Mobil mit Bauch

Hochschwanger Auto fahren

Viele Schwangere trauen sich mit dickem Bauch nicht so recht hinters Steuer. Ein Frauenarzt beruhigt aber: Alles nicht so schwierig!

von Andrea Grüten
Frau Auto fahren
Foto: © iStockphoto.com/ lisegagne

Tipps zum Autofahren kurz vor der Geburt

Der Bauch wächst mit der Freude auf den Nachwuchs. Noch sechs Wochen bis zu dem großen Tag. Die meisten werdenden Mamas gehen jetzt in den Mutterschutz, brauchen nicht mehr zu arbeiten. Zuhause aber geht der Alltag weiter. Und das bedeutet, mobil sein: Arzttermine stehen an, einkaufen muss man und vieles mehr. Ein Risiko will nun niemand mehr eingehen. Sportliche Anstrengungen wie Fensterputzen sind tabu. Aber was ist mit dem Autofahren? Schnall ich mich lieber an, oder drückt der Gurt zu sehr? urbia ist dieser lebenswichtigen Frage einmal nachgegangen.

Bequemer ohne Gurt - Irrtum mit schweren Folgen

Viele werdende Mütter verzichten aus Bequemlichkeit auf den strammen und einengenden Sicherheitsgurt. Ein momentanes Wohlgefühl, das böse Folgen haben kann. Denn Studien haben bewiesen, dass die Überlebenschance für die Frau und das Ungeborene bei einem Auffahrunfall weitaus größer waren mit Gurt als ohne. „Unangeschnallt prallt der Bauch bei einem Unfall gegen das Lenkrad“, warnt der Düsseldorfer Frauenarzt Dr. Ernst Elek. Durch die Wucht kann sich der Mutterkuchen von der Gebärmutterwand lösen und eine Fehlgeburt auslösen. Dr. Elek empfiehlt, den Drei-Punkte-Gurt stramm zwischen Bauch und Oberschenkel zu legen. Dadurch wird bei einer Kollision ein einseitiger Druck auf die Gebärmutter vermieden. Grundsätzlich ist es nach Ansicht des Gynäkologen besser, wenn die Frau sechs Wochen vor der Geburt im Auto besser begleitet wird oder nur noch Beifahrerin ist.

Mehr Komfort durch ein Kissen

Wer hoch in Umständen ist und nicht auf das Autofahren verzichten kann oder will, sollte auf Empfehlung des Frauenarztes immer ein kleines Kissen dabei haben. Es hält den Sicherheitsgurt unterhalb des Bauches. Über die Verletzungsgefahr für werdende Mütter und Ungeborene hat auch die Industrie nachgedacht. So gibt es im Fachhandel zum Beispiel spezielle Sitzkissen, die die Lage des Beckengurtes unter dem Bauch fixieren: Befestigt werden sie mit zwei Gurten an der Rücklehne des Fahrer- oder Beifahrersitzes. Der Beckengurt wird durch eine Schlaufe zwischen den Beinen geführt und verhindert so ein Verrutscchen während der Fahrt.

Von der Anschnallpflicht befreit

Nur in Ausnahmefällen ist eine Schwangere von der Anschnallpflicht befreit. Dazu muss sie ein ärztliches Gutachen vorweisen. Aus ihm muss hervorgehen, dass durch das Anlegen des Sicherheitsgurtes eine Gefährdung für Mutter und Kind ausgeht. Aber damit nicht genug: Das Schreiben muss zusätzlich noch vom Ordnungsamt zugelassen werden.

Stressmomente vermeiden

Wer sich entscheidet, im letzten Drittel der Schwangerschaft Auto zu fahren, muss laut Frauenarzt nicht nur damit rechnen, dass der Bauchumfang erheblich einschränkt. Aufgrund der starken Gewichtszunahme sind auch die Beine ungewöhnlich belastet. Dr. Elek: „Autofahren bedeutet unter anderem auch Stress. Zudem müssen schwere, unnötige Erschütterungen vermieden werden, da sie Wehen auslösen können.“ Wer dennoch eine längere Autofahrt in Kauf nehmen muss, der sollte Thrombose-Strümpfe tragen, um einen Blutstau und Wasserablagerungen in den Beinen zu verhindern. Außerdem sind längere Pausen natürlich ratsam. Dr. Elek: „Schwangerschaft ist keine Krankheit. Trotzdem sollte man die Risiken abwägen und seinen Körper nicht überschätzen.“

Rücksichtslose Autofahrer

Wer kennt das nicht: Als Mutter mit einem kleinen Kind auf dem Rücksitz ist man auf die Rücksichtnahme anderer Autofahrer angewiesen. Parken die einen zu, hat man arge Probleme den Sprössling wieder in den Wagen zu hieven. Aber schon während der Schwangerschaft fängt der Ärger mit den lieben Mitmenschen an. Denn leider gibt es keine speziellen Parkplätze wie etwa für Behinderte, die reichlich Platz bieten, um ungehindert mit dem dicken Bau ein- und auszusteigen. Zum Glück gibt es häufig die extra-breiten Mutter-Kind-Parkplätze. Ob ein Hinweis an der Windschutzscheibe auf die Schwangerschaft als Appell für andere Autofahrer hilft?