Noch jemand beim Anwalt wegen Pfusch am Bau

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Forum: Haushalt & Wohnen

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Beitrag von jona1 17.08.07 - 09:06 Uhr

Guten morgen Ihr Lieben,

sind seit ca 3 Moanten beim Anwalt bezüglich dem ganzen Pfusch an unserem Bau.
Haben angebaut, sieht auch alles toll aus aber der Architekt hat sich mal locker um 100.000 Euro verschätzt und ausserdem haben von 12 Firmane ca 10 Pfusch betrieben (Dampfsperre nicht befestigt, Rohbau is schief gemauert, Trockenbau nwurde beschädigt, Wasser im Keller etc....)

Is hier noch jemand dem es so geht ? Habt ihr erfahrungsbereichte über die Dauer ?
Unser Anwalt sagte das wir wenns sich zeiht mit ein paar Jahren rechnen können.#schock

Zahlt ihr die Kosten selbst ? Oder die Bauversicherung oder wie die sich nenne ?

Danke Euch und Grüssle von JOna die bald mit den Nerven am Ende is....:-(

Beitrag von peterpanter 17.08.07 - 09:46 Uhr

Hallo Jona,

das hat man dovon wenn man sich mit kriminellen einläßt;-)

Aber Spaß beiseite, leider wird in Deutschland es Bauträgern sehr leicht gemacht seine Kunden über den Tisch zu ziehen. Und dies wird auch leidlich ausgenutzt. Wir haben auch den Fehler gemacht und versucht ein fairer Partner zu sein.

Einem Bauträger muss mann von Anfang an klar machen wer das sagen hat und wer die Bedingungen stellt - und das ist nicht er. Grundsätzlich muss man davon ausgehen, das dieser dich übervorteilen will und wenn du nicht aufpaßt auch 100% macht.

Aber hinterher ist man immer schlauer.

Der Ablauf ist folgender - und eine Bauversicherung zahlt grundsätzlich nicht die Kosten eines Verfahrens-

Du gehst zum Anwalt und zahlst eine Vorschussrechnung die Höhe ist von Streitwert abhängig. Auf den Kosten bleibst du sitzen sollte der Fall außergerichtlich geregekt werden. Wenn nicht wird dieser Vorschuss auf das Anwaltshonorar für die gerichtliche Vertretung teilweise angerechnet



Du/dein Anwalt stellst deinem Generalunternehmer oder Bauträger eine Frist zu Mängelbeseitigung. Diese wird er nicht einhaölten und die Mängel nicht beseitigen.

Dein Anwalt stellt bei Gericht ein sog. Beweissicherungsverfahren und schlägt einen Gutachter vor. Das Gericht bestellt einen Gutachter. Du zahlst Anwaltshonorar und Gutachterkosten. Diese muss der Verlierer des Verfahrens am Ende tragen. Solltest du schon einen eigenen Gutachter bzw. Gutachten haben wird dieser bei Gericht nicht anerkannt.

Auf Grund dieses Beweissicherungsverfahrens und des daraus resultierenden Gutachtens wird Klage auf Kostenvorschuss erhoben. Dies bedeutet die Kosten der Bauschäden werden vom Verursacher gefordert. Im Gegensatz zu Schadenersatz, hier würdest du die Schäden beheben und in vorleistung treten und die Kosten hierfür verlangen. In diesem Falle kann es sein, das kein Beweissicherungsverfahren notwendig ist, aber das kann dir dein Anwalt sagen.

Du hast jetzt am Bein die Kosten für deinen Anwalt, die Gerichts- und Gutachterkosten. je nach Schadenssumme ca. 5-15 tausend euro. - für die 1. Instanz

Nach ca. 2 Jahren wird wohl ein Urteil hier ergehen und nehmen wir mal an du gewinnst und dein Gegener ist noch nicht Bankrott (Konkurs gehen hier die wenigsten), wird dieser in die 2. Instanz gehen. Diese ist dann zwar nicht mehr ganz so teuer, aber hier gehen vielleicht auch noch einmal 2 Jahre ins Land.

Danach ist man wahrscheinlich geschieden, das Haus am verkaufen (oder abzureisen), sitzt selbst im Knast weil man den Bauträger zur Abschreckung an den Mast gehängt hat oder auch in der geschloßenen Abteilung.

Mein Tipp ist es sofort wenn man ein Urteil in der 1. Instanz hat dieses gegen Sicherheitsleistung zu vollstrecken. Hierzu benötigt man eine Bürgschaft seiner Bank in höhe von ca. 110% der Urteilssumme. Somit hat man wenigstens das Geld wenn der Unternehmer nach dem Urteil in der 2. Instanz nicht mehr existent sein sollte.

grüßle

peter, der schon nicht mehr weiss was Nerven überhaupt sind.













Beitrag von nobility 17.08.07 - 16:12 Uhr

Hi Jona,

das geht wirklich bis an die Grundsubstanz des Erträglichen. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

Generell :

Um genau das zu verhindern wie

" der Architekt hat sich mal locker um 100.000 Euro verschätzt "

durch mehrfache Baumängel verursachte Bauverzögerungen

hilft nur eins;

Ein wasserdichter Bauvertrag ( BGB, VOB ) !

Laien haben davon ( Vertragswesen ) wenig Ahnung und genau diese Unwissenheit wird von solchen schwarzen Schafen rigoros ausgenutzt.

Wenn du einen Fachanwalt für Baurecht hast, dann wird dieser wissen und dir sagen was jetzt zu tun ist.

Anmerkung:

War mal in meinen Anfangsjahren mit einem Berufskollegen zwecks Gutachtenerstellung an einem Einfamilienhaus. Das sah soweit vom Gartentor auch alles gut aus.

Aber dann ... Der Wasserhahn war zwar montiert, aber es gab keine Zuleitung. Am Gartentorpfosten war obendrauf eine schöne große weiße Laterne. Durch das klare Glas konnte man auch die Glühbirne sehen. An der Haustür innen gab es dafür auch einen Schalter. Aber es gab vom Haus bis zur Laterne keine Zuleitung. Ja ja, bedauerlicherweise kriegt man diese Kerle kaum zu fassen. Entweder es gab keine eindeutig klare Vereinbarungen über genau spezifizierte Leistungen noch sonstige diesbezügliche Vertragsgrundlagen und keine Bauakten oder Baunotizen. In nicht wenigen Fällen wurden von Bauherren zu hohe Zahlungen vorgeleistet so daß kaum was an Einbehalten übrig blieb.

Für solche Fahrlässigkeiten kommt keine Bauversicherung auf. Und das ist gut so. Denn genau das würde solchen schwarzen Schafen Tür und Tor öffnen.

Du ärmste, wenn du nicht so weit weg wohnen würdest, käme ich mit einer großen Kanne guten Kaffee vorbei.

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