Depressionen nach Not-KS

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Forum: Geburt & Wochenbett

Die Geburt deines Kindes rückt näher und es tauchen immer noch neue Fragen auf? Du hast gerade entbunden und ganz spezielle Fragen in dieser besonderen Situation? Hier ist der Ort für alle Fragen rund um Geburt und Wochenbett.

Beitrag von tonia1976 07.08.07 - 16:05 Uhr

Hallo an alle Muttis,

ich werde irgendwie nicht ganz fertig mit meinen Gefühlen: am 9.7.07 habe ich entbunden. Leider musste nach 14 Stunden ein Not-KS wegen Nabelschnurvorfall gemacht werden: CTG ist unter wehen schlecht geworden .

Meine SS war absolut problemlos, darum war es für mich ein Schock. Ich kann es immer noch nicht verarbeiten, ich liebe den Kleinen über alles. Fühle mich irgendwie von allen vernachlässigt: mein FA hat ab der 30 SSW kein Ultraschal mehr gemacht, dann mache ich mir Vorwürfe, dass ich mich unter geburt so wenig bewegt habe, lag immer an einer Seite. Wehen wurde durch Infusion verstärkt, habe dann auch PDA eingewilligt. Vor der Geburt hatte ich 2 Tage leichte Wehen, bin nicht ins KH gefahren. Vielleicht war das ganze für den Kleinen zuviel? Wie kommt es überhaupt zu einem Bauchnabel-Vorfall? es ist doch so selten, warum gerade bei mir? Vielleicht habe ich zu viel SS-Gymnastik gemacht? Laute Fragen, die mir niemand beantworten kann. Meine Hebbi hat jetzt Urlaub.. Mein FA ist so unpersönlich, hat nicht mal das Kind angeschaut, als ich zur Vorsorge bei ihm war :-(

Mein Mann steh mir schon bei, er arbeitet aber ziemlich lange, bin mit meiner 18-jährigen Schwester zu hause alleine. Mit ihr kann ich ja drüber nicht reden...

Geht es jemanden ähnlich?

LG

Tonja

Beitrag von judith_hh 07.08.07 - 17:02 Uhr

Hallo Tonja,
ich kann dich gut verstehen. Am 22.7. habe ich das zweite Mal per KS entbinden müssen - obwohl ich es vorher auch so lange probiert habe.
Keines von den Dingen über die du dir Gedanken machst hätte das verhindern können. Solche Vorfälle passieren einfach, du hättest das weder vorhersehen noch ändern können.
Nach meinem ersten KS haben alle mir gesagt: Sei doch froh, dass er gesund ist. Deshalb habe ich immer versucht nicht traurig zu sein. Dann hatte ich viele Milchstaus. Es ist einfach so, dass natürlich das Baby das wichtigste ist, aber die Mama darf auch traurig sein über eine schwere Geburt. Solltest du die Gedanken aber nicht loswerden oder sie dich übermäßig belasten, würde ich mir Hilfe von einer erfahrenen Hebamme oder Therapeutin holen.

Ich hoffe, dass du die Geburt bald verarbeiten kannst!
Liebe Grüße,
Judith

Beitrag von lyss 07.08.07 - 17:14 Uhr

Also, als ich im April 2005 meinen Sohn zur Welt brachte, ging es mir ähnlich. Nach Blasensprung wartete ich 2 Tage auf Wehen - dann wurde eingeleitet. Nach 12 Stunden war weder der Muttermund ganz geöffnet noch war der Kopf ins Becken gerutscht - also Not-KS. Die Leute und auch der Vertretungsarzt (meiner war in Urlaub) waren einfach toll. Aber dennoch... Klar, die Hormone... Aber mir gingen dauernd so Gedanken durch den Kopf, dass ich wirklich gar nicht zu Stande bringe: kann kein Kind "normal" gebähren, unfähig zu Stillen (mein Kleiner hat einfach nicht getrunken), es kam einfach nicht die Freude auf, von der ich schon so oft gelesen und gehört hatte, bin schlicht und ergreifend eine erbärmliche Frau und Mutter. Auch zu Hause hatte ich des öfteren noch Heulanfälle und depressive Stimmungen.
Aber ich muss sagen, mein Mann war einfach toll in der Zeit - er hat mir sehr geholfen. Und auch als ich beschlossen hatte, nicht mehr jedem was vorzulügen, wenn man nach meinem Befinden fragte - so von wegen bin die überglückliche Mami - sondern einfach sagte: Mit geht's Sch..sse. Das hat mir geholfen.

Du weisst sicher selbst, dass diesen ganzen Selbstvorwürfe gänzlich falsch sind. Du hast alles toll gemeistert, hast dein Kind trotz Widrigkeiten zur Welt gebracht und bist einfach super!

Das KH-Personal hatte mir auch gesagt, als ich ging, wenn irgendwas sei, sollte ich mich bei ihnen melden. In der ersten Zeit würden sie helfen so gut es ging. Vielleicht wendest du dich an jemanden aus deinem KH? Denn reden hilft bestimmt...

LG,
Lyss

Beitrag von jezzi 07.08.07 - 21:05 Uhr

Lass dich erst mal #liebdrueck

das Gefühl kenne ich auch zur Genüge! Man fühlt sich als hätte man als Frau versagt! Nicht mal gebähren kann man und stillen auch nicht! Dazu kommt noch, dass man von jedem gesagt bekommt "hauptsache gesund"! Klar ist das die Hauptsache...aber auch die Mama hat das Recht traurig sein zu dürfen und schon gar nicht muss man falsche Gefühle vorgauckeln. Also, wenn du dich Scheisse fühlst, sag es ruhig auch!
Deine Entbindung ist ja noch recht frisch! Die Hormonumstellung und der ganze Kram noch in vollem Gange! Ich kann dir sagen....Es wird besser....! Die Zeit heilt auch in diesem Falle mal wieder die Wunden! Bei mir war es auch so! Paul wird jetzt bald 2 Jahre alt und ich muss sagen
ich habe mich mit meinem KS mittlerweile "versöhnt"! Für eine neue Schwangerschaft hoffe ich noch mal auf die Chance einer natürlichen Entbindung....aber nicht zu verbissen....! Das war bei mir der Fehler....Mit meiner rosaroten Brille hatte ich die Möglichkeit eines KS gar nicht in Betracht gezogen und dann fiel ich natürlich aus allen Wolken als es soweit war...!
Du bist eine tolle Mutter, egal wie du entbunden hast! Wenigstens hast du es versucht spontan zu entbinden, hast also alles dir mögliche dazu beigetragen...dass dein Zwerg einen anderen Weg gewählt hat kannst du leider nicht ändern, geschweige denn erklären...er wollte es einfach so! Du wirst lernen damit umzugehen, denn in der Beziehung zwischen dir und deinem Schatz wird es noch so viele tolle Sachen geben, dass der Gedanke an den KS irgendwann in den Hintergrund rückt....Erfreu dich einfach an deinem kleinen Mann


Liebe Grüße
Jessi

Beitrag von wallander 08.08.07 - 10:14 Uhr

Hallo Tonja,

das was du beschreibst kenne ich nur zu gut. Ich habe am 19.09.02 meine erste Tochter per Not-KS zur Welt gebracht. Ich hatte damals starke Depressionen, die ich nicht behandeln ließ. Nun war ich wieder schwanger und mit jedem Schwangerschaftsmonat wurde die Angst schlimmer. Ich hatte das Glück, im GVK auf eine sehr nette und einfühlsame Hebamme zu treffen. Diese hat mich mit einer Ärztin bekannt gemacht, die sich um psychosomatische Probleme in der SS kümmert. Mit ihr habe ich nochmals den gesamten damaligen Geburtsverlauf besprochen. Ich hatte nämlich auch die Sorge, dass es damals an mir gelegen hat. Nach drei einstündigen Gesprächen war ich soweit stabil, dass ich der Geburt meines zweiten Kindes optimistisch entgegensehen konnte.

Mein Rat, lass dich professionel beraten bzw. behandeln. Such dir die Hilfe. Vielleicht suchst du nochmals das Gespräch mit der Hebamme und der Ärztin, die dich entbunden haben.

LG Sibylle + Lisa (4) + Julius (09.07.07)

Beitrag von lilly69 11.08.07 - 23:58 Uhr

am 30.07 wurde mein sohn via ks geholt. die op tat mir leider weh, rippen wurden geprellt. als er kam, hielten sie ihn 2 sekunden über die abtrennung, dann war er weg. als er wiederkam, hab ich mich gerade erbrochen wie verrückt. danach lag ich an einem heftigen schmerztropf.


ich hab meinen sohn eigentlich erst gegen abend wahrgenommen und begrüssen können.


und ich sage mir einfach: na und? eine lange narbe zeugt von meiner mutterschaft, meiner tapferkeit und seinem weg in die welt. und meine liebe ist so groß, dass sie auch durch mehr stunden oder eine vaginale geburt nicht größer wäre.

ich habe mich noch am gleichen tag mit der art versöhnt. ich bin einfach so glücklich über das männlein, dass der rest mir längst egal ist.

vielleicht kannst du dem ganzen etwas weniger gewicht beimessen?

alles liebe

lilly