Im Kreißsaal erwünscht?

Special: Werdende Väter bei der Geburt

Während sie früher nicht dabei sein durften, brauchen werdende Väter heute geradezu eine Entschuldigung, wenn sie sich entscheiden, nicht bei der Geburt dabei zu sein. Väter im Kreißsaal - in jedem Fall ein Muss?

von Petra Fleckenstein
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Vater Neugeborenes Kreissaal
Foto: © Panthermedia, Laura Boese

Die Rolle von werdenden Vätern bei einer Geburt hat sich in den vergangenen 30 Jahren grundlegend verändert. Waren Männer in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts noch ganz selbstverständlich dazu verdammt, kettenrauchend auf dem Flur abzuwarten, bis ihnen jemand die glückliche Nachricht überbrachte, um anschließend das Neugeborene für einen Moment hinter Glas in Augenschein nehmen zu dürfen, so gehören sie heute zu den selbstverständlichen Begleitern ihrer Partnerin im Kreißsaal.

Vieles spricht für die Anwesenheit des Vaters:

  • Eltern werden beide gemeinsam.
  • Der Augenblick der Geburt ist so überwältigend, dass er für das Paar - wenn zusammen erlebt - sehr stärkend und verbindend sein kann.
  • Die Anwesenheit des Partners kann sehr beruhigend auf die werdende Mutter wirken.

Es gibt aber auch Argumente dagegen!

Der französische Arzt Michel Odent, besonders durch seine Arbeiten zur sanften Geburt bekannt geworden, hat dafür plädiert, dass Frauen es auch wagen sollten, den Vater aus dem Kreißsaal zu schicken. Nach seiner Beobachtung

  • sind nicht alle Väter eine wirkliche Stütze für ihre Frau
  • geht die Geburt auffallend oft dann wieder richtig voran, wenn Väter sich gerade mal ein wenig im Garten die Beine vertreten oder sich am Kiosk was zu trinken holen.

Und: Manche Paare ziehen es vor, den äußerst intimen Moment der Geburt lieber nicht zu teilen, weil sie befürchten, dass die erotische Anziehung darunter leiden könnte.

Besonders wichtig scheint es zu sein, dass

  • das Paar während der Geburt gut in Kontakt und im Gespräch bleibt, so dass die werdende Mutter sagen darf, wann sie den Vater gerne mal ein bisschen draußen hätte oder wann sie ihn gerne wieder bei sich hätte (eine gute Lösung kann es sein, wenn der Vater jederzeit griffbereit in der Nähe des Kreißsaals bleibt).

Der urbia-Newsletter für werdende Väter, geschrieben von einem Vater zweier Kinder, begleitet Männer in neun Ausgaben durch die Zeit der Schwangerschaft bis zur Geburt: hier können Sie ihn bestellen.

In unserem Artikel "Männer im Kreißsaal" beschreibt die Autorin, welche Vorteile die Anwesenheit des Vaters für alle Beteiligten hat.

Wie ein Erdbeben im Kreißsaal" empfand Andrew McKenna die Geburt seines ersten Sohnes. Für urbia erzählte er von diesen Stunden, die ihn fast umgehauen haben.

Zwar gibt es keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die darauf schließen lassen, dass Väter bei der Geburt stören könnten. Zu denken kann es einem aber schon geben, wenn Frauen nach der Geburt alles andere entscheidend fanden, nur nicht die Anwesenheit ihres Partners. urbia fragte: "Gute Geburt auch ohne Mann"?.

Außerdem erzählt ein Vater bei urbia.tv, wie er die Geburt seiner Kinder hautnah miterlebte.

Und wenn Sie nun Ihre Meinung zu diesem Thema loswerden möchten - in unserem Forum können Sie mit anderen (werdenden) Müttern diskutieren.