In Liebe wachsen - Schlaftraining mit Gewissenskonflikt?

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von missfantasy 24.08.07 - 10:06 Uhr

Hallo! Kennt jemand von Euch das Buch in Liebe wachsen von Carlos Gonzales? Im Grunde finde ich es ganz gut aber wie soll man das alles realisieren?

Er schreibt, warum Kinder weinen und warum sie sich so verhalten wie sie es tun (am Rockzipfel hängen, streiten,..) und ergreift Partei für sie. Wirklich gut wie er es erklärt. Dann sagt er über das Familienbett, dass das die einzige gute Sache sei, wie ein Kind schlafen sollte: Dicht bei Mama! Auch recht. Ich kuschel gerne mit meinem Sohn. ABER: Ich will nicht um sieben abends ins Bett oder am Vormittag oder Mittag schläfchen halten! Das geht echt nicht! Und gegen Einschlafen lernen ist der Autor total, das grenzt bei ihm an Kindesmisshandlung! Also, ich darf demnach mein Kind nicht abend in sein Bett legen und ihn einschlafen lassen, wenn ich nicht dabei bin.

Was soll ich davon halten? Ich brauche die Zeit abends dringend, da ich noch berufstätig bin und am Abend die Arbeit machen muss, die meine Kollegen am Tag machen (da wo ich zu 100% für mein Kind da bin!).
Hat jemand ähnlich Probleme? Gewissenskonflikte mit Schlaftraining?

Viele Grüße

Beitrag von galeia 24.08.07 - 10:17 Uhr

Schlaftraining? #kratz

schlafen ist ein natürliches Bedürfnis und sollte m. M. nach auch so behandelt werden.

Wir haben nie ein Schlaftraining gebraucht. Meine Tochter schläft seit ihrer Geburt in ihrem Bett. Meistens schläft sie gut (alleine) ein und auch durch, phasenweise sieht es anders aus, dann darf sie auch gerne mal bei uns einschlafen oder auch bei uns schlafen, z. B. wenn sie krank ist.

Bin ich eine Rabenmutter #gruebel - Nein, ganz sicher nicht! Denn mir und meiner Tochter geht es sehr gut dabei #schein

LG H. #klee

Beitrag von ayshe 24.08.07 - 10:43 Uhr

ich mag gonzalez sehr, schätze seine einstellung...


du mußt ja nicht dabeisein, wenn:

dein kind auch problemlos (ein)allein schlafen möchte!
dein kind zb schon eingeschlafen ist, dich nur zum enschlafen braucht.


"schlaftrainings" basieren grundsätzlich af derselben methode:
kind dazu bringen, da es darauf verzichtet, seine bedürfnisse einzufordern und zu bekommen, sondern eben tut, was man verlangt.
und DAS ist echt übel, denn ein kind das letztlich zum allein (ein)schlafen gezwungen wurde (völlig egal wie "sanft";-) ob mit dauergebrüll bis zum kotzen der einfach nur unendlch traurig und stumm), gibt es auf, seine instinktiven bedürfnisse zu fordern und erleben zu dürfen.
es paßt sch an, weil es gelernt hat, daß ihm eben niemand seine instinktien bedürfnsse erfüllen will, fertig.

und DAS wiederum kann eben seinen ganzen charakter prägen und auswirkungen haben.



lg
ayshe

Beitrag von thea21 24.08.07 - 15:12 Uhr

Ist es also auch dann schädlich wenn mein Kind monatelang immer alleine einschlief, IMMER, NIE brüllte und aufeinmal ALL das tat?

Ich habe geschlagene 3 Wochen IMMer an ihrem Bett verbracht und gewartet bis sie in meinem Beisein völlig beruhigt einschlief.. nur wurde sie eben auch Nachts wach weil sie merkte: NIEMAND DA!

Irgendwann merkte ich das sie WEIß das ich komme wenn sie schreit und eben nur vergewissern will das ich da bin, was ich JEDERZEIT bin wenn sie es verlangt.

Nun mache ich es seit 3 Tagen so das ich sie hinlege, sage ich bin da (davor Ritual, ala kuscheln, lesen ect) und gehe.. sie schrie am ersten Tag. ich bin alle 3 Minuten rein und habe ihr gezeigt: Mama ist da...

Gestern, also am dritten Tag weinte sie garnicht mehr sondern plauderte FRÖHLICH im Bett bis sie einschlief.

Ist das jetzt grausam meinerseits? Ich denke nicht.

Sie ist 19 Monate alt und hat einfach nun eine Phase durchlebt in der sie lernen musste das ich da bin auch wenn ich nicht bei ihr bleibe zum einschlafen. Das ist in meinen Augen ein wichtiger Prozess der durchlaufen werden muss und mit diesem ICH BLEIBE IMMER BEI DIR BIS DU EINGESCHLAFEN BIST arg verlängert wird, eben weil sie es SO nicht lernen.

Und wie gesagt, ich rede von meiner 19 Monate alten Tochter, nicht von einem Säugling....

Beitrag von dawn79 24.08.07 - 20:12 Uhr

Du vergißt aber bei Deiner Einschätzung von ihr, dass Kinder frühestens mit 18 Monaten Objektpermanenz entwickeln. D.h. sie fängt erst dann an zu wissen, dass Du da bist, auch wenn sie dich nicht sieht. Die 3 Minuten Schreien haben ihr vermutlich nicht geschadet, aber Deine Einstellung schadet ihr evtl.
Weil Du die Dinge falsch interpretierst. Sie wacht nicht in der Nacht auf und weint, weil niemand da ist. Sie wacht einfach auf, kennt sich nicht aus - und weint. Und natürlich weint sie nach Dir, aber nicht weil Du am Abend zuvor am Bett gesessen bist.
Sondern weil Du eben die Mama bist. Und nach der wird auch geweint, wenn sie hinfällt und sich den Kopf stößt. Und das eben auch, wenn Du sie beim letzten Mal nicht getröstet hast. Kinder denken nicht moralisch, sie überlegen nicht "ach jetzt könnte ich nach der Mama schreien, denn gestern hats ja auch geklappt".
Sie weinen einfach.
Wenn Deine Tochter 16 ist und nach Dir ruft , Dich braucht, dann kannst Du auch nicht einfach aus dem Zimmer gehen und sie schreien lassen. Dann musst Du auch zu ihr gehen und gleichwürdig mit ihr umgehen, mit ihr die Kommunikation suchen, die Beziehung leben. Und meiner Meinung nach sollte man damit schon anfangen, sobald das Kind auf der Welt ist.

Beitrag von thea21 24.08.07 - 20:55 Uhr

Ich gebe dir sicherlich in einigen Punkten Recht, und sehe es ebenfalls so das man als Mutter für sein Kind da sein sollte.

Aber ebenso sollte man zwischen den Kindern differenzieren.

JEDES Kind ist anders, ebenso meine Tochter.

ALLES was bestimmte Sachen angeht bedarf bzw hat Richtlinien. So eben auch Wahrnehmungen bzw das denken.

ABER ich kenne mein Kind eben am besten, ich weiß wie ich bestimmte Schreiweisen interpretieren kann und sollte.

Und bei dieser Sache habe ich GANZ klar mitbekommen das SIE mit ihrem Schreien ihren Willen durchsetzen wollte. Sie WOLLTE das ich da bleibe.

Ich bin gerne und jederzeit für sie da, das steht doch außer Frage.

3 Wochen lang habe ich mich TAG und NACHT nur um sie gekümmert, weil sie wirklich Probleme hatte (ging mit ner "Krankheit" einher. Wenn sie krank ist gibt es Ausnahmen.

Nachdem das beendet war, war sie weitere anderthalb Wochen permanent bei mir.

Kaum einen Millimeter vom Bett wegbewegt Geschrei...Irgendwann und das merkt man als Mutter, da wirst du mir Recht geben, schrie sie WÜTEND ohne Ende. Sie war wütend das sie mit dem Geschrei nicht mehr das erreichte was sie vorher (also in der Krankphase) erreichte.

Als sie aber durch permanente Zuwendung merkte: ich bin da für sie, auch wenn ich eben nicht "nach ihrer Pfeife" tanze, war sie zufrieden...und das merke ich eben daran das sie seit TAGEn zufriedener ist, ausgeschlafen, keine Schreiattacken beim einschlafen und friedlich plaudernd im Bett weil sie sich sicher fühlt.

Über die Nachtsache brauchen wir doch garnicht reden....Davon fing ich auch garnicht an...ich redete von EINSCHLAFEN.

Das Durchschlafproblem was wir hatten behob sich SOFORT als das Einschlafproblem gelöst war.

Kurz also nochmal: Es gibt keine Allgemeingültigkeit, bei KEINER Sache und so behandel ich auch meine Tochter, weil sie eben, wie viele andere Kinder NICHT der Norm entspricht.

Und das wird jede Mutter bestätigen, denn JEDE Mutter kennt im Normalfall ihr Kind eben am Besten.

Ich bin auch nicht seit gestern Mama, sondern lerne sie nun schon knappe 20 Monate kennen, live, mit allen Facetten und so lernt man auch automatisch, wenn man auch etwas Selbstvertrauen in SICH und sein Kind hat mit verschiedenen Situationen umzugehen.

Thea

Beitrag von ayshe 27.08.07 - 21:31 Uhr

##
Und bei dieser Sache habe ich GANZ klar mitbekommen das SIE mit ihrem Schreien ihren Willen durchsetzen wollte. Sie WOLLTE das ich da bleibe.
##
das einzig interessante ist doch die frage WARUM????
WARUM will sie dich? oder braucht sie dich???

Beitrag von thea21 24.08.07 - 20:59 Uhr

Entschuldige, da ich oben in meinem ersten Posting nicht alles erzählte, war ich jetzt leicht verwirrt, verzeih meinen SAtz mit der Nacht, ist für dich so rübergekommen.

Thea

Beitrag von ayshe 27.08.07 - 21:28 Uhr

sehe ich auch so :-)


ja, und zusätzlich haben kinder eben auch selber entwicklungsphasen, die ihnen angst machen können,
oder sie haben überhaupt plötzlich ängste, die sie früher nicht hatten usw.

janina hat jetzt die hexen-monster-gespenster-raubtierzeit erreicht.
das haus ist voll davon ;-)
und oft müssen wir sie erst alle rausschmeißen usw.
auch wieder eine neue art angst.


lg
ayshe

Beitrag von dasissjakompliziert 24.08.07 - 11:41 Uhr

ich hab das buch anders verstanden-viell. solltest du es nochmal lesen: er grenzt sich von den gängigen erziehungsmethoden ab, die der kindlichen psyche schaden können..und beim "schlafenlernen" ala ferber gehts ja um dosiertes schreienlassen, wovon wiss. nachgewiesen ist,dass es schädlich sein kann!hab ich auch schon in anderer Lit. gefunden

Beitrag von dawn79 24.08.07 - 20:17 Uhr

Ich denke, das Buch muss vielleicht mehrmals gelesen werden. Der Autor grenzt sich eben von bisherigen Erziehungsmethoden ab. Er erkennt schon richtig, dass Kinder, die weinen, am Rockzipfel hängen, keine Verbote sondern Kontakt brauchen. Ich empfehle Dir Jesper Juul (z.B. "die kompetente Familie") zu lesen, der geht in eine ähnliche Richtung und lässt sich aber leichter lesen, finde ich. Es ist eben weder die antiautoritäre noch die autoritäre Erziehung, es geht um ganz andere Prinzipien. Ist man anders aufgewachsen, dann versteht man das nicht auf den ersten Blick, was die Autoren damit meinen. Er verteilt keine Verbote, er sagt nicht sitzt neben eurem Kind, immer immer immer. Sondern er spricht sich zurecht gegen Schlafmethoden aus, die nicht auf Interaktion mit dem Kind beruhen, sondern auf Distanz und Macht.

Beitrag von ratpanat75 25.08.07 - 03:01 Uhr

Hallo,

ich habe das Buch irgendwie anders verstanden #kratz ( ich habe es auf spanisch gelesen).

Gonzalez erklärt genau, warum Kinder bestimmte Verhaltensweisen an den Tag legen und animiert die Eltern dazu, auf die Bedürfnisse ihrer Kinder einzugehen.

Aber das heisst nicht, dass du jede Minute neben deinem Sohn liegen musst, wenn er schläft #gruebel.

Die Bedürfnisse können sehr unterschiedlich sein, wenn dein Sohn sich dabei wohl fühlt, alleine einzuschlafen, ist auch nichts dagegen einzuwenden.
Etwas anderes ist es, seine Bedürfnisse zu ignorieren und ihm deine Nähe zu verweigern, wenn er sie einfordert.

Das Einschlafen ist etwas natürliches, was nicht beigebracht werden kann/ muss/ soll, es ist ein Reifeprozess, der individuell völlig unterschiedlich ablaufen kann.

LG

Beitrag von 400 25.08.07 - 19:56 Uhr

Hi,

ich will ja jetzt nicht kritisieren, aber du hast doch einen Kopf, oder? Die Vorschläge in dem Buch müssen nun wirklich nicht sklavisch befolgt werden. Zieh dir doch das raus, was sinnvoll ist. Gonzales übertreibt meiner Meinung nach ein bißchen...

Und was das Schlafen angeht: er meint damit das kontrollierte Schreienlassen. Und da schließe ich mich an: das ist respektlos dem Kind gegeüber und grenzt an Kindesmißhandlung. Wenn es aber kein Problem für das Kind ist, alleine ins Bett zu gehen, dann würde ich mir keinen Kopf darüber machen.

Gruß, Suzy

Beitrag von lullabeyn 26.08.07 - 20:20 Uhr

Ich habe zwar keines der o. g. Bücher gelesen, möchte dir aber gerne mitteilen, wie es bei uns geklappt hat.

In der ersten Zeit ist mein Kleiner nur AUF #schock mir eingeschlafen und hat auch nur da geschlafen. Sehr unbequem, aber was tut man nicht alles. Nach ein-zwei Wochen habe ich ihn, wenn er eingeschlafen war neben mich ablegen können (hab 2-3 Tage probieren müssen, bis ich den richtigen Zeitpunkt erwischte). Dann wieder warten und er ist NEBEN mir eingeschlagen. Wieder einige Wochen später konnte ich in schlafend in sein Bett in unserem Schlafzimmer umbetten. Dann nach ein paar Monaten in sein Zimmer. Dann wieder später ist er IN seinem Bett eingeschlafen wenn ich daneben sass. Und wiederum später habe ich versucht nach dem Abendritual aus dem Zimmer zu gehen, obwohl er noch wach war. Wenn er anfing zu weinen, wußte ich, er ist noch nicht so weit, also wieder ans Bett gesetzt und gewartet, bis er einschläft. Das jeden Abend. Und was soll ich sagen. Seit ein paar Monaten hat er kein Problem mehr, dass ich aus dem Zimmer gehe, obwohl er noch wach ist. Er schläft ganz friedlich ein. Ich denke, so wie für`s Krabbeln und Laufen gibt es auch für das Schlafen einen "richtigen" Zeitpunkt. Man muß halt nur die Signale seines Kindes deuten. #freu

Liebe Grüße
Nadja + Mark Eric (02.02.06, der friedlich schlummer) + #ei (6. Woche)

Beitrag von missfantasy 27.08.07 - 09:19 Uhr

Hallo!

Danke für die netten Antworten und die eigenen Erfahrungen. Im Grunde macht man ja eh wie man es für richtig hält, aber es ist oft schwierig wenn man von allen Siten "gute" Tipps und Infos bekommt. Und beim ersten Kind ist man ja auch oft ratlos und unsicher...

Danke und alles Gute an alle!