Interview mit einer Hebamme

Männer im Kreißsaal oft hilflos

Inzwischen ist es die normalste Sache der Welt, dass Männer bei der Geburt ihres Kindes anwesend sind. Doch wie können sie ihre Partnerin wirklich unterstützen? Welche Männertypen findet man im Kreißsaal? Hier antwortet eine Hebamme.

Autor: DGGG e.V.
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Mann horcht an Bauch schwanger

Interview mit der Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes Martina Klenk zum Für und Wider der Väter im Kreißsaal:

Was halten Sie von Männern im Kreißsaal?

Ein Mann, der gut vorbereitet mit der Partnerin in eine Geburt geht, ist sehr hilfreich. Es kann allerdings genau so gut eine andere Vertrauensperson sein. Ebenso kann es vorteilhaft sein, wenn sich Vertrauenspersonen abwechseln. In jedem Fall brauchen Frauen eine Begleitung.

Zwar haben sie seit Jahrtausenden unter sich geboren. Irgendwann haben sie aber letztlich ihre Männer in den Kreißsaal geholt. Sicher auch, weil sich Frauen im Kreißsaal einsam fühlten und sich ihren Mann als Stütze wünschten. Vielleicht diente der Mann früher auch als Schutz vor Übergriffen. Es gab auch die Hoffnung, dass Männer durch das Wunder der Geburt weniger dazu neigen, ihre Aggressionen zu leben. Ihre Anwesenheit bei der Geburt sollte die Gesellschaft insgesamt verändern, indem es die Männer sanfter macht.

Hat denn die Anwesenheit des Mannes irgendwas verbessert?

Wir brauchen dringend mehr wissenschaftliche Studien über die Auswirkung der Anwesenheit von Männern bei der Geburt. Neben vielen positiven Wirkungen durch seine Anwesenheit gibt es sicher auch Schattenseiten. Männer können die Geburt schwieriger fühlen, oder sie sind oft überwältigt oder erschrocken. Wir nehmen auch an, dass die Technisierung der Geburt auch aufgrund der Anwesenheit der Männer so enorm zugenommen hat. Denn Technik gibt Männern Sicherheit. Dadurch wird die Geburt messbar und für ihn nachvollziehbar. Viele Männer fühlen sich hilflos und neigen dann dazu, in übertriebenen und unangebrachten Aktionismus zu verfallen. Denn Passivität ist für sie nur schwer zu ertragen.

Welche verschiedenen Männer-Typen haben Sie im Kreißsaal kennen gelernt?

Der Fürsorgliche, der mir natürlich am liebsten ist, steht aufmerksam an der Seite seiner Frau. Er atmet mit und massiert sie zum Beispiel. Der Distanzierte kommt zwar mit, setzt sich dann aber in den Sessel und liest die Zeitung oder filmt die Geburt. Der Hektiker ist ungeduldig und aufgeregt, dadurch kein besonders guter Beistand für seine Frau. Der Engagierte ist übertrieben aufmerksam, feuert an, presst mit. Der Aggressive wird laut oder sogar handgreiflich, wenn es für ihn nervlich zu viel wird. Tatsächlich aber nähern sich die meisten Männer der Geburt mit viel Respekt.

Wie kann sich Mann am besten auf die Situation „Geburt“ vorbereiten?

Er sollte kontinuierlich über einige Wochen mit seiner Frau einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen. Leider gibt es hier keine generelle Kostenübernahme für Männer. Ein Kurs kostet rund 80 Euro. Auch sollte das Paar die Ängste des Mannes thematisieren. Der Mann braucht dringend die Erlaubnis der Frau, den Kreißsaal zu verlassen, wenn es für ihn zu viel wird. Dann können sie nämlich für den Notfall eine Ersatzbegleitung organisieren. Zudem sollte er sich mit anderen Vätern austauschen, die schon bei Geburten dabei waren. Sie sollten aber auch den Mut haben zu sagen, wenn sie nicht mit wollen. Das ist mittlerweile leider ein Tabu für Männer.

Wie sollte Mann sich im Kreißsaal verhalten? Wie kann er seiner Frau am besten helfen?

Der Mann ist ein guter Begleiter, wenn er bei der Geburt aufmerksam ist, seine Frau unterstützt, sie massiert oder zum Beispiel einen Tee kocht. Viel reden sollte er eher nicht.

Was sollte Mann im Kreißsaal unbedingt unterlassen?

Besonders kontraproduktiv ist es, wenn er seine eigene Ungeduld auf die Frau überträgt und sie damit unter Druck setzt. Es gibt wirklich Männer, die ihren Frauen sagen „Jetzt reiß dich mal zusammen!“

Kippen manche Männer wirklich im Kreißsaal um oder ist das ein Mythos?

Während der Geburt ist der Adrenalinpegel der Männer viel zu hoch, da kippen sie eher selten um. Bei der Periduralanästhesie passiert das allerdings schon häufiger.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V.

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