Epi oder vl. psychische Störung? Junge 12 Jahre

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von kleinebine75 21.08.07 - 13:15 Uhr

Hallo ihr Lieben,

poste heute mal für meine Schwester. Ihr Sohn ist 12 und ein intelligentes, aufgewecktes Kerlchen. Seit einem dreiviertel Jahr hat er "Aussetzer". Er scheint "abzudriften", wedelt komisch mit den Händen und redet krauses Zeug.
Manchmal wiederholt er scheinbar "sinnfreie" Sätze wie "nein das geht jetzt nicht" oder "das ist doch kein Problem".
Das Ganze dauert so etwa eine halbe bis eine Minute. Dann reibt er sich die Augen, ist völlig erschöpft, manchmal desorientiert ("Mama, was machen wir hier?") und hat für etwa eine halbe Stunde Schwierigkeiten mit der Erinnerung (Wochentag, was machen wir heute etc). An den Vorfall selbst kann er sich nicht erinnern.

Das ganze passiert meist im Abstand von etwa ein bis zwei Wochen und dann zwei bis dreimal innerhalb von 24 Stunden, dann ist wieder ne Weile Ruhe.

Es wurden mehrere EEG´s gemacht, ohne Befund. In einem ist eine "Verlangsamung" zu erkennen, sonst aber nichts, was auf Epi hindeutet. Auch die Erinnerungslücke scheint nicht typisch für Epi zu sein.

Manchmal bekommt er grundlose Weinanfälle, aus den verschiedensten Situationen heraus. Er kann nicht sagen warum.

Könnte noch sehr viel mehr schreiben, aber vielleicht hat ja jetzt schon jemand eine Idee, was außer Epi es sein könnte.

Schichtaufnahmen wurden auch schon gemacht. Es gibt eine winzige Zyste, die aber nirgends draufdrücken dürfte.

Bei verschiedenen Psychologen war er auch schon - alle sind sich einig - es ist auch nichts psychisches.

Aber was denn dann?

Bin für alle Ideen/Erfahrungen dankbar!!!

#danke schonmal...

LG, Bine

Beitrag von janna07 21.08.07 - 18:50 Uhr

Wurde schon mal während so eines Aussetzers ein EEG geschrieben? Ich habe mal einen Jungen in ähnlichem Alter kennengelernt, der fast dieselbe Symptome hatte. Im EEG konnte bei ihm auch nie wirklich viel festgestellt werden, bis man im Anfall eins geschrieben hat und eine Temporallappenepilepsie diagnostizieren konnte. Auslöser dafür war ein Tumor, der in der Computertomographie noch nicht erkennbar war, in einer MRT-Untersuchung (Kernspin) aber entdeckt werden konnte. Damit will ich dir keine Angst machen, der Tumor bei dem Jungen konnte entfernt werden und damit war er geheilt, aber ich würde mich an eurer Stelle doch noch mal an ein kinderneurologisches Zentrum überweisen lassen und die noch mal gucken lassen - für mich klingt das nämlich ziemlich Epilepsie-typisch. Ich kann die Neurologie an der Uniklinik Mainz empfehlen. ;-)

Liebe Grüße
Janna

Beitrag von kleinebine75 22.08.07 - 08:57 Uhr

Hallo Janna,

danke für deine Antwort. Es wurde während eines stationären EEG´s vermerkt, dass er während des Frühstücks eine Weile nicht ansprechbar gewesen sei. Da meine Schwester nicht dabei war, ist unklar, ob es ein Aussetzer war oder er einfach "verpennt" war. Das EEG hat dabei keine Auffälligkeiten gezeigt.
Ein CT wurde gemacht - ohne Befund bis auf die angeblich harmlose Zyste. Ich glaube es wurden auch detailliertere Schichtaufnahmen gemacht - ob das ein MRT war, weiß ich nicht - müsste fragen.
Finde auch, dass das alles epi-typisch klingt, vieleicht bis auf die Weinanfälle, aber die können vl. auch einfach pubertätsbedingt sein.

Es ist einfach ziemlich blöd, immer diese Ungewissheit zu haben - auf der anderen Seite will man den Jungen ja auch nicht zu sehr durch viele Untersuchungen verstören, das macht es ja auch nicht besser. Grade weil er ziemlich sensibel ist.

LG, Bine

Beitrag von janna07 22.08.07 - 09:20 Uhr

Hatte er eigentlich als Säugling oder Kleinkind mal einen oder mehrere Fieberkrämpfe? Klär wirklich unbedingt mal, ob ein MRT gemacht wurde. Ich hab noch mal in meine Bücher geguckt (muss eh gerade Neuro lernen ;-)) und da steht auch, dass ein CT unbrauchbar ist.
In meinen Augen erläuterst du nämlich lehrbuchhaft das Bild einer Temporallappenepilepsie (auch Schläfenlappenepilepsie genannt).
Das ist eine Epilepsieform, die vor allem bei Kindern, meist um das 10te Lebensjahr auftritt. Bei den meisten Kindern ist es so, dass sie vor dem Anfall eine sogenannte Aura bekommen - die spüren dann was im Bauch oder haben merkwürdige Geruchsempfindungen. Typisch ist auch, dass die "Anfälle", so wie du es beschreibst, gehäuft auftreten.
Ich bin bestimmt keine Neurologin, aber durch meine Zeit in der Kinderklinik hab ich gelernt, dass sich viele "Erwachsenenärzte" schwer damit tun, bei Kindern was zu diagnostizieren. Vor allem, wenn die Erkrankungen hauptsächlich im Kindesalter auftreten, sind die Erwachsenenmediziner meist schnell am Ende ihres Lateins. Deshalb würde ich empfehlen, dass ihr euch mal an ein kinderneurologisches Zentrum wendet.

Durch die Untersuchungen muss er dann einfach durch. Lasst ihn dabei einfach nicht alleine, dann verstört ihn das auch nicht so sehr. Beim MRT kann man auch dabei bleiben, gerade weil das Gerät tierisch laut ist.
Wichtig ist, dass ihr versucht ihm die Angst davor zu nehmen, tröstet ihn nicht zu sehr, wenn er sich fürchtet, sondern bestätigt ihn darin, wenn er sich traut. :-)

Liebe Grüße
Janna

Beitrag von kleinebine75 22.08.07 - 12:37 Uhr

Nochmal danke für die Antwort.

Hab mal etwas rumgegoogelt und du hast ganz recht. Riecht schon ein bischen nach Temporallappenepilepsie. Vor allem die Sache mit der Amnesie konnte sich bislang niemand erklären.

Und in einem Bericht habe ich auch einen Hinweis auf Zusammenhang mit psychischen Störungen/Depressionen gefunden. Werds meiner Schwe mal in die Hand drücken.

Ob er Fieberkrämpfe hatte glaub ich nicht, weiß ich zumindest nichts von.

Naja, erstmal vielen Dank für den Tipp (und ich dachte wir hätten schon alle möglichen Epi-Formen "abgeklappert"...

LG

Beitrag von spatzl75 22.08.07 - 09:07 Uhr

Hi Bine,

haben Ärzte schon einmal diese "Anfälle" gesehen?
Es gibt noch die Möglichkeit, das auf Video aufzunehmen. Sprich, ihn den ganzen Tag zu filmen und dann einem Epileptologischem Zentrum zu zeigen.
Ist zu mindest zu überdenken!

Viel Glück,

lg