wie verhalte ich mich ?

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von schmuzi 15.08.07 - 20:31 Uhr

Guten Abend,

ich habe eine Frage zum Thema Beerdigung.
Also mein Opa ist im Hospiz und wird laut den Ärzten in den nächsten Tagen leider von uns gehen.
Meine Trauer ist überwältigend. Ich hatte so eine enge Bindung zu ihm.
Noch nie im Leben habe ich einen geliebten Menschen verloren und ich bin völlig Hilflos und weiss überhaupt nicht wie ich mich verhalten soll.

Was trägt man auf einer Beerdigung? schwarz.. das ist klar. Darf ich auch eine kurzärmelige schwarze Bluse tragen wenn es an dem Tag sehr heiss ist? oder ist das egal?
Stimmt es, das man als Enkel in der Ersten oder Zweiten Reihe steht?
Wenn die Beerdigung vorbei ist, muss man dann zum Bsp. meiner Oma und meiner Mama nochmal die Hand geben und Beileid wünschen?
Ich komme mir total blöd vor, angesichts solcher Fragen. Aber ich mache sowas zum ersten mal durch.
Bekommt meine Oma dann von mir auch nochmal per Post eine Beileidskarte danach? Redet nur der Redner oder muss man auch noch selbst persönliche Worte auf der Trauerfeier finden?
Ich glaube das würde ich nicht schaffen, wenn ich was sagen sollte.....
Oh je. Ist das alles schrecklich. Jedes mal, wenn mein Telefon klingelt habe ich schon Angst, ranzugehen.


Beitrag von knutschkugel4 15.08.07 - 20:41 Uhr

Sei erst mal ganz lieb#liebdrueck.Ich hoffe ,das ich deine Fragen beantworten kann.
Als meine oma starb saß ich mit in der ersten Reihe,da ich eine sehr starke Bindung zu Ihr hatte.Du mußt deiner Oma und deiner Mutter nicht die Hand geben und dein Beileid aussprechen , da du selber mit betroffen bist nehm sie einfach in den Arm!!!!
Auch musst du deiner oma keine Karte schicken.
Wenn du ein paar Worte sagen willst ,ist dies bestimmt Möglich,aber das solltest du vorher abklären.
Ich wünsche dir alles Gute
Dany

Beitrag von jensecau 15.08.07 - 20:42 Uhr

Hallo!

Es ist natürlich schrecklich, wenn man weiß, dass ein lieber Mensch gehen wird. Ich wünsche Dir erstmal viel Kraft für die kommenden Tage.
Du brauchst Dir wegen der Fragen nicht blöd vorkommen.
Natürlich kannst Du auch eine kurzärmelige Bluse zur Beerdigung tragen. Ich persönlich finde auch nicht, dass sie unbedingt schwarz sein muss - eine dunkle Farbe ist angebracht, aber nicht zwangsläufig schwarz.
Du solltest als Enkel sicherlich mit zu den vorderen Trauernden gehören. Aber eigentlich solltest Du Dir einen für Dich geeigneten Platz suchen.
Ich würde nicht die Hand geben und mein Beileid ausdrücken. Aber sicher wird sich Deine Oma/Mama/Tante/Onkel usw. darüber freuen, wenn Du sie nochmal feste in den Arm nimmst.
Eine Karte musst Du Deiner Oma nicht schicken. Wenn Du möchtest, kannst Du ihr vielleicht ja noch einen lieben Brief schreiben.
Persönliche Worte musst Du nicht finden - schon gar nicht, wenn Du es Dir nicht zutraust.

Ich wünsche Dir nochmal viel Kraft für die kommenden Tage und die schwierige Zeit. Lebe Deine Trauer aus - das ist sehr wichtig für Dich.

#blume
Claudine

Beitrag von leiahenny 15.08.07 - 22:50 Uhr

Sei einfach Du selbst - jeder wird verstehen wenn Du nur für Dich bist oder eben auch mit anderen sprichst.
Wir haben unser Oma ein Album geschenkt und das gleiche mit ins Grab gegeben - da waren Fotos und Gedenken drin, das fanden alle wunderschön und es hat uns allen geholfen Abschied zu nehmen. Jede Beerdigung ist anders - versuch deinen weg zu finden und alles Liebe,

Beitrag von anyca 15.08.07 - 23:17 Uhr

Eine kurzärmelige Bluse ist sicher o.k. (Daß die Bluse nicht zu durchsichtig und der Rock nicht zu kurz sein sollte, versteht sich eh von selber.)

Wo Du stehst oder sitzt kommt halt auf die Kapelle an und auf Eure Familie. Wenn Deine Oma fünf Kinder hat ist mit denen die erste Reihe vielleicht schon voll, hat sie nur eines haben auch die Enkel noch Platz in der 1. Reihe. Das ergibt sich.

Die Hand geben würde ich nicht, ich an Deiner Stelle würde die Oma und Deine Mama in den Arm nehmen. Ich hab auch meine Schwiegermutter auf der Beerdigung ihres Bruders umarmt, ein Handschlag ist doch eher was für entfernte Bekannte.

Eine (womöglich vorgedruckte) Beileidskarte würde ich nicht schicken. Meine Großmutter hat sich nach dem Tod meines Großvaters am meisten über persönliche Briefe gefreut, also schreib doch noch mal besonders schöne Erinnerungen an Deinen Opa auf, gerade wenn ihr euch so nahestandet! Irgendwelche Trauerkarten aus dem Schreibwarenladen wo dann nur noch mit "Familie Müller" unterschrieben war fand meine Großmutter total nichtssagend.

Du mußt nichts sagen bei der Trauerfeier, wenn das nicht geplant ist. Wir (Kinder, Schwiegerkinder und Enkel) haben auf der Beerdigung meines Großvaters noch einen vierstimmigen Choral gesungen, aber das war natürlich vorher abgesprochen und geprobt.

Aber noch was ganz anderes: Gibt es denn evtl. ne Chance, daß Du Deinen Opa noch mal besuchst im Hospiz und Dich von ihm verabschiedest?

Alles Gute für Dich!

Beitrag von geelinde 16.08.07 - 10:04 Uhr

Guten Morgen,

Du hast ja schon einige Antworten bekommen. Und Du brauchst Dir überhaupt nicht blöd vorzukommen mit Deinen Fragen. Immerhin ist es Dir ja gottseidank vergönnt gewesen, von Trauer(arbeit) bisher verschont geblieben zu sein. Und dafür muss man sich ja nicht schämen, oder?

Ich kann mich an die Beerdigungen meiner Opas nicht mehr erinnern, aber vor zehn Jahren starb mein Vater und ich war genauso unsicher wie Du jetzt (schlimm, dass das zur eigentlichen Trauer auch noch dazu kommen muss, auch dieses Gefühl, den ANDEREN - oder irgendwelchen Traditionen - gerecht werden zu müssen). Es war Anfang August und über 30 Grad warm. Schwarz widerstrebte mir vollkommen, aber meiner Mutter zuliebe hab ich mir noch schwarze Sachen geholt. Ich hatte eine ganz leichte Sommerhose mit feinen weißen Streifen an und dazu ein schwarzes Seidentop (ohne Ärmel!) und Sandalen ohne Socken. Und es war völlig OK. Ich kann mich dran erinnern, dass ganzganz viele Leute mit auf dem Friedhof waren und fand es schön, dass nicht alle tiefdunkel gekleidet waren.

Die Beerdigung selbst ist an mir vorbeigegangen, es hat nur der Pfarrer ein paar persönliche Worte gesagt, von der Familie war keiner in der Lage dazu. Wir haben sehr viele Beileidskarten erhalten, was uns in den Wochen danach noch sehr geholfen hat. Aber auf der Beerdigung kann ich mich an keinen erinnern, der mir die Hand gegeben hat. Aber ich erinnere mich daran, dass es einige gab, denen die Worte fehlten, die aber eben mit einer Umarmung ausdrücken konnten, dass sie mit uns fühlen. Und daran erinnere ich mich.

Verhalte Dich einfach nach Deinem Gefühl. Wenn Deine Oma so ausschaut (oder Du das Gefühl hast), sie steht zu alleine da, dann geh zu ihr und stell Dich neben sie (nimm sie an die Hand) oder auch hinter sie und gib ihr regelrecht Rückenstütze und Nähe. Statt einer Karte kannst Du auch einfach ein schönes Blumenarrangement bestellen, das Du (auch hier entgegen der Tradition) mal nicht aufs Grab stellst (wenn Du das nicht möchtest), sondern vielleicht Deiner Oma auf den Wohnzimmertisch.

Und ganz wichtig: schau nach vorne. Du hast Kinder und diese zeigen Dir und auch Deiner Familie, dass das Leben weitergeht. Kinder verstehen, dass Mama/Papa/Oma usw. traurig sind, nicht immer warum, aber sie fühlen mit. Und im nächsten Moment laufen sie raus zum Spielen und lachen laut. Das ist schön und so muss es sein. Und Du darfst ruhig weinen, Dein Zweijähriger wird Dich dann in den Arm nehmen und kurz trösten. Wenn Du ihm sagst, dass Du traurig bist, wird er das verstehen und auch nicht verstört sein, solange Du ihn hinterher anlächelst und sagst, dass es Dir jetzt wieder besser geht. Ganz bestimmt. Lass die Trauer zu, wenn sie Dich überkommt und mach hinterher was Schönes.

So, jetzt ist es etwas lang geworden. Sorry.

Ich wünsche Dir viel Kraft für die nächste Zeit und wirklich: verlass Dich auf Dein Gefühl.

Alles Liebe,
Gerlinde