Immer ernst zu nehmen

Blutungen in der Schwangerschaft

Blutungen in der Schwangerschaft dürfen keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden. Ihre Ursachen sollten stets vom Arzt bzw. der Ärztin abgeklärt werden.

von Petra Fleckenstein
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Frau verstoert
Foto: © iStockphoto.com/ asiseeit

Blutungen in der ersten Schwangerschaftshälfte

Meist ist es das Ausbleiben der Monatsblutung, das Frauen erstmals ahnen lässt: "Ich bin schwanger!" Blutungen hingegen zeigen entweder, dass es nicht geklappt hat oder können bei bereits bestehender Schwangerschaft auf ein ernsthaftes Problem hindeuten. "Eine Blutung in der Schwangerschaft ist sehr ernst zu nehmen und sollte in jedem Fall unbedingt von einer Ärztin/einem Arzt abgeklärt werden", sagt die Kölner Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe Dr. Kirsten Benn. Aber nicht in jedem Fall muss Blut den Anfang vom Ende einer Schwangerschaft bedeuten. Denn Blutungen in der Schwangerschaft – rund 20 Prozent der werdenden Mütter sind davon betroffen - können sehr unterschiedliche Ursachen haben.

Um die genaue Ursache einer Blutung zu ergründen, wird der behandelnde Arzt abklären, ob sich die Schwangere in der ersten oder in der zweiten Schwangerschaftshälfte befindet und ob es sich eher um leichte Schmierblutungen oder um stärkere Blutungen handelt. Auch die Frage, ob die Frau Schmerzen hat oder nicht, kann unter Umständen zur Abklärung von Bedeutung sein.

Allerdings gilt es hier zu beachten, dass menstruationsartige Schmerzen auch bei völlig intakter Schwangerschaft auftreten (können), die meist von der Dehnung der Mutterbänder und/oder der Einnistung des Eis in die Gebärmutter herrühren.

Fehlgeburt

Die häufigste Ursache für Blutungen in der Frühschwangerschaft ist eine drohende oder beginnende Fehlgeburt. Bei drohender Fehlgeburt treten zunächst leichte Blutungen und eventuell ziehende Unterbauchschmerzen auf. Nach Abklärung bei der Gynäkologin, ob die Schwangerschaft noch intakt ist, sollte die Schwangere möglichst viel liegen und sich entspannen. Eventuell wird die behandelnde Ärztin Magnesium verschreiben. Denn Magnesium entspannt die Muskulatur der Gebärmutter und kann so vorzeitige Wehen verhindern.

Bei bereits beginnender Fehlgeburt werden die Blutungen stärker und sind von krampfartigen Schmerzen begleitet. Die Schwangere muss ins Krankenhaus gebracht werden. Ist niemand verfügbar, der sie begleiten kann, sollte sie sich bei starken Blutungen nicht scheuen, den Krankenwagen zu rufen.

Über die Ursachen der Fehlgeburt in der frühen Schwangerschaft weiß man heute, dass in erster Linie Chromosomenanomalien (rund 60 Prozent) verantwortlich zu machen sind. In vielen Fällen kommt es bereits nach den ersten Zellteilungen zum Entwicklungsstopp. Für die Frau verlaufen diese beginnenden Schwangerschaften häufig unbemerkt. Die Regelblutung verschiebt sich gar nicht oder nur gering.

Bei wiederholten Fehlgeburten (bei drei oder mehr Fehlgeburten spricht man von "habituellem Abort"), sollte man darauf drängen, dass die ausgestoßene Frucht auch genetisch untersucht wird, um den Ursachen für die wiederholten Fehlgeburten auf die Spur zu kommen.

Blasenmole

Eine besondere Form der Fehlgeburt und ebenfalls Ursache von Blutungen in der frühen Schwangerschaft ist die sogenannte Blasenmole, die jedoch selten vorkommt (eine von 3.000 Schwangerschaften). Es handelt sich dabei um eine Entartung des Plazenta-Gewebes, bei der sich die so genannten Chorionzotten blasig verdicken. Die Frucht kann sich aus diesen Gründen nicht richtig einnisten und stirbt ab. Typisch für die Blasenmole sind extrem hohe Werte des Schwangerschaftshormons im Blut (ß-HGC) und im Ultraschall ein Bild, das als "Schneegestöber" bezeichnet wird. Bei der Blasenmole ist auf jeden Fall eine Ausschabung unter Narkose nötig.

Eileiterschwangerschaft

Eine weitere Ursache für Blutungen kann es sein, wenn sich das Ei außerhalb der Gebärmutter – meist im Eileiter - eingenistet hat. Bei einer Eileiterschwangerschaft kann es etwa sechs Wochen nach der letzten Menstruation zu leichten Blutungen kommen. Sie rühren daher, dass die Gebärmutterschleimhaut – weil sich kein Ei eingenistet hat - wieder abgebaut wird. Typisch sind auch Unterbauchschmerzen, deren Ursache die zunehmende Dehnung des Eileiters ist. Bei plötzlichem extremem, meist einseitigem Schmerz, sollte die Schwangere sofort ins Krankenhaus gebracht werden, da die Gefahr eines Eileiter-Risses mit Blutungen in den Bauchraum besteht. Bei der Behandlung der Eileiterschwangerschaft ist es heute in vielen Fällen möglich, die Funktionstüchtigkeit des betroffenen Eileiters zu erhalten.

Kontaktblutungen

Durch erhöhte Sensibilität des Gewebes um den Muttermund bei einer Schwangerschaft kann es auch zu so genannten Kontaktblutungen kommen. Sie treten zum Beispiel nach dem Geschlechtsverkehr oder nach Untersuchungen der Scheide auf. Begünstigt werden sie, wenn bei der Schwangeren eine Ektopie vorliegt – das ist eine (meist harmlose) Ausstülpung der empfindlicheren Gebärmutterschleimhaut nach außen. Kontaktblutungen sind im Allgemeinen nur leichte Blutungen und weder für die Mutter noch für die Schwangerschaft bedrohlich. Es sollte jedoch in einer Untersuchung auch geklärt werden, ob die Kontaktblutungen möglicherweise von bösartigen Zellveränderungen am Muttermund herrühren.

Blutungen bei der Einnistung

Harmlose Blutungen können ganz zu Beginn der Schwangerschaft auch durch die Einnistung der Frucht in die Gebärmutterschleimhaut hervorgerufen werden. Die Einnistung erfolgt etwa drei bis vier Wochen nach der letzten Menstruationsblutung. Die befruchtete und bereits mehrfach geteilte Eizelle dringt in Gebärmutterschleimhaut und –wand und bringt dabei häufig einige kleine Blutgefäße zum Platzen. Es kommt zu einer leichten Schmierblutung.