Mutterpass

Was du über den Mutterpass wissen musst – ein Überblick

Der Mutterpass begleitet in Deutschland jede Frau während der Schwangerschaft und erfüllt dabei wichtige Funktionen. Sowohl Ärzte als auch Hebammen nutzen die hier eingetragenen Daten für die Betreuung schwangerer Frauen. Ab wann Ärzte und Hebammen den Mutterpass ausstellen, was er enthält und was bei Verlust zu tun ist, erfährst du hier.

Mutterpass Ultraschallbild panther Brigitte Schneider
Foto: © panthermedia, Brigitte Schneider
In Deutschland kommt der Mutterpass bereits seit 1968 zum Einsatz. Das dünne Büchlein dient dazu, die wichtigsten Ergebnisse der Vorsorgeuntersuchungen während der  Schwangerschaft und unmittelbar nach der Geburt festzuhalten. Werdende Mütter sollten diese Daten immer bei sich tragen, um in Notfällen den behandelnden Ärzten sofort alle wichtigen Informationen zur Verfügung zu stellen. Falls der Mutterpass verloren geht, kannst du die zurückliegenden Untersuchungsergebnisse in deiner Schwangerschaftsakte nachlesen und ein neues Exemplar anlegen lassen. Du findest im Übrigen unterschiedlichste Mutterpasshüllen, die den Pass schützen und mit individuellen Gestaltungen daherkommen.

 Was bedeutet der Vermerk "SSW 20+4" im Mutterpass?

Mutterpass – ab wann du ihn bekommst und was auf den ersten Seiten steht

Der behandelnde Arzt stellt den Mutterpass während der ersten Vorsorgeuntersuchung aus und mit jeder weiteren Untersuchung kommen weitere Einträge hinzu. Der letzte Eintrag erfolgt im Zuge der zweiten Nachsorgeuntersuchung. Heutige Pässe bieten auf insgesamt 32 Seiten Platz für die Daten zweier Schwangerschaften. Auch danach solltest du den Mutterpass gut aufbewahren, weil er Informationen enthält, die für mögliche weitere Schwangerschaften wichtig sind.

Die ersten medizinischen Einträge fasst der Mutterpass als „Serologische Untersuchungen“ zusammen. Mediziner verstehen darunter Nachweisverfahren, bei denen Antigene und Antikörper ermittelt werden. Diese verraten, ob Infektionserreger im Blut vorhanden sind oder bestimmte Infektionen bereits überstanden und daher für Mutter und Kind nicht mehr gefährlich sind und geben wichtige Hinweise, ob Risiken für das Ungeborene im Mutterbauch entstehen könnten. Über diese Verfahren klären Ärzte zum Beispiel ab, ob im Blut der Schwangeren Röteln-Antititer vorhanden sind und tragen das Ergebnis in den Mutterpass ein. Unter den Serologischen Untersuchungen findest du auch das Feld mit der Überschrift LSR vor. LSR kürzt Lues-Such-Reaktion ab – eine landläufigere Bezeichnung für Lues ist Syphilis.

Blutgruppen und besonders Rhesusfaktoren von Mutter und Kind zählen zu wichtigen Informationen für eine Schwangerschaft und werden im Mutterpass ebenfalls unter den Antikörper-Antigen-Untersuchungen berücksichtigt. Wenn die Mutter einen negativen Rhesusfaktor aufweist, bekommt dieser Bedeutung. Dann kann es bei einer nachfolgenden Schwangerschaft, wenn die Konstellation Mutter: Rhesusfaktor negativ und Kind: Rhesusfaktor positiv vorliegt, zu einer Rhesus-Unverträglichkeit kommen, die unmittelbare Gefahr für das Kind bedeutet. Eine solche Reaktion ist während der ersten Schwangerschaft und auch bei allen anderen Rhesuskonstellationen ausgeschlossen. Ärzte verabreichen Müttern mit einem negativen Rhesus-Faktor prophylaktisch ein Mittel, das die Bildung von Antikörpern unterdrückt. Zwischen der 24. und 27. Schwangerschaftswoche folgt ein zweiter Antikörpertest.

Frauenärztin erklärt: Rhesus-Unverträglichkeit

Was der Mutterpass auf den folgenden Seiten enthält

Auf die serologischen Untersuchungen folgen im Mutterpass „Angaben zu vorangegangenen Schwangerschaften“. Hier trägt der Arzt die Anzahl der zurückliegenden Schwangerschaften, Informationen zum Verlauf, zum Ablauf der  Geburt und zum Geburtsgewicht, der Geburtsgröße und dem Geschlecht des Kindes ein.

Auf Seite 5 findest du eine Liste, in die der Arzt die Befunde der ersten Vorsorge-Untersuchung einträgt. Auf Basis der Befunde kann der behandelnde Mediziner erkennen, ob ein Schwangerschaftsrisiko vorliegt. Außerdem findet sich auf Seite 5 das Datum der Schwangerschaftsfeststellung und des errechneten Geburtstermins.

Die 6. Seite im Mutterpass enthält außergewöhnliche Befunde, die der Arzt im Verlauf der Schwangerschaft festgestellt hat. Das können beispielsweise Infektionen der Harnwege, Mehrlingsschwangerschaften oder eine Plazenta-Insuffizienz ein.

Es folgt eine Doppelseite mit einem Gravidogramm. Gravidität ist der medizinische Fachausdruck für Schwangerschaft und das Gravidogramm gibt eine tabellarische Verlaufsübersicht über wichtige Schwangerschaftswerte wie Gewicht, Herztöne, Kindslage und den Höhenstand der Gebärmutter (Fundusabstand) an.

Die 9. Seite bietet Platz für ergänzende Angaben. Außerdem enthält diese Seite eine Tabelle, in die der Arzt die Ergebnisse der cardiotokografischen Befunde einträgt, die in der Regel ab der  30. Schwangerschaftswoche erfolgen. Dabei untersucht der Arzt die Herztätigkeit des Kindes und die „Wehenbereitschaft“ der Gebärmutter.

Auf den Seiten 10 und 11 im Mutterpass werden die wichtigsten Daten der standardmäßigen  Ultraschall-Screenings in der 9., 19. und 29.-32. Schwangerschaftswoche eingetragen. Dabei werden eine ganze Reihe von Abkürzungen verwendet – hier erfahren du, wofür diese stehen:

  • FS steht für Fruchtsackdurchmesser.
  • SSL steht für die Länge des ungeborenen Kindes vom Scheitel bis zum Steiß.
  • BPD, FOD und KU stehen für den Querdurchmesser (Schläfe zu Schläfe), Längsdurchmesser (Stirn zum Hinterkopf) und Umfang des Kopfes.
  • ATD, APD und AU stehen analog zu den Maßen des Kopfes für den Querdurchmesser, Längsdurchmesser und Umfang des Bauches.
  • FL und HL stehen für die Länge des Oberschenkelknochens und des Oberarms.

Auf Seite 14 findest du ein Koordinatensystem, in das die Ergebnisse dieser Ultraschallmessungen nochmals eingetragen werden, um den Wachstumsverlauf zu visualisieren. Es sind zudem Orientierungslinien vorgezeichnet, die den gängigen Verlauf angeben.

Die Abschlussuntersuchung oder auch Epikrise schließt die Aufzeichnungen im Mutterpass ab. Hier finden alle wichtigen Geburtsdaten Platz und es werden Angaben zum Verlauf des  Wochenbetts gemacht.


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