchtwassermenge ein möglicher Hinweis auf Wachstumsstörungen oder Nierenprobleme des Fötus. Von einem Polyhydramnion spricht man, wenn zu viel Fruchtwasser vorhanden ist, nämlich mehr als 2 Liter. Dies deutet auf Diabetes bei der Mutter oder Fehlbildungen beim Kind hin, kommt aber auch bei Zwillings- oder Drillingsschwangerschaften vor. Ist die Fruchtwassermenge so stark erhöht, dass die Gefahr einer Frühgeburt oder eines Nabelschnurvorfalls besteht, wird sie durch Drainage reduziert.

Die Menge des Fruchtwassers lässt sich heute problemlos über den Ultraschall mittels des Fruchtwasserindex feststellen. Bemerkt der Gynäkologe Auffälligkeiten, wird die Schwangerschaft eingehender überwacht. Eventuell ist Bettruhe oder sogar eine vorzeitige Entbindung vonnöten.

Video einer Vorsorgeuntersuchung mit Überprüfung der Fruchtwassermenge

Die Fruchtwasser-Farbe als Indikator

Wegen seiner entscheidenden Bedeutung für die Reifung des Kindes ist das Fruchtwasser ein wichtiger Indikator für den Schwangerschaftsverlauf bzw. eventuelle Erkrankungen von Mutter und Kind in der Schwangerschaft. Neben der Menge gibt auch die Farbe des Fruchtwassers Aufschluss. Bräunlich verfärbtes Fruchtwasser deutet auf eine Blutgruppenunverträglichkeit hin. Bei einer Übertragung ist das Fruchtwasser oft grün, was auf einen vorübergehenden Sauerstoffmangel des Kindes hinweist, da die Plazenta ihre Funktion nicht mehr richtig erfüllt und das Kind den ersten Stuhl noch im Fruchtwasser ausgeschieden hat.

Im Rahmen der Pränataldiagnostik kann anhand des Fruchtwassers außerdem das Risiko von verschiedenen Erbkrankheiten oder Chromosomen-Störungen wie Trisomie 21 ermittelt werden. Lesen Sie hierzu unseren  Erfahrungsbericht zur Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese).

Wenn das Fruchtwasser abgeht – der Blasensprung

Der Blasensprung ist der Startschuss zur Geburt. Denn ist die Fruchtblase erstmal geöffnet, sind die Wehen nicht mehr fern, und aufgrund der Infektionsgefahr, die ohne den Schutz des Fruchtwassers besteht, sollte das Kind spätestens 24 Stunden nach dem Blasensprung das Licht der Welt erblicken. Anders als oft in Filmen dargestellt, entleert sich die Fruchtblase üblicherweise nicht in einem großen Schwall, sondern meist tröpfchenweise. Dies geschieht kurz vor der Geburt, sodass der Kopf des Babys schon im Becken liegt und damit den Muttermund, aus dem das Fruchtwasser austritt, verschließt. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob es sich bei den Tropfen um Fruchtwasser oder Urin handelt, hilft ein Streifen Lackmuspapier, das mit der Flüssigkeit in Berührung gebracht wird. Verfärbt sich der Streifen blau, handelt es sich um Fruchtwasser, dessen pH-Wert über 7 und damit alkalisch ist. In diesem Fall steht die Geburt unmittelbar bevor.

Wie erkenne ich, ob Fruchtwasser abgegangen ist?


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