Emils lange und dann doch total schnelle Geburt (ist lang geworden!)

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von caro1608 08.08.07 - 11:40 Uhr

Hallo,

ich stelle nun doch meinen ziemlich langen Geburtsbericht ein. Ich hab irgendwie immernoch an der Geburt zu knabbern, den Bericht hab ich nur wenige Tage danach geschrieben, er ist also noch völlig "unverblendet". Vielleicht nicht nur schön zum lesen.

Das ganze fing eigentlich schon am Mittwoch (25.07.) an. Ich hatte am Vormittag regelmäßige unangenehme Wehen und fühlte mich irgendwie merkwürdig. Die Wehen waren aber noch nicht so arg, dass ich sie irgendwie hätte veratmen müssen. Mittags bin ich dann in die Wanne und zack waren die Wehen weg. Ich war dann noch mit meiner "Großen" in der Krabbelgruppe und alle haben gerätselt wann der Kleine komms. Den 26.07. habe ich ja nach seiner „Entstehung“ so ausgerechnet. Am Abend so gegen Neun kamen die Wehen dann wieder und waren auch wieder unangenehm. Ich hab angefangen zu veratmen und dachte „schaun wir mal – entweder es hört wieder auf in der Nacht, oder wir bekommen unser Kind“. Ich hab dann versucht zu schlafen, das ging aber nicht, dafür waren die Wehen schon zu unangenehm. Etwa um Eins bin ich dann heiß duschen gegangen um zu testen ob es „echte“ Wehen waren. Danach konnte ich weiterhin nicht schlafen, die Wehen waren zu stark und kamen alle 8-10 Minuten. Ich hab die Schlafversuche dann irgendwann aufgegeben und bin aufgestanden, hab fernseh geschaut, die Wäsche sortiert, meine Tasche fertig gepackt und natürlich fleißig Wehen veratmet und Abstände gestoppt.
Etwa um fünf hab ich dann meine Eltern angerufen (die ich schon um Mitternacht vorgewarnt habe), dass sie kommen sollen. Und 10 Min. später hab ich den werdenden Papa geweckt. So um 10 nach halb sechs sind wir losgefahren. Vorher hab ich noch geheult, weil ich mich nicht von meiner Großen trennen wollte. Ich wusste ja nicht genau, wie lang die Geburt dauern würde und ob ich sie an diesem Tag überhaupt sehen würde….
Im Kh gings erstmal ans CTG, danach hat der Arzt nen Ultraschall gemacht und den MuMu getastet und der war bei 2-3 cm offen. Ich war echt guter Dinge und dachte schön, aber das konnte ja noch dauern. Wir haben ein Zimmer bekommen, und sollten um etwa neun wiederkommen zur Kontrolle. Um Neun wieder ans CTG und ich merkte da schon, die Wehen waren unterschiedlich stark, kamen in unterschiedlichen Abständen. Wie damals bei der 1. Geburt, die ja elend lang war (fast 41 Std), die haben nix gebracht – und so war es auch… MuMu immer noch bei 2-3 cm. Wir sollten spazieren gehen. Ok, ich schon etwas entmutigt losgelatscht. War schon einiges los draußen und mir viel es schon schwer die Wehen unauffällig zu veratmen. Wir also rumgelatscht, danach noch auf dem Zimmer weitergeweht und es wurde immer heftiger. Um halb zwölf waren wir wieder zum CTG – wieder so komische Wehen, MuMu immer noch 2-3 cm. Ergebnis eher rückläufig…. Ich war am Ende. Für mich war es das blanke Dejavue. Ich war mir sicher, wieder so ne lange Geburt haben zu müssen, wenn ich nicht früher aufhören würde auf tapfer zu machen. Also hab ich gesagt, ich möchte ne PDA. Dann erklärten die mir, dass der GMH noch nicht verstrichen sei und wenn ich ne PDA bekomme, bräuchte ich auch nen Wehentropf. Die starken Wehen könnten dann aber dafür sorgen, dass der GMH reißt und das könne man nicht riskieren. Alles in allem haben die mir zu verstehen gegeben, dass in deren Augen, die Geburt noch gar nicht recht begonnen hätte und der Befund sogar so sei, dass ich noch mal nach Hause könne. Ich war so am heulen. Die Wehen waren so stark und es ging nix voran…. Ich wollte auch nicht mehr nach Hause! Soll ich meinem Kind zeigen wie starke Schmerzen ich habe? Vermutlich bin ich ein Weichei, aber das war wirklich schlimm…. Ich fühlte mich ziemlich im Stich gelassen. Ich bekam 2 Paracetamol und ein Zäpfchen gegen die Schmerzen und wusste gleich es würde nix helfen. Und so war es leider dann auch.
Um drei kam die nächste Schicht. Ich bis dahin weiter die Wehen verarbeitet, es wurde immer mühsamer. Die Hebamme tastete und meinte es sei nicht mehr viel vom GMH übrig und der MuMu sei gut 3 cm offen, also hatte sich ganz klein wenig was getan. Wir verabredeten, dass wir noch mal ne halbe Stunde laufen und danach würde ich in die Wanne gehen. Also: wieder rumgelatscht – ätzend… aber ich war wieder etwas motivierter, auch wenn das CTG immer noch nicht wirklich gut aussah für mich. Nach unserem xten Spaziergang durfte ich endlich ins Wehenzimmer. Da konnte ich wenigstens ausprobieren, wie ich Wehen gut aushalten konnte. Habs mit ans Tuch hängen versucht, mit Pezziball, an der Stange usw. Nur nach baden war mir nicht mehr, denn im Wehenzimmer war´s ziemlich warm. Irgendwie so gegen fünf meinte die Hebi ob wirs mal mit Globuli versuchen. Ich musste mich beherrschen ihr nicht meinen Hohn ins Gesicht zu lachen und sagte ok. Sie kam dann mit fünf Kügelchen und ich hab die genommen. Keine paar Minuten später gings los. Ich hab noch gespöttelt, dass die ja schnell helfen und meinen Mann raus zum Essen geschickt. Er war weg und bei mir ging plötzlich eine Wehe nach der anderen ein. Eine stärker als die andere. Ich war völlig überrumpelt. Ich konnte nur noch stehend die Wehen ertragen (hätte ich ja niiiiiie gedacht) und hab aber schon total gezittert vor Erschöpfung – hatte ja nix gegessen und auch wenig getrunken…. Jedenfalls hab ich etwa ne ¾ Stunde eine heftige Wehe an der nächsten gehabt - kaum je ein paar Sekunden Pause dazwischen. Die Hebammenschülerin kam um mich zu unterstützen und ich hab sie in den immer kürzeren Päuschen vollgejammert, sie solle sofort das Kind rausholen, ich schaffe das nicht. Ich wurde langsam richtig laut. Ich hab auch mal erwähnt, dass ich das Gefühl habe dass es nach unten drückt, da meinte sie nur, das könne sie sich nicht vorstellen. Irgendwann hats der Guten dann wohl gedämmert, dass da was vorangeht und sie meinte sie könne mal gucken wie der MuMu aussieht, ich soll mich hinlegen. Das Hinlegen war die absolute Horrorvorstellung für mich, aber mir war schon klar dass das anders nicht geht. Ich mich also hingelegt, konnte gar nicht wirklich, weil eine Wehe die nächste jagte. Aha, sacht die Schülerin. MuMu 7cm. Wir gehen in Kreißsaal. Sie meinte ich könne jetzt ne PDA haben und vorher bekäm ich nen Zugang und ein Mittel, dass die Wehen nicht mehr so schnell kommen. Ich konnte kaum in den Kreißsaal rüber, so schlimm waren die Wehen und so kurz hintereinander. Ich konnte kaum denken, geschweigedenn atmen. Mir wurde schwindelig und irgendwie haben die dauernd nicht gemerkt wann ich gerade keine Wehe hatte und musste auch noch immer sagen: Moment, die ist noch nicht vorbei. Dann sind wir in einer etwas längeren Pause rüber in Kreißsaal, wo die den großen Fehler begangen haben mich mitten im Raum stehen zu lassen. Und dann kam wieder so ne mörder Wehe und ich hatte nix zum festhalten mich anlehnen. Ich stand da, völlig hilflos in diesen Schmerz gehüllt, ruderte mit den Armen rum hab laut rumgeatmet und hatte das Gefühl dass die Hölle nicht schlimmer sein könnte. Dann kam endlich mein Mann zurück den die ganze Situation wohl auch ziemlich überrascht hat. Er ging als ich im Wehenzimmer war und die Wehen alle paar Minuten kamen und kam zurück als ich im Kreißsaal schon fast am Pressen war (er war nur ne halbe Stunde weg!). In der nächsten Wehe stand ich dann an einer Art Kommode und dann würgte es mich plötzlich. Aber irgendwie nicht nur im Hals, sondern auch im Unterleib. Ich kann es nicht anders beschreiben, als wie einen heftigen Krampf und ich drückte und wusste das kann ich unmöglich aufhalten. Ich hab dann geschrien, dass es nach unten drückt und die meinten NEIN, ich soll nicht pressen! Also hab ich gehechelt, was aber diesen Krampf nicht aufhalten konnte. Die Hebi ist dann etwas hektisch geworden und meinte sie guckt noch mal ich soll aufs Kreißbett. Da ist dann die Fruchtblase noch dazwischen geplatzt. Und wieder diese Situation. Die Wehen kamen so schnell und heftig, dass ich kaum die 2 Schritte zum Bett konnte, geschweigedenn mich darauf richtig hinlegen, oder mal 2 Sek. Zu überlegen, WIE ich mich da hinsetze, damit ich die Wehen besser rumkriege. Keine Chance, ich lag da auf halb acht, die haben mir die Hosen ausgezogen und siehe da. Auf dem Weg vom Wehenzimmer zum Kreißsaal hat sich alles geöffnet und der Kopf war schon unterwegs. Das war mir echt zu viel. Mir dämmerte in den Schmerzen, dass ich jetzt wohl keine PDA mehr bekommen würde und das Kind müsste so rauskommen. Ich lag da und hab mir die Seele aus dem Hals geschrien und irgendwem die Finger zerquetscht. Ich hab gefühlt wie der Kopf sich seinen Weg gebahnt hat. Es hat gebrannt wie Feuer, und gedrückt, ich dachte das geht nie vorbei. Irgendwann in diesen gewaltigen Krämpfen hab ich beschlossen noch mitzudrücken, damit es schneller geht. Ich hab glaub ich richtig gekreischt und meine ganze Kraft nach unten gepresst. Um 18:29 Uhr – etwa 1 ½ Stunden nach Gabe der Globuli – war der Kleine da.
Ich hab erstmal gar nicht hingesehen – ich hab den Kopf zur Seite gedreht und nur genossen richtig atmen zu können und dachte „vorbei – endlich vorbei“. Das Fruchtwasser war grün, so mussten sie ihn eh erst absaugen und ich hatte einen Moment mich zu sammeln.
Danach war das Problem, dass ich keinen Zugang hatte – ging ja alles viel zu schnell. Also musste ich die Plazenta auch noch mit gebähren, hab sogar noch mal richtig gepresst. Das nähen (Riss 2. Grades) hab ich auch gespürt, war aber echt nur noch die halbe Miete nach dem erlebten.
Die Nachwehen waren diesmal auch bös. Aber da war echt Schluß mit tapfer. Ich hab mir so oft was geben lassen wie´s ging.
Rückblickend hab ich wirklich ein bisschen ein Trauma. Die ganze Situation hat mich völlig überfordert. Diese Wehen mit denen ich nicht gerechnet hatte so plötzlich und wie ich da geschrien habe und dass ich so ausgeliefert war und nichts tun konnte. Diese Presswehen, die irgendwie keine waren, sondern eher Krämpfe…. Ich weiß nicht, ich hab dran zu knabbern…

Trotz alledem ist es halt doch so, dass ich ohne diese Geburt, die ich trotz der wesentlich kürzeren Dauer als viel weniger schön als die 1. empfand, halt einfach nicht zu diesem Ergebnis gekommen wäre ;-)

Unser Sohn heißt Emil, wog 3720g, hatte 52cm und 35cm KU.
Und er ist natürlich entzückend.

Liebe Grüße an Alle!

Caro

Beitrag von mulka 08.08.07 - 14:19 Uhr

Hi Caro!
Ein schöner Bericht, wenn auch ehrlich.Aber ne Geburt ist halt kein Zuckerschlecken.
Ich habe fast geheult, Hannahs Geburt war ja nicht so dolle und so ein Bericht ergreift mich doch jedes Mal wieder.
LG Katrin mit Jonah und Hannah

Beitrag von findekind 08.08.07 - 15:39 Uhr

...ein sehr ehrlicher, ausführlicher Geburtsbericht, Danke!

Ich hate beim Lesen teilweise das Gefühl, deinen Frust so richtig nachempfinden - oder zumindest verstehen zu können... Ich kann auch verstehen, dass es einem Geburtstrauma gleicht, was Du durchgemacht hast!

Ich wünsche Dir trotzdem alles Gute mit Deinem kleinen Emil!

Beitrag von prinzhagen 08.08.07 - 16:34 Uhr

Das eine Geburt nun mal kein Zuckerschlecken ist habe ich auch mal wo gelesen...du kleines Weich#ei.

Ne, Spaß beiseite, klang echt, als ob du gaaaaanz tapfer warst, so gut es ging;-).
Kann aber von der schnellen Geburt bis zum Geburtstrauma alles mitfühlen/mit(er)leiden.

Irgendwann verblassen die Ereignisse "etwas" und das Ergebniss ist das, was wirklich zählt.

Kannst dich ja mal melden, biete Schulter...

#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss#kuss

Beitrag von gemeinhardt 08.08.07 - 20:27 Uhr

Blöde Kuh! ;-)
Nur weil Du´s ganz alleine gemacht hast musst Du ja nicht angeben wie ne Tüte Mücken...

Weichei!? Mag sein!
Das nächste krieg ich per WKS!!!
:-p:-p:-p

Beitrag von prinzhagen 09.08.07 - 19:45 Uhr

#freu ich habs schriftlich#huepf:
.....das nächste.....

Beitrag von nityanandi 09.08.07 - 12:38 Uhr

ich finde den bericht toll.

danke und herzlichen glückwunsch!!!:-)