Kredite für Angestellte vs. Kredite für Selbständige

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von kleene0106 09.08.07 - 18:44 Uhr

Hallo,

mir ging die Tage so ein Thema durch den Kopf. es bezieht sich allgemein auf die Kreditvergabe.
Da zur Zeit jeder anscheinend ein Haus baut oder kauft, ist das Thema zur Zeit recht aktuell (zumindest in meinem Umfeld).
Wenn ein Angestellter einen Kredit, z.B. für ein Haus haben möchte, werden logischerweise die Einkommensverhältnisse geprüft.
Bei den Selbständigen ist das aber gar nicht so problemlos.

Warum bekommen Angestellte eher einen Kredit, als Selbständige?

Ein Argument, was ich nun häufiger gehört habe, war dass es was mit der finanziellen Sicherheit zu tun hat. Aber wenn ich beispielsweise ein Angestellter bin und zur Zeit und auch schon seit ein paar Jahren ein festes Gehalt habe und damit einen Ratenkredit tilgen könnte, gibt es doch aber trotzdem keine Sicherheit, dass ich auch dieses Gehalt die nächsten 30 Jahre beziehen werde - oder?

Wenn ich als Selbständiger nun schon seit Jahren ein bestimmtes Durchschnittseinkommen habe, dürfte ich doch die gleiche Sicherheit haben, als ein Angestellter oder?

Natürlich kann die Firma pleite gehen, aber ein Angestellter kann auch arbeitslos werden und staatliche Leistungen in Anspruch nehmen müssen und somit die Raten nicht mehr zahlen können.

Warum ist es also als Selbständiger schwieriger einen Kredit zu bekommen, als als Angestellter?
Davon mal ganz abgesehen - um beim Thema Haus zu bleiben - ist doch bei einigen der Mietpreis nicht viel geringer, als die zu tilgende Rate. Wo ist also der Unterschied?
Habt ihr ein paar Argumente oder Erklärungen? Mich beschäftigt das wirklich.:-)


LG
Kleene

Beitrag von sunjoy 09.08.07 - 18:56 Uhr

Hi,

Ich kenne 2 Familien, die problemlos einen Kredit bekommen haben. Bei einer Familie sind sogar beide selbständig und haben trotzdem ein Haus für 500 000 gebaut und hatten gar keine Probleme einen Kredit zu bekommen. Sie haben allerdings ein bischen Eigenkapital auch gehabt. Deswegen kenne ich das nur hier aus dem Forum, dass Kreditvergabe bei Selbststäntigen problematisch ist ...

LG

Beitrag von kleene0106 09.08.07 - 19:17 Uhr

Hi,

ja ich kenne auch Selbständige bei denen es "geklappt" hat. Aber ich kenne halt auch Selbständige, bei denen es entweder gar nicht oder nur sehr schwer klappt.
Ich bin nur noch nicht dahinter gekommen, wovon das abhängig ist.
Liegt es an der Bank? An der Dauer der Selbständigkeit? An dem Berufszweig der Selbständigkeit, sprich in welcher Branche sie tätig sind?
Angestellte benötigen z.B. gar nicht zwangsläufig Eigenkapital. Da kann man auch 100%-Finanzierungen durchsetzen.
Wie ist es bei Selbständigen?

Lauter Fragen und noch keine passenden Antworten, zumindest nicht bei mir.;-)


LG
Kleene

Beitrag von sunjoy 09.08.07 - 19:28 Uhr

Ich kann mir gut vorstellen, dass es von der Branche abhängig ist (ich meine, man kann selbständig mit einem Nagelstudio sein oder ein kleines Bauunternehmen haben ;-) )und wie der Verlauf der Einnahmen in den letzten Jahren so war ... Ob man zwangsläufig Eigenkapital braucht, weiss ich nicht, denn alle, die ich kenne, hatten es ;-)

Beitrag von mausdd 09.08.07 - 19:56 Uhr

Selbstständige könne auch Vollfinanzierungen bekommen. Uns wurde gesagt, dass man mindestens 3 Jahre selbstständig sein muss und Unterlagen von 3 Jahren einreichen muss,die sehr gut sind.
Bei uns sind das über 3 Jahre hinweg min. 2000 Euro Gewinn.

Beitrag von mausdd 09.08.07 - 19:54 Uhr

Das ist genau das was wir nicht verstehen, wir sind selbstst. und uns wird immer gesagt dass es ja nicht sicher ist etc. Obwohl wir schon im 4.Jahr sind.

Jeder Angestellter kann 1 Tag nach der Vertragsunterzeichnung mit dem Kreditinstitut eine Kündigung bekommen und meiner Meinung nach ist ein selbstständiger Job sicherer, denn der Chef geht grundsätzlich zuletzt und kann die Entwicklung absehen.

Ich bin aber der Meinung, dass die Banken langsam davon abgehen werden, denn immer mehr sind selbstständig.

Beitrag von kleene0106 09.08.07 - 20:21 Uhr

Hi,

genau das Argument habe ich schon oft gehört. Mein Mann ist auch selbständig, wir planen zur Zeit keinen Hausbau oder Hauskauf - aber ehrlich gesagt habe ich auch die Befürchtung eben wegen der Selbstänigkeit, dass wir Schwierigkeiten wegen der Kreditvergabe hätten.
Wir haben es noch nicht ausprobiert, aber es wurde halt schon oft so erzählt.

Wer hat euch denn gesagt dass es nicht sicher sei? Die Bank? Wenn ich jetzt mal intimer fragen darf, schwankt das Jahreseinkommen denn so sehr?

Ich bekomme halt oft die Verbindung nicht hin. Wenn ich jahrelang z.B. eine Warmmiete von 1300 € zahlen konnte und immer noch kann (nur als Beispiel), warum sollte ich nicht in der Lage sein, die Kreditraten zu begleichen? Die sind doch meist nicht viel höher, oder? Vorausgesetzt natürlich, es ist ein durchschnittlicher Bau- oder Kaufpreis - ich gehe also nicht von einem 500.000 € Preis aus.
Müsste das denn dann nicht eigentlich Sicherheit genug sein?


LG
Kleene

Beitrag von mausdd 09.08.07 - 22:08 Uhr

Wir haben vor 2 Monaten den Plan eines Hauses mal wieder aufgegriffen.
Und wir hatten auch einen Finanzierer da sitzen und der hat das mit als Argument angebracht, dass NICHT ER!,sondern die Banken so argumentieren. Und natürlich Besserwisserische Verwandtschaft....
Aber direkt von einer Bank habe ich das noch nicht gehört und wir haben auch den Gedanken wieder verworfen.
Und demnach auch nicht bei einer Bank nachgefragt.
Der Finanzierer hat gesagt, weil ich das auch mit der Miete gesagt haben - wir zahlen 900,- Miete - dass Miete Banken nicht interessiert, weil es der persönliche Spaß ist wieviel man da ausgibt.
Von meinem Bruder habe ich da aber auch schon anderes gehört.

Nein, unser Einkommen schwankt nicht so stark, aber wir haben vergangenes Jahr und Ende 2004 2 Lädengeschäfte eröffnet und die Investitionen waren sehr hoch, das geht alles mit in die Steuer rein und so steht am Ende natürlich nen ganz anderer Betrag, wie man tatsächlich monatlich zur Verfügung hat, da ja die erste Investition von einem Eigenkapital gemacht wurde und das dann gleich mal mit mehreren zehntausend Minus zu Buche stand....
Verstehst du was ich meine?
Ansonsten reicht unser Geld locker für einen Kredit, aber die Banken interessieren sich nicht für das was wirklich Gewinn im Monat ist, sondern für die Gewerbesteuererklärung etc. der letzten 3 Jahre. Und Investitionen, auch wenn sie zu Beginn von ersparten bezahlt wurden, interessieren die nicht....

Übrigens haben wir uns einen Preis von nicht über 200.000 vorgestellt mit Grundstück und das ist schon gut.
Aber wie gesagt, wir haben den Gedanken jetzt nochmal um 2-3 Jahre verschoben, weil wir erst nochmal nen neues Auto brauchen und verreisen wollen.

Beitrag von mariella70 09.08.07 - 23:37 Uhr

Hi Kleene,
ein befreundetes Ehepaar von uns ist selbständig (sie Ärtzin mit Praxis, er It-Firma), die beiden haben problemlos ein Haus für sich und ihre Kinder finanziert bekommen und zwar ein richtig großes, schickes...
Andere Freunde haben eine gutgehenden Betrieb, der international im Geschäft ist - auch die hatten kein Problem.
Man muss halt seine Bonität nachweisen, das ist bei Selbständigen komplizierter als bei Angestellten, die ein fixes Monatsgehalt bekommen und nicht unmittelbar den Marktschwankungen ausgesetzt sind.
Liebe Grüße
Mariella

Beitrag von didine 10.08.07 - 07:05 Uhr

Moin Kleene,

bei Angestellten fließt ein regelmäßiges Gehalt, Steuern und Sozialabgaben sind da schon weg. Für eine Kreditvergabe können die Berater dann "einfach" die Summe für ein sog. Scoring nehmen, die dann auf der Gehaltsabrechnung steht. Grds. sollen ja Nachweise hierfür vorgelegt werden (die letzten 3 Gehaltsabrechnungen / Lohnsteuerkarte oä).
Im Scoring werden dann noch die monatlichen Ausgaben meist als Pauschale von den Einkünften abgezogen und der dann übrigen Überschuss (oder Unterdeckung) entscheiden dann quasi über Kreditvergabe oder nicht.

Bei Selbständigen greift ein "normales" Scoring nicht und der Berater müsste sich ein wenig mehr Arbeit machen, sprich: es fließt grds kein monatliches fixes Gehalt. Die Bank muss sich also ein Bild davon machen, ob bspw. bei Einzelfirmen die Entnahmen auch verdient sind (Vorzulegen sind dann Gewinnermittlungen bzw. Jahresabschlüsse, BWAen, Einkommensteuererkl./+ bescheide).
Das ist dann alles keine Hexerei, es gilt halt zu schauen, ob die verdienten Entnahmen auch ausreichen, um Steuern und Vorsorgeaufwendungen zu begleichen und ob da noch eine Kreditrate reinpasst.
Je kleiner das Unternehmen, umso schwieriger ist da dann eigentlich eine konkrete Berechnung...

Vielleicht tun sich daher manche Berater so schwer damit und entscheiden manchmal noch aus dem Bauch heraus?
Also mir fällt es auch oft leichter, eine Kreditentscheidung für eine mittelständige Firma zu treffen, als für die Wurstbude nebenan (sorry, will niemandem aufs Füßchen treten, ist aber echt so!)

Auch kommt manchmal hinzu, dass Berater die erforderlichen Unterlagen von den Kunden nicht bekommen (das kommt manchmal aber auch auf die Art des Bittens an....manche wissen ja nicht mal, wieso sie das anfordern und können das dann nicht erklären.... und entsprechend reagieren die Kunden / dürfte aber zumindest bei uns die Ausnahme sein....)

Ich hoffe, ich konnte Dir weiterhelfen? Für weitere Fragen zur Vorgehensweise kannst Du mich gerne über die Visitenkarte anmailen...

viele Grüße

Didine

Beitrag von kleene0106 10.08.07 - 08:04 Uhr

Hallo Didine,

na das nenne ich mal eine konkrete Aussage! :-) Danke.

Dass es bei Angestellten leichter ist, einen Einkommensnachweis zu erbringen, war mir klar.
Was ich jetzt sehr schön finde, ist die Tatsache, dass ich mir wahrscheinlich dann gar keine soo großen Sorgen wegen der Kreditvergabe machen bräuchte, sofern ich mich für einen Hausbau oder Hauskauf entscheiden sollte.
Jetzt ist auch klar, dass man erst eine gewisse zeitlang selbständig sein muss, um eben diese Nachweise der Einkommensteuererklärung, Gewinnermittlung etc. vorlegen zu können.

So hat mir das noch niemand erklärt. Ich habe mir zwar so einiges gedacht, aber eine einleuchtende, ausführliche Erklärung konnte ich nie bekommen. Anscheinend wurde es auch von den Banken noch nie so wirklich erklärt. Wie gesagt, wir selber haben uns danach noch nicht erkundigt - aber wenn wir mal darüber mit Bekannten, Freunden, etc. geredet haben, hieß es immer, dass es ganz schwer und fast unmöglich ist, einen Kredit als Selbständiger zu bekommen, besonders für so eine hohe Summe.
Warum dass so ist, konnte mir halt keiner sagen. Daraufhin habe ich mir halt Gedanken gemacht und nach Erklärungen gesucht.

#danke

Wenn wir uns wirklich mal entscheiden sollten, es doch zu riskieren, werde ich sicher an dich denken und ggf. auf dich zurück kommen.:-)


LG
Kleene

Beitrag von didine 10.08.07 - 11:34 Uhr

Freut mich, gerne!!

Bin zwar zur Zeit in Mutterschutz, aber auch nicht lange, von daher bleibe ich auch im "Thema" drinn, kein Ding!

Kannst gerne auf mich zurück kommen!

viele Grüße und schönes Wochenende

Didine

Beitrag von angi86 10.08.07 - 13:36 Uhr

Hi,

Vielleicht kommt es drauf an welche Rechtsform die Frima hat.
Meine Eltern haben eine GmbH und haben für 250.000€ eine große Wohnung finanziert (zu 100%) und dann noch eine kleine Wohnung für 90.000€ ( 70%).

Als GmbH Gesellschafter haftet man ja nicht persönlich, aber wenn Du eine Einzelunternehmung hast (OHG, KG) dann haftest Du ja mit deinem gesamten Privatvermögen und somit auch mit dem Haus/Wohnung. Und davor haben die Banken vielleicht Angst, weil dann sehen die nicht mehr viel bis nichts von dem Geld.

lg, Angi

Beitrag von kleene0106 10.08.07 - 16:24 Uhr

Hi,

das kann natürlich sein, aber ist es als Privatmensch - bzw. als normal Angestellter nicht genauso?#gruebel
Ich kenne mich da mit der Privatinsolvenz oder ähnlichem nicht aus.
Oder ist man da komplett anders abgesichert?

LG
Kleene

Beitrag von angi86 11.08.07 - 03:18 Uhr

Mit der Privatinsolvenz kenne ich mich auch nicht aus, aber ich denk als Firma gibt es einfach viel mehr finanzielle Risiken.

z.B. durch Vertragsstrafen, die beträgt bei unseren Verträgen ca. 200.000€ (pro Auftraggeber/Vetrag!!!)

Beitrag von silver206 10.08.07 - 21:52 Uhr

Hallo Angi,

wer ist denn der GF der GmbH? Der haftet nämlich auch persönlich ;-)


Irene

Beitrag von angi86 11.08.07 - 03:23 Uhr

Auch mein Stiefdad, aber als GEschäftsführer haftet man ja nicht in dem Ausmaß wie ein komplette Firma. Er haftet ja nur für den Schaden den er zu verantworten hat, und das kann er ja wiederum als Gesellschafter eindämmen.

Bei einer GmbH ist ja auch Geld da...ein Geschäfts-Bekannter wollte ein Auto leasen (35.000€ und 5.000€ Anzahlung), der hat ne Ltd., keine Chance, weil da kein Geld zu holen ist. Die hatten nur 100€ Privateinlage.

Von daher denk ich dass es schon sehr auf die Rechtsform und somit die Haftung ankommt.