Expertenantworten

15 wichtige Fragen rund um die Geburt

Wie bereite ich mich gut auf die Geburt vor? Wo soll ich am besten entbinden? Was geschieht überhaupt im Krankenhaus? Der Gynäkologe Dr. Dirk Masson hat 15 wichtige Fragen rund um die Entbindung ausführlich beantwortet.

Autor: Dr. Dirk Masson
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Wie bereite ich mich auf die Geburt vor?

Frau Geburt Ultraschall
Foto: © fotolia.com/ DenisNata

Der englische Frauenarzt Grantly Dick-Read erkannte in den 50er Jahren, dass unbekannte körperliche Vorgänge wie z.B. eine Erst-Geburt, Ängste und Unsicherheiten hervorrufen und zu Stress und Verspannungen führen können und somit den Geburtsvorgang erschweren und ihn schmerzhafter werden lassen können. Als Begründer der ganzheitlichen Geburtsvorbereitung legte er den Grundstein zu den heutigen Vorbereitungskursen.

Spätestens bis zur 20. Schwangerschaftswoche sollten Sie sich über Geburtsvorbereitungskurse informieren. Die Kurse werden angeboten in Hebammenpraxen, in Kliniken, in Familienbildungsstätten, bei Krankengymnastinnen und Arztpraxen. Diese Kurse, die besonders für Erstgebärende empfehlenswert sind, sollen Ihnen helfen, sich über ihre Wünsche und Vorstellungen, die Geburt betreffend, klar zu werden. Dabei wird nicht nur die Physiologie des natürlichen Geburtsverlaufs erklärt, sondern auch auf Komplikationen und die daraus erfolgenden Eingriffe wie z. B.  Dammschnitt, Vakuumentbindung, Zangenentbindung und Kaiserschnitt eingegangen, um ein besseres Verständnis für diese Maßnahmen zu schaffen. Zusätzlich werden Sie auf das Wochenbett und die Elternzeit inklusive des Stillens vorbereitet. 

Hilfreich ist dabei auch immer der Austausch mit anderen Schwangeren, wobei die jeweiligen Kursleiter Ammenmärchen und falsche Vorstellungen sogleich korrigieren können. Für Mehrgebärende reicht möglicherweise ein abgekürzter Crash-Kurs.

Bei einem Geburtsvorbereitungskurs wird versucht, durch Informationen Ängste zu beseitigen, zu einer realistischen Selbsteinschätzung zu kommen und sich und dem Partner mehr Sicherheit zu geben. Das Ergebnis soll ein zufriedeneres und möglichst schmerzarmes Geburtserlebnis sein.

Muss ich mir eine Hebamme suchen?

Bei der Geburt muss immer eine Hebamme dabei sein. Suchen müssen Sie sich diese aber nicht. Sie können auch einfach im Krankhaus entbinden und werden dann von der diensthabenden Hebamme vor Ort betreut.

Wer kümmert sich bei der Geburt um die Schwangere?

Viele Schwangere wünschen sich aber eine Hebamme, die Sie durch die Schwangerschaft, während der Geburt und nach der Geburt betreut. In diesem Fall ist es ratsam, frühzeitig Kontakt zu einer Hebamme aufzunehmen. Sie kann Sie durch die Schwangerschaft begleiten, indem Sie  Vorsorgeuntersuchungen (ggf. im Wechsel mit Ihrem Gynäkologen) durchführt, Geburtsvorbereitungskurse abhält, Hilfe bei Schwangerschaftsbeschwerden leistet, Sie im besten Falle als Beleghebamme bei der Geburt begleitet und Ihnen besonders im Wochenbett zu Seite steht.

Wichtig ist, dass die Chemie zwischen Ihnen stimmt. Die Hebamme sollte einfühlsam, ruhig, Vertrauen erweckend und erfahren sein. Sie soll Sie motivieren, auch mal durchgreifen können, sich in Sie einfühlen können, Ihren Partner mit einbeziehen. Sie sollten fühlen, dass die Hebamme ihren Beruf liebt und gern ausführt. Grundsätzlich ist es hilfreich, wenn ihre Ansichten zu Medikamenten, Schmerzmitteln, zur Kreißsaal-Ausstattung und zum Stillen mit Ihren weitgehend übereinstimmen.

Wie finde ich den für mich optimalen Geburtsort?

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es ganz selbstverständlich: Die Entbindung fand zu Hause statt, lediglich 1 Prozent der Geburten in Kliniken. Heute gibt es die Wahl zwischen einer Hausgeburt, der Geburt in einem Geburtshaus und der Geburt in der Geburtsklinik.

98 bis 99 Prozent aller Frauen bringen ihr Baby in einer Entbindungsklinik zur Welt.

Gründe dafür sind die Qualität der Rund-um-die-Uhr-Überwachung und die technische Ausstattung, ohne die heute kaum eine Geburt von statten geht.

Die Säuglings- und Kindersterblichkeit lag zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei heute undenkbaren 15 Prozent. Wenn heute die Säuglingssterblichkeit nur noch bei 0,41 Prozent liegt, ist das dem enormen medizinischen Fortschritt seit 1970 zu verdanken, der im wesentlichen nur an Kliniken aufrecht erhalten werden kann. Allerdings ist vielen Gebärenden gerade der dafür notwendige technische Aufwand ein Dorn im Auge, er passt so gar nicht zu der gewünschten natürlichen Geburt.

Obwohl Kliniken heute viel mehr auf die „Gefühle der angehenden Mütter“ eingehen (Rooming-in, Stillfreundliches Krankenhaus u.v.a.m.), kann jedoch nicht die Vertrautheit wie bei einer Entbindung im eigenen Hause oder in einem Geburtshaus entstehen.

Aber trotz unseres, manchmal übertriebenen, Sicherheitsbedürfnisses, kann man sein Kind auch bei einer außerklinischen Geburt sicher zur Welt bringen. Dabei sollte aber vorher abgeklärt werden, ob es sich um eine unkomplizierte Schwangerschaft handelt, also eine problemlose Geburt zu erwarten ist, und ob der außerklinische Geburtsort nach QM (Qualitätsmanagement) zertifiziert ist.

Der Krankenkassenverband unterstützt außerklinische Geburten, da die Sicherheit durch eine Langzeitstudie belegt ist.

Meine Empfehlung an meine Schwangeren lautet: Als Erstgebärende sollten Sie in einer Klinik entbinden; Geburten von Erstgebärenden sind meist schwieriger, dauern länger als bei Mehrgebärenden, Komplikationen sind häufiger. Als Zweitgebärende wissen Sie, wie eine Geburt abläuft und können, wenn Sie es sich zutrauen, eine kompetente Hebamme haben und das nächste Krankenhaus nicht zu weit entfernt ist, zu Hause oder im Geburtshaus entbinden. Um das dritte Kind zu entbinden, empfehle ich wieder das Krankenhaus. Die erforderliche Ruhe nach einer Entbindung finden Sie bei zwei kleinen Kindern zu Hause sicher nicht.

Allerdings kommen mittlerweile viele Frauen gestresst und verunsichert aus der Klinik und sind nicht einmal über die Grundlagen des Stillens informiert. Ursache dafür sind die Einsparungen im Gesundheitssystem und die Verkürzung des Krankenhausaufenthaltes.


Was genau geschieht bei einer Entbindung im Krankenhaus?

Nach der Ankunft im Krankenhaus - Sie sollten es schon Wochen zuvor einmal im Rahmen eines Informationsabends oder im Rahmen eines persönlichen Geburtsgesprächs kennen gelernt haben - werden Sie von einer Hebamme im Kreißsaal in Empfang genommen. Anhand Ihres  Mutterpasses kann Sie sich ein Bild vom Verlauf Ihrer Schwangerschaft machen. Bitte teilen Sie ihr Besonderheiten der letzten Tage mit, Stärke und Abstand Ihrer Wehen und weisen Sie daraufhin, wenn es Ihnen nicht gut geht.

Es folgt die gynäkologische Untersuchung, um die Größe des Muttermundes und die Lage des Kindes zu ertasten. Anschließend wird ein CTG (Herzton-Wehenschreiber) angeschlossen. Die Aufnahmeköpfe werden mit elastischen Gurten über Ihrem Bauch fixiert. Durch die kontinuierliche Aufzeichnung von Herztönen und Wehen bekommt man eine gute Information über das Wohlbefinden Ihres Kindes und über Ihre Wehentätigkeit.

Wenn genügend Zeit ist, können Sie ein entspannendes Bad nehmen und sich für die Geburt umziehen. Auch die Frage nach einem Einlauf wird gestellt werden, der aber nicht zwingend durchgeführt werden muss. Ein Einlauf ist zweifellos nicht angenehm, ein voller Darm kann aber die Geburt hinauszögern.

Anschließend geht es, wenn die Wehen stark genug sind und sich der Muttermund schon leicht geöffnet hat, in den Kreißsaal; das ist heutzutage eine viel wohnlichere Umgebung als noch vor 20, 30 Jahren.

Versuchen Sie auf dem Geburtsstuhl oder –bett schon einmal die Ihnen angenehmste Lage einzunehmen. Meist ist kein Urinkatheter nötig, da die Gebärenden heute auch während der Wehen mobil bleiben und  immer wieder zwischendurch aufstehen und zur Toilette gehen können; das fördert den Geburtsablauf. Ggf. wird auch jetzt schon der Katheter für eine eventuelle Periduralanäesthesie (PDA) gelegt. Durch die Betäubung spüren Sie möglicherweise den Harndrang nicht mehr, dann muss allerdings zum Katheter gegriffen werden. Meist werden dünne Einmalkatheter verwendet, von denen Sie kaum etwas spüren. Zwischenzeitlich wird man immer wieder den Muttermund und den Höhenstand des kindlichen Köpfchens in Bezug zum Becken untersuchen.

Und langsam merken Sie, dass die Wehen stärker werden und die Geburt voran schreitet.

Was ist zu Hause oder im Geburtshaus anders als in der Klinik?

Die eigenen vier Wände schaffen durch ihre Vertrautheit ein Gefühl der Sicherheit und führen zu einer entspannten Atmosphäre. Die Angst vor einer großen Klinik mit ihrer technischen Einrichtung entfällt. Es ist auch das Gefühl der Selbstbestimmung, das einen Reiz ausmacht, gerade bei den steigenden  Kaiserschnittraten, die mittlerweile über 30 Prozent der Geburten ausmachen, wobei die WHO nur 12 Prozent als klinisch notwendig betrachtet. Begleitet werden die Frauen von einer bis zwei Hebammen.

Der medizinische Standard einer Klinik kann zu Hause natürlich nicht erreicht werden. Durch die Erfahrung der Hebamme und die kontinuierliche Überwachung kann eine Komplikation frühzeitig erkannt werden und rechtzeitig eine Klinikverlegung erfolgen, falls dieses nötig sein sollte. Fast 50 Prozent aller außerklinischen Geburten finden im Hause statt, etwas, das in den 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhundert gang und gebe war und immer noch z.B. den Niederlanden üblich ist.

Hebammenbetreuung im Geburtshaus

Geburtshäuser entstanden erst in den 80er Jahren. Im Vergleich zu Entbindungskliniken sind Geburtshäuser eine Alternative für Frauen, die sich mit der technisierten Geburtshilfe nicht anfreunden können. Die Wünsche der Frauen werden weitestgehend berücksichtigt. Sie befinden sich in einer vertrauten Umgebung mit vertrauten Personen, und werden von Hebammen betreut, die sie bereits von der Schwangerschaftsvorbereitung kennen, die eine „Rund-um-Uhr-Betreuung“ ermöglichen und die auch die Nachsorge bis zum Ende der Stillzeit übernehmen.

Einige dieser Häuser arbeiten, besonders bei komplizierten Entbindungen, mit Ärzten zusammen. Insgesamt gibt es in der Bundesrepublik fast 90 Geburtshäuser.

Geburtshäuser sind deutlich besser auf eine Geburt vorbereitet, als das im eigenen Hause möglich wäre.

Die Geburt ist ein natürlicher Vorgang

Unser starkes Sicherheitsbedürfnis lässt Schwangere zur Geburt bevorzugt Kliniken aufsuchen. Vergessen wir nicht: Eine Geburt ist ein natürlicher Vorgang, der zwar auch Risiken birgt, aber nicht als Gefahr zu sehen ist. Durch den heutigen medizinischen Standard (Organscreening / Ultraschall / Pränataldiagnostik) kann man die meisten Komplikationen für den Geburtsverlauf voraussehen. Auch in außerklinischen Einrichtungen werden die Herztöne eines Kindes überwacht und Schwangere bei Geburtsstillständen verlegt.

Dass heutzutage eine Schwangerschaft häufig einer Krankheit gleichgestellt wird und Schwangere als Patienten bezeichnet werden, sollte kritisch gesehen werden. Mittlerweile gilt bereits jede zweite Schwangerschaft als  Risikoschwangerschaft (Begleiterkrankungen werden stärker gewichtet als früher) und es gibt eine extrem hohe Rate an Kaiserschnittgeburten.

Woran merke ich, dass es losgeht?

Neun Monate haben Sie auf diesen Augenblick gewartet, jetzt geht es los.. Sie verspüren zunächst nur vermehrten Ausfluss, dann beginnt es mit einem Ziehen im Bauch, das langsam aber sicher stärker wird und dann in regelmäßigen immer kürzer werdenden Abständen wiederkehrt.

Sehen Sie auf die Uhr, um festzustellen in welchen Abständen die Wehen auftreten.

Bei leichten Wehen können Sie noch ihren gewohnten Tätigkeiten nachgehen, lenken Sie sich ab. Richtige Wehen aber lassen das nicht mehr zu. Denken Sie an das, was Sie im Geburtsvorbereitungskurs über das „Veratmen der Wehen“ gehört haben.

Wenn die Wehen im 10-Minuten-Abstand kommen, wird es Zeit, den Partner, ggf. die Hebamme zu informieren. Stellen Sie den  Klinkkoffer an die Tür und machen Sie sich abreisefertig. Besonders Erstgebärende sind dann unsicher. Wenn Sie aber das Gefühl haben, in die Klinik zu fahren zu wollen, sollten Sie das tun.

Alle fünf Minuten Wehen? Ab in die Klinik!

Die Kliniken empfehlen, bei einem Wehenabstand von fünf Minuten über eine Stunde, sich auf dem Weg in die Klinik zu machen. Mehrgebärende bleiben manchmal auch bei Wehen, die deutlich häufiger auftreten, noch gemütlich zu Hause. Sie können einfach den Druck im Becken besser einschätzen. Rufen Sie, wenn keine andere Begleitperson vor Ort ist, ein Taxi.

Mehrgebärende mit Wehen im Zehn-Minutenrhythmus wird man sicher in der Klinik behalten, bei Erstgebärenden stellt sich das manchmal noch als Fehlalarm heraus. Wenn sich am Muttermund noch nichts getan hat,  wird man Sie evt. wieder nach Hause schicken.

Das muss niemandem peinlich sein, das geht vielen anderen Müttern, die ihr erstes Kind bekommen, ebenso.

Warum sind die Wehen in der Klinik plötzlich verschwunden?

Wer darf oder sollte mich begleiten?

Auf jeden Fall sollte es eine vertraute Person sein. Es kann der Partner oder auch eine Freundin sein, in selteneren Fällen wohl auch die eigene Mutter. Ein Kind sollte eher bei der Entbindung nicht dabei sein.

Was muss ich tun, wenn ich zu Hause einen Blasensprung habe?

Manchmal kommt es auch fast ohne Wehen zum Blasensprung. Die Unterscheidung zum  verstärkten Ausfluss kann Ihre Hebamme oder Ihr Arzt machen. Meist wird ein roter Lackmuspapierstreifen zum Testen verwendet. Verfärbt er sich blau, bedeutet es mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Fruchtwasserabgang.

Weitsichtige Frauenärzte oder Hebammen geben Ihren Patientinnen zwei bis drei Streifen Lackmuspapier mit, damit Sie selber in Ruhe prüfen können, ob es sich um Fruchtwasser handelt, oder um Urin, der kurz vor der Geburt auch schon mal unfreiwillig abgehen kann.

Ruhe bewahren

Wenn Sie einen Blasensprung hatten, ist zunächst einmal Ruhe angesagt. Panik ist nicht angebracht. Hilfreich für diesen Fall ist es, wenn Sie Ihren Arzt oder Ihre Hebamme ab der 36. Schwangerschaftswoche nach der Stellung des kindlichen Kopfes zu Ihrem Becken befragt haben. Hat der Kopf Bezug zu ihrem Becken, können Sie sich nach einem Blasensprung in aller Ruhe auf den Weg in die Klinik machen.

Wenn der Kopf allerdings keinen Bezug zum Becken hat, sollten Sie sich hinlegen und liegend in die Klinik transportiert werden, damit es nicht zu einem Nabelschnurvorfall kommt.

Meist bedeutet der Blasensprung das baldige Auftreten von Wehen. Im Krankenhaus wartet man häufig zwölf Stunden ohne weitere Therapie ab, um zu sehen, ob Wehen auftreten. Sollte das nicht der Fall sein, wird man Ihnen ein Antibiotikum geben, weil sich nun Ihr Kind, das bisher durch die Fruchtblase geschützt war, mit Keimen infizieren kann, die über die Scheide aufsteigen. Spätestens dann sollten Sie Ihr Krankenhaus aufsuchen!

Welche Möglichkeiten der Schmerzlinderung gibt es?

Geburt und Schmerzen gehören seit je her zusammen. Und erst in den 50er Jahren hat der englische Arzt G. Dick-Read erkannt, dass sich Schmerzen und Verspannungen unter der Geburt zu einem unheilvollen Kreis zusammenschließen, die sich gegenseitig verstärken. Also: Angst führt zu Verspannungen, das wiederum steigert die Angst usw.

Aber schon seit 1847 versuchen Geburtshelfer Frauen die Geburt zu erleichtern. Mit dem Einsatz von Äther und Chloroform, über eine Atemmaske verabreicht, begann das Zeitalter der Anästhesie im Kreißsaal.

Heutige schmerzlindernde bis schmerzausschaltende Methoden

  • Das gebräuchlichste Verfahren ist die Peridural-Anästhesie. Hiermit wird bei korrekter Verabreichung, eine Schmerzstillung in ca. Prozent und eine deutliche Linderung in weiteren 15 Prozent erreicht. Mit einer, manchmal als „Kreuzstich“ bezeichneten, örtlichen Betäubung im Lendenwirbelbereich wird ein Verweilkatheter in den sog. Epiduralraum (ein schmaler Bereich zwischen den beiden Wirbelkanalhäuten) vorgeschoben. Dabei handelt es sich nicht, wie fälschlich behauptet wird, um eine Punktion des Rückenmarks selbst. 
    Über diesen Katheter wird meist, je nach Bedarf, eine Kombination aus einem örtlichen Betäubungsmittel und einem Schmerzmittel in den Epiduralraum gespritzt. Damit ist zumindest der Schmerz in der Eröffnungsphase weitestgehend ausgeschaltet. 
    In der Austreibungsphase wird die Menge des Betäubungsmittels häufig verringert, damit die Schwangere die Wehen spürt und mitpressen kann. Sowohl die Wehenstärke als auch der Drang zum Mitpressen sind aber verringert, zudem kann meist nur im Liegen entbunden werden, weil für die aufrechte Geburtshaltung den Beinen schlicht die Kraft fehlt. Das empfinden manche Schwangere als Beeinträchtigung des Geburtserlebnisses und versuchen eine andere Methode zu wählen.
  • Andere, nur noch selten verwendete Anästhesien sind die Caudalanästhesie, hier erfolgt die Punktion im Kreuzbeinbereich, und die Pudendus-Blockade mit einer Injektion von der Scheide aus.
  • Eine ausschließliche Schmerzmittelbehandlung mit Opioiden (morphinähnliche Substanzen) wird zumindest in der Austreibungsphase kritisch gesehen, da sie zu Atemdepressionen (Verringerung der Atemtätigkeit) des Neugeborenen führen kann.
  • Stattdessen werden vermehrt homöopathische Mittel eingesetzt. Je nachdem, ob der Schmerz oder die Verspannung im Vordergrund steht, kann eines von zahlreichen Mitteln eingesetzt werden, wie z.B Calcium carbonicum bei der Geburtseinleitung, Caulophyllum bei rigidem (verhärtetem) Muttermund, Colocynthis bei starken, krampfartigen Wehenschmerzen und Pulsatilla bei Geburtsstillstand. Ihre Hebamme muss mit der homöopathischen Anwendung schon sehr vertraut sein und die Dosierung genau kennen, damit diese Mittel unter der Geburt zur Schmerzlinderung beitragen.
  • Aus der chinesischen Medizin wird gern die Akupunktur verwendet. Damit können die Geburtszeit und die Geburtsschmerzen verringert werden. Sie sollten aber auf jeden Fall schon vor der Geburt mehrfach akupunktiert worden sein  damit Sie wissen, was auf Sie zukommt. Zudem empfinden viele Schwangere die liegenden Nadeln unter der Geburt als hinderlich.
  • Zu guter Letzt gibt es noch die sog. Tens-Metode. „Tens“ bedeutet: „Transkutane (durch die Haut) elektrische Nervenstimulation“. Die Methode geht davon aus, dass leichte, kaum merkbare Ströme die Schmerzhemmung aktivieren und damit die Nervenleitungen beruhigen, so dass der Schmerzreiz nicht mehr in voller Stärke zum Schmerzzentrum weitergeleitet werden kann. 
    Hierbei werden je zwei Elektroden im Bereich der Schulterblätter und je zwei im Beckenbereich auf die Haut geklebt. Sie können die Intensität der Stromimpulse über einen kleinen Kasten selber steuern. Hinderlich sind nur die Kabel unter der Geburt.

Geburtsmediziner erklärt: Schmerzlinderung bei einer Geburt

Welche Geburtsphasen gibt es?

Die Phasen der Geburt unterteilt man in die Eröffnungsphase, die Übergangsphase, die Austreibungsphase und die Nachgeburtsphase.

Zum Verständnis des Geburtsablaufes muss man die anatomischen Grundlagen kennen, die ein Kind bei der Geburt durchläuft: Das weibliche Becken hat einen querovalen Beckeneingang, eine runde Beckenmitte und einen längsovalen Beckenausgang. Der Kopfform entsprechend tritt der Kopf queroval (mit einer Schulter nach vorn) in das querovale Becken ein. Beim Tiefertreten im Becken nimmt er dann eine längsovale Stellung ein.

Es folgt der Austritt aus dem Beckenausgang, wobei der Kopf zunächst stark in den Nacken gelegt (Deflexion) und die Symphyse (Schambeinknochen) als Stemmpunkt verwendet wird. Danach werden zunächst der Hinterkopf, dann Vorderhaupt, Stirn, Gesicht und Kinn geboren.

Damit die Schulter durch den Beckeneingang passt, muss diese sich ebenfalls queroval einstellen. Man spricht auch von „innerer Drehung“ um 90°. Der Rücken des Kindes zeigt jetzt zum Bauch der Mutter. Im Beckenausgang ist aber eine längsovale Haltung nötig, so kommt es zur sog. „äußeren Drehung“, wobei die Schulter abermals um 90° dreht.

Die Eröffnungsphase

Nach unregelmäßiger Wehentätigkeit beginnen die Geburtswehen, die alle drei bis fünf Minuten auftreten, ggf. auch nachdem die Fruchtblase gesprungen ist. Bis zur vollständigen Eröffnung des Muttermundes dauert das bei Erstgebärenden bis zu zehn Stunden, geht aber bei Mehrgebärenden deutlich schneller (vier bis fünf Stunden). Der Muttermund sollte sich ca. 1 bis 1,5 Zentimeter pro Stunde öffnen.

Die Übergangsphase

Sie dauert bis zu einer halben Stunde und wird meist am schmerzhaftesten empfunden. Der Muttermund ist noch nicht ausreichend eröffnet, aber die Wehen werden langsam zu Presswehen, ohne dass Sie schon mitpressen sollten. Sie und Ihr Baby wären zu schnell erschöpft. Wenn Sie diese Phase erreicht haben, (manchmal geht es auch ohne Übergang in die Austreibungsphase) dauert es nicht mehr lange, bis Sie Ihr Kind in den Arm nehmen dürfen.

Die Austreibungsphase

Der Muttermund ist total aufgebraucht (verstrichen), es treten innerhalb von zehn Minuten ca. drei bis vier Presswehen auf, in denen die Gebärende jeweils zwei bis drei mal kräftig mitpressen sollte. Diese Phase dauert etwa eine halbe bis maximal eine Stunde. Das Köpfchen ist schon sichtbar und „tritt durch“ die Weichteile hindurch. Um hier Verletzungen zu vermeiden, wird von der Hebamme ein Dammschutz, später ggf. ein Dammschnitt gemacht, um die schwerer zu operierenden Einrisse zu vermeiden. Mit unterstützenden Handgriffen kann die Hebamme das „Durchtreten“ fördern.

Manchmal tritt zusätzlich Stuhl aus, kümmern Sie sich nicht darum, Sie haben keinen Einfluss darauf. Der starke Druck des kindlichen Köpfchens auf den Darm fördert den Stuhl hervor.

Mit geübten Händen nimmt die Hebamme den Kopf in beide Hände, dreht ihn sanft in Richtung Rücken und leitet erst die vordere, dann die hintere Schulter um die Symphyse herum.

Anschließend wird Ihnen Ihr Kind auf die Brust gelegt, zuvor wird mit einem Absaugkatheter Schleim aus dem Mund abgesaugt. Sie halten bereits Ihr Kind im Arm, das schon einmal neugierig in die neue Welt blinzelt und für Sie sind alle Mühen und Schmerzen vergessen - aber nun folgt noch die

Nachgeburtsperiode

Meist lässt man die Nabelschnur noch auspulsieren, bevor sie abgebunden wird. 
Langsam spüren Sie erneut Wehen, die zum Ablösen der Plazenta (Mutterkuchen) von der Gebärmutter führen und diese schließlich ausstoßen. Diese sog. Nachwehen können von Geburt zu Geburt heftiger werden. Um den dabei auftretenden Blutverlust zu vermindern, bekommen Sie eine Spritze (z.B. Oxytocin), die dazu führt, dass sich die Gebärmutter zurückbildet (verkleinert) und damit auch die Blutungen stillt. Anschließend muss die möglicherweise vorhandene Episiotomie (Dammschnitt) versorgt werden und Sie werden in ein normales Bett zurückgelegt.

Geburtsmediziner erklärt: Der richtige Zeitpunkt für eine PDA

Wann kommt man an den Wehentropf?

Eine Infusion zum Auslösen von Wehen wird bei mehreren Anlässen angewendet:

  • Sie haben den Geburtstermin um mehr als zehn Tage überschritten, obwohl der Ultraschall der 13./ 14. Schwangerschaftswoche den korrekten Geburtstermin bestätigte. Wenn es Ihrem Kind und Ihnen gut geht, Herzaktionen und Kindsbewegungen unauffällig sind und ausreichend Fruchtwasser vorhanden ist, kann man getrost diese Zeit abwarten. Sowie sich dann Veränderungen einstellen, z.B. Frequenz der Herzaktionen fällt zwischenzeitlich ab, das Fruchtwasser wird weniger, wird man die Geburt einleiten, u.a mit einem Wehentropf, in dem sich ein wehenförderndes Mittel (meist Oxytocin) befindet.
  • Bei Ihnen besteht eine ausgesprochene Wehenschwäche z.B. durch mangelhafte Produktion von Oxytocin in der Hirnanhangsdrüse oder durch Überdehnung der Gebärmutter z.B. durch zahlreiche zurückliegende Geburten oder durch eine Mehrlingsschwangerschaft. 
  • Auch unter der Geburt kann es zum Geburtsstillstand kommen. Mit einem Wehentropf versucht man unter CTG-Kontrolle, die Kontraktionen (Wehen) erneut auszulösen.

Welche Geburtsstellung ist die Beste?

Von je her wurde um die beste Geburtsposition gerungen, meist mit eher emotionalen Argumenten. Generell lassen sich die liegende Haltung (horizontal) von der stehenden, sitzenden oder hockenden Haltung (vertikal) unterscheiden.

Im 12.-19. Jahrhundert wurde auf Gebärstühlen geboren. Ab dem 18.Jahrhundert übernahmen erst in Frankreich, dann auch in Deutschland Männer die Leitung der Geburt. Im Bett sei eine bessere Hygiene gegeben, die medizinische Überwachung leichter, man habe eine bessere Sicht und Zugang auf die Genitalien und es bestehe ein größerer Komfort für Hebammen und Geburtshelfer, hieß es seitdem.

In Deutschland ist es zwar üblich, auf dem Gebärbett auf dem Rücken liegend zu gebären. Aber es gibt neben der Rückenlage noch weitere Gebärpositionen:

In der Rückenlage wird zwar die Lendenlordose ausgeglichen, die bei Schwangeren das Hohlkreuz hervorruft, die Gebärende muss aber mit einer passiven Körperhaltung gegen die Schwerkraft pressen. Die Geburt kann so von Hebamme und Kreißsaalarzt  besser überwacht werden, ein CTG (Herzton-Wehenschreiber) und ggf. Ultraschall können problemloser eingesetzt werden.

Die Geburt in aufrecht sitzender Haltung, auf einem sog. Maiahocker, ggf. unter Zuhilfenahme eines Gebärseils, hat den Vorteil, dass die Schwerkraft ausgenutzt werden kann, die  Beckenbodenmuskulatur nicht angespannt wird, und die Frau aktiver den Geburtsvorgang unterstützen kann. Allerdings geht das häufig zu Lasten von Ödemen im äußeren Scheidenbereich.

Welche Unterschiede zwischen verschiedenen Gebärpositionen gibt es?

Für die Eröffnungsphase (s.o) fand sich bei verschiedenen Untersuchern kein gravierender Unterschied zwischen liegender und sitzender (o.ä.) Haltung.

Für die Austreibungsphase sind die Angaben höchst unterschiedlich: Erstgebärende hätten im Sitzen einen Vorteil, Mehrgebärende im Liegen (Schneider-Affeldt,F. Der Frauenarzt 34/3 (1993) 267). Die Häufigkeit der Presswehen sei in der Horizontalen geringer gewesen als in der vertikalen Lage.

Weder im Hinblick auf die Effektivität der Wehen noch auf den Kreislauf fanden sich Unterschiede, wohl aber in Bezug auf die Schmerzempfindung. Diese wurde, da sind sich viele Untersucher einig, in der vertikalen (sitzenden) Position von den Schwangeren als geringer empfunden. Dem entspricht auch, dass 89 Prozent der Frauen, die im Sitzen entbunden haben, bei der nächsten Geburt wieder diese Position vorziehen würden.

Bei Untersuchungen von CTG´s und ggf. Mikroblutentnahmen aus der Kopfhaut des Kindes ergaben sich bei sitzenden Frauen eher bessere Werte als bei liegenden, wobei die Seitenlage bei ihnen bessere Ergebnisse brachte, als die Rückenlage.

Keine Unterschiede zwischen liegender und sitzender Geburtshaltung fanden sich aber bei der Beurteilung der Apgar-Werte (Beurteilung des Kindes unmittelbar nach der Geburt bezüglich der Vitalität).

Dritte Möglichkeit: Wassergeburt

Das warme Wasser führt zur Entspannung, es werden weniger Schmerzmittel benötigt, und es sollen seltener Dammschnitte erforderlich sein. Der Nachteil ist aber, dass die Überwachung erschwert ist und nicht jede Art der Schmerzlinderung möglich ist.

Auch, wenn sich nach dem oben Gesagten eine Bevorzugung der sitzenden Position herausschält, beraten Sie sich mit Ihrer Hebamme, welche dieser Möglichkeiten für Sie am besten geeignet ist und mit welcher Sie sich am wohlsten fühlen. Einschätzen können Sie das am ehesten bei den  Geburtsvorbereitungskursen oder dann während der Geburt.

„Unsere Erfahrungen haben dazu geführt, die eigene Angst vor alternativen Geburtspositionen zu verlieren und kreißenden Frauen die Freiheiten (zurück-) zu geben, die wir ihnen vor langer Zeit genommen haben“ (F. Schneider-Affeld).

Was geschieht unmittelbar nach der Geburt?

Unmittelbar nach der Geburt wird das Kind abgesaugt. Es ist immer etwas Schleim und Fruchtwasser im Mund, das beim Atmen nicht in die Lungen gelangen sollte.

Anschließend wird die Vitalität des Kindes mit dem sog. Apgar-Score bestimmt. Dieser Score geht auf die amerikanische Anästhesistin Virginia Apgar zurück, die 1952 erstmalig davon berichtete. Bei dem Score werden die Hautfarbe, der Herzschlag und die Atmung sowie der Muskeltonus und die Reflexe beurteilt und mit Punkten bewertet. Die maximale Punktzahl liegt bei 10. Diese Bewertung erfolgt nach 5 und 10 Minuten noch einmal.

Was ist der Apgar-Test?

In den meisten Fällen wird nach dem Abnabeln das Kind in die Arme seiner Mutter gelegt. Einige Neugeborene versuchen, sofort an die Brustwarze zu kommen, um die erste wertvolle Vormilch, das Kolostrum, zu sich zu nehmen. Nur selten wird das Kind zunächst in ein Wärmebettchen gelegt. Häufig schlafen die Babys ein, die Geburt ist schließlich auch für sie eine erhebliche Anstrengung.

Vielfach werden Babys auch gebadet, um Käseschmiere und Blutreste zu entfernen. Vielleicht kann das der anwesende Vater übernehmen. Es ist gut, Väter gleich mit einzubeziehen, auch wenn sie sich zunächst etwas unbeholfen anstellen, wer will es Ihnen verdenken, auch für sie war die Geburt anstrengend. 

Wann kann ich mit meinem Baby nach Hause?

Wenn es dem Baby gut geht, und gute bis sehr gute Apgar-Werte vorlagen, gibt es keinen Grund, länger als vier Stunden in dem Geburtshaus zu bleiben; in Kliniken bleiben die Schwangeren mit Ihren Kindern meist ein bis vier Tage.

Wenn Sie schon so früh mit dem Baby nach Hause gehen wollen, sollte aber auch alles zuvor geregelt sein, inklusive einer täglichen Visite der Hebamme.

Letztlich hängt es aber auch von Ihnen ab, ob Sie sich schon stark genug fühlen, mit dem Baby nach Hause zu gehen. Häufig unterschätzen junge Mütter die Belastungen einer Geburt und die neue ungewohnte Situation mit dem Kind und seinem Vier-Stunden-Rhythmus; dieser muss sich ja auch erst einmal einspielen.

Hinzu kommt, dass Sie die Schmerzen nach einem Dammschnitt oder auch nach einem Kaiserschnitt bei Ihren gewohnten Bewegungen behindern.

Gerade Erstgebärende sollten sich sehr gründlich Gedanken darüber machen, ob Sie sich dem Stress aussetzen wollen, der mit dem sehr frühen Verlassen der Geburtsklinik verbunden sein kann, oder ob es für sie sinnvoller wäre, die Vorteile der Klinik mit ihrer Rund-um-die-Uhr-Versorgung und -Ansprechbarkeit zu nutzen.

Die beste Alternative, um seinen Krankenausenthalt möglichst entspannt zu gestalten, sind heute die Familienzimmer, in dem der Vater von Anfang an die Mutter und das Kind unterstützen kann, und wo man sofort als Familie zusammen ist.

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