Krebspatient verstorben

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von prusseliese 09.08.07 - 22:07 Uhr

Ich weiß nicht so recht,ob ich hier richtig bin.Aber da ich oft diese Seite besuche,ursprünglich wegen "unerfülltem Kinderwunsch",nun aber auch etliche andere Kategorien sehr interessant finde,dachte ich,ich versuche es mal hier.Ich weiß,es gibt genug spezielle Seiten für sowas,trotzdem...
Ich bin Krankenschwester auf der Onkologie,einige Jahre schon.Ist nicht immer schön,aber ich liebe meinen Beruf dennoch.Heute ist eine Patientin gestorben,die mir gar nicht so nahe stand-dachte ich.Sie war nett,hat erzählt,aber blieb doch distanziert,hat niemanden so richtig an sich rangelassen.Nun kam sie zum sterben,was einige Tage dauerte.Sie ist genauso alt wie meine Mutter gewesen,hat einen Sohn,der sich rührend kümmerte,der zwei Jahre älter ist als ich.Er suchte recht oft den Kontakt zu uns.Sie verstarb in meinem Dienst,ich blieb noch etwa eine Stunde bei ihr,um sie nicht allein zu lassen,bis der Sohn kam.Er bedankte sich dann ganz lieb,umarmte mich und wir heulten beide.Er ging dann,ich ging nochmal zur Patientin rein,konnte nicht aufhören zu heulen.Meine Kollegin schickte mich schließlich nach Hause,ich war fix und fertig.Nun geht es mir besser.Eine andere Kollegin rief noch an,um sich nach mir zu erkundigen.Sie sagte,die anderen hätten gar nicht verstanden,was los sei.Ich sei doch lange genug dabei,die Leute sterben nun mal.Und wenn es mir schon nahe geht,mache ich doch nicht noch Sterbebegleitung.Ich sehe das anders.Gerade da es mir nahe ging,wollte ich für sie und ihren Sohn da sein,zeigen,daß ich mitfühle.Bin ich jetzt komisch?Oder sind es die anderen?
Sorry,ist etwas lang geworden,aber ich mußte das nochmal ,loswerden.
LG,p.

Beitrag von sreuer92 09.08.07 - 22:27 Uhr

Du bist prima. Bleib wie du bist!
LG, A.

Beitrag von micha1980 09.08.07 - 22:38 Uhr

Finde es super und ich denke das es normal ist,
manchmal ist es schwerer und das sollte man dann
auch raus lassen. Manchmal geht es einem einfach näher.
Ich finde dich nicht komisch.

LG Micha

Beitrag von krisi79 09.08.07 - 22:44 Uhr

Von Menschen deinem Kalibers, sollte es mehr geben. Es zeigt, dass du ein wunderbarer mitfühlender Mensch bist und Menschen hilfst.

Danke #liebdrueck

Beitrag von ekieh68 09.08.07 - 22:46 Uhr

Du bist nicht komisch .
Hast eben doch mal mitgefühlt .Das beweißt doch nur,dass man auch in diesem Beruf immer noch Mensch ist bzw.bleibt und nicht völlig abstumpft.
Egal wie lange du in diesem Beruf bist,darfst du auch Gefühle haben und solltest auch das Recht haben diese zu zeigen und zu leben.
Natürlich kann man nicht mit jedem Patienten fühlen,aber es macht mir eher Angst zu lesen ,dass dein Kollegenumfeld dein Verhalten nicht verstehen kann.
Gott müßen die abgestumpft sein#schmoll.

Bleib so wie du bist so bist du genau richtig und bewahre dir blóß dein Mitgefühl.

LG Heike


Beitrag von prusseliese 09.08.07 - 22:50 Uhr

#danke
für die lieben Antworten.Sowas baut auf.
LG,p.

Beitrag von n.antje 10.08.07 - 10:37 Uhr

Du bist einfach nur Menschlich und das gibt es heut zutage sehr wenige!
Ich selber war vor kurzem im KH und hatte ne Koni , ich hatte panische Angst nicht mehr heim zu kommen, meinen Sohn nicht mehr zu sehen(6 Mon alt) in Armen zu halten!!! Habe viel geweint im Krankenhaus, und die Schwestern waren sehr kalt( klar für die ist es Rutine) das alles hat so an mir genagt das ich jetzt bei jedem Schmerz denke--> Krebs !
Bleib wie Du bist !!!!
Schwerkranke Menschen brauchen Menschen mit Gefühle !!!!

LG
Antje die Panische Angst hat das der krebs wieder kommt,und mein Sohn ohne Mama aufwachsen muss!!!!#heul

Beitrag von babymika 10.08.07 - 10:01 Uhr

Hallo

Ich finde das du so bleiben sollst wie du bist.

Mein Söhnchen Mika-Levin wurde mit einem Hirntumor geboren. Wir kämpfen jetzt nun mittlerweile schon 3 Jahre dagegen an. Wenn wir nicht lauter so tolle und einfühlsamen Schwestern bei uns auf Station hätten wäre es für uns Mama´s doppelt so schwer.

Bleib so wie du bist, ich finde es gut das die Schwestern den Patienten und den Angehörigen zeigen das man nicht nur eine Nummer ist sondern in der langen Zeit dieser Erkrankung auch eine gewisse Bindung zueinander aufbaut.

Mach weiter so.

Liebe Grüße

Christine mit Mika-Levin (pilo. Astrocytom 2)

Beitrag von boesemaus7 10.08.07 - 10:05 Uhr

du hast genau das richtige getan #pro

LG Andrea

Beitrag von muckel1204 10.08.07 - 10:12 Uhr

Irgendwann ist man an diesem Punkt angekommen, wo es doch weh tut, egal wie weit man sich entfernt fühlt von dem ganzen Geschehen.
Wir sind auch nur Menschen und dieses Wegschieben hat auch bei mir nicht immer funktioniert.
Da passiert sehr unbewußt etwas, was wir nicht mal bemerken und dann rafft es uns dahin.
Auch mir ist das schon so gegangen, als uns eine Patientin vor unseren Augen erstickt ist (Karzinom der Speiseröhre mit Luftröhre) ich habe gehandelt und geackert bis der Notarzt da war, dann bin ich raus aus dem Zimmer und in mich zusammengesunken. Ich saß einfach nur auf dem Flur und konnte nur noch heulen.
Eine liebe Kollegin sammelte mich auf und brachte mich ins Pausenzimmer. Ich hab gezittert am ganzen Körper und brauchte echt so meine Zeit damit ich klar denken konnte.
Als ihre Tochter kam hatte ich mich wieder soweit im Griff, dass ich sie ins Zimmer begleiten konnte, aber ich habe lange daran geknabbert.
Wir sind auch nur Menschen und haben Gefühle, und wer diesen Beruf aus Leidenschaft macht, der bringt auch Gefühle mithinein und das ist gut so, denn es geht um Menschenleben und das täglich#liebdrueck

LG und bleib wie du bist#sonne Carina

Beitrag von milli08 10.08.07 - 12:51 Uhr

Du bist KLASSE!! #pro Bleib genau so wie du bist!!#herzlich

Beitrag von murmel22 10.08.07 - 16:54 Uhr

Du sprichst mir aus der Seele!!!! Tat gut, das auch mal von jemand anderem zu hören. Auch ich bin Krankenschwester. Und auch ich habe einige Zeit auf einer onkologischen Station gearbeitet. Das konnte ich jedoch irgendwann nicht mehr. Ich habe die Patienten viel zu nah an mich rangelassen. Das war nicht gut. Dann habe ich mit querschnittgelähmten Patienten zusammen gearbeitet. Dort waren oft junge Menschen die nach einem Unfall o.ä. von heute auf morgen querschnittgelähmt waren. Ich bib oft nach dem Feierabend noch dort geblieben um für sie da zu sein. Das Leuchten in den Augen der Patienten war der schönste Dank! Leider war es in der Klinik damals so, das man für die Patienten kaum Zeit hatte. Alles musste schnell schnell gehen. Ich habe oft Ärger mit der Stationsleitung bekommen weil ich mich während der Körperpflege mit den Patienten unterhalten habe, ihnen bei den Problemen versucht habe zu helfen. Dadurch hat natürlich alles etwas länger gedauert. ABER: Ich wußte, das sich der Patient gut gefühlt hat. Auf meiner letzten Station war es am schlimmsten. Es war oft so, das eine Schwester mit bis zu 17 Patienten allein war. Ich hätte so gern den Patienten einfach mal nur zugehört, wäre für sie da gewesen. Aber es ging nicht. Es war einfach keine Zeit. Und dann kam Ende März... Ich bin zu Hause zusammen gebrochen. Ich war am Ende. Ich habe mich gefragt: Was tust du hier eingentlich? Ich konnte mich nicht mehr im Spiegel betrachten. Ich hatte ein schlechtes Gewissen den Patienten gegenüber. Ich war einfach nur noch k.o.! Diagnose: BURN OUT. Nächste Woche fahre ich für mehrere Wochen zur Reha.
Krankenschwester war immer schon der Beruf, den ich immer machen wollte. Aber nicht unter diesen Umständen. Ich wollte immer für die Leute da sein, ihnen helfen, ihnen Mut machen, ... Aber wie, wenn keine Zeit dafür da ist? Ich habe mir meine Entscheidung nicht leicht gemacht und ich habe auch lange mit mir gerungen, aber ich werde nicht mehr als Krankenschwester arbeiten. Ich habe immer Kollegen bewundert, die nach der Arbeit die Klinik verlassen haben, und danach gleich abschalten konnten. Das habe ich nie geschafft in den Jahren. Auch mir wurde oft gesagt: Laß die Probleme anderer Menschen nicht zu deinen eigenen Problemen werden. Versuch, Distanz zu bewahren. Aber wenn ich das alles beherzigen würde, würde das auch bedeuten, das ich ein völlig anderer Mensch werden müsste!

Bleib, wie du bist!!!!

Ich wünsche dir alles alles Liebe!!!!!!!! Und glaub mir, die Patienten sind froh, das es noch Schwestern mit Herz gibt. Und sie werden es dir danken, auch ohne Worte. Bei mir ist es nun leider zu spät. Aber ich denke, ich habe die richtige Entscheidung getroffen. Dennoch: Krankenschwester wird immer mein Traumberuf bleiben.

Alles Liebe!!! #blume

Beitrag von prusseliese 10.08.07 - 18:07 Uhr

Vielen Dank Euch allen.Ich bin wirklich überrascht,von so vielen Leuten solch ein positives Feedback zu bekommen.LG,p.

Beitrag von annazoe 10.08.07 - 20:59 Uhr

Bleib wie Du bist. #liebdrueck
Als unser Sohn im Krankenhaus starb haben auch viele Schwestern (er hat 5 Monate gekämpft) mit uns geweint und es hat uns unheimlich gut getan.
Distanz ist vielleicht manchmal besser aber für die Hinterbliebenen ist es unglaublich wichtig, das Ihnen jemand das Gefühl vermittelt mit Ihm zu leiden.

Liebe Grüsse
Claudia

Beitrag von schnuffelhasi 10.08.07 - 21:00 Uhr

Hallo!
Bleib so wie du bist!
wenn dich so etwas kalt lassen würde hättest du den falschen Beruf!
Lg

Beitrag von doucefrance 10.08.07 - 22:49 Uhr

Ja, ich kann Dich verstehen und all die anderen in deinem Beruf, die ihn noch so verstehen, dass nicht nur die Pflege des (kranken) Körpers dazu gehört, sondern auch die Seele der Patienten.
Ihr alle leistet Großartiges, Euch bei der knapp bemessenen Zeit für die Patienten, nicht iausschließlich in die Gewalt des Schreibtischkrams nehmen zu lassen...
Aber gerade Ihr müsst auch auf Euch aufpassen, damit nicht ihr es letzen Endes seid, die zusammen klappen. Die Patienten brauchen Euch nämlich, denn ihr habt Frau oder Herrn XY vor Euch und nicht Pat. Nr. x auf Zi. y. wie das so gerne heutzutage Gang und Gäbe ist. Und ihr seid es, an die man sich gerne zurück erinnert, auch wenn der KH Aufenthalt schmerzhaft und langwierig war - nicht der alte Stationsdrache, der schon vollkommen abgestumpft und mit Frust seine Arbeit tut, dem jeder außerplanmäßige Handgriff zuviel ist.
Bleib wie Du bist - Du bist ein Mensch und reagierst menschlich. NIcht so ein Roboter, den sie vllt. irgendwann mal auf den Stationen einsetzen werden (hoffentlich werden wir das nie erleben, aber im Gespräch ist es ja schon. Habe ich letztens im Fernsehen in einem Bericht über Hightech gesehen).
Ganz herzliche Grüße von jemanden der Dich und deinen Einsatz zu schätzen weiß

Beitrag von minala 11.08.07 - 12:04 Uhr

Du bist spitze bleib so wie du bist:-)

Ich komme aus einem reinem Ärztehaushalt und das ist nicht immer leicht.:-(

Aber vor kurzem ist mein Opa an Krebs gestorben es ging wahnsinnig schnell ich konnte ihm grad noch sagen das er wahrscheinl. Ur Großvater wird. Es hat ihn so aufgebaut na egal. #bla#bla

Als ich ihn das letzte mal besucht hatte, ging es ihm garnicht mehr gut ich weis noch wie er mir erzählt hat ich möge doch die Schwestern bitten ihm nachts einen anderen Pfleger zu schicken weil der ihn die Nacht davor nicht gut gepflegt hatte. Er hatte es irgendwie nicht mehr geschafft die Flasche zu treffen und hat ins Bett gemacht. Der Pfleger hat dann erstmal alles abgezogen und ihn so nackt und entblöst liegen gelassen und die schmutzige Bettwäsche entsorgt. Also ist aus dem Zimmer geganngen und hat ihn einfach so liegen lassen. Nicht gleich sein Bett wieder frisch bezogen er lag auf der blanken Matratze wie er es mir wortwörtlich sagte.
Und das wo er ja eh so gefroren hat.... mir kommen da jetzt noch die Tränen. #heul

Was ich eigentlich sagen wollte als ich dann etwas aufgelöst ins Schwestern Zimmer gegangen bin haben die alle verklämmt reagiert ich hab nicht mal eine Antwort bekommen. Sie haben alle beschämt weggeschaut.

Klar ich hab geweint aber ich hätte mir gewünscht das einfach jemand ein paar tröstende Worte sagt.

Das mit dem Bett war ja halb so schlimm - im Nachhinein- na ja egal..

Also mach dir keine Gedanken du bist gut so wie du bist die anderen sollen eher mal über ihr Verhalten nachdenken. Würdevolles sterben ist nämlich leider nicht mehr oft möglich.

Klar wenn ihr alle Fälle so nah an Euch ran lassen würdet, wäre das bestimmt auch nicht gut. Aber deine Kollegen sollten dich dann trösten od zumindest dich nicht verurteilen sond. dir helfen.

LG Minala

Beitrag von kaliyah 13.08.07 - 17:11 Uhr

Hallo Du,

ich kann Dich nur zu gut verstehen. Bin selbst Kinderkrankenschwester auf einer onkologischen Kinderstation und auch mich trifft es mitunter sehr hart, wenn ein Kind stirbt. Manche sagen, daß das etwas unprofessionell ist, aber wir sind alle Menschen mit Gefühlen. Zu manchen Kindern und Eltern baut man in der langen Zeit der Therapie ein manchmal enges Verhältnis auf (passiert, ob man will oder nicht) und genau das wird dann zu einem persönlichen 'Problem', wenn dieses Kind dann sterben muss - ABER: die Eltern sowie die Kinder fühlen, wenn man Ihnen zugetan ist und versucht sie nach Kräften zu stützen und auf diesem schweren Weg zu begleiten. Ich habe immer empfunden wie dankbar sie sind, dass sie nicht alleine sind, denn oft ist es auch so, dass andere Angehörige so sehr mit ihrer eigenen Trauer zu kämpfen haben, dass sie nicht in der Lage sind den Eltern und auch den Kindern den so dringend benötigten Halt zu geben. Deshalb werde ich mich immer und immer wieder darauf einlassen mitzufühlen und zu trauern, ansonsten wäre ich dort fehl am Platze.
Und Dir wünsche ich weiterhin alles Gute für Dich persönlich und für Deine Arbeit.

LG

kaliyah