Meine 11 jährige hat kein Reueempfinden

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von aureliana 24.08.07 - 19:04 Uhr

hallo,

ich muss mal was loswerden. vielleicht geht es jemanden auch so wie mir. also meine tochter ist eigentlich ganz nett und mault auch nicht wenn man ihr sagt sie soll mal im haushalt helfen. aber wenn es um ihr zimmer geht dann muss man immer dabei sein, sonst macht sie nur die hälfte oder einen tag später. wenn man mit ihr schimpft weil sie was verbockt hat, kennt sie keine reue und vergisst das sofort und fragt ob sie raus kann oder so ähnlich. gestern zum beispiel wollte sie ne freundin mit heim bringen. ich sagte erst ja, geht. aber dann kam sie und meint sie ist erkältet. dann habe ich gesagt, das ihre freundin dann morgen nicht kommen soll. und heute, heute brachte sie die freundin mit heim. toll. jedenfalls sagte ich ihr, das das konsequenzen hat. später dann, als die freundin abgeholt wurde, ging meine tochter quietschvergnügt raus und spielte mit einer anderen freundin. sie ging ohne bescheid zu sagen.

und so ist das immer, man verbietet was, das wird nur halb ernst genommen und es wird noch eins drauf gesetzt.

weiß echt nicht mehr was ich machen soll. Stubenaresst oder Fernsehverbot oder sie mehr im Haushalt einspannen, nichts hilft. Nicht mal paar Tage hilft das. Ich habe das Gefühl sie sitzt nur die Strafe ab und wartet bis sie wieder raus kann. Teilweise vergisst sie schon warum sie eigentlich bestraft wird.

Versteh das echt nicht mehr. Soll man jeden Tag nur schimpfen? Sie gibt mir wirklich jeden Tag einen Grund zum Ausrasten.

Selbst wenn man mit ihr redet, sie genau fragt warum sie das macht. Da kommt nur, "habs nicht gehört" oder "hab ich vergessen" oder nur "uups". Aber mal entschuldigung oder das sie sagt es kommt nicht mehr vor, ne, sowas kommt nicht. Versteh nicht. Bei mir zu Hause als Kind hatten wir noch Respekt vor den Eltern.

Na gut, wills nicht zu lang machen. Vielleicht hat ja jemand nen Rat für mich.

Liebe Grüße
Aureliana

Beitrag von winni80 24.08.07 - 22:14 Uhr

Hallo

drehe den Spieß um..... Sie will doch bestimmt auch öfter was von dir.
Bekommt sie Tachengeld???
Dann wenn sie das nächste mal fragt, sagst Du ihr : "komme später nochmal, habe gerade zu tun" Kommt sie dann wieder und fragt ernneut: sagst Du "Uuuuups" Wieder wirst Du ihr sagen, dass sie wieder kommen soll. Fragt sie Dich erneut "Hab ich vergessen" das machst Du mal über 3 Tage. Gibst es ihr aber auch nicht mehr. Dann setze Dich mit ihr hin und ERKLÄRE ihr, warum ihr Verhalten indiskutabel ist. Sage ihr, wenn sie Die Regeln in zukunft missachtet, kann sie auch von Dir nichts verlangen.

Erkläre ihr, dass sie in Zukunft mit harten konsequenzen zu rechnen hat, wenn sie sovergesslich ist, oder es ihr egal ist was Du sagst.

Ich weiß ja nicht, wie kosequent Du bist? Ziehst Du auch alles durch, oder gibst Du schnell nach?

LG

Beitrag von fraz 25.08.07 - 09:20 Uhr

Hallo Aureliana

Ach, das kenn ich allzu gut! Das Gehirn einer Pupertierenden ist eine Baustelle, und da werden Informationen entweder anders aufgenommen als gesendet, werden gleich wieder "vergessen" oder kommen erst gar nicht an. Der FIlm " Die jungen Wilden" der BBC- Reihe erklärt diese Reaktion ausführlich. Somit empfindet deine Tochter keine Reue, weil sie gar nicht das Gefühl hat, etwas falsch gemacht zu haben!

Das heisst aber nicht, dass wir unsere Teenies einfach machen lassen!
Ich habe vieles SCHRIFTLICH mit meiner Tochter geregelt, da sie auch einfach alles wieder vergessen hat. Da hängt nun ein kleines Plakat in ihrem Zimmer, so kann sie sich jederzeit shclau darüber machen, was wir abgemacht haben.

Bei Überschreitungen ruhig, aber bestimmt zb. Freundin nach Hause schicken.
Wenn alles nichts hilft, gibts Taschengeldabzug. Wenns gut gelaufen ist, gibts auch mal eine Belohnung wie einen Film gucken am Abend mit uns. ( Findet sie im Moment noch das obercoolste: Wie lange wohl noch? ;-)

Alles in allem: Ruhig bleiben, auch wenns schwer fällt.

Alles GUte


Franziska


Beitrag von aureliana 25.08.07 - 14:48 Uhr

Hallo Ihr,

als Taschengeld bekommt sie schon lange nicht mehr, aufgrund ihres Verhaltens. Aber das scheint sie nicht zu stören, keine Strafe stört sie. Sie nimmt es hin und gut. Aber das mit dem "immer wieder verschieben wenn sie was will" werd ich mal machen, damit sie mal sieht wie es ist. Und dann erklär ich es ihr.

Konsequent bin ich eigentlich schon, ich bin dann auch nicht mehr so freundlich, also rede kaum mit ihr wenn sie mich verärgert hat, aber sie ist dann halt in ihrem Zimmer und beschäftigt sich halt dort alleine. Ich denke, dass hat sie von ihrem Vater. Der ist auch so fleckmatisch würd ich sagen, komm ich heut nicht, komm ich morgen. So gar nicht aus der Ruhe bringen lassen und so. Ich lebe aber mit ihm nicht mehr zusammen, nur mal zur Info. Aber sie errinnert mich voll an sein Verhalten, wahrscheinlich die Gene ;-) Den hat auch nie irgendwas gejuckt was man ihm vorgeworfen hat.

Meine Tochter diskutiert auch nicht mal mit mir, so dass man sich mal um diverse Sachen unterhält oder so. Nein, wenn ich sage was scheiße von ihr war oder so, nimmt sie das hin und geht und sagt nichts dazu. Sie rechtfertigt sich auch nicht mal oder so, sie ist voll ihm ähnlich, so war das damals mit ihrem Vater auch, mit dem konnte man sich nicht mal richtig streiten.

Naja, muss ich wohl durch, vielleicht gibt sich das wenn sie etwas älter wird. Hoffe es mal ;-)

Also danke euch schon mal für die Tipps.

Liebe Grüße
Aureliana

Beitrag von lassmichclonen 27.08.07 - 23:20 Uhr

Für uns Erwachsene ist es selbstverständlich das wir ohne Aufforderung "bitte, danke, tut mir leid..." sagen! Unsere Kinder müssen das erst lernen. Ich bin sicher, du lebst es ihr vor, sonst würde es dir auch nicht so viel ausmachen, das sie kein Unrechtempfinden hat. Trotzdem muss man ab und an mal ein klares Wort sprechen.

Wenn sie eine Freundin mitbringt, obwohl es nicht "genehmigt" war, müsstest du die Freundin eigentlich postwendend heimschicken- "tut mir leid, wir hatten was anderes ausgemacht...". Einfach rausgehen dürfte nicht passieren, wenn es bisher so gelaufen ist, würde ich aufpassen, ob sie einfach "entschwinden" will und sie stoppen oder es noch mal sagen!

Mein Sohn hatte auch lange Zeit kein Gefühl dafür, wann es passt und wann nicht- bis heute hat er ein schlechtes Timing für bestimmte Dinge! Aber inzwischen merkt er es oder akzeptiert es wenn ich sage: "frag mich später". Überrumpeln lasse ich mich schon lange nicht mehr, von wegen, keine Antwort ist auch ne Antwort und nen Freund mitbringen, nur weil ich ein HMMMM gemumelt hatte. Ich sage dann aber auch vor dem Freund das es so nicht geht und habe den ein oder anderen schon weggeschickt!! Muss man gar nicht so oft machen, denn auch er hat dann gelernt, das es so nicht funktioniert. Ansonsten haben wir immer wieder darüber gesprochen- was geht und was nicht. Ohne ein "darf ich raus" geht es eben nicht. Er ist jetzt 15 und aus lauter Gewohnheit sagt er immer noch bescheid, wann er wohin geht, mit wem und warum.. so auf die Art. Die Informationen werden zwar immer knapper: "Tom, 15 Uhr, Fußball bis 18 Uhr, Tschö" aber ich weis wo er steckt und wann er kommt.

Sie wird noch lange eine andere Wahrnehmung haben und es belastet sie sicher nicht so sehr, wie es dich belastet, darauf würde ich auch nicht rumreiten. Sie entwickelt sich noch, dazu gehört auch, zu sagen, zu zeigen, zuzugeben, wenn man im unrecht ist.

Lass dich nicht davon runterziehen und hör auf zu zweifeln. Kläre mit ihr was geht und was passiert, wenn sie sich nicht daran hält und mach das dann auch.

Ein Mutter hat mir echt imponiert, die meinen Sohn heimschickte, nachts um 21 Uhr, weil ihr Sohn sich aufführte wie King Kotz!!! Das geht nicht, die Konsequenz war sofort da, sie hätte ihn mir auch noch später heimgeschickt oder gebracht. Das Theater hat ihr Sohn so schnell nicht mehr gemacht- Lektion verstanden!!!

Beitrag von lily76 28.08.07 - 20:05 Uhr

Hallo Aureliana,

wenn ich mir Dein Posting so durchlese, fällt mir auf, dass Du sehr viel Kritik an Deiner Tochter übst und gar nichts Positives über sie sagst.
Ich kenne Dich und Deine Familie nicht, aber kann es sein, dass es im Alltag mit Deiner Tochter ähnlich ist? Sie hat im Moment eine Phase, in der sie Dir sehr auf die Nerven geht - das kommt ja mal vor, ist auch ganz normal. Kann es sein, dass Du im Moment deshalb nur noch kritisch ihr gegenüber bist? Dass Du nur noch schimpfst, strafst, meckerst, und dabei vergisst, sie auch ab und zu mal zu loben? Ihr mal zu sagen, dass Du sie lieb hast?
Versteh mich nicht falsch, das soll keine Kritik sein, ich frage Dich das ganz ehrlich, weil es ja gut sein kann, dass man in all dem Stress das Positive manchmal aus den Augen verliert.

Es könnte gut sein, dass Deine Tochter bei dieser Häufung von negativem Feedback dicht macht. Sie will es einfach nicht mehr hören, es ist ihr zu viel. Wer die ganze Zeit zu hören bekommt, was er alles falsch macht, wird irgendwann taub für Kritik und zieht sich entweder zurück oder wird rebellisch.
Wichtig ist auch: Wie formulierst Du Deine Kritik? Sind es eher Schuldzuweisungen, oder versuchst Du, Deiner Tochter zu erklären, wie ihr Verhalten auf DICH wirkt? Das könnte einen ziemlichen Unterschied machen.

Ein Satz, den Du schreibst, macht mich auch nachdenklich: "Bei mir zu Hause als Kind hatten wir noch Respekt vor den Eltern?" Wie definierst Du Respekt? Hier wurde in einem anderen Thread mal gesagt: "Respekt ist keine Einbahnstraße." Respekt kann ich nur einfordern, wenn ich mein Gegenüber respektvoll behandle. Hast Du Respekt vor Deiner Tochter? Kannst Du ihr gegenüber auch Fehler eingestehen?

Wie gesagt, ich möchte Dir nicht unterstellen, dass Du all das nicht tust. Es sind lediglich Gedanken, die mir beim Lesen kamen und die es vielleicht wert sind, mal überdacht zu werden.

LG Lily