Schielen - bei jeder Untersuchung anderes Ergebnis

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von lieschen2 01.08.07 - 20:36 Uhr

Hallo,

meine fast 5 jährige Tochter schielt.

Wir waren seit ihrem ersten Geburtstag regelmäßig beim Augenarzt. Dort war die Diagnose: zeitweises Schielen nach außen, kein räumliches Sehen.
Als dieser Arzt meinte, man solle operieren, (nicht in erster Linie um das Schielen zu beseitigen, sondern hauptsächlich, um das räumliche Sehen möglich zu machen)wollte ich eine zweite Meinung.
Der zweite Arzt meinte, zeitweises Schielen, das eine Auge in der Ferne, das andere in der Nähe, wird aber immer sofort wieder ausgeglichen, wahrscheinlich kein räumliches Sehen.

Dieser Arzt überwies uns in die Augenklinik, Ergebnis:
in der Nähe zeitweises Schielen, in der Ferne immer, grobes räumliches Sehen vorhanden.
OP nötig.

Nun frage ich mich: alle drei haben die gleichen Untersuchungen gemacht, alle kommen aber zu verschiedenen Ergebnissen. Ist das eine gute Grundlage für eine OP?
Sind diese Untersuchungen bei Kindergartenkindern nicht auch sehr tagesform abhängig (meine Tochter macht immer sehr gut mit)?

Zwischen der zweiten und der dritten Untersuchung hat meine Tochter eine Brille bekommen.
Das Schielen ist so, dass es nur Insidern auffällt.

Wer hat vielleicht ähnliches erlebt?
Wer hat eine Schiel-OP machen lassen? Mit welchem Ergebnis?

Freue mich über Ideen, Erfahrungen und Gedankenanstöße?

Vielen Dank,
lieschen2

Beitrag von lena10 01.08.07 - 21:56 Uhr

Hallo!

Ähnliche Erfahrungen hab ich zum Glück mit meinem Sohn bisher nicht gemacht.

Aber ich selbst hatte vor über 30 Jahren eine Schiel-OP, weil ich extrem geschielt habe und daher auch wohl kein räumliches Sehen hatte. Heute bin ich "nur" Brillen- bzw. Kontaktlinsenträger und habe keinerlei weitere Einschränkungen. D.h. die Operation war schon damals ein voller Erfolg!

LG Lena

Beitrag von muemelkronster 01.08.07 - 23:32 Uhr

Also zum Glück wurde bei meiner Tochter noch nichts festgestellt *Klopf auf Holz*.

Ich selbst hatte diese Schiel-OP vor ca. 25 Jahren. Bei mir hat sie leider nichts gebracht, da ich nach der OP eine Infektion im Auge hatte (so ein fieser Krankenhauskeim). Ergo war keine Therapie danach möglich.
Ich habe kein räumliches Sehen, kann schlecht Entfernungen abschätzen.
Leider konnte das Schielen auch durch die Brille nicht ganz korrigiert werden. (Auf manchen Fotos sieht man es extrem.)
Aber deswegen habe ich keine mindere Lebensqualität als andere. ;-)
Gut, bei mir war das mit der Infektion wohl ein extrem seltener Fall.

Wie wurde Deine Tochter denn bisher behandelt. Brille? Ach ja, haste ja geschrieben... Das gesunde Auge abgeklebt? Denn das sind ja die vorbereitenden Maßnahmen für eine OP.
Ich denke, wenn drei(?) Ärzte mehr oder weniger unabhängig voneinander eine OP empfehlen, würde ich's machen lassen. Man muss sich aber auch über die Risiken einer OP im Klaren sein und auch das der gewünschte Effekt nicht zwangsläufig eintreten muss. ;-)

Alles Gute für Dich und Deine Tochter! #klee

muemel

Beitrag von 5fachmama 02.08.07 - 11:28 Uhr

Hallo,

Wahrnehmungsstörungen verursachen oft das Schielen bei
Kindern.

Hast du dich schon mit Winkelfehlsichtigkeit befasst?

LG

Beitrag von magdalena70 02.08.07 - 21:00 Uhr

Das stimmt so nicht.
Wahrnehmungsstörungen können eine Folge von Schielen sein, nicht umgekehrt. Außerdem sind Schielen und Winkelfehlsichtigkeit nicht identisch. Winkelfehlsichtigkeit wird von Optometristen diagnostiziert und mit Prismenbrillen behandelt. Schielen kann mit Prismen nicht korrigiert werden. Hier dienen Prismen nur zur Vorbereitung einer Schiel-OP.
VG
Claudia

Beitrag von a79 03.08.07 - 12:49 Uhr

Hallo Claudia,
was du da schreibst, stimmt so nicht - es ist nicht bewiesen, dass Wahrnehmungsstörungen tatsächlich eine Folge von Schielen sind oder sein können. Außerdem wird manches Schielen sehr wohl mit Prismen behandelt, nämlich dann, wenn der Schielwinkel für eine Operation zu klein ist und durch die Prismen Doppelbilder vermieden und/oder räumliches sehen wieder möglich gemacht wird.
Was Winkelfehlsichtigkeit angeht, so muss ich dazu sagen, dass ich als Orthoptistin davon nicht viel halte - häufig gehen Eltern mit wahrnehmungsgestörten oder lernschwächeren Kindern oder Kindern mit Kopfschmerzen oder ähnlichen Beschwerden zu einem Optometristen, der dann feststellt, dass eine Winkelfehlsichtigkeit vorliegt und Prismen verordnet werden müssen - was übrigens bei ca. 90% der Bevölkerung der Fall ist....nur dass man sowas in Orthoptistenkreisen Phorie nennt, die meistens nicht stört und auch solche Beschwerden nicht verursacht. Die Prismen werden nach und nach immer stärker (häufig zumindest) und irgendwann ist dann tatsächlich ohne Prismenbrille alles doppelt und die Prismen können nicht erhöht werden - eine OP muss her... sowas nennt man dann einen Prismeninduzierten Schielwinkel...Wenn solche Kinder zu mir kommen, nehme ich ihnen meist erst mal die Prismenbrille weg und lasse sie so laufen oder mit Brille ohne Prismen und siehe da : ca. 80% bemerken ohne Prisma keinen Unterschied und waren mit PRisma in der Schule auch nicht besser....haben sich aber so viele Kosten und evtl. sogar eine OP erspart....
...soweit meine Erfahrungen damit.

Ich will nicht sagen, dass es nicht auch fähige Optiker/Optometristen geben mag aber wenn eine Phorie dort mit Prismen behandelt wird und nach und nach auskorrigiert wird, ist das nichts, was in einer orthoptischen Abteilung nicht auch gemacht würde, nur dass es da günstiger ist und meist gleich der ganze Winkel korrigiert werden kann, da die Untersuchungsmethoden gleich die ganze Phorie aufdecken...
Und ja, manchmal dienen Prismen auch zur Vorbereitung einer Schiel-OP, um den maximalen Winkel zu ermitteln bzw. sicher zu stellen, dass nach OP nicht doppelt gesehen wird...oder zu verhindern, dass das räumliche Sehen bis zur OP verloren geht...

Das ganze ist also ein komplexeres Thema, als du es jetzt darstellst.

LG

Andrea

Beitrag von magdalena70 03.08.07 - 21:00 Uhr

Hallo Andrea,
was die Wahrnehmungsstörungen angeht, so war dies bei unserer Tochter tatsächlich zu einem guten Teil durch die fehlende räumliche Wahrnehmung (neben anderer Schwierigkeiten) mitbedingt und wurde auch von unserem Augenarzt so erklärt. Immerhin konnten diese Störungen mit Hilfe von Ergotherapie gut behandelt werden.
Was die Winkelfehlsichtigkeit angeht, so ist dies wohl ein weites Feld. Du hältst nicht viel davon, ich habe andere Erfahrungen in meinem Umfeld damit gemacht. Die von Dir beschriebenen Extremfälle mag es geben, ich selber kann nur von den betroffenen Mädchen in meiner Umgebung schreiben und da wurden die Prismen geringer mit der Zeit.
Was die Behandlung von Schielen mit Hilfe von Prismen angeht... gut, klar bist Du da die Fachfrau und weisst da mehr dazu. Außerdem stimme ich Deinem knappen Posting zu 5fachmama zu. Eigentlich meinte ich das so (aber knapp schreiben alleine geht wohl nicht) #hicks
VG
Claudia, die eh oft an Dein Posting zu einem früheren Beitrag von mir bezüglich unserer Tochter denken muss und leider wohl doch nichts mehr tun kann.

Beitrag von a79 03.08.07 - 12:50 Uhr

Hallo 5fachmama,

ein messbares SChielen ist keine Winkelfehlsichtigkeit!

Und Wahrnehmungsstörungen verursachen auch kein SChielen.

LG

Andrea (Orthoptistin in einer Sehschule)

Beitrag von vonni1974 02.08.07 - 11:31 Uhr

Mein Sohn wurde mit 5 Jahren operiert. Er hat auch geschielt und auch bei ihm war das Schielen von der Tagesform abhängig.

Er wurde im August letzten Jahres operiert und die OP war ein voller erfolg...

Er schielt nun überhaupt nicht mehr.

Zu Infektionen am Auge kommt es so gut wie gar nicht mehr, denn man bekommt Tropfen, die sämtliche Infektionen am Auge vorbeugend verhindern.

LG Ivonne

Beitrag von sonnenschein101076 02.08.07 - 17:39 Uhr

Hallo...

Meine tochter Emely schielt auch auf dem rechten Augen und zeitweise auch mit dem linken Auge. Sie hat mit 6 Monaten eine Brille bekommen, das linke Auge klebe ich täglich für 4 Stunden ab. Seit dem geht es besser. Sie fing vorallem an zu schielen weil die Augen so schlecht waren. Sie ist jetzt gerade 3 geworden und trägtregelmässig ihre Brille das schielen ist besser geworden auch ohne OP. Ich habe mir damals mehrere Meinungen von Augenärzten eingeholt. Die meisten kleben erst ab und wenn sich nichts verändert wird erst operiert.

Ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiter helfen

LG und viel Erfolg und Glück

Sandra mit Emely katharina 3Jahre

Beitrag von a79 03.08.07 - 13:04 Uhr

Hallo Sandra,
das Abkleben dient nicht zur Beseitigung des Schielwinkels sondern der Verbesserung der Sehschärfe.

Also wird auch operiert, wenn das Abkleben ein ERfolg war - das Schielen ist trotzdem noch da...muss eben nur nicht immer operiert werden (zu kleine Winkel bis 5° werden in der Regel nicht operiert). Wie groß der Schielwinkel ist, ist dabei unabhängig davon, ob abgeklebt wurde oder nicht, wobei der Schielwinkel nach entfernen des Pflasters kurzzeitig oder auch langfristig größer sein kann als vor dem Abkleben...

LG

Andrea

Beitrag von a79 03.08.07 - 12:59 Uhr

Hallo lieschen2,
ich glaube, ich hab dir schonmal auf eines deiner Postings geantwortet.

Hatte dein erster Augenarzt eine Sehschule? Wenn nicht, kann das Untersuchungsergebnis schon ungenauer sein als bei einer Orthoptistin gemessen, die es schließlich gelernt hat.
Wenn drei verschiedene Ärzte zu einer OP raten, kann man ihnen wohl trauen.
Wenn die Chance besteht, später beidäugiges Sehen zu haben -->lass sie operieren.
Sei dir im Klaren, dass eine Operation eine Trefferquote von +/- 3° hat, kann schon sein, dass sie hinterher immer noch schielt aber die Augen besser im Parallelstand halten kann, was wiederum gut für das räumliche Sehen ist...
Sieht sie denn doppelt, wenn sie schielt? Oder merkt sie das nicht?
Viele OPs werden sehr gut, der Effekt bleibt aber leider nicht immer erhalten - möglicherweise tritt das Schielen später wieder auf und muss nochmal operiert werden.

Die meisten Ärzte operieren übrigens kurz vor der Einschulung, damit gerade im ersten Schuljahr möglichst kein Sehhindernis (Doppelbilder, Kopfschmerzen, fehlendes räumliches Sehen )besteht und andere Kinder das betroffene Kind nicht hänseln wegne des Schielens (was bei euch wohl nicht der Fall wäre).

Wenn du noch spezielle Fragen hast, schreib nochmal über meine VK - es ist schwierig, jetzt auf alles genau einzugehen.

LG

Andrea (Orthoptistin) + Jonathan (16 Monate)