Hat jemand Ahnung vom "Lesen" bzw. Deuten eines Arbeitszeugnisses

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von lunaleila 23.08.07 - 20:47 Uhr

Guten Abend liebe urbianer,

ich bin seit 7 Jahren bei einer Firma beschäftigt. Mein unmittelbarer Vorgesetzter verläßt in wenigen Wochen das Unternehmen. Aus diesem Grunde habe ich mir ein Zwischenzeugnis erstellen lassen.

Hat jemand Erfahrung / Ahnung, ob mir ein gutes Zeugnis bescheinigt wurde? Es gibt doch da gewisse "Fallstricke", die zunächst formuliert ganz positiv klingen, aber unter "Insidern" sich dann als negative Bewertungen entpuppen.

Könntet Ihr mal bitte drüber schauen und sagen, ob da negative Punkte drin enthalten sind? Mir fiel z.B. das "zur vollen Zufriedenheit" auf. Es sollte doch bei sehr guten Leistungen eher "zur vollsten Zufriedenheit" heißen?!?

Zunächst wurden stichpunktartig die Aufgaben angeführt, wie

- Hauptverantwortliche zur Betreuung von....
- Planung, Erstellung und Überarbeitung von ...
Mitwirkung an...
- Planung und Organisation von...

danach meine Kenntnisse (spez. IT-Wissen)

und abschließend die eigentliche Beurteilung:

... führt alle Aufgaben mit Elan aus und realisiert mit großem persönl. Einsatz beharrlich die gesetzten Ziele. Hierbei arbeitet sie teamorientiert und ist im Team anerkannt.

Die Anmforderungen ihrer Position bewältigt sie auch bei starkem Arbeitsanfall stets mit sehr guten Ergebnissen.

Aufgrund ihres guten Fachwissens erzielt sie überdirchschnittliche Erfolge bei Ihrer Arbeit. Dabei war ihr Arbeitsstil geprägt von hoher Effizienz und Sorgfalt. Dies zeigt sich auch in ihren Arbeitsergebnissen, die sich stets durch eine hohe Qualität auszeichnen.

Die ihr übertragenen Aufgaben hat sie stets zu unser vollen Zufriedenheit gelöst.

Besonderen Einsatz und Engagement zeigte sie auch bei der Mitwirkung an ...

Mit ihrem freundlichen Wesen sorgt sie für ein gutes Betriebsklima. In den Kontakten zu unseren Geschäftspartnern erweist sie sich stets als umsichtige und kompetente Gesprächs- und Verhandlungspartnerin. Ihr Verhalten gegenüber dem Unternehmen, Vorgesetzten und Kollegen war stets einwandfrei.

Dieses Zwischenzeugnis wurde auf Verlangen von Frau... ausgestellt. Wir wünschen auch weiterhin eine gute Zusammenarbeit.

Danke für Eure Vorschläge/Anmerkungen!

LG, lunaleila

Beitrag von elin666 23.08.07 - 21:45 Uhr

Hallo!

Klingt erstmal nicht schlecht, was mir hier aber etwas bitter aufstösst sind Details wie:

"...auch bei starkem Arbeitsanfall stets mit sehr guten Ergebnissen...",
" Die ihr übertragenen Aufgaben hat sie stets zu unser vollen Zufriedenheit gelöst.",
"Hierbei arbeitet sie teamorientiert und ist im Team anerkannt."

Das läßt bei mir durchscheinen, dass du erstens nur mit Hilfe anderer was zustande kriegst, allein siehts schlecht aus. Zweitens, halt nur zur vollen Zufriedenheit arbeitest und nicht zur vollsten - also so lala. Und eben nur zu sehr guten Ergebnissen kommst und nicht zu Spitzenergebnissen.
Es wirkt etwas lasch!
Da würde ich noch mal beim Chef nachhaken. Denn der evtl. nächste AG sieht das mit Sicherheit ähnlich wie ich.

Sorry, das ich dir nix besseres schreiben kann.

LG


Beitrag von lunaleila 23.08.07 - 21:56 Uhr

Danke, liebe Elin,

daß Du Dir die Mühe gemacht hast, das Zeugnis durchzulesen.
Ich stimme Dir zu, einige Sätze sind wirklich sehr merkwürdig formuliert und sogar negativ behaftet.

Vielen lieben Dank Dir! Ich werde morgen nochmal mit meinem Chef darüber sprechen. Wegen eventueller Einwände meinerseits hatte er mir diesen Entwurf auch vorab schon ausgehändigt.

LG, lunaleila

Beitrag von lunaleila 23.08.07 - 21:59 Uhr

Hallo elin,

ich bins nochmal. Kannst Du mir bitte nochmal eins erklären:

"...auch bei starkem Arbeitsanfall stets mit sehr guten Ergebnissen...",

wieso findest Du diesen Punkt nicht so toll? Oder wie sollte/könnte er besser formuliert werden? Kannst Du mir da bitte nochmal helfen?

Tausend Dank!

LG, lunaleila

Beitrag von elin666 23.08.07 - 22:07 Uhr

<<<"...auch bei starkem Arbeitsanfall stets mit sehr guten Ergebnissen...">>>

Besser wäre es, wenn da dann stehen würde "mit besten Ergebnissen".

Es ist eigentlich immer so, dass vom Optimum gesprochen werden sollte, sofern es der Wahrheit entspricht ;-). Alles andere klingt lapidar und leider halt auch nicht ansprechend genug für einen neuen Arbeitgeber.

LG & nix zu danken!

Beitrag von elin666 23.08.07 - 22:12 Uhr

...und noch was, was mir missfallen würde:

"... führt alle Aufgaben mit Elan aus und realisiert mit großem persönl. Einsatz beharrlich die gesetzten Ziele."

Das klingt bissel nach, sie versucht und versucht und versucht.... . Dieses "beharrlich" kommt schlecht rüber!
Ich hoffe, du weißt, was ich meine.
Evtl. drückt sich dein AG aber halt nur so aus und meint gar nicht DAS, was andere AG dann mißverstehen würden.


Beitrag von lunaleila 23.08.07 - 22:37 Uhr

Dankeschön, liebe elin!!!
Das klingt sehr logisch, was Du schreibst. Ich sehe das mittlerweile genau so. Anfangs hatte ich ein etwas komisches (eher ungutes) Gefühl, als ich das Zeugnis erhielt. Ich denke, mein Chef hat einfach noch nie ein Zeugnis geschrieben und vielleicht wollte er das damit gar nicht so ausdrücken. Ich spreche ihn auf jeden Fall morgen drauf an, was er mir für ein Zeugnis (Note) damit bescheinigen wollte. Dann kann es ja nochmal korrigiert werden.

LG, lunaleila

Beitrag von elin666 23.08.07 - 22:58 Uhr

Genau, mach das mal und wenn er ein halbwegs netter Zeitgenosse ist, sieht er deine Bedenken auch ein.

Ich denke schon, dass er mit dir zufrieden ist. Aber teilweise sind auch die Chefs nicht ganz so bewandert, was das Zeugnis- Schreiben anbelangt. Blöderweise versteht es dann ein anderer AG komplett anders und man (Frau) hat keine Chance, obwohl er/sie doch eine absolute Fachkraft ist.
Jaja, der Schriftverkehr und seine Tücken.... im Internet oftmals zu "bewundern". *lach*

Ich wünsche dir alles Gute und ein evtl. doch eindeutig besseres Zeugnis!

E.

Beitrag von supergirli1985 23.08.07 - 23:26 Uhr

Hi!

Schau mal hier, da steht einiges von dir drin.

http://www.bau-job-online.de/arbeitszeugnis.html

Lg Micha

Beitrag von anja96 24.08.07 - 10:33 Uhr

Hi,

was mir aufgefallen ist: zur vollen Zufriedenheit - ist nicht so ganz gut. Es müßte zur vollsten Zufriedenheit heißen. Außerdem das mit dem Betriebsklima: Soviel ich weiß bedeutet es, daß jemand eine Tratsche ist.

LG, Anja

Beitrag von bezzi 24.08.07 - 12:42 Uhr

Das Zeugnis ist alles in allem eine Note 1 - 2.

Ich wäre damit sehr zufrieden und würde meinen Chef deswegen nicht mehr behelligen.

Wenn ich hier lese, dass "sehr gut" nicht gut genug ist, kann ich nur den Kopf schütteln.

Beitrag von kruemlschen 24.08.07 - 13:48 Uhr

Hallo Lunaleila,

ich kann ela da in keinster Weise zustimmen. Dein Zeugnis hat die Gesamtnote 1-2.
Es wurde sich hier eben an die sog. "Textbausteine für Zeugnisse" gehalten.

Wenn da steht zu unserer vollen Zufriedenheit ist das die Note 2, vollste Zufriedenheit wäre eine 1.

der Satz

"... führt alle Aufgaben mit Elan aus und realisiert mit großem persönl. Einsatz beharrlich die gesetzten Ziele. Hierbei arbeitet sie teamorientiert und ist im Team anerkannt."

Bedeutet, dass Du sehr motiviert bist und die Dir gesteckten Ziele auch erreichst bzw. solange daran arbeitest bis sie erreicht sind und dass Du super mit einem Team zusammen arbeiten kannst.

Auf keinen Fall heißt das, dass Du nicht alleine arbeiten kannst.

Ich finde Du kannst mit diesem Zeugnis sehr zufrieden sein und ich denke nicht, dass es hier nochmal Gesprächsbedarf mit Deinem Vorgesetzten gibt.

Lg Krüml
(4 Jahre Erfahrung in der Personalabteilung)