Kann das noch Zufall sein???

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von total-verwirrt 05.08.07 - 16:00 Uhr

Hallo zusammen,

jetzt muß ich doch mal dieses Forum nützen, weil es sich hier so schön anonym schreiben läßt.
Meine Geschichte ist vergleichsweise lang und ich will versuchen, sie möglichst kurz zu fassen.

Als ich ca. 15 Jahre alt war (ich bin jetzt Anfang 30) habe ich mich verliebt. Soll ja vorkommen. Dummerweise war das für mich quasi der Anfang vom Ende.

Es begann in den Sommerferien. Ich saß in der Stadt im Café mit Freunden und sah einen Mann, der locker mein Vater hätte sein können. Er saß allein an einem Nachbartisch und las Zeitung. Ich weiß wirklich nicht wieso (alle meine Freunde bis dato waren ca. gleich alt), aber ich habe ihn gesehen und irgendwie war es um mich geschehen. Ich bin dann später in dem Cafe auf Toilette, er ist wohl rein zum Zahlen und wir sind uns da quasi begegnet. Er hat mich angesprochen (nur Small Talk) und wir haben kurz nett geredet, dann ist er gegangen.
Ich bin an dem Abend heim und war ziemlich verwirrt.
In der nachfolgenden Woche habe ich versucht, mir das alles wieder auszureden und war auch schon fast soweit, ihn und die Gefühle, die er in mir angeknipst hatte wie eine Glühbirne, zu vergessen.
Aber dann kam das neue Schuljahr und es stellte sich heraus, daß dieser Mann als neuer Lehrer an meiner Schule unterrichtete. Aaaaaarrrrggggghhhhhhhhhh!!!!!!!!!!!!!!

Ich kann euch gar nicht sagen, wie ich mein Lebtag Schülerinnen verachtet habe, die für Lehrer/Schauspieler oder ähnliches schwärmten. Und plötzlich saß dich da fast tagtäglich einem Mann gegenüber, in den ich mich ständig mehr verliebte. Ich wurde so etwas wie seine Lieblingsschülerin. Ich habe ihn nie offen angehimmelt, keine Liebesbriefe geschrieben oder Blümchen an sein Auto geheftet. Dafür war ich schon immer viel zu vernünftig.
Aber wir haben uns einfach auf einer nicht zu benennende Ebene extrem gut verstanden. Hatten Spaß an der Gesellschaft des anderen und irgendwie haben wir, auf Parallelebenen, auch immer über uns gesprochen. Ich hatte das Gefühl, daß er etwas für mich empfindet, hatte aber keine Beweise.
Er hat auch nie versucht, die Grenze zu überschreiten oder mir näher zu kommen, als moralisch vertretbar wäre.

Nachdem ich Abitur gemacht hatte, war mir klar, daß ich ihn nicht wiedersehen durfte, wenn ich überhaupt mal eine Chance haben wollte, mich wieder von ihm zu "entlieben".
Ach ja: Er ist verheiratet, zwei (inzwischen) erwachsene Kinder.

Ich habe dann mein Studium durchgezogen, bin durch die Welt gereist und habe trotzdem niemals aufhören können, an ihn zu denken. Es war verrückt.

Circa 6-7 Jahre nach meinem Abitur wollte ich ihn dann unbedingt mal wiedersehen. Ich hatte irgendwie unglaubliche Sehnsucht und gleichzeitig die Hoffnung, daß sich, wenn ich ihn wiedersehe, alle meine Gefühle in Schall und Rauch auflösen, weil ich inzwischen ja auch deutlich älter war und ihn vielleicht mal 'realistisch' sehen würde.

Es kam ganz anders!
Wir saßen uns gegenüber und sofort war diese Vertrautheit wieder da. Wir haben höchstens 5 Minuten darüber gesprochen, was der andere in den vergangenen Jahren getan hat, danach waren wir sofort wieder dabei, in Chiffren über unsere Gefühle für den jeweils anderen zu sprechen.
Nach ca. 15 Minuten hat er mir dann gestanden, daß er mich liebt auch wenn er selbst nicht weiß, wieso und warum. Daß ihn dieses Gefühl zerfrißt, es aber niemals eine Zukunft für uns geben kann oder darf.
An diesem Punkt war/ist er einfach schlichtweg feige bzw. hat zuviel Angst, daß ich ihn dann schlußendlich doch verlasse. Wie auch immer.
Das Gespräch war für mich der Horror schlecht hin. Ich bin dann irgendwann weg, weil ich es nicht mehr ertragen habe.
Wir haben uns dann noch 1-2 Mal getroffen (es ist NIE mehr gelaufen als ein Handkuß), aber das war für beide Seiten unbefriedigend. Ich wollte mehr, als er mir geben wollte.
"Für eine Affäre bist Du mir viel zu schade und mehr könnte ich Dir nicht geben."

Also habe ich mich letzten Endes wieder von ihm zurück gezogen. Vergessen habe ich ihn aber nie.
Inzwischen bin ich seit 4 Jahren glücklich liiert und obwohl ich meinen Freund liebe, kann ich IHN nicht vergessen. Diese große, magische Liebe, die mich nachts in meinen Träumen immer mal wieder einholt.
Seit ein paar Wochen fühlte ich mich jetzt schlecht. Ich hatte seltsame Träume vom ihm und ständig so Phantasien, daß er im Krankenhaus liegt. Ganz seltsam.

Nun habe ich heute einen alten Freund wieder gesehen, der mir gesagt hat, daß ER TATSÄCHLICH schon länger im Krankenhaus ist. Was er hat, wußte der Freund aber nicht.
Jetzt sitze ich hier und bin vollkommen neben mir.

Ich bin im Grunde ein hoch rationaler Mensch und deshalb fällt es mir jetzt so schwer, mit all dem umzugehen.
Wie kann es sein, daß einem ein Mensch über 15 Jahre lang nicht aus dem Kopf geht, obwohl man ihn doch schon ewig nicht mehr gesehen hat. Kann all das, wirklich noch Zufall sein?

Am wahnsinnigsten macht es mich, daß ich nichts tun kann. Ich weiß nicht, in welchem KH er liegt. Ich weiß nicht einmal, ob er mich würde sehen wollen. Ich habe ihm über die Jahre 1-2 Mal eine Karte geschickt, aber nie eine Antwort bekommen. Vermutlich will er mich ebenso vergessen, wie ich das mit ihm wollte.

Sorry für das lange SiLoPo, aber ich mußte das einfach mal loswerden und jetzt sehen, wie ich wieder in meinem Leben zurück finde.

Beitrag von kawatina 05.08.07 - 16:56 Uhr

Hallo,

scheint ja eine Art Seelenverwandtschaft zu sein.
Ich finde ihr geht sehr vernünftig an die "Sache " ran.
Zum Glück, denn mancher Mann hätte diese Verliebtheit wohl ausgenutzt.
Ich fürchte aber, das du dich aufgrund der unerfüllten Liebe nie ganz deinem Partner öffnen kannst.
Die unerfüllte Liebe - wer weiß ob sie denn auch beständig gewesen wäre.
Wäre es nicht besser und deinem jetzigen Partner gegenüber fairer, wenn du die ganze Vergangenheit irgenwie aufarbeiten könntest - eventuell mit professioneller Hilfe. Denn ich stell mir so eine Situation enorm belastend vor.

Grüße

Beitrag von total-verwirrt 05.08.07 - 17:16 Uhr

Ich weiß nicht, wie ich das aufarbeiten könnte ohne ihn.
Was nützen mir endlose Gespräche mit einem Seelenklempner oder wem auch immer. Niemand ist ER und niemand kann mir das ausreden oder ersetzen.
Meine aktuelle Partnerschaft ist sehr gut. Mein Freund weiß, daß es jemanden gibt, den ich mal sehr geliebt habe und der mir auch immer noch irgendwie im Kopf herumgeistert, aber er ist stark genug, das hinzunehmen. Zumal ich ihm nie mehr als das gesagt habe. Er weiß nicht, wer der andere ist, kennt seinen Namen nicht und wie gesagt, ich habe ihn auch nie auch nur ansatzweise betrogen. Unsere Partnerschaft ist auch sehr offen. Wir reden über alles, bis auf dieses Thema, denn das will ich nicht thematisieren, um ihn nicht zu verletzen.
Ich wüßte einfach, mich würde es umgekehrt total verletzen. Und wie gesagt, ER spielt faktisch keine Rolle in unserem Leben. Er lebt nur in meinem Kopf. Ich habe ihn seit Jahren weder gesehen noch gesprochen. Ob er nun lebt oder tot ist, macht für mich im realen Leben keinen Unterschied. So hart sich das anhört.

Ich weiß nur nicht, wie ich jetzt mit dieser Information umgehen soll. Alle Kliniken meiner Heimatstadt abtelefonieren, um herauszufinden, wo er liegt und was er hat.
Will er mich überhaupt (je) wiedersehen?
Was bringt das mehr als das, was es in der Vergangenheit schon nicht gebracht hat?
Und zudem: Jetzt bin ich gebunden. Ich kann nicht mehr so handeln wie damals, als ich Single war.

Und doch, wenn ich ehrlich bin: Ich würde eine Affäre mit ihm anfangen (sofern das sein Gesundheitszustand überhaupt erlaubt), einfach nur weil ich glaube, daß das Gefühl einmal auszuleben die einzige Chance ist, es überhaupt loszuwerden.
Ist der Gedanke schizophren?

Beitrag von juliafranziska 05.08.07 - 19:23 Uhr

Hallo,

Du solltest auf alle Fälle versuchen heraus zu bekommen, in welchem Krankenhaus er liegt - ich denke, dass Du das als ehemalige Schülerin auch durchaus auch unverfänglich über seine Frau machen kannst.

Denn sollte er schwer krank sein und eventuell sterben, ohne dass Du ihn noch mal besuchst, wirst Du Dir das nie verzeihen.

Mir ist es 2x passiert, dass ich "zu spät" kam/mit meldete, obwohl ich wusste, dass derjenige sehr krank ist.
Und dabei ging es jedes Mal noch nicht einmal um eine große Liebe, sondern "nur" um sehr liebe Freunde.
Und ich sage Dir, da war das schon ein Scheiß-Gefühl und ich hatte lange daran zu knappsen.

Und vielleicht ist der Besuch im Krankenhaus auch eine Möglichkeit, sich zu verabschieden und dass Du wieder in Dein Leben zurückfindest.

In diesem Sinne alles Gute,
juliafranziska

Beitrag von lavendel68 05.08.07 - 19:28 Uhr

Hallo !

Ein guter Freund hatte mir mal gesagt, dass ein Mensch, in den wir uns verlieben, mit dem wir aber nicht zusammen kommen können, in unserem Kopf in idealisierter Form weiterlebt, weil wir nicht die Gelegenheit bekommen, ihn im Alltag mit all seinen Schwächen und Fehlern und Unmöglichkeiten kennenzulernen. Die Phantasie läßt deshalb die Gefühle weiterleben mit dieser idealisierten Vorstellung, welche im realen Leben durchaus schnell zusammenbrechen könnte, wenn der angebetete Partner sich auf einmal von seiner nicht ganz so schönen Seite zeigt.

Mir hatte dieser Rat damals geholfen eine Entscheidung zu treffen. Vielleicht hilft er dir auch.

Gruss, Lavendel68

Beitrag von total-verwirrt 05.08.07 - 20:17 Uhr

Ich stimme dem absolut zu. Ich denke häufig auch, daß viel von meinen Gefühlen damit zusammen hängt, daß ich sie halt nie ausleben konnte und dadurch natürlich auch viel idealisiert wird.
Umgekehrt habe ich mich in meinem Leben aber schon häufiger mal verliebt, ohne daß das erwidert wurde, aber über alle diese Männer bin ich inzwischen problemlos hinweg. Wenn einer von denen krank wäre, würde es mir leid tun, aber das wärs. Ich denke auch an keinen von ihnen mehr.

Ich verstehe halt nicht, warum ich wußte, daß er krank war, bevor ich es wissen konnte. Irgend etwas in meinem Unterbewußtsein ist da mit ihm verlinkt.

Deshalb schrieb ich ja auch, daß ich bereit wäre, mich auf eine Affäre einzulassen, einfach um seine normale, nicht idealisierte Seite kennen zu lernen. Nur so -glaube ich zumindest- kann ich all das hinter mir lassen.

Sein Frau kann ich leider unmöglich anrufen, ich fürchte, die würde den Braten riechen. Ich denke eher darüber nach, die Krankenhäuser der Umgebung abzutelefonieren. Ich kenne seinen Namen, seine Adresse, sein Geburtsdatum... da sollte was machbar sein.

Beitrag von juliafranziska 05.08.07 - 21:18 Uhr

Hallo,

"Ich denke eher darüber nach, die Krankenhäuser der Umgebung abzutelefonieren. Ich kenne seinen Namen, seine Adresse, sein Geburtsdatum... da sollte was machbar sein."
>>> Die werden und dürfen Dir keine Auskunft geben, noch nicht mal, ob er da überhaupt Patient ist.

Laß doch einen männlichen Freund bei der Ehefrau anrufen.
Wobei ich nicht verstehe, welchen Braten die Eheftau riechen sollte - es gibt ja keinen, wenn wir mal bei dem Bild bleiben.
Und wenn eine ehemalige Schülerin, noch dazu Lieblingsschülerin (vielleicht hat er ja zu Schulzeiten von Dir sogar gesprochen), ihren Lehrer besuchen will oder sich zumindest nach ihm erkundigt, halte ich erst einmal für ganz normal.

Ich möchte noch klarstellen, dass ich Dir hier NICHT rate, irgendetwas zu beginnen, denn das ginge absolut gegen meine Prinzipien.
Es geht nur darum, dass Du ihn noch mal sehen solltest, falls er etwas ernstes oder endgültiges haben sollte.

In diesem Sinne,
juliafranziska

Beitrag von total-verwirrt 05.08.07 - 21:35 Uhr

Doch, ich glaube schon, daß man das rauskriegt. Ich weiß, daß ich in der Vergangenheit schon häufiger mal beim irgendeinem Krankenhaus angerufen habe, wo ich halt genau wußte, daß z.B. eine Freundin da liegt. Da habe ich dann immer nur gesagt: Können Sie mich bitte mit XY verbinden? (Zimmer-Nr. wußte ich nicht) und das haben die immer sofort gemacht. Dafür ist die Rezeption da.
Ich will seine Frau nicht anrufen, weil sie ihm das erzählen könnte. Ich will (noch) nicht, daß er weiß, daß ich etwas weiß. Ich will mir vollkommen offen lassen, ob ich ihn besuche und nicht schon eine 'Vorhut' schicken. Verstehst Du?

Beitrag von juliafranziska 05.08.07 - 22:06 Uhr

Hallo,

ich weiß schon, warum ich in dem Krankenhaus, in dem ich entbunden habe, noch zusätzlich eine Auskunftssperre (wegen des Kindsvater) verhängt habe ...

Ich fände es nicht schlimm, wenn er wüsste, dass Du Dich nach ihm erkundigt hast - das spricht doch nur für Dich.

Auf alle Fälle wünsche ich Dir, dass die Geschichte in Deinem Sinne endet.
Trotzdem: Finger weg von verheirateten/vergebenen Männern - das ist schäbig, auch wenn hier einige eine etwas laxe Haltung zu genau diesem Thema haben.

In diesem Sinne,
juliafranziska

Beitrag von lavendel68 06.08.07 - 08:55 Uhr

Hallo !

Ich glaube nicht, dass eine Affaire dir die erhoffte "Ernüchterung" bringen wird. Manchmal führt sie sogar dazu, dass man die Dinge noch idealer sieht, weil man nur schöne Zeiten miteinander verbringt, da die gemeinsame Zeit auf wenige Stunden begrenzt ist und man sich denkt, dass es doch schön wäre, auch im Alltag immer so glücklich zu sein.

Ich denke, er hat auch Angst, dass diese Liebe von ihm idealisiert wird und im Alltag vielleicht nicht bestehen kann. Wenn er alles aufgibt und ihr euch am Ende getäuscht habt, steht er mit leeren Händen da, um eine irdische (seine jetzige) und um eine geistige Liebe (die zu dir) ärmer als vorher. Es ist immer ein Risiko und wenn er es nicht eingehen will kannst du nichts dagegen machen. Auch ob er sich auf eine Affaire einlassen würde ist mit seine Entscheidung.

Übrigens habe ich (witzigerweise auch in einem Krankenhaus) ein "Paar" kennengelernt, denen es ähnlich wie euch beiden erging. Sie liebten einander schon seit Jahren, allerdings konnten sie nicht miteinander und auch nicht ohne einander. So hatte schliesslich jeder sein eigenes Leben, sie kamen aber nicht voneinander los und hielten über die ganzen Jahre Kontakt.

Besuche ihn im Krankenhaus wenn dir danach ist. Es ist unverfänglich und ich denke, du wirst dich danach vielleicht etwas besser fühlen.

Gruss, Lavendel68

Beitrag von Romantische.... 05.08.07 - 23:11 Uhr

Es mögen mich wohl einige hier steinigen, aufgrund dessen, was ich nun sagen werde, aber ich finde, das Leben ist echt zu kurz, um die einzig wahre Liebe, die einem im Leben begegnet und so stark und beständig ist, dass sie nach so vielen Jahren nicht vergeht, einfach so vernünftig und unerfüllt zu beenden, ohne ihr eine Chance gegeben zu haben, richtig zu beginnen und aufzublühen.

Ich weiß, dass er seinerseits einiges zu verlieren hätte und es nicht wirklich toll ist, einer Familie den Vater und einer Frau den Ehemann wegzunehmen, aber andererseits wollte ich auch nicht mein Leben mit einem Menschen teilen, der tief in seinem Innersten immer eine andere Frau lieben wird.

Fahr zu ihm, frag, wie es ihm geht. Vielleicht hat er sich ja mittlerweile sowieso von seiner Frau getrennt. Wieso träumen, wenn man auch leben kann....


Wünsche dir alles Liebe