Wie wir fröhlich aneinander vorbeireden
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Antworten auf nie gestellte Fragen und andere Kommunikationskrisen
Doch was wäre ein Leben ohne Loriot, der diese verflixten Kommunikationsstörungen so meisterlich zu parodieren versteht. Friedemann Schulz von Thun, seines Zeichens Hamburger Professor, wäre nicht zum meistgelesenen Guru der Kommunikationspsychologie avanciert, denn er hätte ja nie seinen dreibändigen Bestseller „Miteinander reden“ geschrieben. Und Mario Barth würde wahrscheinlich immer noch Telefonanschlüsse legen, wenn er nicht die Missverständnisse zwischen ihm und seiner Freundin so pointenreich auf der Bühne verbraten könnte. Kurzum: Das Leben wäre irgendwie langweilig, wenn wir nicht alle munter aneinander vorbei reden würden.
Der morgendliche Klassiker bei uns:
Ich: „Schatz, wann musst du weg?“Er: „Ich muss um 10 Uhr anfangen.“
Das ist zwar eine klare Aussage, aber keine, die meine Frage beantwortet. Zur Erklärung: Wer als Freiberuflerin mit einem vielbeschäftigten Freiberufler zusammenlebt und mit diesem auch noch vier Kinder hat, buhlt täglich um jede Minute Arbeitszeit. Meine Frage zielt also darauf ab, zu erfahren, wann ich meinen Stift fallen lassen muss, um mich hinfort liebevoll meinen Kindern zu widmen. Nun leben wir in einer sehr sehr großen Stadt und die Anfahrtszeiten variieren infolgedessen zwischen 10 Minuten und zwei Stunden.
„Schahatz,“ näsel ich dann meistens leicht ungeduldig, „das war jetzt aber keine wirkliche Antwort auf meine Frage!“
Ein anderer Dauerbrenner:
Ich: „Liebling, weißt du, wo *beliebiger Name einer Stadt* liegt?“
Er: „Ja!“
Ich: „Wo denn?“
Er: „Irgendwo in *beliebiger Name eines Landes*.“
Ich: „Ja, aber wo da genau?“
Er: „Das weiß ich nicht, da muss ich nachgucken“.
Na toll. Oder auf dem Bahnsteig:
Ich: „Weißt du, welche Sitzplätze wir haben?“
Er: „Ja klar.“
Ich: „Welche denn?“
Er: „Da muss ich erst mal auf die Fahrtkarten schauen.“
Och nöö ne! Was frag ich eigentlich so dusselig, nachschauen kann ich schließlich selber!
Auch mit Kindern soll man ja bekanntlich viel reden. Also versuche ich hin und wieder, sie in ein Gespräch zu verwickeln:
Ich: „Wie geht’s dir?“
Kind: „Ganz gut.“
Ich (ins Grübeln kommend): „Also geht es dir nun gut oder nicht so gut?“
Kind (leicht genervt): „Mama, es ist alles in Ordnung, ich geh jetzt spielen.“
Und wehe, ich versuche herauszubekommen, was in der Schule los war:
Ich: „Wie war der Unterricht heute?“
Kind: „Wie immer“.
Ich: „Was heißt denn ‚wie immer’?“
Kind: „Normal eben.“
Auch regelmäßig ein kommunikativer Schuss in den Ofen:
Ich: „Was hast du denn heute gelernt?“
Kind: „Nix“.
Alternative Antwort: „Weiß ich nicht mehr.“ Auch nicht informativer. Wer blöde Fragen stellt, bekommt eben auch blöde Antworten. Oder gar keine.
