Welche Chancen hat frau noch als 2fach-Mama in einem Karriereberuf?

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von doppelherz 24.08.07 - 18:31 Uhr

Hallo Zusammen,

ich habe zwei kleine Kinder (5 Monate und 2,5 Jahre) und arbeite im Augenblick auf 400-EUR-Basis für meinen gängigen Arbeitgeber (Werbeagentur), da ich 1. auch weiterhin im Job bleiben will und 2. auch das Geld brauche. Allerdings läuft der Job von daheim aus (mache Outbound - Telefonverkauf).

Die Elternzeit für unseren Lütten läuft zwar noch bis 2010, aber ich möchte schon wesentlich früher - vielleicht schon kommendes Jahr? - wieder halbtags oder an mehreren Tagen voll wieder in meinem eigentlich Job in der Werbung (Kundenberatung, Präsentation, Konzeptarbeit) arbeiten. Problem ist aber, dass mein AG lockere 1,5 Autostunden von uns entfernt sitzt (und ich keinen Führerschein habe #hicks) und es sich eigentlich nicht lohnt, dann halbtags dort vor Ort zu arbeiten, da ich für die ganze Zeit (bin dann fast einen normalen Arbeitstag außer Haus - arbeite aber nur halbtags) zuwenig verdiene. Zudem ist mein Job nicht so ganz "pünktlich" und freundlich - man muss sich schon sehr einbringen, anstrengen, die Ellenbogen aufstellen und auch für Mehrarbeit offen sein - was problematisch ist, wenn man auch noch seine Kinderbetreuung und Familie im Auge behalten muss. Vollzeit meinen Outbound-Job machen möchte ich aber eigentlich nicht, weil ich schon ganz gern in meinen eigentlichen Beruf zurück will. Ihr versteht jetzt vielleicht das Dilemma?

Nun bin ich am überlegen, mich neu bei mir vor Ort zu orientieren. Doch wie sehen meine Chancen aus? Meine beiden Kleinen lassen sich nicht wegwünschen - natürlich werde ich durch zu buchende Tagesmutter, Kindergarten für die Große und ein wenig Organisation beide Kiddies unterkriegen können, aber so überstundenfreudig, flexibel und einsatzfreudig wie eine kinderlose Frau bin ich natürlich nicht.

Was meint ihr? Hat man heutzutage als Zweifach-Mami von Kleinkindern noch die Chance, in einen typischen "karriereüberstundenundellenbogen"-Beruf wieder einzusteigen oder laufen Bewerbungen ins Leere? Muss ich mich mit dem Abstellgleis Outbound auf 400-EUR begnügen?

Vielen lieben Dank schonmal im voraus von
Simone #blume

Beitrag von bi_di 24.08.07 - 19:25 Uhr

Interessante Arbeit kannst Du auch als Mutter noch finden.

Aber auf dieses sinnbefreite 'Ich-mache-am-meisten-Überstunden-aber-nur-so-das-es-alle-mitkriegen'-Getue kann ich seit meinen Kindern noch weniger als vorher.
Ich sehe es nicht ein, meine wertvolle Zeit mit irgendwelchem Karrieregehabe zu verschwenden. Wenn wirklich Wichtiges zu tun ist, nehme ich es halt mit nach Hause und setze mich dran, wenn die Kinder schlafen. Und ansonsten bin ich gar nicht bös drum, wenn die 'gestern-Abgabetermin'-Projekte einen Bogen um meinen Tisch machen ;).
Die vermeintliche Karriere mit dickem Auto und der stetigen Panik vor wackelnden Stühlen überlasse ich gerne übermotivierten Uni-Absolventen. Es gibt wirklich wichtigere Dinge im Leben.

Grüsse
BiDi

Beitrag von schnuffikatze 24.08.07 - 19:38 Uhr

Hallo Simone,

wenn du das wirklich willst, ist es auch zu schaffen. Man muss sich nur auf Arbeit selbständig sehr stark organisieren, unabhängig bleiben, von irgendwelchem Terminchaos.
ICh sage das nicht nur so dahin. ICh spreche aus Erfahrung. Ich habe vor 8 Monaten mein erstes Kind bekommen und hab 5 Wochen nach der Geburt wieder angefangen zu arbeiten, zunächst Stundenweise. Es ist machbar, ich denke aber immer im Vorfeld schon über alle möglichen Eventualitäten nach und organisiere mich sehr Terminorientiert.
Zunächst würde ich dir aber dringend anraten den Führerschein zu machen, dann klappts auch mit der Karriere.

Liebe Grüße

Annett und Una (27.12.2006)

Beitrag von __corazon__ 24.08.07 - 19:54 Uhr

Hallo,
vergiss es. Es ist utopisch. Ich kann mir nicht vorstellen, wie Du im gleichen Tempo weiterkommen könntest, wie VZ-Kollegen.

Ich schreibe mal aus der anderen Perspektive. Ich war jahrelang die einzige im Team, die Vollzeit gearbeitet habe. Alle anderen waren 50%-Muttis, die Kinder wurden alle ZU HAUSE von den Großeltern versorgt, also fast uneingeschränkte Flexibilität bei der Betreuung.

Meine Erfahrung waren:
- es ging enorm viel Arbeitszeit für Absprachen, Arbeitsübergaben, Einweisungen usw. drauf. Ist ja klar, da sie weniger oft da waren, musste alles genauer übergeben und so hinterlassen werden, dass im Notfall jeder andere den Job hätte machen können. Übrigens war ich meist der Dussel, dem alles in die Hand gedrückt wurde, denn ich war ja immer da. Die Halbzeit-Mamas, die sich je eine Stelle teilten, begegneten sich ja auch nie an der Arbeit.
Ich hatte nicht selten das Gefühl, dass dieses Job-Sharing auf meinem Rücken und auf dem Rücken des Arbeitgebers ausgetragen wurde. Was letztlich auch ein Faktor war, diesen Job aufzugeben, da ich von der Situation mehr und mehr frustriert war.
Mein Chef hat das auch mitbekommen und war wenig begeistert.

- es war wie bei Dir ein kundenorientierter Beruf. Und die meisten Kunden hatten oft nun mal keine Lust, speziell auf Frau SoundSo zu warten, sondern wollten bei Bedarf und sofort bedient werden. Daher ging manches Geschäft eben an den Mamas vorbei.

- sie haben vieles vom Geschehen oft einfach nicht mitgekriegt, weil sie nicht anwesend waren. Punkt.

- dann gab es öfters mal Knatsch, wenn es um die Einteilung der Arbeitszeiten ging. Die eine war hier zum Kaffeetrinken mit Kindern eingeladen, die andere wollte mit ihrem Kind zum Flötenunterricht, die nächste zum Kindergartenfest - es hat öfters gekracht, weil einer Mutter sowas natürlich wichtig ist, wichtiger als arbeiten, und das eigene Kind war dann natürlich nochmal wichtiger als das andere. Wenn es um die Urlaubsplanung ging, dann wurde es erst richtig interessant.

- und zum guten Schluss: die Einstellung gegenüber der Arbeit stimmte manchmal einfach nicht. Verstehe ich ja auch. Wahrscheinlich werde ich das auch irgendwann mal so sehen und andere Prioritäten setzen. Wenn man Mutter ist, dann sind einem eben manche Sachen wichtiger als der Job. Oder, was ich leider auch erlebt habe, der Job wurde nur halbherzig gemacht, weil halt irgendwie noch Kohle reinkommen sollte, aber ohne große Ambitionen.

Ich kann das alles wie gesagt gut verstehen und werde vielleicht auch mal irgendwann andere Prioritäten setzen.
Aber ich finde es absurd, zu glauben, dass man mithalten kann gegen eine starke Konkurrenz an viel flexibleren und einsatzstärkeren Kollegen.

Man kann das als Frau jetzt mies oder ungerecht finden, wegen mir auch mutter- bzw. kinderfeindliche Gesellschaft schimpfen....
Aber letztlich herrscht hier wie überall das Gesetz "Survival of the Fittest". Einer von beiden Eltern hat nun mal die A-Karte, jobmäßig zurückstecken zu müssen. Und der einzige Ausweg aus der Misere ist entweder eine Geschlechtsumwandlung, völlig auf Kinder zu verzichten (kann ich mir aber für mich niemals vorstellen!) oder die A-Karte an den anderen Elternteil weiterzureichen.

Mein Fazit aus einer anderen perspektive als Deine:
Arbeiten geht, ja klar!
Aber Karriere kannst Du Dir erstmal abschminken.
Wobei ich Kinder und Familie aber viel erstrebenswerter finde als Karriere ;-)

LG
corazon



Beitrag von schnuffikatze 24.08.07 - 20:19 Uhr

Wobei man hier auch sagen muss, dass es deinen Kolleginnen einfach am Willen und am Interesse an der Arbeit fehlte.
Leider machen diese Damen eine schlechte Allgemeinstimmung aus. Viele Arbeitgeber wollen aus dem Grunde keine Mütter in der Firma haben, da es ja wieder solche negative Beispiele gibt. So sind aber nicht alle Mütter und wenn man will, kriegt man das auch hin. Wenn man allerdings nur wegen der Kohle arbeitet, kann man das Ganze vergessen.

ICh habe übrigens ähnliche Erfahrungen gemacht, wie du. Meine eigene Einstellung hat sich nach meinem Kind nicht geändert.

Liebe Grüße

Annett

Beitrag von doppelherz 24.08.07 - 20:35 Uhr

Hallo corazon,

puh ... sind fiese Erfahrungen. Natürlich prägen die enorm. Für mich kann ich nur sagen, dass ich meine Arbeit ernst nehme. Meine Kinder sind selbstredend wichtiger als jeder Job, aber eine Kindergartenfeier ist für mich kein Grund, eine wichtige Arbeit einfach liegen zu lassen, wenn du verstehst, was ich meine.

Mir geht es auch nicht ums Karrieremachen. Das habe ich bereits geschafft. Mir geht es nur darum, wieder in meinen Job zurückzukehren. Aber auch hier scheinen mir viele Steine im Weg zu liegen allein deswegen weil ich Mutter bin. Eben wegen solchen Erfahrungen wie du sie machen musstest. Es gibt halt viele Frauen, díe nur arbeiten gehen, damit das Geld stimmt. Ich möchte wieder arbeiten gehen, weil ich meinen Job gern mache, da er mich fordert UND es gutes Geld gibt ;-). Ist vielleicht ein kleiner Unterschied.

Versteh mich nicht falsch: ich bin auch jetzt glücklich, aber eine besser bezahlte, aufüllendere Position täte mir wie auch unserem Konto gut. Beides ist mir also wichtig.

LG von
Simone

Beitrag von bi_di 24.08.07 - 21:57 Uhr

Mmh, ganz so sehe ich das auch nicht. Obwohl ich viele Frauen kenne, die ihr 'Muttersein' gerne vorschieben, um sich dem Druck im Beruf entziehen zu können (und dann jammern, sie wären als Mütter immer benachteiligt).

Ich hatte z.B. mal eine Chefin, die hat mit Vorliebe Frauen mit Kindern eingestellt (naja, solche Mütter, bei denen aufgrund der Kinderzahl, des Alters, der Lebenssituation wahrscheinlich war, das sie nicht nochmal durch Babypause ausfallen). Weil sie viel organisierter und effektiver seien als Männer.

Grüsse
BiDi

Beitrag von janamausi 24.08.07 - 21:52 Uhr

Hallo!

Ich habe nach meiner Elternzeit auch wieder bei meinem alten Chef in Teilzeit angefangen. Es war auch so ein typischer "karriereüberstundenundellenbogen-Beruf". Dort arbeitet jeder Vollzeit, macht täglich Überstunden und lebt eigentlich nur für die Firma. Auch hatte ich eine einfache Fahrtzeit von ca. 45 Min. mit dem Auto.

Als ich nach der Elternzeit wieder anfangen wollte, gab es erstmal riesen Ärger, ich wollte Teilzeit mein Chef nur Vollzeit+die üblichen Überstunden. Letztendlich hab ich mich zwar durchgesetzt und in Teilzeit angefangen, aber glücklich bin ich nicht geworden. Ich war auch einen ganzen Tag außer Haus und habe nur 26 Stunden gearbeitet.

Fast täglich bin ich mit meiner Arbeit nicht fertig geworden, mußte Kolleginnen bitten, meine Arbeiten fertig zu machen. Das fanden natürlich auf Dauer meine Kolleginnen nicht toll, da sie zusätzlich zur ihrer Vollzeitarbeit und Überstunden noch Überstunden wegen meiner Arbeit machen mußten und ich bin eigentlich auch nicht der Typ, der sagt, ich muß jetzt gehen, wer und ob jemand meine Arbeit macht ist mir egal...Ich war immer in der Zwickmühle, Kind "abschieben" oder Arbeit vernachlässigen.

Nun habe ich gekündigt und fange in einer Woche in meiner Stadt bei einer Zeitarbeitsfirma an und hoffe natürlich so, dass ich mal fest übernommen werde. Letztendlich arbeite ich mehr Stunden, hab aber auch mehr Freizeit. Auch arbeiten bei der Firma, bei der ich eingesetzt werde, viele Teilzeit und ich hoffe, dass es dort nicht so krass mit Überstunden etc. abläuft, wie bei meiner alten Firma.

Auch hab ich die Erfahrung gemacht (ich hab mich direkt aus der Elternzeit immer wieder beworben und dann, nachdem ich ein halbes Jahr wieder bei meinem alten Arbeitgeber gearbeitet habe), dass wenn man erstmal wieder arbeitet, man deutlich mehr Chancen hat, einen Job zu bekommen als wenn man sich direkt aus der Elternzeit heraus bewirbt.

LG janamausi

Beitrag von ichbinwiederda 24.08.07 - 22:36 Uhr

Hi...also nicht unterkriegen lassen und Glück haben!

Glück ist wichtig. Ich hab einfach meine Chefin einmal angerufen und gefragt welche Chance ich hätte, ob e Sinn macht! Das war mein Glück.
Keine negativen Gedanken zulassen, einfach drauf los.

Hab ich auch gemacht. Hätte nie gedacht, das es klappt. War eeeewig aus meinem Beruf raus 15Jahre. Und es hat geklappt!
Und es geht. Hatte Angst davor aber Quatsch! Es geht, wenn man will, dann geht es plötzlich!

Echt. Kopf hoch! Di

Beitrag von manavgat 27.08.07 - 11:08 Uhr

Mutter sein und arbeiten geht.

Mutter sein (ohne Abstriche) und Karriere geht definitiv nicht.

Gruß

Manavgat

Merke: Du kannst den Kuchen entweder essen oder behalten. Beides geht nicht.