Wunschkaiserschnitt: Wer hatte oder möchte auch einen?

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Forum: Geburt & Wochenbett

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Beitrag von kiriku 06.08.07 - 22:06 Uhr

Hallo!

Ich habe am 09.09. Entbindungstermin und möchte einen Wunschkaiserschnitt haben. Leider kenne ich niemanden, der das irgendwie nachvollziehen kann und rede deshalb auch nicht wirklich mit jemandem drüber. Die meisten sehen sowas halt doch eher negativ.

Wer hatte oder möchte auch einen Kaiserschnitt haben oder versteht mich zumindest? Muss ich mich schlecht fühlen. Habe mich ehrlich gesagt noch nicht mal wirklich getraut es jemandem zu erzählen, dass das Kind per KS zur Welt kommen wird.

Danke für eure Antworten!

LG,
Mel!

Beitrag von kati543 06.08.07 - 22:48 Uhr

Ich hatte eine Spontanentbindung und versuche das dieses mal auch wieder hin zu bekommen. ABER: Ich kann dich voll verstehen. Laß dich von anderen nicht überreden. Die meisten von denen haben selber noch kein Kind und wissen nicht, was Wehen bedeuten. Ich habe dafür kämpfen müssen, dass mein Sohn normal geboren wird (ich bin chronisch krank und die spontane Entbindung ist aufgrund ihrer (häufigen) Länge ein Problem). Ich habe mich durchgesetzt - frag nicht gegen wieviele Besserwisser. Ich hatte Glück - mein Kleiner war nach 2 Stunden da. Er kannte "mein" Problem schon ;-)
Unter den Wehen habe ich in JEDER Wehe gedacht in der Pause auf KS umzuschwenken. Keine Ahnung, ob ich es auch gesagt habe. Auf alle Fälle wurde er normal entbunden - aber ich kann dich verstehen. Ich war vor der Entbindung immer absoluter Gegner von WKS - mittlerweile sehe ich das etwas anders.
Natürlich solltest du schon Gründe wissen, warum du den KS willst. Medizinische Gründe gibt es ja sicher nicht. Einfach "weil ich will" ist nicht wirklich ein guter Grund für eine solche große OP. Mal abgesehen von den (unwahrscheinlichen) Dingen die schief gehen können, gibt es noch so die Probleme die fast jede Frau nach dem KS hat. So eine Narbe macht den Bauch auch nicht unbedingt schöner. Also so etwas will gut überlegt sein.
Wenn du nochmal drüber reden willst, kontaktiere mich einfach.

LG Katrin + Omar (16 Monate) + #ei (16.SSW)

Beitrag von muffin357 07.08.07 - 08:05 Uhr

hallo mel,

darf ich dich fragen, warum man sich einen kaiserschnitt wünscht ? -- ich selbst bin leider noch nicht schwanger, aber wir üben gerade -- interesieren tu ich mich ja schonmal *g*

also ich würde spontan sagen: wie kann man sich eine doch eingreifende OP wünschen, die einem danach eine schlimmere zeit beschert, als die stunden in den wehen? - man wird vom kind getrennt, verpasst das sofortige bonding, kann sich aufgrund der OPfolgend die ersten tage nicht richtig um sein kind kümmern? -- also wünschen würde ich mir einen kaiserschnitt nicht, wenn es nicht auf normalem weg eine gefahr für unsere gesundheit ist...

klaro will ich dir das nicht ausreden, aber ich habe mich diese frage schon öfter gestellt... .was sind denn eigentlich gründe dafür, dass man sich einen KS wünscht?

wäre lieb, du könntest vielleicht ein bissi antworten? ---fänd ich furchbar nett von Dir ....

ich wünsch dir und deinem würmschen für die restliche zeit alles alles gute und eine beschwerdefreie, nicht allzuheisse zeit,

lg
tanja

Beitrag von soleluna 07.08.07 - 08:49 Uhr

Hi du

also ich dachte immer so wie du, bis ich schwanger wurde, ich wollte unbedingt spontan entbinden, in meiner familie gibt es die sogenannte Muttermundschwäche (mama 6 Geburten 1x KS 5x min 3 Tage wehen und schmerzen) (meine Schwetsern beide über 36h weil der MUMU nicht aufging) ich dachte mir bei mir wirds anders, viel Hombeerblättertee, Akupunktur und dann lag ich 13h in den wehen und mein MUMU ging nicht weiter auf als 2 cm und dann bekam ich meinen Kaiserschnitt, und ich bin total froh drüber den mein kleiner war ein ziemlich großer (37 vcm KU, 4,44 kg und 56 cm) lt. meinem FA hätte er "da unten" eine ziemliche Baustelle angerichtet! mir gingst total gut mit dem kaiserschnitt, und würds wieder machen!!!!! und ich wußte es im Unterbewusstsein das es für mich besser ist!!!


Viel Glück

Marion & Tobias 21.06.07

Beitrag von zaubertroll1972 07.08.07 - 09:08 Uhr

Hallo,

auch mein KS war von mir gewollt.
Ich kenne daher die Reaktionen einiger anderer und kann Deine Situation nachvollziehen. Anfangs ist es komisch, man weiß nicht wie man auf die Kommentare anderer reagieren soll und ist unsicher.
Mir ist die meinung anderer völlig egal. nachher interessiert es keinen mehr wie Du entbunden hast.
Wenn ich merke mein Gegenüber ist so festgesessen in seiner Meinung lasse ich mich gleich auf keine Diskussion ein. Auch rechtfertige ich mich vor niemanden.
Es ist jedem selbst überlassen wie er entbindet und eine natürliche Geburt macht eine Frau nicht automatisch zur guten Mutter. Es gehört wohl sehr viel mehr dazu als die Geburtstart.
Also ich kann Dir nur sagen, schaff Dir ein dickes Fell an und steh zu Deiner Meinung und wenn Du das nicht kannst - oder noch nicht kannst - Du mußt es ja niemandem sagen daß es ein WKS ist. Du bist doch nicht verpflichtet Dich darüber zu äußern!

LG Z.

Beitrag von kuksi 07.08.07 - 10:19 Uhr

Hallo!

Also ich kann dich sehr gut verstehen. Ich habe meine 1. Tochter normal entbunden. 14 Stunden Wehen und Wehentropf usw. Es war wirklich kein schönes Erlebnis!

Deshalb habe ich mich bei meiner 2. Tochter dazu entschlossen einen WKS machen zu lassen. Sogar mein FA hat versucht es mir auszureden und hat die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen. Aber ich habe Gott sei Dank ein KH gefunden die einem WKS sehr offen gegenüber steht und meine Tochter kam dort am 1. Juni 2007 auf die Welt.#freu

Und ich habe die richtige Entscheidung getroffen. Ich konnte die Geburt meiner 2. Tochter richtig geniessen und es war ein wunderschönes Erlebnis. Auch die Schmerzen waren mit den Schmerzmitteln auszuhalten. Und am 4. Tag nach der OP bin ich auch schon wieder nach Hause gegangen, wo auch noch meine 2 jährige Tochter auf mich gewartet hat. Die Schmerzen waren nach 2Wochen komplett weg und jetzt 9 Wochen später sieht man nur noch die Narbe, ein dünner (noch) roter Strich.

Also lass dir von niemandem reinreden, denn du bist die Einzige die entscheiden muss/darf, wie dein Kind zur Welt kommen soll.

Ich wünsch dir alles Gute!#herzlich

LG Nicole

Beitrag von chrisbenet 07.08.07 - 10:43 Uhr

Hallo Mel,

erstmal vorweg: schlecht fühlen "muss" sich keiner! Viele können Dir Rastschläge und Tipps geben, aber das Aufschwatzen eines schlechten Gewissens halte ich für unverschämt und fehl am Platz.

Ich hatte 2 KS, obwohl ich nie einen wollte.
Der erste war nach 28h Einleitung, grünem Fruchtwasser, etc. ein Not-KS - Lucas hatte 3x die Nabelschnur um Hals und Kopf und konnte gar nicht alleine rauskommen. Da war ich froh, dass die Medizin heute soweit ist und es sowohl ihm als auch mir danach gut ging (mein Onkel hat bei dem gleichen Scenario vor 30 Jahren seine Frau dabei verloren...!).
Der zweite KS fand vor 3 Wochen statt; mein FA hatte uns bis ET+9 Zeit gegeben, eine normale Geburt zu haben - was nicht klappte. Simon war nicht tief genug ins Becken gerutscht, ich hatte unglaublich viel Wasser eingelagert in den letzten Wochen und keinerlei Wehen... als der KS gemacht wurde, kam statt des erwarteten Köpfchens ein Arm zum Vorschein! Auf der Suche nach dem Kopf verschwand Simon immer wieder tief in mir, die Gebährmutter war so gross, dass er immer wieder wegtauchen konnte! Schliesslich mussten sie mich auch noch längst aufschneiden (als T, sozusagen), um ihn "bergen" zu können. Er kam sofort auf die Kinder-Intensiv (Luftkissen in Lunge, erhöhte Sauerstoffversorgung, Antibiotika, etc.) und ich hatte hohen Blutverlust. Das wusste keiner vorher, alle Werte waren vorher super gut gewesen.

Nach jedem KS kannst Du die ersten ca. 2-3 Tage nichts machen, nicht aufstehen oder nur unter grossen Schmerzen, kannst Dein Kind maximal im Arm halten und stillen (Milcheinschuss ist verspätet), ... und anschliessend zuhause muss man auch vorsichtig sein, darf und kann nur wenig machen, nichts heben, ich bin die ersten Tage nur geschlichen, der Weh zum Klo war sehr weit, spontan aufstehen geht nicht, ...
Wenn Du Unterstützung zuhause hast und Du Dich ausruhen und aufs Kind konzentrieren kannst, ist es machbar.
Die Rückbildung kann länger dauern, auf jeden Fall ist längere Zeit Vorsicht geboten.

Ein KS ist eine vollwertige Operation, mit allen Konsequenzen. Es klingt immer einfach, aber schon das Setzen der PDA (auch bei normaler Geburt) ist mit Risiken behaftet und kann Schmerzen verursachen.

Auf der anderen Seite hast Du damit keinen Dammriss, keine Geburtsschmerzen (dafür dann anschliessend), etc.

Ich bin froh, 2 gesunde Kinder zu haben, dass sie dank der KS auf die Welt gekommen sind - aber mir wird es auf immer fehlen, meine Kinder nicht nur ausgetragen sondern auch geboren zu haben. Klingt vielleicht sentimental... an so etwas denkt man vorher nicht.
Die normale KS-Narbe ist ja im Schamhaarbereich, ist also normalerweise optisch kein Problem. Von Simon wird mir eine weitere sichtbar bleiben, die bis auf 2 Fingerbreit hoch zum Bauchnabel geht! Naja, das Resultat war es sicherlich wert ;-)

Informiere Dich gut über eine natürliche Geburt und auch über KS; und leg Dich noch nicht zu früh fest - eventuell kommt es ganz anders, als Du planst. Wer weiss, ob Dein Kind nicht viel früher als geplant kommt? Oder ob Du eine superschnelle Geburt haben wirst? Oder ob vielleicht ein KS medizinisch notwendig sein wird? Warte die Entwicklung der SS ab...

So, das war viel Text *puh* hoffentlich hilft es Dir ein bisschen.

Alles Gute,
Chris & Lucas *7.12.2004 & Simon *17.7.2007

Beitrag von anyca 07.08.07 - 11:10 Uhr

Schlecht fühlen mußt Du Dich sicher nicht. Ob Dein Kind es gut bei Dir hat hat nichts mit dem Geburtsmodus zu tun!

Nachvollziehen kann ich persönlich die Entscheidung nicht, ich bin einen Tag nach der Geburt meiner Tochter nach Hause gegangen und hätte gaaaaaaar keine Lust gehabt 5 Tage im KH zu bleiben, was ja nach Kaiserschnitt die Regel ist. Zuhause hab ich mich tausendmal wohler gefühlt. Aber vielleicht bist Du auch nicht so ne "Krankenhaushasserin" wie ich ;-)

Ich persönlich fand die Geburt nicht so schlimm und hätte vor einer weiteren natürlichen Geburt viel weniger Angst als vor noch mal drei Monaten Übelkeit, noch mal wochenlang Wasser in den Beinen und was ne Schwangerschaft noch so alles an Wehwehchen mit sich bringt.

Jedenfalls alles Gute für Dich, egal wie Du Dich letztlich entscheidest!:-)

Beitrag von gica 07.08.07 - 12:53 Uhr

Hallo Mel,

ich hatte zwei Wunschkaiserschnitte und kenne das dumme gelaber anderer.
Du solltest nicht soviel Wert darauf legen das es den "anderen" gefällt wie Du entbindest. Eigentlich sollte es Dir völlig egal sein wie andere darüber denken.
Wichtig ist das Du Dein Kind so bekommst wie Du es möchtest.

Alles Gute
Steffi,Sarah-Marie (28 Monate) und Lena-Sophie (14 Monate) (beide WKS)

Beitrag von butz2001 08.08.07 - 20:32 Uhr

Liebe Mel,

ich finde es schwierig hier Ratschläge zu geben, oder gar zu werten. Vielleicht hilft meine Erfahrung:
Mein erstes Kind habe ich auf natürlichem Wege zur Welt gebracht. 21 Stunden Kreißsaal, PDA, dann Zangengeburt. Es war langwierig, zum Schluss sehr hektisch, aber es ist tasächlich machbar! In der Sekunde, wo das Baby da ist, sind tatsächlich alle Schmerzen vergesen. Das wollte ich vorher auch nicht glauben, aber es ist so. Bedingt durch die Zangengeburt hatte ich einen Dammschnitt, der sehr unangenehm war: ca eine Woche saß ich auf einem Gummi-Rettungsring, danach wurde es besser.

Bei meinem zweiten Kind habe ich mich für einen Kaiserschnitt entscheiden - es gab keine zwingende medizinische Indikation hierfür. Ich hatte drei Bandscheibenvorfälle im unteren Rückenbereich und wollte die Region schonen (eine Rücken-Op ist wesentlich aufwändiger als ein Kaiserschnitt). Es war allerdings meine Entscheidung - nicht die des Arztes. Das hat mir natürlich auch im Freundeskreis befremdete Blicke eingebracht - natürliche Geburt ist schließlich angesagt!
Nach dem KS, wenn die Schmerzmittel nachlassen, sind die Schmerzen deutlich stärker als bei der natürlichen Entbindungen. Der Heilungsprozess dauert wesentlich länger. Die Narbe ist kaum sichtbar, aber die Haut ca 5 cm oberhalb der Narbe ist auch nach 2 Jahren noch taub.
Den Kaiserschnitt habe ich als sehr abstrakt erlebt: man hört und spürt die Vorgänge (auch wenn die Ärzte sich bemühen leise zu sein) - aber es wird einem bei vollem Bewußtsein (wenn auch ohne Schmerzempfinden) der Bauch aufgeschnitten. ich fühlte mich eher, als ob ich mich in einem Film betrachte, als dass ich das Gefühl gehabt hätte, ich sei dabei gewesen. Mir fällt kein besseres Wort ein, als "abstrakt".
"Too posh to push" lass ich mal so nicht gelten. Insgesamt gesehen habe ich den Kaiserschnitt als langfristig schmerzvoller erlebt.

Nun bin ich zum dritten mal schwanger und werde wieder natürlich entbinden (wenn dies möglich ist). Mein Rücken fühlt sich stabiler an, ich hatte nicht das Gefühl, dass der Kaiserschnitt in irgend einer Form die angenehmere Variante gewesen wäre.

Es wird wohl mein letztes Kind sein - und bei dieser Geburt möchte ich anwesend sein und sie bewußt und nicht "abstrakt" erleben.

Beide Kinder haben sich übrigens prächtig entwickelt - die Art der Geburt scheint also keinen Einfluss darauf gehabt zu haben - wobei man natürlich so oder so keine gegenprobe machen kann ;)

Dir alles Gute und versuche für dich den richtigen Weg zu finden. Das ist, was zählt.

butz2001