Urlaub der besonderen Art... (Vorsicht lang und obendrein SiLoPo)

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Forum: Urlaub & Freizeit

Urlaub am Meer oder Ferien auf dem Bauernhof, ein Wochenendausflug ins Grüne oder der Spieleabend zu Hause - hier gibt es Anregungen für alles, was das Leben noch schöner macht! Eine wertvolle Hilfe bei der Urlaubsvorbereitung sind übrigens unsere Urlaubs-Checklisten.

Beitrag von nyiri 03.08.07 - 07:08 Uhr

Da sich die Urlaubszeiten von Herzblatt und mir nicht vereinbaren ließen, haben wir das Beste daraus gemacht und er bat mich kurzerhand, mit ihm 14 Tage auf Tour zu gehen - quer durch einen Teil Europas mit dem LKW. 14 Tage auf engsten Raum, immer unterwegs und trotzdem schön. Ich durfte nicht nur 4500 km in Europa herumdüsen, sondern bekam auch einen kleinen Eindruck davon, wie spartanisch und oftmals trostlos das Leben im LKW oft sein muss. Er freute sich jeden Tag aufs Neue, dass ich dabei bin, weil die gewohnte Einsamkeit mal für 14 Tage weg war.


Los ging's zunächst Richtung Lauenförde zum Einstimmen auf den LKW-Alltag. Ich also bepackt mit dem nötigsten, denn der Platz im Fahrzeug ist natürlich beschränkt. Nach wenigen Stunden sahen wir bereits den ersten schlimmen Unfall mit Toten und Verletzten - Vollsperrung der Autobahn. Man tauscht sich darüber aus und fährt erstmal minutenlang schweigend weiter. Und wie wir Menschen so sind, wenn es uns nicht persönlich betrifft - man vergisst das Gesehene und versinkt alsbald wieder in Plauderei über dies und das.


Abends dann die Suche nach einem geeigneten Stellplatz, was mitunter nicht ganz einfach ist, wenn man mit einem Sattelschlepper unterwegs ist. Wendemöglichkeit? Ruhig genug, um schlafen zu können? Kein Rastplatz bitte, weil's dort einfach zu laut wäre. Stört man eventuelle Anwohner? Echt nicht einfach, jedem gerecht zu werden, nicht zuletzt sich selbst. Dusche, Waschbecken und WC meist nicht vorhanden, was für mich als Frau wohl doppelt so erschütternd war. Man(n) weiß sich zu helfen. Die Notdurft musste wohl oder übel zu 99% im Freien verrichtet werden. Wie oft habe ich mein Dasein als Frau verflucht und musste oft minutenlang nach einer stillen Oase suchen, wo ich vor fremden Blicken oder anderen Unannehmlichkeiten geschützt war. Tagsüber war das weniger störend, da wir die gesetzlich vorgeschriebenen Pausen meist an öffentlichen Raststätten verbrachten. Dort aßen wir, suchten nach öffentlichen Duschen und gingen vorsorglich auf Toilette. Nur abends und auch morgens war das leider anders. Egal, auch das kriegten wir hin.


Der erste Abend endete auf einem niedlichen Parkplatz mitten in der Walachei. Weit und breit kein Haus, kein Auto, gar nichts. Männeken hatte - romantisch wie er nun mal ist - einen Einweggrill besorgt. Solchen Luxus gönnte selbst er sich nach so vielen Jahren auf Piste das erste Mal. Er freute sich wie ein Kind und grillte wie ein Weltmeister. Fleisch hatten wir unterwegs besorgt und er kramte seine alten Vorhänge seiner Schlafkabine raus und funktionierte sie kurzerhand zu Tischdecken und Sitzplatzabdeckung um, denn auf dem Rastplatz stand eine alte Sitzgruppe aus Beton. Neben uns rauschte ein Fluss und ab und an brauste ein Schiff vorbei. Nur vereinzelt kamen Hundebesitzer mit ihren Lieblingen vorbei und wünschten uns mit freundlich-neidvollem Blick guten Appetit. Wir schlugen uns die Bäuche voll und als die Dunkelheit hereinbrach, wuschen wir schnell das schmutzige Geschirr mit etwas Spüli und Warmem Wasser ab. Woher wir warmes Wasser hatten? Nun ja, er hat in seinem LKW zwei große Kanister Leitungswasser (nimmt er immer vor jeder Tour in der Firma mit) und erhitzt das notdürftig auf einem klitzekleinen Gaskocher, wie man ihn vom Campen kennt. Danach ging's ab in den LKW. Schnell den Mini-TV angeschlossen und mit unscharfem Bild bissle TV gucken, was der öffentliche Empfang in Zeiten des digitalen Empfanges noch so hergibt. Wenn die Augen dann schwer wurden, "stopfte" er mich oben ins zweite Bett und wickelte mich in tausend Decken ein, denn der Platz unten war nun wirklich zu klein, um dort nebeneinander einzuschlafen. Man hält es kaum für möglich, aber ich schlief dort oben wie ein Stein - Nacht für Nacht.


Während der ersten Woche gondelten Wir so durch Deutschland und Frankreich. Wochenende war dann Pause und die zweite Woche wurde erst so richtig interessant. Sonntag Abend gegen 22 Uhr ging's los Richtung London. Wir starteten wie gehabt in Deutschland, erreichten am Montag dann Holland, Belgien und rasteten abends in Nordfrankreich, um morgens rechtzeitig am Eurotunnel in Calais zu sein. Dienstag Morgen dann mit dem LKW am Eurotunnel einchecken, LKW auf den Zug, wir Beide raus aus dem Vehikel, zum Transferbus und ab in den Passagierzug. 40 Minuten absolute Dunkelheit und als wir das Tageslicht wieder erblickten, waren wir bereits in England. Großartige Sache, wenn auch anstrengend. London war nicht mehr weit und nach einiger Zeit landeten wir sicher auf dem Londoner Ring. Ich bewunderte seine Souveränität; Linksverkehr, tausende Autos, Baustellen, irrwitzige Radfahrer und Motorradfahrer und Termindruck obendrein. Ich starrte gebannt aus dem Fenster, lächelte selig vor mich hin und sog gierig die abgasgeschwängerte Luft Londons ein.


Unser Ziel war "Kings Cross", dort wo vor knapp 2 Jahren innerhalb weniger Augenblicke 4 Bomben explodierten - die berüchtigten Terroranschläge von London. Dorthin ging seine Lieferung (er fährt Sicherheitsglas, das seine Firma als Rohglas geliefert bekommt und in seiner Firma gehärtet und veredelt oder sogar bedruckt wird). Der Bahnhof wird derzeit komplett neu aufgebaut und gleich um die Ecke bekam er seine Rückladung. Gegen Abend ging's dann fix zurück zum Eurotunnel und die Nacht verbrachten wir dann völlig erschöpft in Belgien. Auf dem Rückweg nach Deutschland fuhren wir dann noch einen minimalen Umweg durch Brüssel. Während dieser 14 Tage warfen wir 3x den Grill an und rauschten durch einen großen Teil Deutschland, sahen Antwerpen, Brüssel, Holland nur im Vorbeifliegen, die platte Gegend von Nordfrankreich, das Mammutprojekt Eurotunnel, das leider oft schmutzige und verwahrloste London und so viele Eindrücke, dass hier hier wohl ein Buch schreiben könnte.


Ich würde jederzeit wieder mitfahren, aber jetzt ist mein Sommerurlaub erstmal vorbei und mein eigener Job ruft lautstark. Vielen Dank für's Lesen und für alle Leser noch einen schönen Restsommer...



(Wer Rechtschreibefehler findet, darf sie behalten!!!) :-p

Beitrag von litha 03.08.07 - 09:17 Uhr

Hi,

das war bestimmt ein tolles Erlebnis! Freut mich für dich. Hatte ja schon mal nachgefragt, ob dein Herzbube nicht noch einen Bruder hat, aber du hast es ja verneint #schmoll

Liebe Grüße

Litha #freu

Beitrag von nyiri 03.08.07 - 13:39 Uhr

Nach wie vor ist mir kein Bruder bekannt, aber da ist ja immer noch die lesbische Schwester... ;-)#freu

Beitrag von tapsitapsi 03.08.07 - 10:05 Uhr

Davon haben mein Opi und ich immer geträumt, wenn er mich auf Tagestouren mitgenommen hat! *schwärm*

Allerdings möcht ich heut kein LKW-Fahrer mehr sein, wegen der Staus und diesem leidigen Termindruck. Die meisten Chefs denken doch, dass sie Maschinen als Fahrer eingestellt haben.

Aber Trucker und Trucks haben immer noch eine magische Anziehungskraft auf mich!

LG Michaela