Selbstbestimmt gebären

Alleingeburt: Pro

Sarah Schmid ist Ärztin und vierfache Mutter. Drei ihrer Kinder hat sie ohne fremde Hilfe in sogenannten Alleingeburten bekommen. Sie plädiert für mehr Selbstbestimmung für Schwangere.

Autor: Sarah Schmid
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Geburt: Risiko oder freudiger Vorgang?

Alleingeburt pro
Foto: © fotolia.com/ robhainer

Was ist Geburt?

- Ein risikoreiches Ereignis, das der medizinischen Kontrolle und Lenkung bedarf, oder ein normaler, natürlicher, freudiger Vorgang?

- Eine Zeit, in der wir die Verantwortung für uns und unser Kind in die Hände anderer legen – oder gut informiert und selbstverantwortlich handeln?

- Ein Ereignis, das uns verletzt an Körper und Seele zurücklässt – oder uns stark macht für die Herausforderung des Mutterseins?

Haben wir überhaupt Einfluss darauf, wie unsere Geburt werden wird? Oder kommt es erstens anders und zweitens als man denkt? Ist eh alles zu einem gewissen Grad Schicksal?

Einen schicksalhaften Charakter bekommt das Gebären vornehmlich dann, wenn wir die Verantwortung für uns von Anfang an abgeben. Wenn wir das befolgen, was andere als das Beste für uns selbst beschlossen haben, und entscheidende Bedürfnisse ignorieren, die wir in unserem Inneren hegen. Dann können wir auch nicht erwarten, die Geburt zu bekommen, die wir wollen.

Die heutige Gesellschaft hat uns gelehrt, im Zweifelsfall lieber auf der "sicheren", also kontrollierten und technisch überwachten Seite zu sein. Schließlich sind Frauenärzte und Hebammen nicht umsonst ausgebildete ExpertInnen der Geburtshilfe. Wollen wir Frauen uns also törichterweise anmaßen, es ohne die angetragene Hilfe besser zu können?

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

Die Zahlen der Geburtskliniken sprechen eine klare Sprache: Angesichts einer durchschnittlichen Kaiserschnittquote von über 30 Prozent und einer durchschnittlichen geburtshilflichen Interventionsrate von über 90 Prozent sollten wir uns endlich fragen, wie gut unsere Experten und Expertinnen tatsächlich sind. Haben sie es verstanden, bei einer Geburt wirklich hilfreich zu sein, oder propagieren sie gar schadhafte Interventionen unter dem Deckmantel weiblicher Selbstbestimmung? Wenn man die menschlichen Zahlen der Geburtshilfe mit jenen des Tierreichs vergleicht, kommt ein weiterer Punkt des Zweifelns hinzu. Wie schaffen es Tiere, ohne Ultraschall, CTG, Muttermundskontrollen und Anleitung zum Pressen ihrem Nachwuchs auf die Welt zu verhelfen?

Schwangeren traut man Eigenverantwortung nicht zu

Wer Tiere hält, weiß, wie wichtig es ist, bei einer Tiergeburt im Hintergrund zu bleiben und nicht zu stören. Das ist in der Regel alles, was der Tierhalter beherzigen muss, damit alles gut geht. Wie kommt es aber, dass Tiere instinktiv wissen, wie das Gebären geht, und wir modernen Menschen meinen, jemand anders muss uns das sagen?

Wer die medizinische Landschaft beobachtet, kann sich über einiges wundern. Zum Beispiel darüber, dass man Diabetikern oder Bluthochdruckpatienten heutzutage zutraut, ihre Krankheit im Blick zu haben und sich selbst Blutzucker oder Blutdruck zu messen. Menschen mit Herzinsuffizienz werden angehalten, sich regelmäßig zu wiegen, um einem Entgleisen der Erkrankung rechtzeitig gegensteuern zu können.

Schwangeren Frauen und Gebärenden hingegen traut man so viel Eigenverantwortung nicht zu. Obwohl eine Schwangerschaft, im Gegensatz zu einer Diabeteserkrankung, kein krankhafter Zustand ist, erwartet man von der Frau in anderen Umständen, dass sie sich regelmäßig in medizinische Kontrolle begibt und zur Geburt engmaschig überwachen lässt. Dabei ist es einfach, schwangere Frauen anzuleiten, selbst auf sich zu achten. Was spräche dagegen, die Schwangere, mit der nötigen Information ausgestattet, in die Selbstverantwortung und Selbstvorsorge zu entlassen? Bei Fragen oder Zweifeln kann sie immer noch einen Arzt oder eine Hebamme konsultieren. Die schwangere Frau wäre auf diese Weise nicht mehr das passive Objekt einer von höherer Stelle für alle verordneten Vorsorgeroutine und standardmäßigen Geburtsleitung, sondern ganz offiziell selbstverantwortlich. So, wie sie es im Rest ihres nicht-schwangeren Lebens auch immer war und immer sein wird. 

Frauen von geburtshilflichen Ängsten befreien

Die Schwangere würde frei entscheiden, welche Untersuchungen sie in der Schwangerschaft durchführen (lassen) möchte, wo, mit wem und wie sie gebären will und welche Experten sie dabei zu Rate zieht oder eben auch nicht. Dabei ist dann alles möglich.

Eine Frau, die sich von den üblichen geburtshilflichen Ängsten befreit und die Zeit nimmt, in sich hineinzuhören, weiß meist intuitiv, wie sie am besten gebären kann. Und sei es alleine in ihrer Lieblingsecke zu Hause oder in der freien Natur. Der Phantasie sind da fast keine Grenzen gesetzt.

Schwangerschaft und Geburt sind so kompliziert nicht. Und damit sie noch einfacher werden, habe ich wichtiges Basiswissen von Müttern, Hebammen und Ärzten im Buch „Alleingeburt – Schwangerschaft und Geburt in Eigenregie“ leicht verständlich aufbereitet. Damit jede Frau, die das will, die wichtigsten Informationen zur Hand hat, um ihre Schwangerschaft und Geburt in eigene Hände zu nehmen. Ganz gleich, wo die Entbindung letztlich stattfindet.

Über die Autorin:

Sarah Schmid ist Ärztin und Mutter von vier Kindern. Drei davon kamen bei geplanten Allein­geburten zur Welt. Seit Jahren ist sie auf verschiedene Weise zum Thema eigenverantwortliche Schwangerschaft und selbstständiges Gebären im Internet aktiv. Ihre Videos wurden millionenfach geklickt. Nun meldet sie sich mit ihrem ersten Buch zu Wort und möchte werdende Mütter und Väter umfassend informieren.


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