Wer kennt sich aus mit Sorgerecht bei Trennung?

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Forum: Trennung

Sorgerecht, Umgangsrecht, Unterhaltszahlung ... ? Wenn sich ein Paar zu einer Trennung entschließt, ergeben sich für jedes Elternteil ganz neue Fragen an die eigene Lebensplanung.

Beitrag von buttika 11.08.07 - 21:03 Uhr

Hallo Ihr,

ich kenn mich da gar nicht aus, wie ist das wenn man sich trennt vom Partner? Was passiert mit dem Kind wenn Beide es bei sich haben wollen? Wer bekommt dann das Sorgerecht?
Dazu sagen muss ich das die Trennung von mir aus geht und mein Partner sagt das er einer Scheidung nicht zustimmt...
( Tocher ist 1 Jahr alt)

Vielen dank, buttika

Beitrag von petunia72 11.08.07 - 22:25 Uhr

hallo,

wenn sich beide nicht einigen können, muss alles bezüglich des Kindes und der Scheidung vor Gericht entschieden werden.
Da ihr verheiratet seid habt ihr beide das Sorgerecht, das bleibt auch nach einer Scheidung so. Es muss nun geregelt werden, bei wem das Kind nach der Trennung seinen Lebensmittelpunkt hat. Grundsätzlich wäre natürlich auch das Wechselmodell möglich, bei dem das Kind gleich viel Zeit bei der Mutter und beim Vater verbringt. Diese Regelung erfordert aber ein sehr erwachsenes Verhalten der Eltern, gute Kommunikation und die Breitschaft seine Interessen hinter die des Kindes zu stellen.
In deinen wenigen Sätzen hört es sich nicht so an, als wenn ihr das schaffen könntet, aber fürs Kind wäre es sehr gut.
Hilfreich kann hier der Einsatz einer Mediation sein. Generell ein guter Weg um eine Schlammschlacht zu vermeiden.

Ansonsten werdet ihr natürlich geschieden werden, wenn Du das möchtest, da kann dein Mann nicht viel gegen machen.
Meist ist es so, dass das Kind dann bei der Mutter lebt, der Vater Unterhalt zahlt und ein Umgangsrecht hast. Da das Kind so jung ist, wäre es besser dies sehr viel häufiger als die übliche 14 Tage Regelung einzurichten.
Generell ist es, bei einem drohenden Streit besser Anwälte und das Jugendamt einzuschalten, damit man einfach den Kopf frei hat. Darüberhinaus gebe ich nochmal den Tipp einer Mediation um eine würdevolle und sinnvolle, kindorientierte Einigung zu erzielen. Anwälte versuchen nunmal für ihre Klienten das Maximum rauszuholen, die geben da nicht unbedingt so viel auf die Interessen aller. Das Jugendamt ist auch oft nicht die optimale Hilfe.
Wenn das Kind bei dir leben wird, und/oder dein Mann der Hauptverdiener ist, wird er auch Dir Unterhalt zahlen müssen.
Meiner Meinung nach sollte eine Frau aber, alleine schon aus Selbstachtungsgründen, diesen Anspruch nicht überstrapazieren.

LG Tina

Beitrag von buttika 12.08.07 - 10:51 Uhr

Liebe Tina,

vielen Dank für deine ausführliche und sehr Hilfreiche Antwort.
Es hört sich an, als ob Du Dich da gut auskennst. Danke!

Also wenn ich es richtig verstanden habe ist in dem Trennungsjahr bzw. bei einer Trennung ohne Scheidung das Kind gleichermassen bei Beiden, also es gibt da noch keinen der das Hauptsorgerecht hat? Das wird erst bei der Scheidung bestimmt?

Scheiden kann man sich frühestens nach einem Jahr getrennt leben, oder? Auch wenn ein Partner das nicht will?

Mein Mann wird auf jeden Fall dafür kämpfen das das Kind zu Ihm kommt! Das wäre mein Untergang, ohne meine Tochter könnte ich nicht leben. Ist es normal das die Mutter das Sorgerecht zugesprochen bekommt?
Leider ist es so das ich eine Angsterkrankung seit der SS habe, nicht sehr stark, aber ich mache Psychotherapie ( erfolgreich) und nehme KEINE Antideppressiva oder sowas...
Ist das von nachteil, also diese Gecshichte mit der Angst?

Tut mir leid das ich so viel Frage, bin sehr dankbar für deine Hilfe.
Lg buttika

Beitrag von petunia72 12.08.07 - 11:19 Uhr

Hallo Buttika,

jetzt habt ihr das gemeinsame Sorgerecht, nach der Scheidung habt ihr das immer noch. Daran wird sich nichts ändern!
Es gibt nicht so was wie das "Hauptsorgerecht".
Das Kind wird in eurem Fall bei einem Elternteil den Lebensmittelpunkt haben, da es sich ja nicht so anhört, als wenn Für Euch das Wechselmodell in Frage kommt. Schade, was spricht denn für Dich dagegen, dass das Kind genauso viel Zeit beim Vater wie bei Dir verbringt? Vielleicht denkst Du da nochmal drüber nach.

Meist wird das Kind der Mutter zugesprochen, es sei denn der Vater hat sich bisher mehr um das Kind gekümmert oder es gibt schwerwiegende Gründe, dann hat auch der Vater eine geringe Chance. Aber eine einfache psychische Störung reicht da sicher nicht aus.
Aber nur weil die Gerichte so entscheiden, heisst das nicht, dass das gerecht ist.

Sollte das Kind bei Dir leben wird der Vater Unterhalt für das Kind an Dich überweisen und eventuell hast auch Du Anspruch auf Unterhalt.
Der Vater hat ein Umgangsrecht, bzw. eine -pflicht.
Außerdem mußt Du wichtige Entscheidungen mit ihm gemeinsam treffen, wie z.B. Impfungen, Einschulung etc., da er ja auch das Sorgerecht hat.
Auch kannst Du nicht einfach so weiter weg ziehen.

Nach einem Jahr Trennung könnt ihr euch scheiden lassen, aber wenn der Ehemann sich querstellt kann dies auch länger dauern.

Ich denke, Du solltest schleunigst alles mit Deinem Mann klären, eventuell einen Anwalt nehmen, der dich ordentlich und fair berät!

LG Tina