Meine Freundin hatte 2 FG und ich wusste von nichts

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von hopsi2005 25.08.07 - 00:26 Uhr

Meine beste Freundin war die erste aus meinem Freundeskreis, die schwanger wurde. Da sie auch gelernte Erzieherin ist und ihren Freund auch nach kurzer Zeit geheiratet hat, war es uns allen klar, dass das erste Kind nicht auf sich warten lässt.
2003 wurde sie schwanger und hat mir, ihrer besten Freundin seit fast 20 Jahren, 4 Monate lang nichts davon erzählt. Sie hat damals was von Aberglaube gesagt. Ich habe schon gemerkt, dass sie irgendwie komisch war, aber sie hat mich eisern angelogen. Die SS war ganz normal und das Kind kam gesund zur Welt.

Als meine Tochter auf die Welt kam, habe ich meiner besten Freundin tausend Fragen gestellt und habe sie dauernd angerufen. Sie hat mir alles geduldig beantwortet. Nach einigen Monaten rief sie mich plötzlich an und teilte mit, dass sie eine Fehlgeburt hatte und wo sie schon mal dabei war, erzählte sie auch, dass es schon die zweite war. Die erste war ziemlich kurz nach ihrer Hochzeit, die zweite kurz nach der Geburt meiner Tochter. Ich bin aus allen Wolken gefallen. Und ich kam mir so blöd vor. Fieberhaft habe ich überlegt, was ich so alles erzählt habe und wie sehr sie das verletzt haben musste. ich habe sooo geweint, tagelang.

Im letzten Jahr dann fingen meine Freundinnen wieder das übliche Thema: Wann ist wohl das zweite dran, wer wird wohl als nächstes schwanger? Da bin ich total sauer geworden und habe gesagt, die sollen meine Freundin (die nicht dabei war) gefälligst nicht mit solchen Fragen belästigen. In meiner Wut habe ich dann gesagt: Die hat zwei Kinder verloren, lasst sie bloß in Frieden! Dummerweise hatten die anderen auch keine Ahnung davon.

Nun musste ich sie anrufen und ihr beichten, dass ich es in meiner Wut ausgeplaudert habe. Da sagt sie nur, das ist jetzt alles nicht mehr so wichtig. Sie war schon wieder im fast 5. Monat schwanger und ich hatte schon wieder nicht die geringste Ahnung. Dieses Kind ist mittlerweile auch gesund zur Welt gekommen.

Ja, ich weiß, ist ein bisschen viel zu lesen, aber ich schreibe es in dieses Forum, weil es auch für nicht direkt Betroffene total schwer ist, damit umzugehen. Es ist vielleicht hart, aber ich finde es grausam, dass sie nicht mit mir redet. Dass sie alles mit sich selbst ausmacht. Dass sie mich nicht einweiht.

Ich bin total hilflos. Sie spricht schon davon, dass sie vielleicht noch ein drittes Kind möchte. Wenn sie sich länger nicht meldet, befürchte ich sofort wieder, dass etwas passiert ist.

Beitrag von hera23 25.08.07 - 08:21 Uhr

Ich hatte bereits 3 FG und kann nur sagen, dass ich seitdem doch eigen geworden bin! Für mich ist es nicht leicht, darüber zu sprechen! (wohl für die wenigstens...)

Ich würde Ihr an deiner Stelle einfach Zeit lassen und sie nicht mit Fragen bombatieren.... wenn sie darüber sprechen möchte, wird sie von sich aus kommen!!
Aber nach FG bleibt leider immer die Angst vor einer erneuten, und vielleicht will sie erst auf nummer sicher gehen, bevor sie es herumerzählt.

Bin nach einer FG im Mai nun in der 6+3 und habe es noch nicht mal meinem Mann erzählt...

Alles gute
Hera

Beitrag von hopsi2005 25.08.07 - 15:38 Uhr

Nee, ich habe sie auch nicht gefragt. Als sie es mir erzählt hat, war ich viel zu sehr unter Schock. Da habe ich nur zugehört. Das einzige, was ich gesagt habe, ist, dass sie jetzt nicht auf die Idee kommen sollte, auf Teufel komm raus wieder schwanger zu werden. Und dass sie über der Trauer um das Kind ihr anderes Kind nicht vergessen darf. Ich denke ja mal, die Kinder kriegen sowas mit, wenn die Eltern auf einmal so traurig sind, und sind dann sehr verunsichert.
Ich glaube, das hat ihr ganz gutgetan, denn ihre Tochter ist ja soo ein Sonnenschein, dass es eine wahre Freude ist. Auch wenn die Kleine da voll in der Trotzphase war, hat meine Freundin in dem Moment begriffen, wieviel Glück sie mit ihrer Tochter hat.

Beitrag von sternchengucker 26.08.07 - 14:18 Uhr

"Da habe ich nur zugehört. Das einzige, was ich gesagt habe, ist, dass sie jetzt nicht auf die Idee kommen sollte, auf Teufel komm raus wieder schwanger zu werden. Und dass sie über der Trauer um das Kind ihr anderes Kind nicht vergessen darf."

Na,ob das der richtige Rat war?!
Ich kann deine Freundin und ihre Verschwiegenheit schon irgendwie verstehen.Es ist einfach oft so,dass Nichtbetroffene die Gefühle die man nach einer FG durchmacht nicht richtig verstehen können.
Konnte ich auch nicht,bis ich es selbst erleben musste.
Wichtig ist es KEINE Ratschläge zu geben,weil man es einfach als Unerfahrene nicht kann,sondern einfach nur zuhören.
Wenn deine Freundin im Übrigen ihre Trauer mit sich selbst ausmachen will ist,ist das ein durchaus legitimer Weg,weil es für sie das Beste ist.Ich hab bei dir ein bisschen das Gefühl,dass du eher gekränkt bist,dass sie dir nicht zeitig genug von den FG und den SS erzählt hat.Korregiere mich,wenn ich mich täusche.
LG,Anja mit fünf Knirpsen,einem kleinem Kerl inside 38.SSW und vier #stern

Beitrag von hopsi2005 27.08.07 - 23:22 Uhr

Nee, es ist nur, weil wir doch sonst immer über alles reden... So kannte ich sie vorher gar nicht.
Und das mit der anderen Tochter habe ich daher gesagt, weil ich weiß, wie es ist, wenn man als "gesundes" bzw. normales Kind nebenher laufen muss, während sich die Eltern permanent Sorgen um das andere machen. Und da meine Freundin das weiß, hat sie es wohl auch richtig verstanden, denke ich. Wir sind ja zusammen groß geworden.
Ich will mir nicht anmaßen, dass ich behaupte, sie zu verstehen.

Beitrag von bunny2204 25.08.07 - 09:18 Uhr

Jede Frau ist anders...

ich habe meinen zweiten Sohn tot geboren, ein halbes Jahr spöäter hatte ich eine FG in der 6. SSW....ich hab immer drüber gesprochen.

Es gibt andere die Sagen nichts, auch wegen der Reaktion der Umwelt.

Eine gute Freundin hat am Sonntag ihren Sohn in der 34. SSW tot geboren. Wir haben ganz lang drüber gesprochen.

Es ist auch viel einfahcer mit jemanden zu sprechen, der weiss was in einem vorgeht.

Überlass es deiner Freundin wie sie damit umgeht. Du kannst trotzdem offen über Familienplanung reden, das tue ich auch.

LG BUNNY #hasi

Beitrag von hopsi2005 25.08.07 - 15:22 Uhr

Ja, weißt du, ich fühle mich einfach soo schuldig, weil ich sie die ganze Zeit mit meinem Baby vollgelabert habe.
Ich hatte nämlich selbst so ein kleines Problem, ich hatte nämlich die fixe Idee, dass mein Kind sterben könnte. Aber das hat was mit dem Tod meines Vaters zu tun, der war nämlich von einem Tag auf den anderen gestorben und ich hatte keine Zeit mehr, mich zu verabschieden und weiß bis heute nicht, wo er begraben ist. Ist ne lange Geschichte...
Als meine Tochter 1 Woche zuhause war, bekam ich einen Anfall, weil ich dachte, dass mein Kind erfriert (geb. Ende Dez.). Ich bin total durchgedreht. Mein Mann hat das nicht verstanden, wir haben ja ein Thermostat und die Temperatur war konstant auf 30 Grad.

Über solche Sachen habe ich dann mit meiner Freundin gesprochen, denn ich hab mich selbst nicht mehr verstanden. Sie hat mich immer wieder aufgebaut und dabei hatte ich gar nichts zu befürchten. Mein Kind war kerngesund.

Wie kann sie das ertragen, sich sowas anzuhören, wenn sie selbst zwei Kinder verloren hat? Warum hat sie mir nicht einfach gesagt, dass ich die Klappe halten soll?

Beitrag von bunny2204 25.08.07 - 19:57 Uhr

vielleihct weil sie das nicht gestört hat?

das Leben geht weiter, auch wenn man ein Baby verliert. Und trotzdem versteht man, dass andere menschen auch Sorgen haben...

Lg Bunny #hasi

Beitrag von pearly75 25.08.07 - 15:23 Uhr

Ich hatte vor einiger Zeit auch eine Fehlgeburt und habe es meiner besten Freundin auch noch nicht erzählt. Ich weiß auch gar nicht, ob ich es überhaupt erzählen möchte. Das hat aber gar nichts mit ihr zu tun. Es tut einfach unglaublich weh, darüber zu sprechen. Es war für mich schon schwer genug, es meinen Eltern zu sagen. Es ist auch irgendwie immer schwer zu meinen Eltern zu fahren, wenn ich genau weiß, dass das Thema FG wieder angesprochen wird. Auch wenn ich weiß, dass sie sich nur Sorgen machen und es gut meinen.

Momentan finde ich es, wenn ich ehrlich sein soll, sogar ganz gut dass meine Freundin nichts von der Sache weiß. Wenn ich mit ihr zusammen bin, kann ich mir sicher sein, dass die FG nicht zum Thema wird. Das ist irgendwie erleichternd und ich kann zumindest für eine kurze Zeit versuchen, nicht daran zu denken. Sie ist quasi in dieser Situation eine Art von Ruhepol für mich, oder wie man das auch nennen mag.

Naja, jedenfalls wird da jede Frau anders reagieren. Jeder verarbeitet so ein Erlebnis anders und das muss man akzeptieren. Und wenn deine Freundin über dieses Thema nicht sprechen möchte, hat das bestimmt nichts mit dir zu tun. Als beste Freundin solltest du einfach versuchen für sie da zu sein, wenn sie dich braucht.

Mach dich nicht so verrückt ;-)
lg Pearly