Heißhunger auf saure Gurken?

Die Gelüste schwangerer Frauen

Ihre Lust auf saure Gurken ist bereits sprichwörtlich - manchmal muss es dazu auch noch unbedingt ein Honigbrot sein, oder doch lieber Pommes mit Marmelade? Warum Schwangere plötzlich wild auf häufig ziemlich extreme Genüsse sind, verrät Ihnen urbia.

Autor: urbia
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Silberzwiebeln sind gesund

Schwangere Pommes auf Bauch
Foto: © iStockphoto.com/ RobMattingley

Rachels Geschichte

Rachel war im vierten Monat schwanger, als es begann. "Ich wachte eines Morgens auf und hatte sofort nur eines im Kopf: kleine, weiße, in Essig eingelegte Silberzwiebeln", erzählt sie. "Das war umso erstaunlicher als dass ich so etwas überhaupt nicht besonders mag. Ich öffnete ein Glas, das schon lange unbeachtet ganz hinten im Kühlschrank stand und machte mich darüber her. Ich aß alles auf. Danach war mir ein bisschen schlecht, aber ich fühlte mich rundum zufrieden."

Rachel, 29 Jahre, verbrachte einen großen Teil ihrer Schwangerschaft damit, sich an Silberzwiebeln gütlich zu tun. Sie aß sie abends vor dem Fernseher und auch sonst zu jeder Tageszeit. "Ich hatte so ungeheuren Appetit darauf wegen des sauren Geschmacks und weil die Dinger so knackig sind", berichtet Rachel. "Das war für mich eine richtige Droge. Wenn ich keine Silberzwiebeln da hatte, wurde ich fast verrückt." Ihr Mann fand die Angelegenheit zuerst ganz lustig - bis Rachels Gelüste unerträglich für ihn wurden. "Wenn wir am Abend zu Bett gingen, nervte mich ihre Gewohnheit so sehr, dass ich auch begann, Silberzwiebeln zu essen, bloß um es auszuhalten", sagt er.

Rachels Lust auf saure Zwiebelchen hörte nach der Geburt ihres Sohnes Arthur schlagartig auf. "Meine einzige Erklärung dafür ist, dass die Essigzwiebeln einen Nährstoff enthielten, den mein Körper benötigte."

Saure-Gurken-Zeit

Rachel ist eine der unzähligen Frauen, die Gelüste auf bestimmte Nahrungsmittel verspüren, wenn sie schwanger sind. Diese können zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft auftreten und bis zu ihrem Ende andauern. Zwei Drittel der Schwangeren haben Appetit auf ganz normale und sogar gesunde Esswaren. Die meisten zieht es zu frischen Früchten und Gemüse, zu Fruchtsäften, Milchprodukten, Getreide in allen Formen, Süßigkeiten, Schokolade und Eis. Grundsätzlich kann jedes Nahrungsmittel zu einem Objekt der täglichen Begierde werden.

Tomaten, Orangen und Erdbeeren gehören zu den beliebtesten Obsessionen schwangerer Frauen. Aber auch stark gewürzte Gerichte zählen zu ihren geschmacklichen Spitzenreitern. Die besondere Anziehungskraft von Knoblauch und Ingwer auf Schwangere ist vor allem in den Mittelmeerländern bekannt. In Deutschland sind saure Gurken ein berühmtes Klischee für die seltsamen Essgelüste während der Schwangerschaft.

Nicht nur der Geschmack zählt

Abgesehen vom Geschmack, haben auch die Konsistenz sowie die Form der Nahrung besondere Bedeutung. Einige Frauen scheinen genau diese orale Empfindung zu brauchen, die ihnen nur diese bestimmte Nahrung vermitteln kann. Übrigens geben sie ihren Begierden fast immer nach, denn sie haben das Gefühl, dass ihr Zustand diese kleinen Leidenschaften rechtfertigt.

Der Lust auf der Spur - zwei Theorien

Das Gehirn steuert den Appetit

Was die Schwangerschafts-Gelüste auslöst, ist noch ein Buch mit sieben Siegeln. Dennoch sind zwei Theorien verbreitet. Die erste Theorie gibt an, dass der lustvolle Appetit auf ein ganz bestimmtes Nahrungsmittel im Gehirn entsteht. Die Aufmerksamkeit der Frau richtet sich auf die Lebensmittel, die ihr Körper gerade benötigt.

Die Theorie geht davon aus, dass die Schwangere unbewusst ihre Essensauswahl verbessert. So kann sie zum Beispiel große Lust auf Milch oder Fruchtsaft verspüren, ohne dass ein Grund dafür offensichtlich wäre. Es ist dann auch so, dass ihr Körper genau die in diesem Nahrungsmittel enthaltenen Vitamine benötigt. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die meisten Gelüste für die notwendige Zufuhr an Kalzium, Vitaminen und Kohlehydraten sorgen.

Oder sind doch die Hormone verantwortlich?

Die zweite Theorie besagt, dass die in der Schwangerschaft vermehrt produzierten Hormone wie Östrogen und Progesteron den Geruchssinn sensibilisieren. Diese Theorie scheint auch die starke Abneigung gegen bestimmte Nahrungsmittel zu erklären, die bei Schwangeren sehr häufig auftritt. Man schätzt, dass 80 Prozent der Frauen während ihrer Schwangerschaft deshalb ganz natürlich auf Tee, Kaffee, Alkohol und Frittiertes verzichten. Schon der Geruch ist ihnen unerträglich.

Generell rät man werdenden Müttern, ihren Gelüsten zu folgen, solange sie sich in halbwegs vernünftigen Bahnen bewegen. Wenn Sie genau wissen wollen, welche Ernährung in der Schwangerschaft richtig ist, dann lassen Sie sich hier von Marianne Rudischer beraten: Schlemmervergnügen in der Schwangerschaft

Aus dem Französischen von Andrea Lützenkirchen

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