Serie: "Schwanger in Italien", 5. Teil
Hier wird gepresst wie in Deutschland!
Von außen macht die Geburtsklinik, die Julia Rubin in der 33. Woche besichtigt, zwar nicht wirklich etwas her, aber wichtig ist doch, was drinnen stattfindet, oder? Zum Geburtsvorbereitungskurs wurde die zweifache Mutter aber nicht zugelassen: "Das brauchen Sie nicht!"
Geburtsklinik oder Abrissruine?
Julia Rubin (35) lebt zur Zeit in Italien. Ihre ersten beiden Söhne kamen in Deutschland zur Welt, ihr drittes Kind wurde im März 2010 in Turin geboren. Dies klingt zunächst nicht spektakulär, denn schließlich ist Italien nicht Papua Neuguinea. Aber Mamma Mia, andere Länder, andere Sitten! Was das für die Begleitung durch die Schwangerschaft und die Geburt bedeutete, berichtete Julia Rubin für urbia im Rahmen ihrer Serie "Schwanger in Italien".
Würde auf dem Haus nicht mit riesigen Buchstaben „Ospedale Maggiore“ drauf stehen, hätte ich gedacht, dass dieses Gebäude bereits als Abrissruine freigegeben wäre. Braune, zerfallene Rollläden hängen schief an den Fenstern, der gelb-braune Putz bröckelt an allen Ecken auf den Bürgersteig. Von außen macht das Krankenhaus, in dem mein dritter Sohn geboren werden soll, keinen besonders vertrauenerweckenden Eindruck. Wäre 'ne super Fernsehkulisse. Aber Krankenhaus? Hmm. Aber immerhin gibt es - ganz modern - direkt vor dem Krankenhaus zwei rosafarbene Parkplätze, beide mit einem Storch gekennzeichnet. Das sind die reservierten Plätze für Schwangere wie mich. Die sind nah am Eingang und kostenlos. Nur leider bin ich heute nicht die einzige Schwangere, die hier unterwegs ist; also stelle ich mein Auto genau daneben, auf einen gebührenpflichtigen Platz. Dann, einmal halb um die „Ruine“ herum, komme ich zum Eingang und schaue großzügig über das tiefe Loch im Bürgersteig vor dem Portal hinweg. „Wichtig ist, wie es drin aussieht“, rede ich mir zu und halte nach einem Hinweis auf die Geburtsstation Ausschau.
„Komme Sie mitte Anti-D-Prophylaxe-Stoff amme Freitag in de zweite Stock und suche Sie nach mir“, das hatte mir mein Frauenarzt Anfang der Woche am Telefon gesagt. Und wieder einmal konnte ich erleben, wie gut es ist, nicht nur die Festnetz-, sondern auch die Handynummer des Gynäkologen im eigenen Handy eingespeichert zu haben: mit dem ersten, handschriftlichen Rezept meines Frauenarztes für die Anti-D-Prophylaxe hatte ich gestern in der Apotheke erst mal keinen Erfolg, denn der aufgeschriebene Stoff war im Handel gar nicht mehr erhältlich. Ma, non c'e un problema – aber kein Problem! Statt wegen eines neuen Rezepts nochmal zum Arzt in die Turiner Innenstadt fahren zu müssen, schrieb ich dem Dottore einfach eine SMS. Und es klappte perfekt: Zwei Minuten später kam seine Antwort - „Va bene l'immuno-rho. A domani“. Der neue Wirkstoff, verschrieben per SMS – und damit bekam ich in der Apotheke schließlich das, was ich brauchte! SMS statt Rezept – manchmal kann Italien so herrlich unkompliziert sein!




