Erste Anlaufstelle bei bevorstehender Trennung? Leider lang

Archiv des urbia-Forums Trennung.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Trennung

Sorgerecht, Umgangsrecht, Unterhaltszahlung ... ? Wenn sich ein Paar zu einer Trennung entschließt, ergeben sich für jedes Elternteil ganz neue Fragen an die eigene Lebensplanung.

Beitrag von accent 27.08.07 - 10:11 Uhr

Hallo,
heute morgen rief mich eine Freundin an: Ihr Mann will die Trennung, er fühlt sich durch die Ehe eingeengt und möchte seine Freiheit wieder. Meine Freundin war verständlicherweise total durch den Wind, obwohl die Trennung irgendwie schon länger in der Luft lag. Sie hat eine zehnjährige Tochter, ihre Mutter lebt von ALG2, kann sie also finanziell absolut nicht unterstützen. Sonstige Angehörige gibt es nicht, da sie nicht in Deutschland geboren ist. Ihr Mann ist selbstständig; die Geschäfte laufen nicht gut. Er will ausziehen und sie soll im gemieteten Haus bleiben, was sie sich natürlich nicht leisten kann.
Ich würde ihr gerne helfen, aber wie? Was ist in so einem Fall die erste Anlaufstelle? Das Wohnungsamt oder das Sozialamt? Bekommt sie denn überhaupt in der Trennungsphase schon irgendwelche Unterstützung? Von ihrem Mann wird sie wohl nur die Mindestunterstützung bekommen, wenn überhaupt, da er zur Zeit um seine Existenz kämpft. Ich fürchte auch, dass es für sie mit einem Job sehr schlecht ausschaut, da sie die deutsche Sprache immer noch nicht so richtig beherrscht und weil sie keine eigentliche Ausbildung hat, nur ein ausländisches Abitur.
Ich hoffe, dass ich hier Tipps bekomme, wie meine Freundin step-by-step die Trennung durchziehen kann und nicht mit ihrem Kind unter der Brücke landet.
Wir wohnen übrigens sehr ländlich; hier ist alles vermutlich schwieriger als in der Großstadt.
Ich bedanke mich für Tipps
Eine ziemlich geknickte und traurige
Linda

Beitrag von nele0511 27.08.07 - 15:43 Uhr

Hallo, Linda,

meine Scheidung ist schon über zehn Jahre her, aber ich denke doch, dass in Deutschland niemand unter der Brücke schlafen muss wegen einer Trennung. Das ist leichthin gesagt, das weiß ich, aber mit einer Freundin wie dir, die helfen will, kann es auch gut gehen, wenn die Trennungswillige noch nicht so gut Deutsch spricht.

Wurde die Ehe nach deutschem Recht geschlossen? Wenn nicht, würde ich es bei der jeweiligen Botschaft erstmal per Telefon versuchen und mir dort Rat einholen (da kann sie ja auch in ihrer Muttersprache sprechen und die Sache ordentlich erklären).
Ansonsten bekommt sie für die Tochter auf jeden Fall Unterhalt, wenn nicht von ihrem Mann, dann zumindest Unterhaltsvorschuss für zwei Jahre von der Stadt/Gemeinde, in der sie gemeldet ist.
Ich habe nicht herausgelesen, ob sie arbeitet. Wenn nicht, dann kann sie selbst evtl. auch Unterhalt bekommen, wobei es bei Selbständigen schwierig ist nachzuweisen, was einem zusteht.
Sie sollte sich auf jeden Fall einen Anwalt suchen. Hat man kein eigenes Einkommen, kann man über den Anwalt Prozesskostenhilfe beantragen. Vielleicht kannst du ihr da mit helfen.

Ich hoffe, ich konnte dir/euch damit ein bisschen helfen und die brennendsten Fragen beantworten.

Liebe Grüße

Nele

Beitrag von accent 27.08.07 - 17:25 Uhr

Hallo, nele,
ganz lieben Dank für Deine ausführlichen Infos. Meine Freundin war heute Vormittag mit ihrer Tochter kurz da und ist jetzt vorübergehend zu einer anderen Freundin gezogen. Ich werde ihr auf alle Fälle das mit dem Anwalt und der Prozeßkostenhilfe sagen. Das ist schon mal sehr viel wert, der Anwalt kann sie dann über die weiteren Schritte informieren.
Nochmals Danke und Grüße
Linda