Freund ALGII, ich Studentin: dazuverdienen?

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Beitrag von liran 23.08.07 - 16:10 Uhr

Hallo!

Ich hab mal eine Frage an die Experten unter Euch. Ich studiere noch und lebe von 600 Euro Unterhalt (von meinen Eltern). Mein Freund ist auch Student, aber beurlaubt, deshalb kriegt er ALG II (311,-). Unsere Tochter bekommt auch ALG II, zumindest das, was nach Abzug ihres "Einkommens" (Kindergeld) übrig bleibt. Mann und Kind bekommen außerdem anteilig den Mietzuschuß, also 2/3 der Gesamtmiete.
Nun habe ich eventuell die Chance, 200 Euro dazu zu verdienen. Das Geld könnten wir dringend brauchen, allerdings bin ich dabei, mein Studium zu beenden (was mit Kleinkind zuhause schon schwer genug ist) und kann mich wirklich nur freimachen, wenn es sich auch lohnt. Darf ich also, als nicht ALG II-beziehender Teil unserer Bedarfsgemeinschaft 200 Euro monatlich mehr auf dem Konto haben, ohne daß die ARGE meinem Freund etwas abzieht?
Unsere ARGE-Sachbearbeiter brauche ich da gar nicht zu fragen, die sind mit der Konstellation Studenten-trotzdemALGII-und-Kind ziemlich überfordert.
Wäre ganz klasse, wenn mir jemand antworten könnte, der da durchblickt.

Vielen Dank schon mal,
liran

Beitrag von goldtaube 23.08.07 - 16:44 Uhr

Es ist ganz einfach. Du gehörst zur Bedarfsgemeinschaft mit Ausschlussgrund. D. h. du kannst kein ALG II bekommen, da du Studentin bist.
Du darfst deinen Bedarf selber verdienen. Sprich 312 Euro + 1/3 Miete + 1/3 Heizkosten.

Der Unterhalt deiner Eltern zählt als dein Einkommen und wird natürlich angerechnet. Von den 200 Euro hast du einen Freibetrag von 120 Euro. 80 Euro würden wiederum angerechnet. Beträgt der Unterhalt deiner Eltern an dich und die 80 Euro anzurechnendes Einkommen mehr als dein ALG II Bedarf, dann wird das was du drüber liegst, bei deinem Freund und deiner Tochter angerechnet.

Beitrag von liran 23.08.07 - 17:00 Uhr

Danke erstmal für die superschnelle Antwort!

Wenn ich das richtig verstanden habe, darf ich also nicht mehr Geld monatlich haben als das, was laut ARGE mein Bedarf ist: also 312,- + Mietanteil + Heizkosten.
Mein Bedarf ist demnach durch den elterlichen Unterhalt in Höhe von 600,- ziemlich genau gedecktl, davon kann ich genau 1/3 der Miete + Nebenkosten zahlen und habe noch ungefähr die 312,- übrig.
Wenn ich also mit den 80 anzurechnenden Euro auch 80,- über meinem Bedarf liege, bekommen Freund und Kind zusammen 80,- weniger, stimmt das so?
Das heißt, wenn man alles, alles (ALG II, Unterhalt, Nebenjob) in einen Topf wirft (und das tun wir natürlich), hätten wir drei mit meinem 200€-Job 120 Euro mehr im Monat.
Hab ich das richtig verstanden?
Und läuft das dann so, daß ich der ARGE bei Arbeitsbeginn mitteile, daß ich als Teil der BG nun 200 Euro mehr im Monat habe?
Und was wäre eigentlich, wenn meine Eltern mir den Unterhalt kürzen (das worst-case-Szenario), dürfte ich dann den Dazuverdienst komplett behalten, wenn ich damit nicht über meinem Bedarf liege?

Fragen über Fragen... Tut mir leid, daß das alles so kompliziert ist bei uns. Nächstes Jahr bin ich endlich fertig mit dem Studium und dann sind wir hoffentlich auch die ARGE los (und die uns!), Gott sei Dank!

Beitrag von goldtaube 23.08.07 - 17:18 Uhr

<<eenn ich das richtig verstanden habe, darf ich also nicht mehr Geld monatlich haben als das, was laut ARGE mein Bedarf ist: also 312,- + Mietanteil + Heizkosten.
Mein Bedarf ist demnach durch den elterlichen Unterhalt in Höhe von 600,- ziemlich genau gedecktl, davon kann ich genau 1/3 der Miete + Nebenkosten zahlen und habe noch ungefähr die 312,- übrig.
Wenn ich also mit den 80 anzurechnenden Euro auch 80,- über meinem Bedarf liege, bekommen Freund und Kind zusammen 80,- weniger, stimmt das so?
Das heißt, wenn man alles, alles (ALG II, Unterhalt, Nebenjob) in einen Topf wirft (und das tun wir natürlich), hätten wir drei mit meinem 200€-Job 120 Euro mehr im Monat.
Hab ich das richtig verstanden? <<

Richtig!!!!!

<<Und läuft das dann so, daß ich der ARGE bei Arbeitsbeginn mitteile, daß ich als Teil der BG nun 200 Euro mehr im Monat habe? <<
Du musst dies mitteilen, sobald du weißt wann du arbeiten gehst und du musst ihnen auch mitteilen, wann dein Gehalt das erste Mal auf dem Konto ist, da es erst in dem Monat angerechnet werden darf wo es auf deinem Konto eingeht.
Ich hoffe das du den Unterhalt deiner Eltern auch angegeben hast bei der ARGE, sonst könnte es da irgendwann Ärger geben.

<<Und was wäre eigentlich, wenn meine Eltern mir den Unterhalt kürzen (das worst-case-Szenario), dürfte ich dann den Dazuverdienst komplett behalten, wenn ich damit nicht über meinem Bedarf liege?<<

Wenn du z. B. einen ALG II Bedarf von 600 Euro hast und deine Eltern zahlen dir z. B. nur noch 350 Euro Unterhalt. Dann dürftest du die 200 Euro komplett behalten. Wenn deine Eltern dir noch 450 Euro Unterhalt zahlen würden, dann dürftest du die 200 Euro ebenfalls behalten. Da ja nur 80 Euro anzurechnen sind. Sprich 450 + 80 = 530 Euro. Du liegst somit immer noch unter deinem Bedarf. Du hättest in dem Fall 450 Euro + 200 Euro und dein Freund und euer Kind bekämen weiterhin das normale ALG II wie bisher.

Beitrag von liran 23.08.07 - 17:27 Uhr

Super, jetzt hab ich´s verstanden!

Herzlichen Dank nochmal!

P.S. Natürlich weiß die ARGE von meinem Unterhalt, wir mußten ja alles angeben bei der Antragstellung inkl. Kopien der Kontoauszüge von uns beiden. Selbst wenn ich gewollt hätte, hätten wir da nix verheimlichen können - abgesehen davon, daß ich dann keine Nacht mehr hätte ruhig schlafen können.

Beitrag von maeuschen06 23.08.07 - 20:13 Uhr

Hallo,

mit der Kürzung der Eltern wäre ich sehr vorsichtig. Zunächst riecht das richtig nach Betrug, wäre es ja auch (du bekommst das Geld dann eben in bar, wenn du mal ehrlich bist).

Außerdem müssen dir deine Eltern die Ausbildung finanzieren, dh. wenn Gelder gekürzt werden, wird dich die Arge zwingen, deinen Anspruch notfalls gerichtlich durchzusetzen. Einfach kürzen ist damit nicht und ob du deine Eltern verklagen willst ...

Warum geht eigentlich dein Freund nicht arbeiten? Das Kind kannst du doch wunderbar an der Uni in der Krippe abgeben! Dann müsst ihr nicht von anderen leben und habt eigenes Geld.

lg