Zwischen Yin und Yang
Tai Chi in der Schwangerschaft
Beim Tai Chi wurzelt der Übende mit seinen Füßen in der Erde und trägt mit dem Kopf den Himmel. Tai Chi lässt die Lebensenergie in der Schwangerschaft strömen.
Wo die Lebensenergie ungehindert strömt
Ich betrachte skeptisch meinen Bauch. Ich bin im siebten Monat schwanger und irgendwie kneift es mich heute morgen an allen Ecken und Enden. Der Ischiasnerv tut so bös weh, dass ich kaum zehn Schritte laufen kann, die Schultern sind verspannt, und als ob das noch nicht reicht, scheint das Baby irgendwo zwischen meinen Rippen festzuklemmen, jedenfalls drückt’s teuflisch. Ich bekenne: Bisher war ich zu träge, zusätzlich zum üblichen Geburtsvorbereitungskurs noch weitere Maßnahmen zu ergreifen, die mich in eine topfitte Bilderbuchschwangere hätten verwandeln können. Doch jetzt wird alles anders, schwöre ich mir ächzend. Ich werde mein seit Monaten vernachlässigtes Tai Chi ausgraben und wieder anfangen zu üben. Jetzt. Sofort.
Im Unterbauch ist das Zentrum von Geist und Körper
Ich fange wieder bei Null an, wie damals im VHS-Kurs: „Arme heben und senken“. Kann ja nicht so schwer sein, und tatsächlich - das mit dem Koordinieren der Atmung beim Heben und Senken und dem gleichzeitigen In-die-Knie-gehen klappt noch. Na also. Obwohl...der Bauch ist irgendwie schon arg schwer, es ist gar nicht so einfach, aus dem leichten Beugen der Knie wieder aufzutauchen... Trotzdem beschwingt durch meine offensichtlich immer noch stählerne Kondition mache ich weiter. Jetzt die Übung „Das Zentrum drehen“, prima, macht immer besonders viel Spaß. Entspannt lasse ich die leicht abgespreizten Arme und den Oberkörper hin und her schwingen. Wichtig: Die Bewegung muss aus dem Zentrum, dem Unterbauch (im Tai Chi auch „Zinnoberfeld“ genannt) kommen. Den kann ich zwar zur Zeit nicht mehr sehen, weil mir der stinknormale Schwangerschaftsbauch die Sicht versperrt, aber egal.
Überhaupt spielt der Unterbauch beim Tai Chi eine zentrale Rolle. Denn hier, und nicht - wie unsere westliche Vorstellung glaubt in Kopf oder Herz – sitzen nach chinesischer Auffassung Geist und Lebensenergie.

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