Vertragen sich Baby und Tier?

Schwanger und ein Haustier

Ist ein Baby unterwegs, stellen sich werdende Eltern viele Fragen: Sind Haustiere für Schwangere gut oder gar gefährlich? Wie bereitet man seinen Hund auf das Baby vor? Warum spüren manche Tiere, wenn Frauchen schwanger ist?

Autor: Gabriele Möller
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Schwanger: Hund und Katze können (meistens) bleiben

Frau schwanger Katze
Foto: © panthermedia.net/ boumenjapet

Viele Schwangere möchten alles richtig machen und Risiken minimieren. Manche überlegen deshalb sogar, ihr Haustier wegzugeben. Doch das ist in den allermeisten Fällen unnötig. "Haustiere stellen kein Risiko in der Schwangerschaft dar. Normaler Umgang ist zu befürworten", erklärt Gynäkologe Prof. Dr. med. André Ahr von der Universitätsklinik Frankfurt. Zwar "können Viruserkrankungen und Wurminfektionen übertragen werden", jedoch nur von befallenen oder erkrankten Tieren sowie von exotischen und Wildtieren. "Lebt man schon lange mit dem Tier in einem Haushalt, dann besteht normalerweise kein Risiko", so Ahr. Er empfiehlt jedoch, einen zu innigen Körperkontakt zu meiden. Tabu sind also Küsse, oder sich vom Vierbeiner abschlecken zu lassen.

Impfen, entlausen, entwurmen!

Schwangere stecken sich leichter mit Viren, Pilzen, Milben oder Würmern an als Nichtschwangere. Bei Hunden und freilaufenden Katzen ist es daher jetzt wichtig, regelmäßig eine Wurmkur zu machen. Der Vierbeiner sollte außerdem auf Fellparasiten wie Flöhe untersucht werden. Das Fell von Meerschweinchen und Kaninchen checkt man auf kahle oder verkrustete Hautstellen, die auf Milben- oder Pilzbefall hindeuten. Hunde und Katzen müssen in Sachen Impfungen up to date sein.

Aber auch Frauchen braucht Impfschutz: Schwangere Tierhalterinnen sollten ihre Tetanus-Impfung auffrischen, falls die letzte mehr als zehn Jahre zurückliegt. Diese Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Schwangere empfohlen und ist unbedenklich.

Lieber eine "Fernbeziehung" zu Nagern und Reptilien

Ob Hund, Katze, Maus - bei der Haltung sogenannter "Pet-Tiere" (Streicheltiere), gilt: Vor jeder Mahlzeit sollten sich Schwangere die Hände waschen. Wer sichergehen will, kann Vögel und Nager wie Kaninchen, Meerschweinchen, Frettchen, Hamster oder Ratten von anderen Familienmitgliedern pflegen lassen, weil sie häufiger bestimmte Viren übertragen. Ist eine Schwangere  Toxoplasmose-negativ, darf sie außerdem das Katzenklo nicht reinigen.

Keinesfalls selbst pflegen sollte sie Reptilien und Amphibien wie Schlangen, Bart-Agamen, Wasser- und Landschildkröten, Leguane, Chamäleons oder Geckos. Professor Michael Borte vom Städtischen Klinikum in Leipzig schätzt: "90 Prozent aller im Handel gekauften Reptilien sind mit Salmonellen infiziert." Reptilien im Haushalt aber gehören zu den häufigsten Auslösern von Salmonelleninfektionen bei Schwangeren sowie bei Babys und Kleinkindern.  

Vorbereitung auf das neue "Rudelmitglied"

Stimmt es eigentlich, dass Haustiere spüren, wenn eine Frau schwanger ist? "Unsere Hündin hat direkt mit einer Scheinschwangerschaft reagiert. Außerdem sind beide Hunde vorsichtig und anhänglich geworden. So, als ob sie mich beschützen müssten", berichtet eine Userin im urbia-Schwangerschaftsforum. "Ja, das kenne ich zu gut. Meine zwei Hunde sind meine 'Bodyguards', seit ich schwanger bin. Wehe, es kommt mir jemand zu nahe, der wird erstmal richtig angekläfft", stimmt eine andere zu. Fachleute glauben, dass es die veränderte hormonelle Lage ist, die von den feinen Hundenasen gewittert wird. Doch auch Katzen erschnuppern manchmal die "anderen Umstände". "Meine beiden Kater haben in meinen Schwangerschaften jeweils gleich reagiert: Beide machten von Anfang an einen großen Bogen um mich. Futter darf ich ihnen noch geben, aber geschmust wird gar nicht mehr", berichtet eine schwangere urbia-Userin.

Die Erklärung von Haustierexperten: Für Hunde ist ein Baby ein "Rudelmitglied". Eine Schwangere ist damit jemand, der beschützt werden muss, weil das Ungeborene das schwächste Mitglied des Rudels sein wird. Oft sind es vor allem Rüden, die zum Schutzhund mutieren, bei Hündinnen kommt es eher zu Konkurrenzverhalten: Sie werden scheinträchtig oder mögen Frauchens Berührungen nicht mehr. Katzen aber reagieren eher deshalb spröde, weil sie Reviertiere sind - da ist das sich ankündigende Baby zunächst ein Eindringling.

Hund und Katze aufs Baby vorbereiten

Es ist ein bisschen, wie bei einem älteren  Geschwisterkind: Kommt ein neues Familienmitglied, haben auch Tiere schnell das Gefühl, abgeschoben und nicht mehr geliebt zu werden. Sind Veränderungen nötig, sollte man sie daher einige Monate vor der Geburt des Babys vornehmen. So sieht der fellige Freund nicht das Baby als Ursache, falls der Hundekorb künftig im Flur stehen oder der Katzen-Stammplatz im Schlafzimmer geräumt werden muss.

Eifersucht beugt es auch vor, den Vierbeiner schon in der Schwangerschaft an feste Zeiten zu gewöhnen, in denen ausgiebig gespielt, geschmust oder das Fell gebürstet wird. Diese sollten möglichst wenig mit dem voraussichtlichen Rhythmus des Babys kollidieren. Gut ist der Mittag: Während das Baby später schläft, haben Hund oder Katze ihren Lieblingsmenschen für sich allein.

Tabuzonen abstecken

Wer möchte, dass Hund oder Katze bestimmte Bereiche oder Gegenstände meiden, die mit dem Baby zu tun haben, sollte dies schon während der Schwangerschaft trainieren. Babybett, Wickelkommode, Krabbeldecke oder auch das ganze Kinderzimmer können zur "verbotenen Zone" erklärt werden. Kleine Belohnungen bei Beachtung, oder (bei Katzen) auch der Einsatz von ein paar Spritzern Wasser konditionieren das Tier auf die neue Regel.

Verbotenes hat jedoch einen besonderen Reiz, und vor allem Katzen halten sich nicht zuverlässig an Regeln. Deshalb kann es entspannter sein, auf Tabuzonen zu verzichten. Dürfen Hund und Katze Babybett, Wickelunterlage oder Krabbeldecke beschnuppern, verlieren diese Dinge an Attraktivität. Allerdings sollten sie nicht zum neuen Ruheplatz des Haustiers mutieren: Es löst sonst Aggressionen aus, wenn sie vom Baby belegt werden. Letztlich hängt es vom Bauchgefühl und Hygienebedürfnis der Halter ab, welche Lösung besser passt.

Hund an den Babywagen gewöhnen

Wer die Vorbereitung optimal gestalten möchte, kauft eine Babypuppe, die schreien kann, und beschäftigt sich immer wieder betont damit. So gewöhnen sich Hund oder Katze daran, nicht mehr der Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit zu sein. Wichtig ist jetzt auch, bei Hunden auf eine gute Leinenführung zu achten. Sonst wird der Spaziergang mit Babywagen und zerrendem Hund zum Kraftakt. Hundetrainer empfehlen, sich dafür ruhig einen Kinderwagen auszuleihen. Geübt wird dabei auch, dass der Mensch bestimmt, wer sich dem Wagen nähert, und nicht der Hund.

"Schwangerschaftsvertretung" fürs Tier

Planung braucht auch die Tierpflege in der Schwangerschaft: Wer wird mit dem Hund Gassi gehen, wenn der Bauch größer und der Frau alles zuviel wird, oder wenn ihr der Arzt zu Schonung rät? Ein Aushang im Supermarkt, der Uni, im Wohnkomplex oder der Bäckerei kann helfen, eine Vertretung zu finden. Reiterinnen sollten überlegen: Wer kann das Pferd regelmäßig bewegen, wenn man selbst nicht mehr reiten kann oder darf? Vielleicht ist jemand an einer Reitbeteiligung für die Zeit der Schwangerschaft interessiert. Auch hier hilft ein rechtzeitiger Aushang im Reitstall oder eine Annonce im Internet in den Reiterforen.

So wird das Baby freundlich aufgenommen

Ist das Baby geboren, rät Hundetrainer Alexander Külzer aus Köln dazu, dem Hund vor der ersten Begegnung schon eine benutzte Windel mitzubringen. Man sollte ihn daran schnuppern lassen und dabei Futter- und Ballspiele machen sowie dem Tier besonders viel Aufmerksamkeit schenken. "Das Schnuppern wird dann positiv konditioniert: Der Hund empfindet das Kind als etwas Positives und fühlt sich nicht sozial vernachlässigt."

Ob beim Wickeln,  Baden, Füttern oder Insbettbringen - der Vierbeiner sollte dabei sein. Denn wenn er das Baby beschnüffeln und kennenlernen darf, kann er sich davon überzeugen, dass das kleine Wesen harmlos ist. Es wird leichter als neues Rudel- oder Familienmitglied akzeptiert und löst weniger Misstrauen oder Konkurrenzverhalten aus.

Die noch junge Freundschaft braucht Aufsicht

Eine eiserne Regel aber gibt es: das Baby nie mit dem Tier allein im Zimmer zu lassen. Katzen möchten sich manchmal auf den warmen Babybauch legen. (Es gibt im Handel auch Katzennetze für das Babybett). Der Hund wiederum sieht das Baby als eine Art "Welpe" an, der noch erzogen werden muss. Er könnte ihm klar machen wollen, wer der Boss ist. Das gilt verstärkt, wenn das Baby zu krabbeln beginnt und an Gegenstände geht, die dem Hund gehören. Wichtig ist auch, dem Hund nicht das Babyspielzeug zum Spielen zu geben, damit die Besitzverhältnisse eindeutiger sind.

Wenn der Vierbeiner sich ungeliebt fühlt

Manchmal kommen Katze oder Hund trotz allem nicht auf Anhieb mit dem Neuzugang klar. Hunde haben keine Freude mehr am Spielen und Spazierengehen oder fressen nicht mehr. Katzen urinieren oder koten vielleicht ins Babybett oder auf andere Möbel, um den Eindringling aus ihrem "Revier" zu vergraulen. Hier hilft nur Geduld und dem Tier immer wieder Zuwendung zu schenken, auch wenn man mit dem Baby viel zu tun hat. Gerade Einzeltiere, die stark auf den Menschen fixiert sind, brauchen Zeit, um sich an das neue Familienmitglied zu gewöhnen.


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