Nicht harmlos, aber auch kein Drama

Streptokokken in der Schwangerschaft

Für die meisten Schwangeren bedeutet die Diagnose erstmal einen riesigen Schreck: Streptokokken! Schadet das dem Baby? Droht vielleicht sogar eine Frühgeburt? Zur Panik besteht kein Grund. Die Bakterien bereiten in der Regel keine Probleme - und sie können gut behandelt werden.

Autor: Susanne Kailitz
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Streptokokken B können krank machen

Bauch schwanger
Foto: © iStockphoto.com/ kaczka

Streptokokken sind die am weit verbreitetsten Bakterien auf der Haut und im Darm. Sie werden normalerweise von der körpereigenen Abwehr erfolgreich bekämpft. Im Vaginal- und Genitalbereich finden sich vor allem Streptokokken der Gruppe B - rund 20 bis 30 Prozent aller Schwangeren sind mit diesen Bakterien besiedelt. Dort können sie etwa Harnwegsinfektionen, Endometriosen oder Wundheilungsstörungen auslösen, davon sind aber nur die wenigsten Frauen betroffen.

B-Streptokokken gefährden Frühgeborene

Also alles ganz harmlos? Nicht ganz, mahnt der Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde am Helios-Klinikum in Erfurt Udo B. Hoyme: „B-Strepktokken können kreuzgefährlich vor allem für Frühgeborene sein, weil sie bei ihnen eine Sepsis (Blutvergiftung) auslösen können, die sogar tödlich sein kann." Und auch wenn ihr Risiko geringer ist: Auch bei reifen Neugeborenen können die Streptokokken bedrohlich werden. Die Erreger dringen in den Körper der Kinder ein und infizieren ihn, ohne dass das Immunsystem sich dagegen wehren kann. Weil die Bakterien sich über das Blut im ganzen Körper verteilen, sind davon schnell die Organe betroffen - im schlimmsten Fall droht ein septischer Schock. Gefürchtet ist auch die Hirnhautentzündung, die die B-Strepktokokken auslösen können.

Streptokokken-Test erst ab 35. Woche sinnvoll

Etwa eins von 2.000 Neugeborenen infiziert sich während der  Geburt oder danach. Experten unterscheiden dabei zwischen einer frühen Form innerhalb von drei Tagen nach der Geburt und einer späten von 7. bis zum 90. Lebenstag. Weil vor allem der Verlauf der frühen Infektion dramatisch sein und innerhalb weniger Stunden zum Tod des Babys führen kann, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, dass werdende Mütter sich zwischen der 35. und der 37. Schwangerschaftswoche auf Streptokokken testen lassen. Dafür ist nur ein unkomplizierter Abstrich nötig. Sich schon früher testen zu lassen, ist nicht besonders sinnvoll: Die Bakterien können während der Schwangerschaft kommen und wieder gehen - wer in der 20. Woche einen positiven Befund hat, kann sie zur Geburt längst wieder los sein, wessen Test ohne Befund bleibt, kann zwei Wochen später längst besiedelt sein.

Davon, in Sachen Test auf eine kurzfristige Lösung im Krankenhaus zu setzen, rät Experte Hoyme ab. Die vielen Schnelltests, die es auf dem Markt gebe, würden meist nicht gut funktionieren und bis nach dem Abstrich eine Kultur angelegt sei, könne unter Umständen zu viel Zeit vergehen.

B-Streptokokken: Behandlung mit Antibiotika bei Geburt

Wird beim Abstrich beim Gynäkologen festgestellt, dass die Schwangere mit B-Streptokokken besiedelt ist, wird das in den  Mutterpass eingetragen. „So ist man im Krankenhaus informiert", erklärt Fachmann Hoyme, „und kann der Frau bei Wehenbeginn oder nach dem Platzen der Fruchtblase Antibiotika verabreichen."

Eine frühere Behandlung mache in der Regel keinen Sinn - außer, die Frau steuere auf eine Frühgeburt zu. „Weil die Bakterien für die Frühgeborenen so gefährlich sind, wird man in diesem Fall auch schon vor der Geburt eine Antibiose verabreichen. In der Regel kommt dabei Penicillin zum Einsatz. Nach der Geburt entscheidet der Kinderarzt, ob eine weitere Behandlung nötig ist: Sollte das Kind Anzeichen einer Infektion zeigen, erhält es umgehend Antibiotika. Sind Mutter und Kind gesund und fit, ist keine weitere Behandlung nötig.

Krankenkassen übernehmen keine Kosten für den Test

Obwohl die Fachgesellschaften den Streptokokken-Test während der Schwangerschaft empfehlen, werden die Kosten dafür von den Krankenkassen nicht übernommen. Für den Test und die Beratung verlangen die meisten Frauenärzte zwischen 20 und 30 Euro. Schützen kann man sich vor den Bakterien übrigens nicht - Möglichkeiten zur Prävention für Schwangere existieren nicht.

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