Wo kann ich Testament machen lassen wegen meiner Tochter? In Berlin???

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Forum: Allein erziehend

Als Alleinerziehende selbstbestimmt zu leben hat Vorteile, andererseits ist es oft sehr anstrengend, den täglichen Herausforderungen allein zu begegnen. In diesem Forum findet ihr die Hilfe und Unterstützung von Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Beitrag von reimi_lenchen 22.08.07 - 14:10 Uhr

Hallo!

Ich wollte schon länger gerne Testamentarisch festlegen lassen wo meine große Tochter (fast 5 Jahre) welche leider nicht von meinem jetzigen Mann ist, im Falle das mir etwas zustößt verbleiben soll.

Ihr leiblicher Vater kümmert sich nicht wirklich um sie und kann auch keinen Unterhalt zahlen da er Harzt IV bekommt und meinte auch das sie für ihn eine zu große Verantwortung wäre.

Seit unserer Trennung im Sommer 2003 (wir haben auch nie zusammen gewohnt) bin ich es eigentlich die den Kontakt zwischen Vater und Tochter fördert ohne mich würde sie ihn garnicht zu gesicht bekommen. (Kein Interessen seiner seits, aber sie fragt halt ab und an mal)

Und da ich nicht möchte das meine Tochter wenn mir etwas zu stößt zu ihrem Vater oder seinen Eltern kommt möchte ich gerne ein Testament machen lassen wo dirn steht das sie entweder bei meinen Eltern oder bei meinem Mann und ihrer Schwester und ihrem bald Bruder (Bin gerade in der 34.SSW) kommt.

Gesetzlich ist es wohl so das meine Tochter erst 5 Jahre mit ihrem Stiefvater zusammen leben muss damit er das Sorgerecht in solch einem Falle bekommen könnte jedoch trennt man soviel ich weis nie Geschwister.

Und zu meinen Eltern hat sie sowie so den besseren Draht als zu den anderen Großeltern und Ihrem Vater.

Wer kann mir Sagen wo ich solch ein Testament machen lassen kann und wie Teuer sowas ist.

Hat jemand auch gleich noch ne Adresse für mich ich wohne in Berlin.

Ich danke für eure Antworten!!!

LG

Madlen

Beitrag von kati543 22.08.07 - 14:22 Uhr

Das Thema gab es hier schon sooooo oft.
Kinder kann man nicht vererben. Du kannst in einem Testament nur einen Wunsch äußern und solltest den auch sehr gut begründen - besonders wenn du - wie in deinem Fall - deine Tochter nicht zum Vater geben lassen willst, obwohl eigentlich nichts gegen ihn spricht (von Drogen/Alkohol/Gewalt hast du zumindest nichts geschrieben). Geschwister können sehr wohl getrennt werden. Das wird zwar ungern gemacht, aber naja es ist möglich. Am Ende entscheidet das Vormundschaftsgericht zu wem das Kind soll. Das kann deinem Wunsch entsprechen, oder aber auch nicht.
Das Testament kannst du eigenhändig schreiben und dann einer/mehrerer Personen deiner Wahl geben oder an einen sicheren Ort deponieren. Das kostet dann gar nichts. Ansonsten kannst du ein Testament von einem Notar aufstellen lassen. Wegen des Preises ruf vorher an und erkundige dich telefonisch - sag ihm aber auch, was im Testament stehen soll.

Beitrag von yvonnechen72 22.08.07 - 14:28 Uhr

Hallo.

wir haben ein ähnliches Problem.Laut JA reicht ein formloses Testament, das auch nicht zu alt sein sollte.Ich drucke unseres jedes Jahr einmal aus.Mein Mann weiss wo es liegt und falls mir was zustößt kann er das dem JA vorlegen.
So sieht meins aus:

Hiermit bestimme ich, ..., geb. am00.00.0000 wohnhaft ..., im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, im Falle meines Todes, meinen Ehemann ..., geb. am 00.00.0000, wohnhaft ..., zum Vormund meiner Tochter ..., geb. am 00.00.0000, wohnhaft ...


Datum, Unterschrift

Beitrag von schnuffinchen 22.08.07 - 15:12 Uhr

"Ich drucke unseres jedes Jahr einmal aus."

Super, denn damit ist es wertlos.

Dokumente dieser Art sollten - wenn sie nicht noratiell beurkundet sind - immer ! handschriftlich aufgesetzt sein.

Mal davon abgesehen kannst Du Kinder in der von Dir vorgeschlagenen Form (Hiermit bestimme ich...) nicht "vererben".

Das JA berücksichtigt das als Empfehlung, ist aber nicht daran gebunden.

Beitrag von maeuschen06 22.08.07 - 15:13 Uhr

Hallo,

"Ich drucke unseres jedes Jahr einmal aus"

Achtung, ein ausgedrucktes Testament ist unwirksam!!! Es muss handschriftlich sein und zwar alles! Also, jedes Jahr alles neu schreiben.

lg

Beitrag von scullyagent 22.08.07 - 17:57 Uhr

Natürlich, ein Notar schreibt gegen Bares alles. Aber das Stück Papier kann Frau sich übers Klo nageln.

Im Todesfall trifft IMMER das Vormundschaftsgericht die Entscheidung und die entscheiden in erster Linie immer zu Gunsten des leiblichen KV. Auch wenn wenig bis gar kein Kontakt bestanden hat. Es sei denn er ist grundsätzlich nicht zur Kindererziehung geeignet, oder er verzichtet freiwillig. Wenn er im Todefall das Sorgerecht für sein Kind ausüben will, wird er dies auch durchs Vormundschaftsgericht zugesprochen bekommen. Vollkommen egal, was notariell beglaubigt wurde.

Du kannst Deine Wunsche äußern, aber wenn nichts gegen den leiblichen KV spricht sieht es eher schlecht aus. Das er ALG II bezieht ist ganz sicher KEIN Ausschlußkriterium- währe ja noch schöner

Scully

Beitrag von susieq78 22.08.07 - 21:01 Uhr

Sorry, aber das stimmt so nicht ganz, das Vormundschaftsgericht entscheidet in erster Linie zum Wohl des Kindes und dieses ist nicht automatisch der KV, insbesondere wenn das Kind diesen nicht oder kaum kennt und anderweitige enge Bindungspersonen hat, mit denen es aufwächst.
Das Kindeswohl steht über den Interessen des leiblichen Vaters. Wenn natürlich Bekannte oder Verwandte das Sorgerecht anstreben die ebenfalls in keinem engen Verhältnis zum Kind stehen, dann entscheidet das Gericht zu Gunsten des KV's.

Gruß, S.

Beitrag von scullyagent 23.08.07 - 14:20 Uhr

Da unterliegst Du leider einem Irrtum:

Der KV ist natürlich immer die erste Wahl. Egal ob Kontakt besteht oder nicht.

Einzige Ausnahme: Der KV ist aufgrund von Krankheit, Drogenproblemen, Gewaltätiger vergangenheit o.ä. nicht erzeihungsfä#hig.

Mit ist klar, das manche Mütter das Kindeswohl anders definieren, nicht aber die Gerichte.

Scully

P.S. siehe auch hier.
http://www.urbia.de/forum/index.html?area=thread&bid=27&tid=1041901

Beitrag von susieq78 23.08.07 - 20:25 Uhr

Nö, ist kein Irrtum,


Ich weiß das aus einem konkreten Beispiel und kann mich noch ziemlich gut an die Entscheidung des Vormundschaftsgericht erinnern. Darf ich fragen woher du dein "Wissen" nimmst?

Gruß, S.

Beitrag von susieq78 23.08.07 - 21:28 Uhr

Ach so,

wollte nur mal auf den schönen link hinweisen, den juliafranziska dazu reingestellt hat.
Zitat: "Gem. § 1680 Abs. 2 Satz 2 BGB hat das Familiengericht die elterliche Sorge dem Vater zu übertragen, !!! wenn dies dem Wohl des Kindes dient.
Für diese Prüfung sind die hergebrachten Kriterien maßgebend: die objektiven Betreuungsmöglichkeiten beim Vater, seine Förderungsbereitschaft und Eignung zur Erziehung
!!! die Bindungen und die Wünsche des Kindes
!!! die gefühlsmäßigen Bindungen des Kindes an den Vater und an andere Bezugspersonen müssen berücksichtigt, also vom entscheidenden Gericht ermittelt und gegeneinander abgewogen werden."
Steht zum Vater der Lebensgefährte der Mutter in Konkurrenz oder die Eltern der Mutter, so wird das Gericht alle Umstände einzeln abwägen und eine Schwerpunktentscheidung zugunsten des Vaters oder der anderen Bezugsperson treffen, nach dem Grundsatz, bei welcher Person die geistig seelische, emotionale und charakterliche Entwicklung des Kindes am meisten gewährleistet ist.
Sollte die Abwägung ein "Patt" ergeben, also gleichwertige Entwicklungsmöglichkeiten des Kindes beim Vater und der anderen Bezugsperson festgestellt werden, so hat der Vater verfassungsrechtlich Vorrang."


Es ist sicher nicht immer förderlich für die emotionale Entwicklung eines Kindes wenn es aus seinem Heim, seinem gewohnten Umfeld und von seinen engsten Vertrauenspersonen weggerissen wird um mit einem für ihn fremden Vater zu leben.
So einfach wie du es darstellst ist es also nicht, von wegen KV geht immer vor....

Beitrag von kerstinkueken 22.08.07 - 20:08 Uhr

Hallo Madlen,

es gibt beim Amtsgericht eine sogenannte Hinterlegungsstelle. Dort kannst Du Dein "Sorgerechtstestament" für ca. 10 € hinterlegen. Eine Kopie schickst Du ans JA, falls Du eine Beistandschaft hast. Im Falle Deines Ablebens wird das dann durch das Amt eröffnet.

Das Vormundschaftsgericht ist zwar nicht daran gebunden, es wird anscheinend stark berücksichtigt. Die Begründung im Testament ist wichtig.

Hiermit bestimme ich...blabla...(siehe Beitrag oben).
Begründung:...blabla...

Das ganze handschriftlich und mit Ort und Datum unterschreiben.

Habe es so gemacht, weil der KV meiner Tochter nur alle 6 Wochen vorbeikommt um Vorwürfe zu machen...tolle Vater-Tochter-Beziehung. Meine Eltern sieht sie mehrmals die Woche. Ich denke, dass das Vormundschaftsgericht in dem Fall in meinem Sinne entscheiden würde. Das hoffe ich zumindest.

lg

Kerstin

Beitrag von juliafranziska 22.08.07 - 21:24 Uhr

Hallo,

hier (runterscrollen) findest Du die gesetzliche Grundlage für das Testament:
http://www.umstaendehalber.com/recht/mediation.asp

In diesem Sinne,
juliafranziska

Beitrag von amely_09 22.08.07 - 22:09 Uhr

Juliafranziska-

DANKE! das ist ein toller link, sehr nützlich.

lg,

amely