Ätherische Öle für besondere Umstände

Aromatherapie für Schwangere und Mütter

Auch während der Schwangerschaft können ätherische Aromaöle unterstützend eingesetzt werden. Sie wirken durch die Nase auf die Psyche und den gesamten Organismus. Welche Aromaöle (werdenden) Müttern besonders guttun, erfährst du hier.

Autor: Christiane Prang
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Ingeborg Stadelmann: Öle helfen bei Geburt

Aromatherapie Schwangerschaft Geburt
Foto: © panthermedia.net/ Dimitriy Shironosov

Hebamme Ingeborg Stadelmann ist eine, die es wissen muss. In ihren 26 Jahren Geburtshilfepraxis und Wochenbettbetreuung ging sie niemals ohne Aromaöle aus dem Haus. „Ätherische Öle sind für mich aus der Geburtssituation nicht mehr wegzudenken. Es ist mir eigentlich nicht mehr vorstellbar, eine Geburt ohne wohlriechende Massage und ohne duftenden Badezusatz zu begleiten“, schwärmt die dreifache Mutter und erfolgreiche Buchautorin über die Wirkung natürlicher ätherischer Öle.

Die Begeisterung für die Naturheilkunde wurde ihr schon als Kind mitgegeben, denn ihre Mutter behandelte Wunden seit jeher mit Johanneskraut und Arnikaöl. Auf dem Land im Allgäu entwickelte sich die Leidenschaft für die Welt der Heilpflanzen ständig weiter, so dass es für Ingeborg Stadelmann kein weiter Weg mehr war, sich dann auch mit ätherischen Ölen zu beschäftigen. Seit über zwei Jahrzehnten stellt sie Aromamischungen, Öle und Salben nach bewährten Rezepten gemeinsam mit einem Kemptener Apotheker auch selbst her. Ihr Wissen über die Aromatherapie gibt Stadelmann auf Vortragsreisen an Hebammen, Mediziner und Pflegekräfte weiter. Seit über drei Jahren ist sie außerdem Vorstandsvorsitzende von Forum Essenzia, einem Verein, der sich für die Förderung, den Schutz und die Verbreitung von Aromatherapie, Aromapflege und Aromakultur einsetzt. Ein Leben für die Aromatherapie? Es scheint so. Und dieses Wissen kommt nun zahlreichen Schwangeren und Gebärenden zugute.

Was haben vorzeitige Wehen zu bedeuten?

Mit allen Sinnen - Aromaöle: Gewinnung & Wirkungsweise

Aromaöle werden über die Nase, die Haut und über die Lunge aufgenommen. Es dauert etwa 20-70 Minuten, bis ein ätherisches Öl durch die Haut in die Blutbahn gelangt.

Der schnellste Weg der emotionalen Berührung geht allerdings über unser Geruchsorgan, über die Nase, die mit etwa 30 Millionen Riechzellen ausgestattet ist. Jeder Duft, den wir aufnehmen, wirkt direkt auf unser Gehirn, auf das limbische System, die Region die für unsere Gefühle und Erinnerungen zuständig ist.

In der Aromatherapie werden aus Kräutern, Früchten, Blüten, Pflanzenteilen wie Wurzeln oder Blättern hochkonzentrierte Essenzen gewonnen, die in der pflegenden Kosmetik zu Badeöl, Cremes, Lotionen, aber auch in Kerzen und Raumbeduftungsprodukten weiterverarbeitet werden.

Die Duftlampe ist nicht alles...

Viele kennen Aromaöle nur als flüssigen, tropfenförmigen Zusatz in der Duftlampe. Fakt ist aber, dass natürliche ätherische Öle sehr vielfältig eingesetzt werden können: Ob als Badezusatz oder Massageöl, als Kompresse oder sogar innerlich, ätherische Öle sind wahre Allrounder in Sachen Linderung und Wohlgefühl, was ihre Beliebtheit erklärt. Die Wirkungen reichen dabei von entspannend über schmerzlindernd, bis hin zu belebend oder tröstend.

Schwangeren Frauen verschaffen aromatische Zusätze Entspannung, sie wirken beruhigend bei Ängsten und lindernd zum Beispiel bei Erkältungskrankheiten. Aus ihrer Hebammenpraxis weiß Ingeborg Stadelmann schon fast wundersame Geschichten von Frauen zu berichten, denen sie mit der Aromatherapie helfen konnte, ob bei vorzeitigen Wehen, Wadenkrämpfen oder der bekannten Schwangerschaftsübelkeit. Auch Stimmungsschwankungen, bedingt durch die gravierende Hormonumstellung in der Schwangerschaft, ließen sich bereits beeindruckend behandeln. „Ich finde es wunderschön, dass duftende Wirkstoffe von Pflanzen einen Menschen so positiv stimmen können, ohne dass ich als Hebamme viel dazu beitragen muss“, schwärmt Stadelmann in ihrem bekannten und populären Ratgeber „Hebammen-Sprechstunde“.

Sie selbst setzt in ihrer Tätigkeit die Aromatherapie neben der Hautpflege bei sehr unterschiedlichen Beschwerdebildern wie Rückenschmerzen, aber auch zur Wehenförderung ein. So fördert zum Beispiel ein Uterusöl mit Marokkanischer Rose, gelben Jasmin, Muskatellersalbei und Ylang Ylang die Wehentätigkeit. Der Lippenblütler Muskatellersalbei war schon im Mittelalter für seine entkrampfende und berauschende Wirkung bekannt. Unter der Geburt hilft sein Öl, mit dem Schmerz klarzukommen, das Unerwartete anzunehmen und eigene Grenzen zu überwinden. Weitere Ölkompositionen für die Dammmassage oder Geburtsöle unterstützen den Geburtsvorgang. Auch nach der Geburt und bei der späteren Wundheilung nach Geburtsverletzungen wie Dammrissen verwendet Stadelmann ätherische Öle sehr effektiv bei Sitzbädern in Verbindung mit Totem-Meersalz. So soll Schafgarbe die Heilung tiefer körperlicher Wunden fördern und die blaue Kamille ist ebenfalls stark wundheilungsfördernd. Geranie aktiviert die Neubildung von Schleimhautgewebe, Lavendel wirkt schmerzlindernd und hat sogar einen kühlenden Effekt.

Apothekerin und Aromaexpertin Susanna Färber bildet im Rahmen der Akademie der Düfte Fachpersonal aus und schult in Sachen Aromatherapie. Sie rät beim Einsatz von ätherischen Ölen zu einer niedrig angesetzten Dosierung: “Häufig warnt das empfindliche Geruchssystem der Schwangeren aber automatisch.“ Färber weist darauf hin, dass ätherische Öle die Umstellung auf die neuen Gegebenheiten für Mutter und Kind erleichtern können. Sehr hilfreich seien gute Mischungen für die Pflege der Brustwarzen oder für die Milchbildung. Das Neugeborene wird mit Antiblähungsöl behandelt. Spätere Wehwehchen wie Zahnungsbeschwerden oder lästigen Erkältungskrankheiten, die die kleine Nase verstopfen, könne man wirksam mit Aromaölen zu Leibe rücken.

Natürliche, ätherische Öle in der Schwangerschaft

  • Grapefruit: Ideales Öl gegen Schwangerschaftsübelkeit; zur Inhalation ein bis zwei Tropfen auf ein Taschentuch geträufelt; wirkt außerdem nach der Schwangerschaft in Massageöl eingearbeitet rückbildend auf das Gewebe
  • Jasmin: Wirksam bei Angstzuständen in den letzten Schwangerschaftswochen; löst seelische Verkrampfungen; hilft der Gebärenden, sich fallen zu lassen; als Badezusatz oder in der Duftlampe
  • Lavendel: Gut bei Rückenschmerzen. Pur oder als feuchtkalte Kompresse auf den austretenden Nabel in fortgeschrittenen Monaten aufgetragen hilft Lavendel bei Nabelschmerzen
  • Mandarine: Hat als Badezusatz und in Massageölen eine beruhigende und entspannende Wirkung; wirkt allerdings auch aufheiternd auf die Psyche
  • Neroli: Bewährtes Hautpflegeöl, gut gegen Schwangerschaftsstreifen; hilft aber auch bei ängstlicher Unruhe
  • Orange: Beliebtes Schwangerschaftsöl, dessen fruchtiger Duft als angenehm und stimmungsaufheiternd empfunden wird; ideales Einsteigeröl; fiebersenkend; beruhigend für das Herz-Kreislaufsystem
  • Rose: Sehr weibliches Öl, das emotional positiv auf das Geburtserlebnis wirkt; hautpflegend bei Schwangerschaftsstreifen
  • Tonka: Harmoniert wunderbar in Massageölen mit Lavendel, Rose oder Ylang Ylang und wirkt einem überreizten Nervenkostüm entgegen; als Entspannungsbad für die Geburt
  • Vanille: Einsetzbar bei schwangerschaftsbedingten Schlafproblemen und Niedergeschlagenheit; als Raumspray, in Körperöl eingearbeitet oder für die innerliche Einnahme
  • Zitrone: Zitronenöl ist bei Schwangerschaftsübelkeit bewährt, unterstützt auf einer kalten Kompresse auch den Abstillvorgang

Düfte für die Seele

Natürliche ätherische Öle haben neben ihrer Wirkung auf diverse körperliche Beschwerden aber auch einen unschätzbaren Wert auf die Psyche. Gerade die Schwangerschaft empfindet jede werdende Mutter als besondere Zeit, in der sie sich und dem werdenden Leben möglichst viel Gutes tun möchte. Zeiten der Müdigkeit oder Antriebsschwäche kann sie mit einem angenehmen Duft in der Duftlampe versüßen. Einen Gang runterfahren, entspannen, abschalten. Wie wichtig sind solche Momente, bevor das werdende Leben auf die Welt kommt. Wem einzelne Düfte zu monoton sind, für den gibt es auch Duftmischungen für besseren Schlaf, zur Belebung oder zur Förderung der Stimmung. Einfach mal ein wenig schnuppern und den Duft wählen, der einem auf Anhieb sympathisch ist. So wird das Dufterlebnis auch gleichzeitig ein Verwöhnerlebnis für Körper, Seele und Geist. Eine Duftmischung für die Achterbahnfahrt der Gefühle, die viele Frauen in den ersten Schwangerschaftswochen überfällt, empfiehlt Aromatherapistin Eliane Zimmermann in ihrem neuen Buch „Aromatherapie für Sie“ mit Grapefruit und Vanille als „wertvolle Tröster“.

Grundmischung „Glücksfee“ (5 ml):

  • Grapefruit 70 Tropfen
  • Vanilleextrakt 20 Tropfen
  • Zitronenmyrte 5 Tropfen
  • Rosengeranie 3 Tropfen
  • Atlaszeder 3 Tropfen

 

Anwendung: 8 Tropfen der Mischung mit einem Emulgator wie Sahne oder Honig in den Badezusatz oder 5 Tropfen der Mischung in die Duftlampe geben. Alternativ: 4 Tropfen davon auf 2 Esslöffel eines natürlichen Pflanzenöles (Mandelöl, Jojobaöl, Sesamöl) geben und als Stimmungsaufheller in die Haut einmassieren.

Keine Panik vor Aromaölen, aber ein bisschen Bedacht

Keine Angst vor der Anwendung von Aromatherapie in der Schwangerschaft, aber mit Bedacht! Immer wieder hört man auch warnende Stimmen, dass ätherische Öle reizend sein können, Allergien auslösen oder andere Begleiterscheinungen mit sich bringen, die für schwangere Frauen unerwünscht sind. Andererseits gibt es das Dilemma, dass Schwangere in dieser Zeit viele Schmerzmittel, Antibiotika oder herkömmliche Medikamente gegen Erkältungskrankheiten nicht einnehmen können. Was tun? Ein bewusster Einsatz von Aromatherapie, immer in Absprache mit der Hebamme, einer Aromatherapeutin oder einem versierten Apotheker lohnt sich! Denn natürliche ätherische Öle sind eine sinnvolle Therapiemaßnahme gegen typische Schwangerschaftsbeschwerden, bei denen andere Mittel möglicherweise zu viele Nebenwirkungen aufweisen. Die diplomierte Aromatherapeutin und Dozentin für Aromatherapie, Eliane Zimmermann gibt auf ihrem Blog sehr detaillierte Hinweise für Schwangere, die Aromatherapie einsetzen wollen. „Denn die Frau hat ja auch ein anderes hochempfindliches Lebewesen zu schützen. Vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel, wenn die Anlagen des werdenden Menschen entstehen“, gibt Zimmermann zu bedenken. Demnach sollte die werdende Mutter besonders Öle mit toxischen Eigenschaften vermeiden, ebenso wie stark durchblutungsfördernde Öle, die damit blutungsauslösende Wirkungen haben.

Vorsicht bei diesen Ölen!

Aromaexperten und Hebammen raten in der Schwangerschaft von folgenden Ölen ab beziehungsweise sollten diese Öle nur unter strenger Indikationsstellung einer erfahrenen Aromatherapeutin, Apothekerin oder Hebamme eingesetzt werden:

  • Eisenkraut, Kampfer, Nelke, Ingwer, Zimt: Wehenauslösend
  • Rosmarin und Ysop: Blutdrucksteigernd
  • Majoran und Thymian: Blutdrucksenkend
  • Vorsicht auch bei Ölen wie Fenchel, Anis, Salbei oder Niaouli, da sie eine hormonbeeinflussende Wirkung haben!

Hinweise, die werdenden Müttern und Wöchnerinnen helfen, sich zurechtzufinden

  • Gehe immer der Nase nach. Meist weißt du aus eigener Erfahrung am besten, was dir als Schwangere gut tut!
  • Wähle nur Öle aus, die wirklich zu 100 Prozent natürlichen Ursprungs sind. Eine Volldeklaration auf dem Etikett gibt erste Hinweise: Darauf sollte u.a. stehen: Stammpflanze, Botanischer Name, das Herkunftsland, die Gewinnungsart oder die Anbauweise.
  • Verwende ätherische Öle bewusst sparsam; in der Schwangerschaft reicht ein Drittel von der üblich angegebenen Anwendungsmenge.
  • Verwende ätherische Öle niemals unverdünnt oder direkt auf der Haut!
  • Ätherische Öle lassen sich leider nicht mit Wasser, wohl aber mit fetten und flüssigen Zusätzen wie Ölen, Sahne, Honig, aber auch Kleie, Flüssigseife oder Meersalz mischen

Weiterführende Infos:

  • Bewährte natürliche, ätherische Öle findest du zum Beispiel bei Herstellern wie Neumond, Primavera oder Taoasis.
  • Aromatherapiemischungen von Ingeborg Stadelmann kann man online hier bestellen. Dort gibt es auch ein ganzes Sortiment für Schwangere.

Links und Literatur zum Weiterlesen:

  • www.aromapraxis.de
  • www.duftakademie.de
  • www.stadelmann-verlag.de
  • Fundierter Ratgeber, der in die einzelnen ätherischen Öle einweist. Mit Hinweisen für Schwangere: Axel Meyer: Lexikon der Düfte. Anwendung und Wirkung ätherischer Öle. Akademie der Düfte. Institut für angewandte Aromatherapie e.V. 11.Aufl. 2008.
  • Mit vielen praktischen Anwendungsbeispielen und guten Erklärungen: Marion Romer: Aromatherapie für die ganze Familie. S. Hirzel Verlag 2007.
  • Das Standardwerk für Schwangere und frischgebackene Mütter aus der Hebammenpraxis: Ingeborg Stadelmann: Die Hebammen- Sprechstunde. 11 Aufl. 2000. Ingeborg Stadelmann Eigenverlag
  • Praktische Broschüre zum schnellen Nachschlagen mit hilfreichen Anwendungstipps: Ingeborg Stadelmann: Aromatherapie von der Schwangerschaft bis zur Stillzeit. 256 Seiten, Broschur, ISBN 978-39803760-3-7
  • Nur für Frauen: Eliane Zimmermann: Aromatherapie für Sie. Duftpflaster und Seelentröster: Die besten Öle zum Entspannen, Anregen und Heilen. Trias Verlag, Stuttgart 2012

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