Gesundheitstipps

Schwanger im Winter - so fühlst du dich wohl

Der Winter bietet Schwangeren viel Schönes: Schneespaziergänge und heimelige Teestunden, wenn draußen der Frost klirrt. Doch wie ist es mit Wintersport oder Sauna? Sind Zimtplätzchen erlaubt? Und was tun bei Erkältungen?

Autor: Gabriele Möller
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Die Leichtigkeit der kühlen Jahreszeit

Schwanger im Winter
Foto: © Fotolia.com/ Nastya Tepikina

„Ich habe Beides erlebt, eine Schwangerschaft im Sommer und eine in Winter. Ich finde jetzt im Nachhinein den Winter besser. Man kann leichter etwas Zusätzliches anziehen, anstatt umgekehrt, auch bei leichter Kleidung so zu schwitzen“, findet eine Userin in einem Schwangerenforum. „Mein erstes Kind  hatte den errechneten Termin im Oktober, ich bekam ab Juli Wasser in den Füßen. Mein zweites Kind wurde mitten im letzten schneereichen Winter geboren, ich hatte kein Wasser eingelagert, und mir ging‘s blendend“, erinnert sich eine andere Mutter. Nicht nur können manche Beschwernisse der Schwangerschaft im Winter milder ausfallen, auch sonst bietet diese Jahreszeit viele Annehmlichkeiten.

Dazu gehören zum Beispiel nachmittägliche Tee-Rituale bei Kerzenlicht, die bekanntlich erst jetzt wirklich behaglich sind. Und die gleichzeitig dabei helfen, die empfohlene Menge von mindestens 1,5 Litern Flüssigkeit zu decken, die frau jetzt täglich trinken sollte. Früchtetee zum Beispiel ist eine leckere Alternative zu zuckerhaltigen Limonaden oder Fruchtsäften, die durch den Fruchtzucker ebenfalls viele Kalorien enthalten. Besonders lecker: selbst gemischter Tee aus der abgeriebenen Schale von Bio-Zitronen oder –Orangen, einem Schuss Fruchtsaft, in Stücke geschnittenem Zitronengras, getrockneten Apfelschalen, Honig sowie einem Schnitz frischem Ingwer und ein paar Gewürznelken (mehr zu Wintergewürzen in der Schwangerschaft in einem folgenden Kapitel).

Gesunde Kräuter tun jetzt gut

Auch die traditionellen Haustees müssen keineswegs schmecken wie anno dazumal in der Jugendherberge. Hagebutte mundet besonders gut im Mix mit Früchtetees, Melisse (die das oft dünne Nervenkostüm von Schwangeren beruhigt) verträgt einen Schuss Zitronensaft,  Lindenblüte (die beim Einschlafen hilft) duftet nicht nur wie Honig, sondern wird durch die Zugabe von Lindenhonig köstlich bereichert. Außerdem kann man fast alle Teeklassiker auch untereinander mischen. „Als unbedenklich gelten alle Kräuterzubereitungen in Teebeuteln aus dem Supermarkt“, erläutert Mirjam Funke, Diplom-Oecotrophologin aus Wartenberg. Eine Ausnahme ist die Pfefferminze. Ein schädlicher Einfluss ist zwar nicht eindeutig erwiesen, doch warnen einige Ärzte vor zu reichlichem Genuss in der Schwangerschaft. Eine Tasse hier und da darf aber sein.

Tees, die das Kind locken

Einige Kräuter sollten ganz gemieden werden, sowohl als Tees wie auch als Salben. Sind bei den Inhaltsstoffen Cohosh (Traubensilberkerze), Polei-Minze oder Beifuß aufgeführt, müssen Schwangere passen. Auch entwässernd wirkende Tees sind tabu. Brennnessel, Maisbart und Birkenblätter dürfen also nicht aufgegossen werden, ebenso keine Blasen- und Nierentees. Es gibt auch Kräuter, die die Gebärmutter zu Kontraktionen anregen oder Damm und Beckenboden weich machen. Himbeerblätter und Frauenmantel, Brombeerblätter, Schafgarbe, Eisenkraut (Verbena), Kreuzkümmel und Wermut sollten daher in Absprache mit Arzt oder Hebamme erst gegen Ende der Schwangerschaft (ab ca. 36. Woche) verwendet werden.

Zimt – Genuss mit Augenmaß

Obwohl das beliebteste aller Wintergewürze ein wenig in Verruf geraten ist, müssen Schwangere keineswegs auf den Zimt verzichten. Es handelt sich zwar bei Zimtpulver und bei Zimt in Gebäck meist um Cassia-Zimt. Diese Sorte enthält Cumarin, einen Aromastoff, der in größerer Menge leberschädigend sein kann. Auf der sicheren Seite ist aber, wer sich an die Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hält, wonach 15 Zimtsterne pro Tag für einen Erwachsenen unbedenklich sind, was auch für Schwangere gilt. Wer selbst backt, einmacht oder kocht, kann die Sorte Ceylon-Zimt (z. B. Bioladen, Reformhaus) verwenden, die kaum Cumarin enthält.

Die oft erwähnte wehenfördernde Wirkung hat Zimt ebenfalls nur dann, wenn man ihn in größeren Mengen zu sich nimmt. Das Berliner Institut für Embryonaltoxikologie hat ausgerechnet, dass eine Schwangere hierfür etwa 100 Zimtsterne täglich essen müsste. Auch auf Milchreis mit Zimt müssen Schwangere nicht verzichten: „Wie bei vielen Nahrungsmitteln kommt es auch beim Zimt auf die Menge an - ab und zu ein bisschen Zimt und Zucker auf Milchreis schadet nicht“, beruhigt Prof. Dr. med. Serban-Dan Costa, Chefarzt und Direktor der Universitätsfrauenklinik Magdeburg. Gleiches gilt auch für ein gelegentliches Tässchen zimthaltigen Wintertees.

Wintergewürze – Naschen erlaubt

Wie sieht es mit anderen typischen Wintergewürzen wie Ingwer, Kardamom, Muskat und Nelken aus? Diese Gewürze stehen bei Hebammen in dem Ruf, wehenfördernd zu sein. Wissenschaftlich erwiesen ist dies jedoch nicht. Wer sichergehen will, nascht nur hier und da ein Stück Honigkuchen und trinkt nur hier und da ein Tässchen Gewürz- (z. B. Yoga-)Tee. „Für eine solche [wehenfördernde] Wirkung müsste man schon einen ganzen Sack Lebkuchen essen“, beruhigt auch Apothekerin Dr. Barbara Peruche von der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände in Eschborn und resümiert: „Schwangere vor dem Verzehr von Lebkuchen und Plätzchen zu warnen, ist sicher übertrieben.“

Skifahren - mit Bauch nur auf Langlauf-„Brettln“

Leichter Sport und viel Bewegung an der winterlich-kalten Luft sind für Schwangere ideal. Liegt Schnee, steht deshalb zum Beispiel dem Langlauf-Genuss nichts im Wege - natürlich ohne sportlichen Ehrgeiz. Der Puls sollte nicht über 135 bis 140 Schläge pro Minute ansteigen. Vom Abfahrt-Ski, Snow-Boarden und Rodeln raten Ärzte ab: „Schlimmstenfalls kann es bei schweren Erschütterungen zu einem Blasensprung oder einer vorzeitigen Lösung des Mutterkuchens kommen", warnt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte e. V. (BVF).

Schlittschuhlaufen – ein Vergnügen für die Früh-Schwangerschaft

Ob zum Langlauf oder zum Wandern – Aufenthalte oberhalb von 2500 Metern sind für Schwangere nicht optimal. Denn hier enthält die Luft weniger Sauerstoff, weswegen sie schon bei kleinen Anstrengungen kurzatmig werden. Dann kann die optimale Versorgung des Kindes gefährdet werden. Für „Flachlandtirolerinnen“ in den Ebenen gilt dies natürlich nicht. Sie dürfen zum Beispiel auf Schlittschuhen elegant dahingleiten, allerdings nur bis zur 16. Woche. Sind Bauch und Baby größer, steigt das Risiko, dass die Fruchtblase oder die Plazenta bei einem Sturz oder einer Kollision mit anderen verletzt werden, weshalb man den Tanz auf dem Eis ab da lieber bis zum nächsten Winter verschieben sollte.

Entspannte Winterfreuden

Sauna und Vollbad

Nach Schneeballschlacht oder Winterspaziergang lockt das wunderbar warme Vollbad. Es sollte die Körpertemperatur von 37 Grad und eine Dauer von zehn Minuten nicht überschreiten. Denn allzu heißes Wasser belastet den Kreislauf, fördert Krampfadern und begünstigt manchmal vorzeitige Wehen.

Auch sich in der Sauna zu entspannen und zugleich auf angenehme Weise die Abwehr zu stärken, ist in der Schwangerschaft erlaubt. Manche Ärzte raten lediglich, in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten darauf zu verzichten. Denn die Körpertemperatur steigt durch die Sauna um etwa ein Grad an, bei der Infrarotsauna nach Angaben der Hersteller etwas weniger. Es ist nicht sicher, ob dies für das Ungeborene nachteilig sein kann. „Neuere Untersuchungen legen nahe, dass dadurch das Risiko für Fehlbildungen der Wirbelsäule erhöht wird“, erklärt Dr. med. Benno Nuding, Gynäkologe aus Bergisch Gladbach. „Deswegen sollten in der Frühschwangerschaft Verhaltensweisen gemieden werden, die zu einer erhöhten Körpertemperatur führen.“

Nach den ersten drei Monaten steht dem Behagen auf warmer Holzbank nichts mehr im Wege: Saunagänge dürfen zweimal pro Woche sein (zwei Gänge à zehn Minuten mit 15 Minuten Pause). Am besten setzt man sich auf die unteren Bänke oder stellt nur etwa 60 Grad Saunatemperatur ein. Anstelle des kalten Tauchbads  ist kühles Abduschen jetzt schonender. Nach der Sauna reichliches Trinken nicht vergessen. Weil der Kreislauf in der Schwangerschaft leichter schwächelt, sollten Schwangere nicht baden oder saunieren, wenn sie allein sind.

Auch im Winter das Sonnen-Vitamin D tanken

Auch in der kalten Jahreszeit lässt sich die Sonne an vielen Tagen sehen. Das Gesicht dann ein wenig in der Wintersonne zu baden, ist für Schwangere besonders wichtig. Sonnenlicht bekämpft nicht nur winterliche Stimmungstiefs. Sobald unsere Haut von der Sonne beschienen wird, beginnt der Körper, fleißig Vitamin D zu bilden. Und in einer britischen Studie (2006) wurde nachgewiesen, dass ein zu nieddriger Vitamin D3-Spiegel von Schwangeren die Knochendichte ihres Kindes in den ersten Lebensjahren senkt und sein Risiko für Osteoporose (Knochenschwund) im späteren Leben erhöht. Finnische Wissenschaftler fanden zudem heraus, dass ein ausreichend hoher Vitamin D-Spiegel der Mutter die Häufigkeit von Diabetes des Typs 1 beim Kind um 80 Prozent senken kann.

Das Vitamin ist aber nicht nur wichtig fürs Ungeborene. Kanadische Forscher belegten 2010 in einer Studie, dass die Einnahme von Vitamin D 3 auch das Risiko für Komplikationen senkt. So hatten Schwangere, die ab dem vierten Monat täglich 4.000 Internationale Einheiten (I. E.) davon nahmen, seltener vorzeitige Wehen, Frühgeburten, schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes und Infektionen. Wie eine Studie der Universität North Carolina von 2011 zeigte, kann die Einnahme von Vitamin D außerdem das Parondontitis-Risiko (Lockerung der Zähne) für Schwangere um das Zweifache senken. Wer sich nicht allein auf die Wintersonne verlassen möchte, kann ein Vitamin D-Präparat einnehmen.

Pfirsichhaut trotz Heizungsluft

Statt vornehmer Blässe wünschen sich viele Frauen auch im Winter einen etwas getönten Teint. Wer zu diesem Zwecke ins Solarium eilt, muss wissen: UV-Strahlen fördern Schwangerschaftsflecken an Brust und Bauch (Chlasma), die oft auch nach der Schwangerschaft nicht mehr ganz verschwinden. Wer gar nicht aufs Solarium verzichten möchte, sollte die Sitzungen kurz halten. Eine getönte Tagescreme zaubert allemal gesündere Frische ins Gesicht.

Noch nachhaltiger und schöner schafft das natürlich die Kombination aus Wintersonne und kalter Luft, weswegen Spaziergänge die beste Kur gegen winterbleiche Haut sind. Weil die Gesichtshaut jedoch durch die trockene Heizungsluft sowieso arg gestresst ist, benötigt sie als Kälteschutz eine gute Creme. Am besten ist jetzt eine Wasser-in-Öl-Emulsion. Denn die lässt sich auch vom kalten Winterwind nicht wegtrocknen, sondern hält die Haut zuverlässig feucht.

Ins Trainingscamp mit den Abwehrzellen

In der Schwangerschaft ist die Immunabwehr nicht so fit wie sonst. Damit die Schnupfenviren nicht zum Angriff blasen, ist ein häufiger Wechsel zwischen warm und kalt am wirksamsten. Ebenso wichtig – der innere Schweinehund weiß es längst – ist reichlich Bewegung. Beides erreicht man schon mit einem längeren, zügigen Spaziergang (oder mehreren kleineren Gängen) am Tag. Temperaturwechsel für die Abwehr bieten auch Kneippgüsse. Auch für Unerfahrene geeignet ist der Armguss: Hierzu hängt man den rechten Arm über die Badewanne und führt kaltes Wasser aus dem Duschschlauch in sanftem Strahl vom kleinen Finger aus an der Außenseite des Arms entlang bis zur Schulter, umkreist die Armkugel dreimal und lässt den Strahl an der Arm-Innenseite wieder abwärts zur Hand wandern. Mit dem anderen Arm wiederholen. Anschließend wird das Wasser abgestreift, nicht abgetrocknet (ein bis zweimal täglich).

Zitrusfrüchte, Kiwis, Paprikaschoten und Heidelbeeren sind wahre Vitamin C-Bomben, enthalten außerdem die berühmten sekundären Pflanzenstoffe (die keine Vitaminpille für Schwangere ersetzen kann) und stärken ebenfalls die Immunzellen. Wer den exklusiveren Geschmack vorzieht, kann auch Sanddornsaft oder –dicksaft (z. B. Bioladen, Reformhaus) trinken. Unerschrockene schwören dagegen auf den säuerlichen Brottrunk, in dem es von Milchsäurebakterien nur so wimmelt - was den Darm erfreut, wo bekanntlich eine Haupt-Bastion der Immunabwehr sitzt. Schalentiere, Vollkorngetreide, Fleisch und Eier enthalten Zink, das ebenfalls nötig für eine fitte Immunabwehr ist. Auf eine Vorbeugung mit Mitteln wie Echinacin oder Umckaloabo kann man verzichten. Beide konnten bei wissenschaftlicher Untersuchung ihre Wirksamkeit nicht ausreichend belegen, so die Stiftung Warentest.

Infekte erfolgreich vertreiben

Hat sie ein grippaler Infekt erwischt, kann eine Schwangere erst einmal Hausmittel ausprobieren. Bei Husten und Halsschmerzen lindern Inhalationen mit Kamillentee oder Thymian, weil sie die Schleimhäute befeuchten und den Schleim lockern. Gegen Husten hilft auch schleimlösender Thymiantee (max. zwei Tassen täglich), Halsweh kann man durch Gurgeln mit Salbeitee lindern (nicht trinken!). Kampfer, wie er oft in Erkältungssalben enthalten ist, sollte frau  meiden, denn er gelangt über die Haut und durch die Plazenta zum Kind. Stark gegen Viren wirkt nachweislich eine leckere Hühnersuppe (nicht aus Extrakt), in die zusätzlich zu frischem Suppengemüse einige Scheiben frischer Ingwer geschnitten werden (vor dem Essen herausnehmen). Wer’s exotisch mag, fügt dieser Wintersuppe noch etwas Safran, Chili, Curry, Knoblauch, Muskat, Gewürznelken und einen Schuss Sojasoße hinzu.

Wenn stärkere Geschütze nötig sind

Bei Kopfschmerzen oder Fieber kann eine Schwangere nach Absprache mit ihrem Arzt Paracetamol einnehmen. Hat es sie besonders schlimm erwischt, kann ihr der Arzt Aspirin (gegen Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit), codeinhaltige Tropfen (gegen Hustenreiz) oder efeuhaltigen Hustensaft (Prospan) erlauben. Auch Nasentropfen dürfen manchmal benutzt werden (z. B. als niedrig dosierte Säuglingsnasentropfen).

Bei manchen Erkältungen sind aber nicht nur Viren, sondern auch Bakterien beteiligt (eitrige Rachen- oder Mandelentzündung, eitrige Nasennebenhöhlenentzündung, bakterielle Bronchitis usw.). Eine bakterielle Infektion nicht antibiotisch zu behandeln, kann für Schwangere riskant werden, denn manche Keime sind fiese Gesellen und können Schaden anrichten. Viele Schwangere verschleppen solche Infektionen jedoch aus Angst vor der Einnahme von Antibiotika. Es gibt aber mehrere Antibiotika, die keine schädlichen Wirkungen fürs Ungeborene haben. Natürlich sollte eine Frau ihrem Hausarzt sagen, dass sie schwanger ist, damit er ein geeignetes Antibiotikum auswählen kann.

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