Rätselhafte "Schwangerschaftsvergiftung"

Gestose in der Schwangerschaft

Bis zu zehn Prozent aller Schwangeren erleiden eine EPH-Gestose, auch Schwangerschaftsvergiftung genannt. Das Hauptsymptom ist hoher Blutdruck, der für Mutter und Kind äußerst gefährlich werden kann.

von Petra Fleckenstein
Schwangere krank
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Plötzlich spielt der Blutdruck verrückt

Viele Frauen bemerken zunächst gar nichts. Ihre Schwangerschaft verläuft unkompliziert, häufig fühlen sie sich vital und tatendurstig wie nie zuvor. Bis bei einer der Routine-Untersuchungen während der Schwangerschaft plötzlich der Blutdruck verrückt spielt und ungebührlich in die Höhe schießt. Ein Zustand, der zu Mangelernährung des ungeborenen Kindes führen kann und ein rätselhaftes Phänomen, für das die Wissenschaft zwar schon zahlreiche Bezeichnungen, jedoch noch keine stichhaltige Erklärung gefunden hat.

Vergiftung, Gestose oder Präeklampsie

Früher sprach man häufig von Schwangerschaftsvergiftung, in der Annahme, dass giftige Stoffe aus der Fruchtanlage schuld am hohen Blutdruck seien. Heute sind eher die Bezeichnungen EPH-Gestose oder Präeklampsie gebräuchlich. EPH steht für Edema (Ödeme), Proteinuria (Eiweißausscheidung im Urin) und Hypertension (Bluthochdruck) und bezeichnet hiermit die drei sicht- oder messbaren Symptome einer Gestose. Präeklampsie hingegen bedeutet "vor den Krämpfen" und bezieht sich auf die äußerst seltene, dann aber lebensbedrohliche Eskalation der Erkrankung, die sich durch plötzliche Krämpfe und Bewusstlosigkeit äußert.

Stoffwechselstörung oder mangelnde Anpassung?

So unterschiedlich die Bezeichnungen, so vielseitig auch die Erklärungsansätze der EPH-Gestose (gestatio=Schwangerschaft), die bei fünf bis zehn Prozent der Schwangerschaften auftritt. Während ein Teil der Mediziner den erhöhten Blutdruck als zentrales Merkmal der Gestose betrachtet und daher für die immer noch rätselhafte Erkrankung neue Namen wie "schwangerschaftsinduzierte Hypertonie" kreiert, verwenden andere Ärzte zunehmend die Formel "Stoffwechselstörung in der Spätschwangerschaft" und vermuten, dass die EPH-Gestose durch Fehl- oder Mangelernährung der Mutter bedingt sei. Schließlich gibt es auch Forscher, die die Gestose als mangelnde Anpassung des mütterlichen Organismus an die Veränderungen der Gebärmutter erklären.

Einigkeit besteht weitgehend über die Einteilung der Gestose in eine frühe und eine späte Form, je nach dem Zeitpunkt ihres Auftretens. Die Gestose in den ersten Schwangerschaftsmonaten ist vor allem durch Übelkeit, starke Brechneigung und Juckreiz gekennzeichnet. Sie klingt im Allgemeinen nach drei bis vier Monaten ab. Die Spätgestose hingegen tritt im letzten Schwangerschaftsdrittel auf und ist durch die drei Symptome Bluthochdruck, Wassereinlagerungen und erhöhte Eiweißausscheidungen gekennzeichnet. Häufig entsteht auch nur eines der drei Symptome.