Wenn eine Frühgeburt droht

Vorzeitige Wehen: Was jetzt hilft

Dass es im Bauch hier und da zieht, ist in der Schwangerschaft ganz normal. Doch was tun, wenn eine Schwangere weit vor dem errechneten Geburtstermin Wehen hat, die zu einer Frühgeburt führen können?

von Gabriele Möller
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Frau vorzeitige Wehen
Foto: © istockphoto.com/ skynesher

Wie erkennt man vorzeitige Wehen?

In Deutschland kommen pro Jahr mehr als 50.000 Kinder zu früh auf die Welt, wie der Berufsverband der Frauenärzte berichtet, was einem Anteil von etwa neun Prozent aller Babys entspricht. Nur ein geringerer Teil dieser Babys wird absichtlich früher geholt, weil es der Mutter oder dem Kind nicht gut geht. Der größere Teil der Frühgeburten ist nicht geplant und gekennzeichnet durch verfrühte Wehen, einen vorzeitigen Blasensprung und eine zu frühe Öffnung des Muttermundes.

Nicht jede Wehe aber ist bedrohlich: Jede Schwangere hat Übungswehen, mit denen die Gebärmutter für die Geburt „trainiert“. Diese harmlosen Wehen werden auch als Schwangerschafts- oder Vorwehen bezeichnet. Sie treten gelegentlich schon um die 20. Schwangerschaftswoche herum auf. Doch manchmal bekommen Frauen zu früh bereits solche Wehen, die eine Frühgeburt herbei führen können. Dies kommt oft erst ab der 24. Schwangerschaftswoche vor, ist jedoch auch früher möglich.

Vorzeitige und Übungswehen können sich sehr ähnlich anfühlen: zum Beispiel wie ein leichtes Ziehen, das man vielleicht vom Menstruationsschmerz kennt und das sich auch in den Rücken erstrecken kann. Oder als eine Art Schwere oder ein Druckgefühl im Bauch, manchmal verbunden mit einem Druck nach unten. In der späteren Schwangerschaft beobachten Frauen oft auch, dass ihre Bauchdecke für kurze Zeit stramm und hart wird.

Bauchgefühl hilft nicht bei der Einschätzung

Das Dilemma ist also: An der Art, wie sich die Wehe anfühlt, kann frau selbst nicht erkennen, um welche Sorte Wehen es sich handelt. Folgende Kriterien geben hier einen ersten Hinweis (aber nicht mehr): Sind es über 24 Stunden verteilt nicht mehr als zehn bis 15 Kontraktionen, dauern diese weniger als 30 Sekunden und kommen sie sehr unregelmäßig, wird der Bauch zwar hart, aber die Schwangere spürt kein Ziehen und keinen Schmerz, handelt es sich oft um Übungswehen. Andere Fachleute geben als Warnkriterien für vorzeitige Wehen an: zwei Wehen stündlich (um die 25. SSW) bis fünf Wehen stündlich (um die 37. SSW), diese regelmäßig und schmerzhaft.

Ist eine Frau unsicher, sollte sie immer ihren Gynäkologen befragen. Denn trotz der genannten Merkmale sind vorzeitige Wehen oft weder in ihrer Art noch der Häufigkeit eindeutig von harmlosen Wehen zu unterscheiden, wie der Schweizer Gynäkologe Professor Bernhard Schüssler von der Neuen Frauenklinik am Kantonsspital Luzern betont.

Entscheidend ist die Wirkung

Gar nicht warten sollte eine Schwangere mit dem Arztbesuch, falls sie Wehen hat, die länger als eine halbe Minute dauern, mehrere Male pro Stunde auftreten oder wenn sie blutigen Ausfluss hat. Der Gynäkologe kann im Ultraschall sehen, ob die Wehentätigkeit Folgen zeitigt. Denn Übungswehen haben keine Folgen, echte Wehen aber wirken auf den Muttermund: Der Gebärmutterhals verkürzt sich, der Muttermund wird weicher, das Kind rutscht eventuell schon tiefer ins Becken.

Test hilft bei Voraussage einer Frühgeburt

Bei der Diagnose ist also die Messung der Länge des Gebärmutterhalses per Ultraschall wichtig. Oft wird auch der Wehenschreiber (CTG) angeschlossen, der die Stärke und Anzahl der Wehen aufzeichnet. Zunehmende Bedeutung bekommt auch der sog. Fibronektin-Test. Das Fibronektin ist ein Eiweißstoff, der in den Eihäuten vorkommt. Er dient dazu, die Fruchtblase mit der obersten Gebärmutterschicht zu verkleben. Sobald sich der Körper einer Schwangeren auf die Geburt vorbereitet, gelangt vermehrt Fibronektin in die Scheide. „Eine erhöhte Konzentration von Fibronektin zwischen der 22. und der 35. Schwangerschaftswoche ist ein Hinweis auf ein stark erhöhtes Frühgeburtsrisiko, insbesondere bei gleichzeitig bestehender Wehentätigkeit oder einer Verkürzung des Gebärmutterhalses“, erläutert Chefarzt Dr. med. Hans-Christian Kolberg von der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im Marienhospital Bottrop.

Ein negativer Test dagegen sagt voraus, dass eine werdende Mutter mit bis zu 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit in den nächsten 14 Tagen nicht entbinden wird, wie Untersuchungen ergaben. Der Test kann also dabei helfen, einen Krankenhausaufenthalt bei einer Frau mit vorzeitigen Wehen abzukürzen. Der Fibronektin-Abstrich wird bisher überwiegend in Universitätskliniken und Perinatalzentren eingesetzt. Er kann bei Bedarf während der Schwangerschaft mehrfach gemacht werden.

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