Toxoplasmose-Gefahr unterschätzt

Schwangerschaft und Toxoplasmose

Schwangere sollten sich von Katzenklos und rohem Fleisch fernhalten. Sonst können sie sich mit Toxoplasmen infizieren - Parasiten, die das Baby gefährden. Doch wie genau können sich Schwangere vor der Infektionskrankheit Toxoplasmose schützen?

Autor: Susanne Ruprecht / Heike Byn
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Toxoplasmose: Übertragung durch Parasiten

Schwangere besorgt Bett
Foto: © iStockphoto.com/ AContadini

Die Erwähnung von Toxoplasmose lässt so manche werdende Mutter erst einmal gehörig zusammenfahren. Die meisten denken sofort an Katzen, an Fehlgeburt oder missgebildete Kinder, doch was es mit dieser Krankheit genau auf sich hat, das wissen die wenigsten. Muss die Schmusekatze bei einer bestehenden Schwangerschaft aus dem Haus? Wie gefährlich ist Toxoplasmose wirklich und wie wird sie übertragen?

Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit , die durch Parasiten, in der Fachsprache heißen sie „Toxoplasma gondii", verursacht wird. Der sehr anpassungsfähige und vermehrungsfreudige Parasit ist ständig in einer Art Kreislauf durch verschiedene Säugetiere unterwegs. Er kann sich jedoch nur im Darm einer Katze vermehren. Eine erkrankte Katze scheidet Oozysten (Eier) des Erregers mit dem Kot aus, die nach einem bis vier Tagen in der Umwelt infektionstüchtig werden. Gelangen sie in den Kreislauf eines Schlachttieres, kommt es zur Bildung von Toxoplasmose-Zysten im Muskelgewebe der erkrankten Tiere. Durch den Verzehr dieses Fleisches kann der Parasit auf den Menschen übertragen werden.

Wie infiziert man sich?

Eine Infektion kann also grundsätzlich auf zwei Wegen erfolgen: Entweder oral, über den Verzehr von Fleisch - insbesondere von rohem Fleisch wie Mett oder Tatar – infizierter Schlachttiere oder von Gemüse oder Obst aus Freilandanbau, das durch Katzenkot verunreinigt wurde.

Die andere Infektionsmöglichkeit besteht in einer Schmierinfektion , also dem direkten Kontakt mit Katzenkot. Dazu kann es z.B. beim Reinigen des Katzenklos kommen, aber auch bei der Gartenarbeit, wenn streunende Katzen ihre Exkremente im Garten entsorgt haben.
Katzen mit Auslauf sind wesentlich häufiger Träger von Erregern als Hauskatzen, die außer über rohes Fleisch kaum Ansteckungsmöglichkeiten haben.

Symptome und Vorsichtsmaßnahmen

In den meisten Fällen (bei 85–90 Prozent) verläuft die Krankheit unbemerkt. Sie kann sich in Form von grippeähnlichen Symptomen wie leichtem Fieber, leichter Lymphknotenschwellung, Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen äußern, eventuell kann es auch zu Durchfall kommen. Die eindeutige Diagnose ist nur über die Bestimmung der Antikörper im Blut zu erstellen. Ein positiver Befund bedarf normalerweise keiner Behandlung. Eine Ausnahme bilden schwangere Frauen und Menschen mit einer Abwehrschwäche.

Studie: Überdurchschnittlich viele Toxoplasmose-Infektionen in Deutschland

Einmal infiziert tragen Menschen die Toxoplasmen-Parasiten das ganze Leben in sich. Für eine Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland, die das Robert Koch-Institut (RKI) im Frühjahr 2016 veröffentlich hat, untersuchten Forscher Blutproben von mehr als 6.600 Personen. In etwas mehr als der Hälfte der getesteten Proben fanden sie Toxoplasmose-Antikörper. Vor der aktuellen Untersuchung gab es laut RKI keine verlässlichen Daten zum Vorkommen des Erregers in Deutschland. Damit liegen die Deutschen über dem internationalen Schnitt: Nach Schätzungen der Experten tragen 30 Prozent der Weltbevölkerung die Parasiten in sich. Nach Überwindung der Krankheit verfügt der Organismus über Antikörper, die ihn fortan vor einer erneuten Infektion schützen. Er ist nach der Erstinfektion also immun gegen die Parasiten.

Wie kann man sich gegen eine Infektion schützen?

Leider gibt es für Katzen bisher keine Impfung gegen Toxoplasmose. Es besteht jedoch die Möglichkeit, sie beim Tierarzt auf den Erreger testen zu lassen. Darüber hinaus wird Katzenbesitzerinnen bei einer bestehenden Schwangerschaft ein Toxoplasmose-Test für 14 bis 16 Euro empfohlen, der meist auf eigene Kosten durchzuführen ist. Ist das Ergebnis negativ, ist der Körper also nicht durch körpereigene Antikörper vor neuen Erregern geschützt, so sollten folgende Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden:

  • Wurde die eigene Katze vom Tierarzt positiv getestet, sollte während der Schwangerschaft vorsichtshalber eine andere Unterbringungsmöglichkeit für sie gesucht werden
  • Auf den Verzehr von rohem oder halbrohem Fleisch sollte verzichtet werden. Eine Infektion ist auch beim Zubereiten von Fleisch möglich. Daher sollten dabei möglichst Einweg-Handschuhe verwendet und im Anschluss daran immer die Hände mit Seife gewaschen werden
  • Nach jedem Katzenkontakt die Hände mit Seife waschen
  • Die Katze nur mit Fertigfutter, nicht mit rohem Fleisch füttern
  • Das Katzenklo sollte während der Schwangerschaft von anderen Personen gereinigt werden. Ist das nicht möglich, sollten Einweg-Handschuhe verwendet und anschließend die Hände mit Seife gewaschen werden. Die Reinigung sollte täglich erfolgen, damit die Erreger im Vorstadium nicht in das infektiöse Stadium heranreifen können
  • Ebenso sollten bei der Gartenarbeit Handschuhe getragen werden, um eine Schmierinfektion durch verunreinigte Erde zu vermeiden
  • Gemüse, Salate und Obst aus dem Freilandbau sollten gut gewaschen werden, da sie ebenfalls mit Katzenkot in Berührung gekommen und verunreinigt sein könnten

Toxoplasmose in der Schwangerschaft

Infiziert sich eine schwangere Frau erstmals mit dem Toxoplasmoseerreger, so besteht die Gefahr, dass er die feine Membran der Plazenta passiert und in den kindlichen Kreislauf gelangt, der noch nicht über ein funktionsfähiges Immunsystem verfügt. Dr. Joachim Gnirs von den "NetDoktoren" schätzt das Risiko einer Übertragung in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten auf über 15 bis 20 Prozent. In diesem Stadium können sowohl schwere körperliche als auch geistige Behinderungen die Folge sein. Besonders das Gehirn und die Augen können nachhaltig geschädigt werden. Auch eine Fehlgeburt kann ausgelöst werden.

Tritt die Infektion zu einem späteren Schwangerschaftszeitpunkt auf, weisen die Kinder unterschiedlich ausgeprägte Krankheitsbilder, z.B. Narben auf der Augennetzhaut, auf. Das Risiko einer Übertragung der mütterlichen Infektion auf das Ungeborene erhöht sich in der Spätschwangerschaft auf bis zu 50 Prozent.

Manche Gesundheitsschäden können erst - oder auch wieder - nach Monaten und sogar Jahren auftreten . Eine frühzeitige und ausreichend lange Behandlung (bis zu einem Jahr) kann das Ausmaß der Symptome wesentlich vermindern bzw. ein Wiederauftreten der Erkrankung verhindern.

Dr. Joachim Gnirs verweist darauf, dass nur in rund einem Prozent aller Fälle das klassische Bild einer schweren im Mutterleib entstandenen Toxoplasmose-Infektion entsteht. Hier weist das Kind unter anderem folgende typische Krankheiten auf:

  • Netzhautentzündung
  • Entstehung eines Wasserkopfes
  • Gehirnverkalkungen mit einem Folgeschaden der Gehirnentzündung

Was tun bei Verdacht auf Toxoplasmose in der Schwangerschaft?

Schwangere Frauen mit oben genannten Toxoplasmose-verdächtigen Symptomen sollten also unverzüglich den Arzt aufsuchen und einen entsprechenden Bluttest veranlassen. Obwohl der Mutterpass eine entsprechende Untersuchung vorsieht, ist die Laboruntersuchung in Deutschland leider kein grundsätzlicher Bestandteil der Mutterschaftsvorsorge. Die Kosten werden nur bei einem begründeten Infektionsverdacht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen - und das, obwohl die Krankheit behandelbar ist und sich dadurch zum Teil schwere Schäden abwenden ließen. Die Kosten belaufen sich auf etwa 50-60 €. Der Test sollte später in der Schwangerschaft (etwa 20. Schwangerschaftswoche) noch einmal wiederholt werden, um eine eventuell neu aufgetretene Infektion auszuschließen. Wurde ein Kind während der Schwangerschaft von seiner Mutter infiziert, so ist der zuständige Arzt verpflichtet, dies zu melden.

Infektion in der Schwangerschaft

Bei einer Erstinfektion in der Schwangerschaft wird die Mutter zunächst mit Antibiotika behandelt. Ein Spezialist wird ein geeignetes, der Entwicklungsphase des Kindes entsprechendes Präparat auswählen. Dadurch kann das Erkrankungsrisiko für das Neugeborene wesentlich gesenkt werden. Die Behandlung dauert mindestens vier Wochen.

Um eine Schädigung des Kindes erkennen zu können, ist eine ausführliche Ultraschalluntersuchung unbedingt erforderlich. Zusätzlich kann nach der 20. Schwangerschaftswoche eine Fruchtwasseruntersuchung Aufschluss darüber geben, ob die Toxoplasmen das Kind überhaupt erreicht haben und das kindliche Immunsystem darauf reagieren musste. In Ausnahmefällen kann auch eine Blutuntersuchung aus der Nabelschnur mittels einer ultraschallgesteuerten Nabelschnurpunktion den Nachweis einer kindlichen Infektion liefern. Die Entscheidung über Sinn und Nutzen einer solchen Untersuchung sollte ein erfahrener Spezialist für Pränatalmedizin unter Abwägung der Risiken bei einem solchen Eingriff treffen.

Literaturhinweise

Christa van Leeuwen, Bart Maris: "Schwangerschaftssprechstunde", Urachhaus

Arlene Eisenberg, Heidi Murkoff, Sandee Hathaway: "Ein Baby kommt", Vlg. Gesundheit

Eiko E. Petersen: "Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe", Thieme

Alexander T. Teichmann, Ulrich Steigerwald: "Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe. Krankheiten, Diagnostik, Therapie und Prophylaxe", Wissensch. VG.

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