Plazenta

Die Plazenta in der Schwangerschaft

Solange das Baby im Mutterleib ist, wird es über die Plazenta mit allen nötigen Nährstoffen versorgt. Embryo und Plazenta entstehen aus derselben Zelle und bleiben bis zum Zeitpunkt der Abnabelung fest miteinander verbunden. Ein guter Grund, mal einen genauen Blick auf dieses wunderbare Organ zu werfen.

Bei den Teilungen der befruchteten Eizelle entwickeln sich nach und nach spezialisierte Zellen, die später für ganz unterschiedliche Funktionen im kindlichen Organismus zuständig sind. Aus einigen dieser Zellen entstehen Teile der Plazenta, auch  Mutterkuchen genannt. Dieses Organ liegt außerhalb des kindlichen Körpers und ist fest mit der Gebärmutterwand verbunden. Es besteht zum einen aus kindlichen Zellen (Trophoblasten) und zum anderen aus mütterlichem Gewebe. Die Plazenta wächst gemeinsam mit dem Fötus und passt sich dessen Bedürfnissen an. Ausgewachsen misst die Plazenta rund 15 bis 20 Zentimeter im Durchmesser, ist etwa drei Zentimeter dick und wiegt 500 bis 600 Gramm.

Baby ruchblase Plazenta

Fötus in Fruchtblase: Plazenta auf der linken Seite mit abgehender Nabelschnut

Foto: © panthermedia.net/ lanamaster
Das Innere der Plazenta ist in 15 bis 20 unregelmäßige Spalträume (Kotyledone) untergliedert, in die mehrfach verzweigte Zotten hineinragen. Durch sie strömt mütterliches Blut, das aus den umliegenden Arterien stammt. Das Blut des Fötus fließt durch ein eigenes, vom mütterlichen Blutkreislauf getrenntes Kapillarnetz. Die sogenannte Plazentaschranke sorgt dafür, dass die Blutkreisläufe von Mutter und Kind sich nicht vermischen, ermöglicht aber den Übertritt von Sauerstoff, Wasser und wichtigen Nährstoffen wie Vitaminen und Mineralien. Große Moleküle überwinden die Schranke nicht, darunter viele Krankheitserreger. Leider können viele Gifte wie Alkohol,  Nikotin und einige Medikamentenwirkstoffe sie ungehindert passieren, weshalb während der Schwangerschaft unbedingt auf derartige Substanzen verzichtet werden sollte.

Neben dem Austausch von Stoffen zum Kind und vom Kind weg übernimmt die Plazenta auch die Bildung der schwangerschaftserhaltenden Hormone. Außerdem ist sie in der Lage, das Immunsystem der Mutter auf den „Fremdkörper“ in ihrem Bauch einzustellen, ohne es dabei in seiner Funktion einzuschränken.

Die Lage der Plazenta

Bei 99 Prozent aller Schwangeren liegt die Plazenta an der oberen Rück- oder Vorderwand der Gebärmutter, dem Muttermund gegenüber. Sie entsteht immer dort, wo sich die Blastozyste nach der Befruchtung eingenistet hat und zum  Embryo herangewachsen ist. Feststellen lassen sich Lage und Entwicklung der Plazenta per Ultraschall. Das geschieht in der Regel im Zuge der drei regulären Ultraschalluntersuchungen beim Gynäkologen.

Die normalen Plazentalagen:

  • Die Hinterwandplazenta befindet sich an der hinteren Gebärmutterwand. Gut geschützt ist dies die ideale Position.
  • Die Vorderwandplazenta liegt vorn, also auf der Seite der Bauchdecke. Auch diese Position ist völlig normal und es sind keine Komplikationen zu erwarten. Einziger Nachteil dieser Lage: Die Kindsbewegungen sind meist etwas später zu spüren als bei der Hinterwandlage.
  • Bei einer tief sitzenden Plazenta ist Vorsicht geboten, sie sollte regelmäßig überwacht werden. Solange die Plazenta aber nicht zu dicht vor dem Muttermund liegt, ist eine spontane Geburt durchaus möglich.

Die Plazenta praevia:

Die Plazenta praevia ist eine extreme Form der tiefliegenden Position. Sie liegt so, dass sie den Muttermund teilweise oder ganz verdeckt. Eine spontane Geburt ist damit ausgeschlossen, es muss per  Kaiserschnitt entbunden werden. Dies ist aber nur bei etwa einem Prozent der Schwangeren der Fall.

  • Die Plazenta praevia partialis verdeckt den Muttermund teilweise
  • Die Plazenta praevia totalis verdeckt den Muttermund komplett

Mögliche Komplikationen

Arbeitet die Plazenta nicht richtig, wird das Baby im Mutterleib nicht ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Das nennt man Plazentainsuffizienz. Die Folgen können je nach Grad der Insuffizienz von einer leichten Entwicklungsverzögerung über bleibende Schädigungen bei der Gehirn- und Organentwicklung bis hin zum Absterben des Fötus führen. Eine chronische Plazentainsuffizienz entwickelt sich langsam über einen Zeitraum von Wochen und Monaten. Bei strenger Überwachung durch den Gynäkologen ist es aber oft möglich, das Kind bis zum Schluss ohne bleibende Schäden auszutragen. Ursache für eine Plazentainsuffizienz können unter anderem Diabetes, Bluthochdruck oder Anämie sowie äußere Einflüsse wie Rauchen, Alkoholkonsum und Drogen sein. Die chronische Plazentainsuffizienz wird meist im Zuge der zweiten oder dritten großen Ultraschalluntersuchung festgestellt, wenn sich Entwicklungsverzögerungen abzeichnen.

Eine akute Plazentainsuffizienz tritt plötzlich auf und muss sofort behandelt werden, da sie eine lebensbedrohliche Situation für das Kind darstellen kann. Ist die Situation bereits kritisch, muss schnellstmöglich per Kaiserschnitt entbunden werden. Auslöser für eine akute Plazentainsuffizienz sind meist das Vena-Cava-Syndrom (eine Kreislaufstörung der Mutter durch verminderten Blutfluss, da der Fötus auf die Hauptvene im Rückenmark drückt), eine Eklampsie, eine Placenta praevia oder eine vorzeitige Plazentalösung. Eine vorzeitige Plazentalösung (Abruptio placentae) führt umgehend zum Funktionsverlust des Organs. Ursachen können ein Schlag oder Stoß gegen den Bauch oder der vorzeitige Blasensprung sein, meist ausgelöst durch Unfälle wie Stürze oder Autounfälle.

Die Nachgeburt

Bis zur Geburt versorgt die Plazenta das Baby mit allem Lebensnotwendigen. Hat das Kleine den Körper der Mutter verlassen, ist das Organ überflüssig geworden. Es dauert allerdings noch einige Minuten, bis die Funktion vollends eingestellt ist. In vielen Kranken- und Geburtshäusern wird daher heutzutage mit der Abnabelung so lange gewartet, bis die Nabelschnur auspulsiert ist.

Die Plazenta wird im Zuge der Nachgeburt zusammen mit den Eihäuten vom mütterlichen Körper ausgestoßen. Das geschieht durch eine Reihe von Wehen, die für eine Ablösung der Plazenta von der Gebärmutterwand und den Transport durch den Geburtskanal sorgen. Meist ist die Nachgeburt innerhalb von 30 Minuten nach der Geburt des Kindes abgeschlossen. Sollte es länger dauern, muss manuell nachgeholfen werden, um einen größeren Blutverlust der Mutter zu vermeiden.

Was tun mit der Plazenta?

Viele Eltern fühlen sich nicht wohl bei dem Gedanken, die Plazenta, die ihr Kind so lange begleitet und ernährt hat, einfach entsorgen zu lassen. In vielen Kulturen gibt es Bräuche und Zeremonien, die den „Mutterkuchen“ nach der Geburt ehren. In China, dem alten Ägypten und Australien gab es Nachgeburtsbestattungen, im Jemen legt man die Plazenta als Essen für die Vögel aufs Dach – das soll die Liebe der Eltern stärken. In unseren Breiten gibt es seit langem den Brauch, die Plazenta zu vergraben und einen Baum darauf zu pflanzen.

Auch die Homöopathie hat die Plazenta für sich entdeckt und schreibt aus der Plazenta gefertigten Globuli besondere Heilkräfte zu. Sie sollen das Immunsystem stärken und Allergien entgegenwirken, die Milchbildung fördern und das weibliche Hormonsystem stabilisieren. Viele Apotheken bieten die Herstellung dieser sogenannten Plazenta-Nosoden an.


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