Verhütung nach Geburt?

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Forum: Verhütung

Pille, Kondom oder doch Spirale? Im Laufe der Jahre probieren die meisten Frauen verschiedene Methoden der Verhütung aus. Da tauchen eine Menge Fragen auf, für die hier der Raum ist. Übrigens: Medikamente und Verhütungsmittel dürfen bei uns nicht weitergegeben werden.

Beitrag von rotihex 27.08.07 - 10:04 Uhr

Hallo liebe Urbianer,

am letzten Montag war ich zur Nachsorge bei meiner FÄ und hab sie zur Verhütung nach der Geburt angesprochen. Sie meinte sie gebe mir die Cerazette mit, da ich stille und das die "kurzfristigste" Methode wäre (man will ja schließlich in absehbarer Zeit noch ein Kind ;-)).
Nun hab ich seitdem Ausfluß #hicks und ziemlich starken Juckreiz und Rötung im Intimbereich. Das ist echt die Hölle!!! #heul

Da ich früher schon schlechte Erfahrung mit der Pille gemacht habe (ständige Blutungen) und sie deshalb auch schon vor 4 Jahren abgesetzt hatte, wollte ich euch mal fragen, wie ihr so verhütet, wie ihr damit zurecht kommt und wie zufrieden ihr mit eurer Methode seid? Was könnt ihr mir empfehlen?

#danke
rotihex & Paul (*25.06.07)

Beitrag von karbolmaeuschen 28.08.07 - 14:24 Uhr

Liebe rotihex!

Es gibt eine Menge Verhütungsmöglichkeiten wenn Du stillst!

1) Mechanisch

Kondome sind ein geeignetes Verhütungsmittel während der Stillzeit - auch wenn es für einige ungewohnt sein mag. Sie lassen sich sofort nach der Geburt anwenden und haben auch keinen Einfluss auf die Muttermilch.

Nach der Wochenbettphase eignen sich auch andere Barrieremethoden, beispielsweise Diaphragma, Portiokappe oder das Lea Contrazeptivum. Frauen, die schon vor der Geburt ein Diaphragma verwendet haben, sollten es neu anpassen lassen, weil sich die Größe ändern kann. Die Kontrolluntersuchung sechs Wochen nach der Geburt ist ein geeigneter Zeitpunkt dafür.

Viele Frauen lassen sich sechs Wochen nach der Geburt eine Spirale einsetzen.

2) Hormonell

Manchen Frauen ist der Gedanke an einen Fremdkörper in Scheide und Gebärmutter unangenehm. Reine Gestagenpräparate ohne Östrogen sind eine Alternative. Im Gegensatz zu den Kombinationspillen beeinflussen östrogenfreie Präparate weder Fluss noch Qualität der Milch. Es konnte auch gezeigt werden, dass Gestagene keine Auswirkungen auf das Wachstum des Kindes haben.

Zu den reinen Gestagenpräparaten zählen neue Minipille, Minipille, Dreimonatsspritze, Verhütungsstäbchen und Hormonspirale. Im Vergleich zu herkömmlichen Spiralen treten weniger Blutungsstörungen auf. Der Vorteil gegenüber oral zugeführten Pillen oder Depotpräparaten in Spritzenform ist, dass die Hormonspiegel gleichmäßig niedrig liegen.

3) Natürlich

Natürliche Verhütungsmethoden wie die Temperaturmessung sind in der Stillzeit nicht unbedingt sicher. Bei den meisten Frauen gerät der Schlafrhythmus so weit durcheinander, dass die Aussagekraft der morgendlichen Aufwachtemperatur viel zu gering ist. Ohnehin sind Verhütungsmethoden, die an Regelmäßigkeit gebunden sind und Selbstdisziplin erfordern, in dieser Zeit schwer durchzuhalten - Stillen, Zuwendung für das Kind und die familiäre Neuorientierung erfordern nämlich einen ziemlichen Kraftakt.

Das Stillen bietet einen guten Schutz vor einer erneuten Schwangerschaft. Es müssen hierbei aber einige "Regeln beachtet werden:
LAM (Laktationsamenorrhö-Methode) gilt als sichere Methode, wenn die Frau ab dem 56. Tag nach der Geburt noch keine Periode hatte und die Geburt nicht länger als 6 Monate zurückliegt. Es muss tagsüber mindestens alle 4 Stunden gestillt werden und nachts darf der Stillabstand nicht größer als 6 Stunden sein.

Bei Studien wurde eine Sicherheit von mehr als 98% festgestellt (Pearl Index 2), wenn die oben genannten Kriterien zutreffen.

4) Sterilisation

Manche Paare sind sich nach der Geburt sicher, dass die Familienplanung abgeschlossen ist und keine weiteren Schwangerschaften folgen sollen. In diesem Fall kann sich einer der Partner sterilisieren lassen. Bei Männern lässt sich der Eingriff ambulant und in Lokalanästhesie durchführen, Frauen brauchen dagegen eine Vollnarkose, weil die Eileiterdurchgängigkeit per Bauchspiegelung unterbrochen wird.

Eine Sterilisation ist auch direkt nach einer Geburt möglich. Durch einen kleinen Schnitt am Bauchnabel werden die Eileiter größtenteils entfernt. Sollte ein Kaiserschnitt geplant sein, lässt sich die Sterilisation auch während des Eingriffs durchführen. In diesem Fall sollten Sie Ihren Arzt unbedingt schon zu Beginn der Schwangerschaft informieren.

(Artikel von Dr. med. Katharina Larisch)

Über die Sicherheit der NFP gibt es jetzt eine Langzeitstudie der Universitätsklinik Heidelberg wo der Pearl Index der NFP zwischen 0,4-0,6 liegt. Das ist besser als die Pille, die bei 0,6- 0.8 liegt.

Es gab es im Februar einen artikel in der "Welt"
http://www.welt.de/wissenschaft/article728068/Natu...le.html


Habe selbst voll gestillt und während der Stillzeit mit LAM und der Zervixschleimmethode verhütet, die ich auch schon vor der SS angewendet habe.

Siehe:
http://de.wikipedia.org/wiki/Lactational_Amenorrhea_Method

Gruß Silke
exam. Krankenschwester

Beitrag von rotihex 30.08.07 - 14:18 Uhr

Hallo karbolmaeuschen,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Da gibts ja doch einige Möglichkeiten.
Morgen habe ich wieder einen Termin bei meiner FÄ, da werden wir uns dann mal über o.g. Methoden unterhalten.

LG
rotihex