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Chillen oder: Die hohe Kunst des Faulenzens

von Felicitas Römer
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Was Eltern sich von Cicero und Teenagern abgucken können

Mehr über Felicitas Römer und ihre Kolumne: Fröhliches Familienleben

Von Kindern kann man ja vieles lernen. Von den Kleineren zum Beispiel, dass es problemlos möglich ist, sich die Zähne zu putzen und gleichzeitig fröhlich Seemannslieder zu schmettern und nackt auf dem Bett herumzutanzen. Mein älterer Sohn berichtet mir regelmäßig von den neuesten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen einer schlauen Kinderzeitschrift. Und Töchterchen hält mich über modische Trends auf dem Laufenden. Naja, oder zumindest darüber, was an meinem Outfit echt out ist.

Am dankbarsten bin ich meinen Kindern aber dafür, dass sie mir kürzlich das Chillen beigebracht haben. Oder besser gesagt: wieder beigebracht. Denn ich konnte das ja schon mal. Damals hieß es allerdings noch „faul rumhängen“. Ich war etwa 14, lag stundenlang auf meinem Bett herum und starrte an die Decke. Kurzum: Ich tat nichts. Meine Eltern ließen mich. Und das war gut so.

Als mein Sohn letztens einige Stunden nahezu reglos auf dem Sofa herumlümmelte, rutschte mir zu meinem Entsetzen die oberspießige Frage heraus: „Musst du nicht mal langsam etwas tun?“ Die lässige Antwort kam prompt: „Ich tue was, Mama, ich chille!“ Je länger der Kerl allerdings relaxte, desto nervöser wurde ich. Schließlich war noch das Zimmer aufzuräumen, Vokabeln zu lernen, der Ranzen zu packen… Söhnchen blieb gelassen: „Das schaffe ich noch locker.“ Gestresst war hier offensichtlich mal wieder nur eine, nämlich ich.

Umgekehrt gehe ich wohl manchmal meinen Kindern mit meiner Geschäftigkeit gehörig auf den Keks: „Nie kannst du stillsitzen! Immer musst du irgendwas wegräumen!“ Meine Tochter schüttelte ungläubig den Kopf. „Mama, nu’ chill doch ma’n bisschen!“ Sie hatte Recht. Wann hatte ich das letzte Mal einfach nur dagesessen und gar nichts getan? Ich konnte mich nicht erinnern.


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