Gestern auf der Autobahn....

Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von jamjam1985_19 19.08.07 - 14:35 Uhr

Hallo zusammen....

Wir (Eike und Ich) müssen hier einfach mal was loswerden.

Es war der gestrige Samstag und wir waren spontan auf dem Weg nach Oberhausen. Aufder A67 kurz vor Groß-Gerau sahen wir 300m vor uns
ein paar Autos auf der linken Spur und dem Standstreifen mit Warnblinker stehen. Dann vielen unsere Blicke auf einen Haufen, der etwa
50m davor an der Leitplanke lag. Als gut ausgebildete Helfer mussten wir halten. Wir zogen die Warnwesten über, schauten uns um und sprangen
aus dem Auto.Ich baute zusammen mit einem Niederländer, der ebenfalls schon da war, die Warndreiecke auf, wärend ich das Auto schützend vor den
Haufen stellte. Beim Aussteigen sah ich dann, das es ein Motorradfahrer war. Der Helm war noch an seinem Platz, aber sonst war nichtmehr zu erkennen, wo
was hin gehörte. Der ganze Körper war verdreht, zusammengestaucht und von Wunden, offenen Brüchen und Knochenstücken übersäht.#schock#heul
Es war ein grausiger Anblick. Der Niederländer drängte uns, nach Lebenszeichen zu suchen, aber wir wusstgen nicht, wo wir anfangen sollte. Wir schaute in sein gesicht, die Augen waren geschlossen. Wir schätzen den Motorradfahrer so auf mitte 20.Wir konnten nichts für ihn tun.
Also kümmerten wir uns um den Verkehr. Alle gafften:-[ und schlichen an uns vorbei.Wir waren richtig erleichtert, als wir ein Martinshorn hörten und den RTW kommen sahen.
Die Rettungsassistenten kamen zu uns und wir berichteten ihnen, was wir festgestellt haben. Daraufhin verschwand der eine im RTW und kam
mit weissen Tüchern wieder und wir bedeckten den Leichnahm. Uns allen war klar, das nichtsmehr zutun war. Der Notartzt kam per Heli um endgültig und amtlich den Tod zu
bestätigen.

Wir wurden entlassen, nachdem wir der Polizei ausgesgt haben, das wir vom Unfall selbst nichts gesehen haben.

Etwa 100-150m weiter lag das total zertrümmerte Motorrad um das noch ein paar der Leute, die hielten, herumstanden. Wir nahmen unseren Weg auf nach Oberhausen. Aber der Tag
stand doch im Schatten des erlebten. Zu grauenvoll war es. Auch heute denken wir noch an den Toten und seine Familie.

Durch den Abschleppdienst und die Feuerwehr kannte ich (Eike) das ja, mit Toten und Verletzten, aber da hab ich das immer als Job abgestempelt und es war erledigt. Aber diesmal ist
anders. Für mich (Miri) war es das erstemal und ich konnte als wir die Unfallstelle verließen nur noch heulen...#heul... Auch jetzt sitzen wir hier und man kann es uns ansehen.

Es hat uns sichtlich mitgenommen und wir sind in Gedanken bei den Liebsten des Toten.Wir zünden ganz viele #kerze#kerze#kerze#kerze#kerze#kerze#kerze für den Toten und seine Angehörigen an.


Mirjam, Eike und auch Julian(*20.08.2005), der das ganze zum Glück noch nicht versteht

Beitrag von juhu19981 19.08.07 - 15:10 Uhr

Hallo ihr 2 #liebdrueck

Es ist wirklich schlimm, was ihr da Erlebt habt. Trotzdem möchte ich euch sagen, dass es nicht Selbstverständlich ist, was Ihr getan habt! Großes Lob!!!

Nicht jeder würde in solch einer Situation Helfen, oder versuchen zu Helfen. Kenne mich da leider auch aus. Mein Mann ist auch Ausgebildter Helfer!

Ich hoffe ihr könnt das erlebte Verarbeiten und wünsche euch alles Gute!

Mein Beileid an die Angehörigen des Jungen Opfers.

LG

J#aha

Beitrag von stineengel 19.08.07 - 21:04 Uhr

hab das gestern im radio gehört....einfach schrecklich.....großes lob an euch, das ihr helfen wolltet.....eider glotzen die meisten nur und keiner will verantwortung übernehmen.....respekt!

LG Steffi

Beitrag von josili0208 19.08.07 - 22:11 Uhr

#liebdrueck
Ich kann sooo gut nachvollziehen wie es Euch geht. Ich war mit meinem Mann 2004 in München und wir wollten uns gerade auf den Rückweg nach Karlsruhe machen. Auf dem Weg zur Autobahn hab ich ihn überredet noch schnell zu tanken, damit wir nicht anhalten müssen. Hat max. 5 Minuten gedauert. Keine 2 Minuten später waren wir auch schon auf der Autobahn und nach ein paar hundert Metern kam der Verkehr ins stocken, es gab aber noch keinen Stau. Da hing ein BMW verkehrt herum hochkant am Mittelstreifen der an der Stelle etwa einen knappen Meter erhöht ist und den Gegenverkehr abtrennt. Naja und dann stand ich erstmal unter Schock. Das ganze Ausmass war grauenhaft. In Fahrtrichtung stand ein Mercedes, drin sass eine Frau, bzw. sie war eindeutig tot, die Tür stand auf, sie hatte einen weiss blau gestreiften Pulli an - ich kann mich noch viel zu gut erinnern. Auf dem Mittelstreifen wurde der Fahrer von Helfern wiederbelebt, Krankenwagen oder Polizei war noch nicht in Sicht. Ich war ganz fassungslos, es muss passiert sein als wir tanken waren. Der BMW war als Geisterfahrer auf die Autobahn gefahren und die beiden waren auf der Überholspur frontal zusammengestossen. Der Geisterfahrer lag auch oben auf dem Trennstreifen, alle liefen ganz aufgelöst durch die Gegend, eine Frau sprach mit der älteren Beifahrerin, die noch im BMW sass und das alles irgendwie noch gar nicht verstanden hatte. Wir sind NICHT langsamer gefahren als es durch die Umstände sein musste und ich war viel zu geschockt zum gaffen. Aus der Presse haben wir dann entnommen, dass alle 4 verstorben sind, also auch die ältere Frau, die ich noch so "munter" gesehen hatte, das hat mich am meisten geschockt. Die Frau im Mercedes hinterliess mehrere kleine Kinder (4?). Der Geisterfahrer hatte wohl etwas vergessen und war falsch auf die Autobahn aufgefahren weil er zurück wollte.
Man denkt dann immer wieder was wäre wenn... Hätten wir nicht getankt, hätte es dann uns getroffen? Ich denke immernoch oft an diesen Tag.

2km weiter hatten wir eine Reifenpanne - hinter einer Kurve auf einem Hügel und nach einer Brücke wo es keinen Seitenstreifen gab. Also die absolut unmöglichste Stelle überhaupt um liegen zu bleiben. Mir ist das Herz in die Hose gerutscht und Gott sei dank kam zufällig das THW und hat uns die Stelle abgesichert und geholfen (DANKE #herzlich) Ich glaube dank solcher Unfall-Schocks ist man auch vorsichtiger und weniger leichtsinnig.
Es tut mir sehr leid für den Motorradfahrer.
LG Jo

Beitrag von kegel 19.08.07 - 22:36 Uhr

#kerze#kerze#kerze


anke