Mein geliebter Vater ist gestorben

Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von dianesperling 17.08.07 - 14:42 Uhr

Hallo,

die letzten Wochen und Tage waren die bisher schlimmsten meines Lebens, denn mein geliebter Vater musste uns nach seinem relativ kurzem, schweren Leiden am 01.08. verlassen.

Sein sonst immer so vitaler und gesunder Körper konnte den Kampf gegen den heimtückischen und äußerst aggressiven Schilddrüsenkrebs nicht mehr weiter führen.

Am Abend vorher musste er reanimiert werden. Als ich ihn dann danach sprach, war er hellwach und sah so erleichtert und glücklich aus, als er meinen inzwischen sehr deutlichen Babybauch sah, hat sogar gelacht. Nur 24 Stunden später hat sein Herz aufgehört zu schlagen, meine Mutter, meine Schwester und ich waren in dieser schweren Stunde bei ihm.

Er war der beste Vater, den man sich vorstellen kann, aufopfernd, rührend, manchmal auch impulsiv, sehr emotional, stark, gewandt, intelligent und humorvoll. Ich weiss nicht, wie das Leben ohne ihn weitergehen soll. Er fehlt unglaublich. Ich will ihn sehen, mit ihm reden, ihn berühren.

Niemals werde ich akzeptieren, dass ein Mensch wie er nur knappe 5 Monate nach der Krebsdiagnose sterben musste und die letzten Wochen und diese wenigen Monate noch durch ein medizinisches Märtyrium mit Operationen, Bestrahlungen, Luftröhrenschnitt, Erstickungsgefahr, schmerzhaften Kanülen, Verlust der Sprechfähigkeit gehen musste, was letztendlich NICHTS, aber auch NICHTS gebracht hat. Er wurde 67 Jahre alt.

Was mich davon abhält, nicht vollständig zusammenzubrechen, ist meine tolle Familie, meine Mutter, Schwester, Freund und mein kleines Butzelchen im Bauch (28. Woche), für das ich stark sein will.

Wer von Euch musste -schwanger oder unschwanger- so eine schwere Zeit durchmachen? Hat eine von Euch auch Ihren Vater/Mutter durch Krebs verloren? Würde mich über Antworten freuen.

Viele Grüße

Diane + kleines#blume 27+3

Beitrag von druschi 17.08.07 - 15:23 Uhr

Liebe Diane,

mein Dad starb mit 48 Jahren 4 Tage nach seiner Krebsdiagnose.Lunge,Leber, Knochenkrebs....alles war voll mit dem Mist.
Das ganze ist jetzt 6 Jahre her undmein Dad fehlt mir nach wie vor. Es gibt Tage da ist es sehr schwer für mich und an anderen denk ich einfach so an ihn und muss dabei schmunzeln. Es tut auch nicht mehr immer weh wenn ich an ihn denke, den im Laufe der Zeit wird der Schmerz einfach ein anderer. Ich war damals nicht schwanger, aber ich habe mittlerweile zwei Kinder und es macht mich sehr traurig das mein Dad das ganze nicht miterleben kann und auch meinen Mann nie kennengelernt hat. Aber ich weiß das er stolz auf mich ist und immer wieder bei uns vorbeischaut.
Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für die nächste Zeit und lass Deine Trauer zu. Das ist ganz wichtig. Wein einfachwenn Dir danach ist, das hat mir immer sehr geholfen und rede über deinen Papa wann immer Du willst.

Die Erinnerung ist ein Fenster, durch das man sehen kann, wann immer man will...

Ganz liebe Grüße,
Druschi

Beitrag von geelinde 17.08.07 - 15:36 Uhr

Die Erinnerung ist ein Fenster, durch das man sehen kann, wann immer man will...

Das ist ein sehr schöner Satz. Du hast ja soooo Recht damit. Danke!

LG, Gerlinde

Beitrag von druschi 17.08.07 - 15:44 Uhr

Bitte, ich hab den Spruch auch mal irgendwo gelesen und ich finde er hilft ein bisschen, weil er so wahr ist.
Und ich halte es so, ich schau oft hindurch und wenn es für den Momentan genug ist schließe ich es wieder, den es ist nicht gut nur in der Erinnerung zu leben.
Dir alles Liebe Druschi

Beitrag von geelinde 17.08.07 - 15:33 Uhr

Hallo Diane,

ich kann Dir sehr gut nachfühlen, ich habe vor zehn Jahren meinen Vater an Speiseröhrenkrebs verloren. Meine erste Reaktion (nach dem Schock, dem Zittern und der absoluten Fassungslosigkeit) war eigentlich, dass ich ihn beschimpft habe, wie er mich denn alleine lassen kann, ich bin doch noch ein Kind. Ich war Anfang 20, habe auch eine tolle und auch nicht mal kleine Familie, die fest zusammengehalten hat, aber ich hatte einfach das Gefühl, er habe mich im Stich gelassen.

Auch bei meinem Vater hat es nur etwa ein dreiviertel Jahr ab Diagnose gedauert, und es hat selbst die Ärzte überrascht, wie lange er durchgehalten hat. Dieser sch..... Krebs ist einfach unberechenbar und eine fürchterliche Plage!

Auch wenn Du stark sein willst: lass bitte Deine Trauer zu! Meine älteste Schwester hat damals alle Formalitäten übernommen und wollte auch stark sein. Sie hat kaum geweint, war für alle da, hat einfach alles geschluckt. Und sie kann heute noch schlechter damit umgehn wie ich. Lass einfach alles zu: Tränen, Ratlosigkeit, Wut, das muss alles raus. Such die Nähe Deiner Lieben, weint zusammen (vielleicht lacht ihr auch zwischendurch), redet miteinander, seid füreinander da.

Und auch wenn es blöd klingt, aber die Zeit lässt alles weniger schlimm erscheinen. Ich kann heute noch nicht auf den Friedhof gehen (bzw. war bisher nur dreimal dort und jedes Mal hat es mich total umgehauen). Aber ich kann an meinen Papa denken, mit ihm reden, über ihn reden, ohne dass ich total fertig bin. Während eines Entspannungskurses hatte ich sogar das Gefühl, ihn zu sehen und zu riechen (es war keine Erinnerung an eine bestimmte Situation, aber es war ein wahnsinns Erlebnis) und es geht mir sehr gut damit.

Wir haben erst vor zwei Wochen den 10. Todestag meines Papas zum Anlass für eine fröhliche Familienfeier genutzt. Klar haben wir auch geheult, aber ansonsten haben wir ihn gefeiert und ihn wirklich mit dabei gehabt.

Denk an die schönen Momente, an die Zeit, als Dein Vater noch gesund war, an sein Lachen, als er seinen Enkel in Deinem Bauch gesehen hat.

Ganz ganz viele liebe Grüße und viel Kraft wünsche ich Dir,
Gerlinde

PS: wenn Du mehr Gedankenaustausch möchtest (was mit Fremden, die da ein bisschen Abstand haben, ja manchmal leichter ist), schreib mich ruhig über die VK an.

Beitrag von isola_rossa 17.08.07 - 23:45 Uhr

Liebe Diane,

mein allerherzlichstes BEILEID auch noch mal an dieser Stelle (habe Dir über Deine VK geschrieben)!!!!

Ich fühle mit Dir und kann mich nur allzu gut in Deine Situation hineinfühlen, denn auch mein geliebter Dad ist im Januar 2007 gestorben, fast genau 3 Monate später habe ich dann seinen Enkel, einen supersüßen kleinen Kerl, zur Welt gebracht....
Er hat sogar ein wenig Ähnlichkeit mit ihm. Das ist so schön!

immer wieder gibt es Momente, die einen "umhauen" und wo Du nicht weisst wohin mit deiner Trauer, aber Du musst sie rauslassen.

Auch Dein Kleines wird Dich dann sicherlich oftmals trösten können, allein durch seine Anwesenheit. Und der zusammenhalt der Familie ist das Wichtigste in dieser Zeit!

Ich wünsche Dir unendliche Kraft und trotzdem eine gute Rest#schwanger und viiiiel Freude über Euer#baby

#liebdrueck und eine#kerze für deinen dad und eine weitere#kerze für meinen...
Nun geht es ihnen besser und sie sind von ihrem unendlichen Leid erlöst! Das tröstet mich...vielleicht hilft es auch Dir!
Und er wird immer bei Dir sein und Dich und dein Baby von "oben" beobachten.....#herzlich

Beitrag von dianesperling 18.08.07 - 12:25 Uhr

Hallo, Mädels,

ich danke Euch sehr für Eure umfassenden und ehrlichen Antworten.

Ich habe bei einigen Antworten gedacht, wie undankbar ich doch eigentlich bin, denn viele verlieren ihre Eltern offenbar noch viel, viel früher und ich muss dankbar sein für die schöne, relativ lange Zeit (immerhin durfte ich ihn 33 Jahre lang erleben, und wir haben sogar 5 Jahre jeden Tag zusammen gearbeitet).

Was mir, und auch Euch, deren Väter teils auch an Krebs litten, sicherlich mit am schwersten fällt, ist eben die Tatsache, dass er die letzen Monate seines arbeitsreichen Lebens nicht einmal mehr genießen konnte, sondern mit schmerzhaften medizinischen Eingriffen gequält wurde, keine Luft mehr bekam, einen vollkommen entzündeten und verstrahlten Hals/Speiseröhre bekam, schreckliche Angst vor dem Tod hatte und deshalb den aussichtlichtslosen Kampf immer weiter auf sich nahm.

In den Ärzten hat mein Vater immer nur schlechte Berater gehabt, denen es nicht um ihn als Menschen, sondern um sein Geld ging. In der Intensivstation wurden wir beispielsweise nur wenige Minuten nach der erfolgreichen Reanimation gleich mit den Worten begrüßt, dass wir uns doch entscheiden sollten, wie lange man ihn nun an den Maschinen lässt. Wohl gemerkt, er lag gerade ca. 30 Minuten dort. Kein Wort des Mitgefühls. Der Onkologe hatte ihn schon vorher aufgegeben.

Ich fände es schön, wenn wir öfter unsere Gedanken zu unseren Vätern austauschen könnten. Ich weiss bzw. merke gerade, dass offenbar gerade Frauen den Tod des Vaters besonders schlecht überwinden können, aber gemeinsam ist man immer stärker, und darüber schreiben/reden hilft einfach unglaublich. Ich habe mit einigen älteren Damen (um die 70 Jahre) gesprochen, die immer noch Tränen in den Augen haben, wenn sie vom Vater reden - und bei vielen liegt der schreckliche Tag X schon mehr als 25-30 Jahre zurück.

Viele liebe Grüße aus Köln

Diane mit #blume27+4

Beitrag von pohane 18.08.07 - 14:52 Uhr

hallo,

herzliches beileid!

auch ich habe meinen papa vor fast 11 jahren, im alter von 53 jahren, durch magenkrebs verloren.

er fehlt mir immer noch so sher und manchmal habe ich das gefühl, alles wäre erst gestern passiert.

am meisten macht es mich traurig, dass er seine beiden süßen enkeltöchter nicht kennenlernen durfte.

sei stark und kopf hoch

lg anett

Beitrag von jonas300703 18.08.07 - 22:25 Uhr

Hallo Diane,

auch ich möchte Dir mein Beileid aussprechen.

Ich kann es so nachfühlen, wie Du Dich im Moment fühlst.

Mein Papa ist am 04. Januar 06 an Leukämie und Kehlkopfkrebs gestorben.

Es war die Hölle. Im April 02 wurde die Leukämie erkannt. Ein Spender wurden gesucht. Er wurde mit Tabletten und Blutkonserven (alle 8 Wochen) behandelt. Eigentlich ging es ihm soweit ganz gut.

Dann im August 04 wurde er heiser. Kein HNO konnte erkennen, welche Krankheit dahinter steckt. Bis er mal richtig im Krankenhaus auf den Kopft gestellt wurde. Dann im Oktober die schrecklich Nachricht: Kehlkopfkrebs. 2 Tage später OP.

Dann im November Bestrahlung. Die er nicht vertragen konnte, aufgrund seiner Leukämie. Er hat abgebrochen, sollte eine Pause einlegen.

Im April 05 hat mein geliebter Papa dann einen Luftröhrenschnitt bekommen und die Nachricht, dass es keine Heilung mehr gibt. Er hatte auch so furchtbare Angst zu sterben.

Ab dann ging es bergab. Im wurde dann noch eine Magensonde gelegt, weil er nicht mehr schlucken konnte, sprechen konnte er schon lange nicht mehr, wie gerne hätte ich noch mal seine Stimme gehört.

Am 03.01.06 haben meine Familie und ich ihn in ein Hospiz gebracht. Es ging nicht mehr. Meine Mutter war am Ende.

Dann ist er am 04.01. in der Früh eingeschlafen.

Ich bin dann im März 06 schwanger geworden.

Würde mich über einen Austausch freuen.

Alles Liebe und viel Kraft für die kommende schwere Zeit.#liebdrueck

Andrea



Beitrag von trixicat 20.08.07 - 14:25 Uhr

Hallo Diane,

auch ich kann nachvollziehen, was in dir vorgeht - ich habe meine Mama vor 10 Jahren an den Krebs verloren. Nur gut vier Monate nach der Diagnose (Darmkrebs, Metastasen in der Leber) wurde sie erlöst. Heute kann ich das als Erlösung empfinden, damals jedoch war es für uns die Hölle. Auch wir waren in den letzten Stunden bei ihr und haben sie begleitet, wobei sie Gott sei Dank durch Medikamente so ruhig gestellt war, dass sie keine Schmerzen leiden musste. Sie ist auch sehr bewusst auf ihren Tod zugegangen, was uns den Abschied etwas erleichterte. Trotzdem... na ja, du weißt ja, wie das ist.

Mein Papa lebt noch, ist aber seit knapp einem Jahr schwerstbehindert - er hat am 24. August 2006 eine schwere Hirnblutung erlitten, lag dann knapp zwei Wochen auf Leben und Tod im Koma und kam doch noch zu uns zurück. Aber er ist nicht mehr der alte. Gelähmt, nicht in der Lage zu sprechen oder sich sonst wie zu äußern - es kommen immer nur Bruchstücke von Worten, die meist keinen Sinn ergeben - wissen wir nicht, was er noch wahrnimmt und wie es ihm wirklich geht. Er macht aber einen ganz zufriedenen Eindruck. Wir mussten ihn im Februar in ein Pflegeheim geben, weil wir die Pflege nicht selbst leisten können. Ich bin voll berufstätig, meine Schwester hat noch drei schulpflichtige Kinder, und die Lebensgefährtin meines Vaters ist physisch und psychisch nicht in der Lage, ihn zu pflegen. Er ist auch hochgradig inkontinent und überhaupt nicht dazu fähig, irgendetwas selbst zu machen. Essen und trinken geht, wenn man es ihm vorsetzt - aber sonst...

Na ja, ich sage mir immer, er lebt noch und scheint nicht unglücklich zu sein, also muss ich auch zufrieden sein. Aber es ist schon hart, wenn der Papa von jetzt auf gleich aus seinem gesunden, aktiven Leben gerissen wird und fortan als Kleinkind weiterleben muss... und er ist auch erst 69... ein Tod auf Raten? Ich weiß es nicht - theoretisch kann er immer noch 100 werden, aber ich muss ehrlich sagen, ich bin mir nicht sicher, ob ich mir oder ihm das wünschen soll...

Wir können uns gerne noch weiter austauschen, wenn du möchtest - schreib mich einfach über die VK an.

Dir alles Liebe, viel Kraft und lass die Trauer zu! Das ist ganz ganz wichtig.

Ilka #liebdrueck