Nabelschnur

Die Nabelschnur – Eine einzigartige Verbindung

Sie ist bei einem Neugeborenen etwa 50 bis 60 Zentimeter lang und hat einen Durchmesser von 1,5 bis 2 Zentimetern: Die Nabelschnur (Funiculus umbilicalis) verbindet während der Schwangerschaft den Blutkreislauf von Mutter und Kind über die Plazenta. Der Bauchnabel erinnert uns ein Leben lang an diese körperliche Verbindung zur Mutter.

Baby Nabelschnur
Foto: © fotolia.com/ Paul Hakimata
Bei der Versorgung des Babys über die Nabelschnur dient die  Plazenta als eine Art Vermittlerin: Sie transportiert Sauerstoff und wichtige Nährstoffe aus dem mütterlichen in den kindlichen Organismus und befördert die Abbauprodukte auf umgekehrten Weg zurück. Das alles findet in hoher Geschwindigkeit statt: Für eine Rundreise benötigt das Blut maximal 30 Sekunden. Eine Filterfunktion sorgt außerdem dafür, dass der Kreislauf von Mutter und Kind getrennt bleiben. Wie das genau funktioniert, welche Komplikationen auftreten können und welche Möglichkeiten es nach der Geburt gibt, weiß urbia.

Aufbau und Funktion der Nabelschnur

Die Nabelschnur besteht aus drei Gefäßen: Zwei Nabelarterien und einer Nabelvene. Im Gegensatz zu der weichen und dicken Vene sind die Arterien zwar recht dünn, dafür aber kräftiger. Die Arterien leiten kohlenstoffdioxidreiches und nährstoffarmes Blut vom Kind zur Plazenta, die Vene hingegen leitet das Blut von der Plazenta hin zum Kind. Wie ein Seil ist die Nabelschnur spiralförmig gewunden, von außen wird sie mit einer Schutzschicht umhüllt. Das gallertartige Bindegewebe der Nabelschnur, die sogenannte Wharton-Sulze, sorgt dafür, dass sie bei Biegungen nicht belastet wird und schützt vor Abknicken.

Ab der  8. SSW werden dem Fötus über die Nabelschnur Antikörper aus dem mütterlichen Organismus übertragen. Diese können Krankheitserreger erkennen und schützen das Baby in den ersten neun Monaten nach der Geburt vor Infektionen, bis sein Körper die Antikörper abgebaut hat und eigene bildet. Etwa ab der 20. SSW beginnt der Fötus, seinen Greifreflex zu trainieren – und benutzt zu diesem Zweck die Nabelschnur. Er hält sich an ihr fest, zieht, drückt und saugt sogar daran. Die Nabelschnur ist gewissermaßen Babys erstes Spielzeug.

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Was kann schiefgehen?

Sowohl in der Schwangerschaft als auch während der Geburt kann es zu Komplikationen mit der Nabelschnur kommen, denn so intelligent ein menschliches System auch ist – perfekt ist es nicht. Mögliche Risiken sind unter anderem:

  • Giftstoffe: Nicht nur wichtige und zur Entwicklung beitragende Nährstoffe erreichen den Fötus aus dem mütterlichen Organismus, sondern auch Schadstoffe und Gifte wie Alkohol, Nikotin oder Medikamente. Sie hemmen die körperliche und geistige Entwicklung des Babys. Vor allem Mütter, die während der Schwangerschaft rauchen, haben ein stark erhöhtes Risiko, dass ihr Baby zu früh zur Welt kommt und auch die Wahrscheinlichkeit für eine  Fehlgeburt steigt.
  • Rhesusfaktor: Hat die Mutter einen anderen Rhesusfaktor als das Kind, kann es passieren, dass ihr Organismus Antikörper gegen den Organismus des Babys bildet. In der Regel wird schon früh in der Schwangerschaft ein Antikörper-Test durchgeführt. Werden im Blut Antikörper gefunden, so wird die Schwangerschaft intensiv überwacht.
  • Nabelschnurumschlingung: Wenn sich die Nabelschnur um den Hals oder um andere Körperteile des Kindes wickelt, kann es zu einer unter Umständen lebensbedrohlichen Sauerstoffunterversorgung kommen. Bei 20 bis 30 Prozent der Kinder passiert das während der Geburt. Manchmal ist ein  Kaiserschnitt erforderlich, jedoch können viele Kinder auch normal entbunden werden, da die Nabelschnur sich bis zu einem gewissen Grad dehnen kann.

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Wann sollte die Nabelschnur nach der Geburt gekappt werden?

Kaum ist das Baby auf der Welt, verringert sich der Blutstrom in der Nabelschnur auf einen Schlag. Die Hebamme kommt, überreicht dem Vater feierlich die Schere und dieser kappt die letzte körperliche Verbindung zwischen Mutter und Kind. War man noch vor nicht allzu langer Zeit der Meinung, die Nabelschnur sei nach der Geburt überflüssig und könne direkt nach der Geburt gekappt werden, geht man heute davon aus, es sei besser, die Nabelschnur auspulsieren zu lassen, also abzuwarten, bis dort kein Puls mehr zu erkennen ist. Das kann bis zu einer Viertelstunde dauern. Dadurch gelangen 30 Prozent mehr Blut und 60 Prozent mehr rote Blutzellen über die Plazenta zum Kind, was seine Blut- und Eisenwerte verbessert. Zwar steigt das Risiko für Gelbsucht, die mit Lichttherapie behandelt werden muss, dadurch etwas an, jedoch ist es relativ gering und die Vorteile überwiegen klar. Für die Mutter ergibt sich durch das abwartende Vorgehen kein Unterschied.

Die richtige Nabelschnur-Pflege

Ob man die Nabelschnur auspulsieren lässt oder sie sofort kappt – es bleibt eine Wunde zurück, die gut gepflegt werden sollte, damit keine Infektionen entstehen. Der kleine Nabelschnurrest sollte auf keinen Fall von der Windel bedeckt werden, sondern so oft wie möglich an die Luft. Nach dem Baden eignet sich ein weicher Lappen zum behutsamen Abtrocknen am besten. Ein Puder mit Arnika, Ringelblume oder Sonnenhut wirken auf natürliche Weise antiseptisch. Cremes, Öle und Salben sind dagegen nicht zur Pflege des Nabelschnurrestes geeignet, da sie das Gewebe aufweichen und der Heilungsprozess verlangsamen.

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Nabelschnurblut als Lebensretter?

Leider allzu häufig landen Nabelschnur und Plazenta nach der Geburt im Abfall, weil sie vermeintlich nicht mehr gebraucht werden. Doch das ist falsch. Ihr Blut enthält Stammzellen, die die Heilung leukämiekranker Kinder unterstützen können. Es kann direkt nach der Geburt entnommen werden – dazu punktieren die Geburtshelfer die Nabelschnur, nachdem sie gekappt wurde und sammeln das restliche Blut. Die Spende ist unkompliziert und kostenlos und kann doch so viel bewirken.


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