ARGE-Sachbearbeiterin und Kindertagesstätte

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Forum: Allein erziehend

Als Alleinerziehende selbstbestimmt zu leben hat Vorteile, andererseits ist es oft sehr anstrengend, den täglichen Herausforderungen allein zu begegnen. In diesem Forum findet ihr die Hilfe und Unterstützung von Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Beitrag von mentira 21.08.07 - 20:42 Uhr

Vor zwei Monaten habe ich mich recht spontan dazu entschlossen, sofort wieder arbeiten zu gehen. Als mein Kind geboren wurde, hatte ich immer vor, drei Jahre zu Hause zu bleiben. Das war auch im Sinne meines Partners aber es kam zur Trennung und so habe ich mich eben umentschieden.

Ich klapperte alle Krippen in der Umgebung ab und bekam natürlich überall das Gleiche zu hören: "Plätze seit Januar vergeben, wir setzen Euch auf die Warteliste". Gut, damit war ja zu rechnen. Womit ich allerdings nicht rechnete, war, dass schon gleich innerhalb der nächsten Woche drei Einrichtungen anriefen, bei denen wir nachrücken konnten, weil andere Kinder abgesprungen sind. Ich habe mir alles angeschaut und mich für die entschieden, die mein Ex und ich am passendsten und schönsten empfunden haben (und die preislich völlig im Durchschnitt liegt obwohl sie so viele Extras wie Sportunterricht, musikalische Früherziehung via Musikschule, die ins Haus kommt, Frühstück, Spielplatz usw. anbietet).

Wir schlossen einen Vertrag ab mit dem ich zum Jugendamt gegangen bin, das bei Geringverdienern einen (grossen Teil) der Kosten übernimmt. Weil ich gerade erst angefangen habe, mich zu bewerben bin ich dort ziemlich ausgelacht worden, als ich den Antrag gestellt habe. So lange ich keinen Job vorweisen kann, gibt es keine Zuschüsse. O-Ton: "da kann ja jeder kommen und sein Kind ab zwo Jahren betreuen lassen um sich dann wieder ins Bett zu legen oder den ganzen Tag vor der Glotze zu hocken". Ja nun, das mag es geben - aber wenn Frau alle Hebel in Bewegung setzt, um wieder auf den Arbeitsmarkt zu kommen, ist man doch ein bissel angefasst.

In der Zwischenzeit habe ich mich auch beim Arbeitsamt gemeldet und verkündet, dass ich "früher als gewöhnlich" (deren Worte) wieder arbeiten möchte. Ich traf auf eine ausgesprochen aufgeschlossene SB, die einfach gesehen hat, dass ich unbedingt wieder loslegen will und es auf -zig qualifizierte Bewerbungen in einem Monat bringe. Die gute Frau hat mir letzte Woche in allerletzter Minute Gelder beschafft, (Gruss an Nightingale - genauso wie Du es mir beschrieben hast ), die in besonderen Pötten für "Härtefälle" zur Verfügung stehen. Will heissen, dass die KiTa bis November von der ARGE bezahlt wird. Ich bin der Frau fast um den Arm gefallen und sie freute sich wiederum darüber, dass ich mich so freue und hat mir ebenfalls zugesagt, dass ich über das Amt mal einen Englisch-Auffrischungskurs machen darf, falls ein Arbeitgeber besonderen Wert auf Wirtschafts-Englisch legt (was hier Gang und Gäbe ist) und ich deswegen ein bisschen besorgt war bei meinen Bewerbungen. Ganz grosse Klasse diese SB!

Meine Tochter ist dann gestern das erste mal in die Betreuungsstätte gegangen und scheint das glücklichste Kind der Welt zu sein - als hätte sie geradezu darauf gewartet, unter Gleichaltrige zu kommen. Ich habe sie begeleitet aber heute sagte die Erzieherin schon, dass die Kleine derart unkompliziert sei, dass ich schon nach dem Frühstück gehen sollte und erst Mittags wiederkommen. Das Beste an der Einrichtung - ich kann sie schon um halb acht bringen und bis vier Uhr da lassen - was mir ermöglicht, mich für 30 Stunden/Woche statt nur 20 Stunden/Woche zu bewerben.
Und um das Ganze noch perfekt zu machen, bekam ich heute gleich zwei Einladungen zu Vorstellungsgesprächen, die vielsversprechend zu sein scheinen!

Das musste jetzt mal raus. Ich freue mich einfach darüber, dass meine Kleine ihr neues Umfeld geniesst und ich daher guten Gewissens meinem Beruf nachgehen kann und noch mehr darüber, dass mir mit unbürokratischen Mitteln und ganz viel Vertrauen in meinen Willen und meine Fähigkeiten geholfen wurde - von der ARGE.

Beitrag von janamausi 21.08.07 - 21:36 Uhr

Hallo!

Freut mich für dich, dass alles so super läuft. Aber es ist nicht nur der verdienst der Sachbearbeiterin, sondern auch deiner und darauf kannst Du stolz sein! Du hast dich viel bemüht und nicht gleich den Kopf in den Sand gesteckt, als es nicht gut zu laufen schien und das zahlt sich später auch mal aus #freu

Ich wünsch Dir viel Glück bei deinen Vorstellungsgesprächen!

LG janamausi

Beitrag von aeternum 21.08.07 - 23:33 Uhr

Aloha mentira,

Dein Beitrag liest sich toll!

Ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deinen Bewerbungen, und kann mich meiner Vorschreiberin nur anschließen - nicht nur Du hattest Glück mit der Dame bei der ARGE, wie es scheint, sondern auch Dein Kind mit ihrer ambitionierten und engagierten Mutter, die ihre Mutterpflichten und -rechte nicht nur darin sieht (wie ich es in letzter Zeit leider häufiger erlebe), für ihr Kind da zu sein (was bei manchen bedeutet: 'Es ist eine Zumutung, zu arbeiten'), sondern auch ein unabhängiges Leben zu führen.

Damit gibst Du in meinen Augen ein wirklich gutes Vorbild ab - auch für mich persönlich!

Liebe Grüße,

Ae

Beitrag von mentira 22.08.07 - 11:49 Uhr

Ja vielen Dank!

aber pack' Du mal (wie in Deiner VK erwähnt) mal den Traum vom Baby an - dann merkst Du auch bald, dass es nicht so leicht ist, sich von seinem Kind zu trennen. Ohne Kind sagt sich das so leicht her - das weiss ich von mir selbst ;).

Ich bin aus vollem Herzen und mit allem spiessigen PiPaPo Mutter - andererseits werde ich auch wahnsinnig, wenn ich nicht bald wieder ein Büro um mich herum habe. Aber meinen Schatz in fremde Hände geben zu müssen, war am Anfang eine schrecklich Vorstellung. Wenn ich allerdings jetzt sehe, wie toll sie die Krippe findet und wie lässig sie mir hinterher winkt, wenn ich gehe habe ich ein gutes Gefühl - fast, als hätte ich ihr einen Gefallen getan. Das beruhigt...

Viel Glück beim Babymachen!

Beitrag von aeternum 22.08.07 - 23:03 Uhr

Danke Dir für die Glückwünsche, wir gehen grad in den dritten Monat des Versuchens ;-) ich bin ziemlich begeistert und aufgeregt!

Ich kann mir vorstellen - auch, wenn es nur Vorstellung bleibt, bis ich mein erstes Kind bekomme - wie schwierig es ist, das eigene Kind sozusagen aus der Verantwortung zu lassen, auch wenn es besten Gewissens passiert.

Nur - wenn es eine Notwendigkeit gibt, es zu tun, muß ich nicht darüber nachdenken. Ich möchte mein Studium zu Ende bringen, bzw werde ich arbeiten gehen, um etwas aus meinem Leben und den Jahren an der Universität zu machen.

Und wenn es nur darum ginge, Geld zu verdienen, um einen gewissen Lebensstandard zu besitzen, dann würde ich auch nicht darüber nachdenken müssen, mein Kind in qualifizierte Betreuung zu geben, um arbeiten zu gehen.

Leider habe ich in letzter Zeit nah vor meinen Augen recht oft ein völlig anderes Beispiel, das ich wirklich abzulehnen gelernt habe. Und das unter dem Deckmantel, 'ich kann mein Kind nicht abgeben'..natürlich neben der Aussage, 'für mein Kind würde ich alles tun'.

Da kann ich halt nur den Kopf schütteln. Es betrifft mich nicht, aber ich finde es immer wieder schlimm.

Deswegen fiel mir Dein Beitrag auch so auf.

Liebe Grüße,

Ae